Werte

English

Um über Werte in einer Gesellschaft reden zu können, müssen wir zuerst die Bedeutung von „Gesellschaft“ definieren. Definition: Eine Gesellschaft repräsentiert eine Gruppe von Individuen, die miteinander in Verbindung stehen. Da jeder Mensch direkt oder indirekt mit jedem anderen Menschen auf der Erde in Verbindung steht, ist ein jeder Mensch Teil der globalen Gesellschaft (→ Grundlegende Verständnisse). [1]
Frage: Was ist das Ziel einer Gesellschaft? Warum sollten Menschen daran interessiert sein, sich zusammenzuschließen, um miteinander in Verbindung zu stehen?
Jeder Mensch hat Bedürfnisse [2]. Eine Gruppe von Menschen könnte in der Lage sein, diese Bedürfnisse effektiver zu befriedigen als ein einzelner Mensch allein es kann. Aus diesem grundlegenden Verständnis heraus schlussfolgern wir, dass der Zweck einer jeden Gesellschaft die Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder ist. Folglich sollte ein Wert unserer globalen Gesellschaft wie folgt lauten:

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„Die globale Gesellschaft ist bestrebt,
die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen.“
[3]

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Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Freiheitsradius eines jeden Menschen so weit wie möglich ausgedehnt werden, ohne den Freiheitsradius eines anderen Menschen zu begrenzen. Ein einzelner Mensch muss in der Lage sein, sich frei entfalten zu können, ohne irgendein anderes Mitglied der Gesellschaft in seiner Freiheit zu beschneiden.
Zur Ausdehnung des Freiheitsradius muss es einer Gesellschaft gelingen, durch effektive Kommunikation und Organisation folgende Beziehung zwischen den einzelnen Mitgliedern zu ermöglichen:

„Dein Vorteil ergibt sich aus meinem Vorteil,
der sich wiederum aus deinem Vorteil ergibt.“

Um sich ein besseres Bild davon machen zu können, wie wir diesen Wert verstehen, veranschaulichen wir diese Wechselbeziehung in den folgenden Beispielen:

  • Der Anreiz andere aufgrund von Hunger zu verletzen, um Nahrungsmittel zu stehlen, sinkt dramatisch, wenn jeder satt ist.
  • Ich kann meine Untersuchungen auf deine Untersuchungen stützen. Je besser die Bedingungen für deine Forschungsarbeiten waren, desto besser könnten meine Forschungsergebnisse ausfallen. Auf diesem Wege könnte ich zu Erkenntnissen gelangen, die dir wiederum beim Lösen deiner Probleme helfen.
  • Eine Technikerin, die auf einer Ölbohrinsel arbeitet, kann sich, unter optimalen Arbeitsbedingungen, voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren. Das verringert die Wahrscheinlichkeit für Ölhavarien. Ein nicht-verschmutzter Ozean ermöglicht es einem Fischer, gesunden und nahrhaften Fisch anzubieten – jedem Menschen und folglich auch der Familie der Technikerin.
  • Meine Lebensqualität ist höher, wenn du eine gute Bildung erfährst, da du somit interessante Ideen für deinen eigenen Nutzen, und somit den Nutzen eines jeden anderen umsetzen kannst.
  • Ich kann dir zur Seite stehen, um dich zu trösten, wenn du harten Zeiten entgegen siehst, falls meine Lebensumstände es mir gestatten, mir Zeit für dich zu nehmen.

Modellgesellschaft

Das obige Schema veranschaulicht eine Organisationsform, die wir als Modellgesellschaft bezeichnen würden. Es zeigt zwei Individuen. Diese Individuen haben individuelle Ziele. Beide leben innerhalb der Gesellschaft. Folglich führen ihre Wege durch die Gesellschaft hindurch, falls die Gesellschaft sie bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützt (z.B. bei der Aneignung von Wissen, beim Erlangen von Nahrung, Wasser, Energie, Kommunikationsmitteln, usw.).
Je besser die Gesellschaft das Individuum unterstützt, desto besser und schneller könnte das einzelne Individuum ihr bzw. sein persönliches Ziel erreichen. Auf dem Weg zum Ziel trägt das Individuum aktiv durch die Entwicklung von Ideen, Methoden, Verständnissen und technischen Lösungen zur Gesellschaft bei. Gleichzeitig trägt das Individuum bei, indem es anderen dabei hilft zu verstehen, zu entwickeln, zu kreieren, zu üben, oder indem es andere Menschen passiv zur Gestaltung von Kunst, Musik, Poesie oder anderen Formen des Ausdrucks inspiriert (→ Bildung). Dabei kann nie allgemeingültig festgelegt sein, was ein wertvoller Beitrag ist und was kein wertvoller Beitrag ist. Sogar das scheinbar bedeutungsloseste Detail kann einen Beitrag darstellen, der einem anderen Individuum in dessen Bestreben nach persönlicher Zufriedenheit hilfreich sein kann.
Sollte die Gesellschaft zufriedenstellende Unterstützung gewährleisten, gibt es wenige Gründe für destruktive Beiträge, weil das Individuum seinem persönlichen Ziel folgen kann (→ Menschliches Verhalten). Das heißt, dass die Mehrheit der Beiträge konstruktiv ist und somit nahezu alle Beiträge anderen Mitgliedern als Grundlage zur Realisierung der persönlichen Ziele hilfreich sein können. Dies ist unser Verständnis vom Ideal einer funktionierenden Gesellschaft.
Die Artikel „Die Wissenschaftliche Denkweise“, „Technologie“ und „Umgang mit Ressourcenknappheit“ geben eine Vorstellung davon, auf welche Art und Weise wir einer solchen Gesellschaft näher kommen könnten.

Um ein Gesellschaftssystem zu ermöglichen, welches sich so nah wie möglich an dieses Ideal anlehnt, müssen sich unserer Ansicht nach folgende Werte in der globalen Gesellschaft etablieren:

„Das Wohlbefinden anderer ist so wichtig
wie mein eigenes Wohlbefinden.“

Mein Wohlbefinden ist stark mit dem Wohlbefinden anderer verknüpft. Gibt es Menschen in meiner Umgebung, die andere gewaltsam ausrauben, könnte auch ich ein Opfer von Kriminalität werden. Es könnte sein, dass diese Menschen deshalb andere ausrauben, weil sie nicht ausreichend Zugriff auf Güter und Dienstleistungen haben. Das könnten Güter wie z.B. Nahrungsmittel sein. Folglich hängen meine Sicherheit und mein persönlicher Frieden sehr stark vom Wohlbefinden meiner Mitmenschen ab.
Sich zu ernähren ist ein menschliches Bedürfnis. Und genauso wie Nahrungsmittel werden Güter und Dienstleistungen zur Befriedigung von Bedürfnissen bereitgestellt. Unter diesem Gesichtspunkt glauben wir auf der sicheren Seite zu sein, wenn wir sagen, dass Menschen andere Menschen oft deshalb ausrauben, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen bzw. ihre Träume und Vorstellungen umzusetzen. Deshalb sollten wir an einer Gesellschaft interessiert sein, die sich um die individuellen Bedürfnisse aller Menschen kümmert.

„Die Ressourcen der Erde sind das gemeinsame Erbe
aller Menschen dieser Welt.“

Die Ressourcen der Erde sind nur begrenzt verfügbar. Wir Menschen benötigen diese Ressourcen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Alle Menschen haben Bedürfnisse. Einige dieser Bedürfnisse teilen wir mit anderen, einige nicht. Diese Welt ist eine Welt. Nur wenn wir die Ressourcen der Erde verantwortungsvoll nutzen, können wir ein friedliches und angenehmes Leben auf diesem Planeten ermöglichen. Angewandt auf geistige Ressourcen bedeutet es, keine künstlichen Barrieren zu errichten, um den Austausch von Informationen nicht zu erschweren. Es bedeutet außerdem, existierende Ideen und Vorschläge nicht zu ignorieren, sondern in Betracht zu ziehen, um Lösungen für Konflikte zu finden, mit denen wir konfrontiert werden.

„Es ist nicht wichtig schnell Entscheidungen zu treffen,
es ist wichtig nachhaltige Lösungen zu finden.“

Entscheidungen zu treffen, bedeutet nach unserer Ansicht,  Umstände eines Problems als gegeben zu akzeptieren. Entweder sind diese Umstände nicht untersucht, sie können aus den momentanen Verständnissen heraus nicht geändert werden oder es gibt nicht ausreichend Zeit dafür. „Lösungsfindung“ bedeutet das Problem in seiner Ganzheit mit allen, einhergehenden Wechselbeziehungen zu betrachten. Es bedeutet alle Hintergründe möglichst umfangreich zu hinterfragen, um das Problem zu lösen. „Lösungsfindung“ bedeutet jegliches, verfügbares Verständnis und jede Expertise in Betracht zu ziehen. Weiterhin bedeutet es mit so vielen, involvierten Menschen wie möglich zu sprechen, um die gesamte Problemkomplexität herauszuarbeiten. Dieses Vorgehen erhöht die Chance eine Lösung zu entwickeln, die den Bedürfnissen eines jeden gerecht wird.
Ein Beispiel: Ich leide unter Kopfschmerzen und suche einen Arzt auf. Der Arzt bietet mir an Kopfschmerztabletten einzunehmen oder eine Kur zu machen. Beide Möglichkeiten könnten mir für eine mittelfristige Zeit gut bekommen. Dennoch können meine Kopfschmerzen Folge von sozialem Druck oder emotionalem Stress im Job sein. Eventuell habe ich eine negative Einstellung mir selbst oder dem Rest der Welt gegenüber. Oder ich bin nicht in der Lage meine Zeit effizient einzuteilen. Vielleicht habe ich Probleme mit Freunden oder meiner Familie, ohne mir im Klaren darüber zu sein. Auf lange Sicht ist es nötig die Komplexität des Problems in seiner Ganzheit zu verstehen, um eine nachhaltige Lösung zu entwickeln.

„Es ist leichter, zu lernen mit Veränderung umzugehen,
als sie zu fürchten.“

Alles ist ständig im Wandel. Die Jahreszeiten wechseln. Die Zellen unseres Körpers erneuern sich stetig. Die Umgebung, in der wir leben ändert sich. Während der Lebenszeit entwickelt und formt sich der Charakter eines Menschen, und folglich ist die Gesellschaft in stetigem Wandel.
Das heißt Furcht vor Veränderung kann nicht gesund sein. In unseren Augen, kann es hilfreich sein Veränderungen und ihre Gründe zu verstehen, um in der Lage zu sein, negative Veränderungen zu vermeiden und positive Veränderungen zu begünstigen.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Beobachtet man die globale Politik, die globale Presseberichterstattung und die globale Wirtschaft, dann scheint es nicht so, dass sich die globale Gesellschaft ihrer selbst bewusst ist. Wir denken in „Nationen“ und „Unternehmen“. Somit sind die oben beschriebenen Werte weder verbreitet noch werden sie bewusst von der Gesellschaft angestrebt. Genauer gesagt ist heutzutage jeder Mensch weit davon entfernt, optimale Unterstützung seitens der Gesellschaft zu erfahren. Jeder muss sich um die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse kümmern, egal ob direkt oder ob indirekt über den „Verdienst von Geld“. „Nationen“ und „Unternehmen“ konkurrieren miteinander um „Marktanteile“. Wir, Individuen, konkurrieren miteinander um zufriedenstellende „Jobs“. Wenn ich viel „Geld“ habe, kann es sein, dass du nicht eine einzige Münze hast. Offensichtlich basiert mein Vorteil weitestgehend auf deinem Nachteil.
Sogar Menschen, die Zugriff auf viel „Geld“ haben, können sich nicht frei auf dem Planeten bewegen, solange er aufgrund von Gewaltkonflikten mit Gefahren gepflastert ist. Des weiteren müssen alle Menschen ständig den Erhalt ihres „Wohlstandes“ sicherstellen. Und letztendlich  werden alle Menschen unter den Folgen des Klimawandels und den Folgen von Umweltverschmutzungen leiden, die die Qualität von Nahrungsmitteln, Wasser und Atemluft negativ beeinflussen.
Stellen wir uns eine Welt vor, in der kein Bewusstsein über die Vorteile einer Gesellschaft existieren. Genauer: Stellen wir uns eine Welt vor, in der sich jeder Einzelne ausschließlich aus eigener Kraft um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse kümmern muss (z.B. Nahrung, Wasser, Behausung, Kleidung, usw.). In solch einer Welt hat niemand Zeit, sich um komplexere Untersuchungen zur Vereinfachung von Prozessen zu kümmern. Zum Beispiel würde Technologie wie der „Bleistift“ in solch einer Welt nicht existieren. Ein wundervolles Werkzeug, welches Künstler nutzen, um atemberaubende Bilder zu zeichnen, welches Designer nutzen, um neue Ideen zu entwickeln und welches jeder von uns nutzt, um Gedanken aufzuschreiben.
Dennoch ist uns das oben beschriebene Ideal nicht unbekannt. Wir leben es verstärkt in unseren Familien und Freundeskreisen. Zumeist funktionieren solche Gesellschaftsstrukturen schon heute in dieser Form, wenn der Mensch die Mitglieder der Gesellschaft überblicken kann und den Auswirkungen seines Handelns direkt ausgesetzt ist. So kommt es vor, dass ganze Dörfer und Sportteams füreinander sorgen, um zusammen das gemeinsame Leben so angenehm wie möglich zu gestalten bzw. gemeinsame Ziele zu erreichen. Begegnet man zwei sich anlächelnden Menschen auf der Straße, hat man eine solche Gesellschaft in kleiner Form entdeckt.
Unser Fazit: Ein funktionierendes Gesellschaftssystem ist nützlich und wunderbar für das Leben eines jeden Einzelnen, wenn die Vorteile durch alle Mitglieder wahrgenommen werden können.

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

„Es ist wichtig, dass jeder etwas zur Gesellschaft beiträgt.“

Dies ist heutzutage eine weit verbreitete Meinung.
Frage: Ist es wichtig beizutragen, egal auf welche Art und Weise beigetragen wird? Eines der Probleme der heutigen Zeit ist, unserer Ansicht nach, der Zwang etwas beitragen zu müssen, um die eigenen Ideen anschließend umsetzen zu können. Wenn die Gesellschaft ihre Mitglieder dazu drängt, etwas beizutragen, um sich den „Lebensunterhalt zu verdienen“, sind Menschen oft gezwungen etwas zu tun, was sie nicht sonderlich interessiert. Das kann dazu führen, dass destruktiv zur Gesellschaft beigetragen wird, z.B. durch die Teilnahme an organisierter Kriminalität, dem Handeln von Waffen oder der Zerstörung des Regenwaldes, um fruchtbares Land zu gewinnen.
Wir denken es ist wichtig, dass das Gesellschaftssystem Menschen in die Lage versetzt, wählen zu können, ob sie eher gar nicht beitragen wollen, als dass sie auf wissentlich destruktive Art und Weise beitragen müssen.

„Warum sollten andere von meiner Arbeit profitieren,
ohne im Gegenzug etwas zu tun?“

Wenn jemand etwas aus innerer Motivation heraus und nicht aus Pflichtgefühl tut, dann profitiert derjenige schon allein davon, dass er selbst dieser Tätigkeit nachgehen kann. Diese Form der Beschäftigung ist uns heutzutage als „Freizeitaktivität“ vertraut. Der Fakt, dass andere von den eigenen Projekten profitieren, ist dann ein Bonus, kein Problem. Das liegt daran, dass die Motivation, einer solchen Tätigkeit nachzugehen, aus der eigenen Leidenschaft heraus entspringt, die jemand für diese Tätigkeit hegt, nicht aus dem Bedarf heraus sich das Leben „verdienen“ zu müssen. Wenn einem nötiges Wissen, Werkzeuge und Mittel zur Aneignung von Fertigkeiten durch die Gesellschaft bereitgestellt werden, kann die Möglichkeit, angeeignete Erkenntnisse mit allen anderen teilen zu können, als sehr angenehm empfunden werden.

—– Zitate und Literaturhinweise —–

[1] – „[…] tausend von Person zu Person spielenden momentanen oder dauernden, bewussten oder unbewussten verübergehenden Beziehungen, die uns unaufhörlich zusammenknüpfen […]“ – Georg Simmel, 1908, „Das Problem der Soziologie
[1] – “Diese Wechselwirkungen bedeuten, dass aus den handelnden Individuen eine Gesellschaft wird.” – Rolf Denker,  1961, „Individualismus und mündige Gesellschaft“, S.20

[2] – “Das Leben ist […] das Sein, das nur etwas hat, nämlich Bedürfnisse.” – José Ortega y Gasset

[3] – “Unabdingbare Voraussetzung einer solchen, persönlichen Aufgaben- und Glückssuche wäre allerdings eine vernünftige Regelung des Zusammenlebens der Staaten in einer Friedensordnung der Welt.” – Rolf Denker,  1961, „Individualismus und mündige Gesellschaft“, S. 78

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