Bildung

English

Was ist Bildung? Im weiteren Sinne ist Bildung jeder Vorgang oder jede Erfahrung, durch die Geist, Charakter oder körperliche Fähigkeiten eines Individuums geformt werden. Sobald wir äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, erfahren wir unsere Umwelt – bewusst und unterbewusst. Wir lernen!
Zum Beispiel lerne ich etwas über Vorgänge im Straßenverkehr, wenn ich fahrende Autos beobachte. Schwimme ich in einem See, erlebe und erfahre ich Eigenschaften des Wassers. Wir lernen unser ganzes Leben lang. Über Bildung zu sprechen, bedeutet also folglich, die gesamte Umgebung eines Menschen über seine gesamte Lebenszeit hinweg in Betracht zu ziehen. Im engeren Sinne definieren wir Bildung wie folgt:

.

Bildung ist die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten.

.

Jedes Individuum eignet sich Wissen und Fertigkeiten an, um in der Lage zu sein, eigene Bedürfnisse zu befriedigen, Vorhaben zu realisieren oder Probleme zu lösen. Lernen ist demnach ein Prozess, den ein jeder Mensch durchläuft, um Glück und Zufriedenheit zu erlangen.

Frage: Welche Voraussetzungen ermöglichen es einem Menschen, effektiv zu lernen?
Ein Mensch kann neue Informationen am besten aufnehmen, wenn sein Interesse seiner inneren Motivation entspringt. In unseren Augen zeigen Kinder einen schier unendlichen Strom innerer Motivation, die sich dadurch ausdrückt, dass sie die eigene Umgebung erkunden oder versuchen, gesammelte Erfahrungen zu verstehen. Dinge, die Neugier entstehen lassen, motivieren den Menschen dazu, Fragen zu stellen, Experten zuzuhören, Informationen zu sammeln und eigene Fertigkeiten weiterzuentwickeln (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Der einzige, der einen Menschen bilden kann, ist dieser Mensch selbst. Andere können nur benötigte Unterstützung anbieten (z.B. in Form von Informationen, Werkzeugen, Raum zum Üben, usw.). Bildung ist ein vom Individuum gewählter Prozess.

Grafik eines Modellbildungsystems

.

Die obige Abbildung zeigt, dass die Gesellschaft dem Individuum Bildung ermöglicht, und zwar über den gesamten Weg bis hin zur Erreichung persönlicher Ziele. Dieses Modell eines Bildungssystems unterstützt das Individuum bedingungslos und ohne dafür einen Gegenwert zu verlangen, da jeglicher Prozess, der ein Individuum daran hindert, Wissen und Fertigkeiten zu erlangen, innewohnende Motivation verringern, wenn nicht sogar auslöschen kann (→ Menschliches Verhalten). Diese Interpretation von Bildung harmoniert mit dem Ideal einer Modellgesellschaft (→ Werte).

Frage: Wie lernt ein Mensch am besten?
Da sich jeder Mensch in Wissen, Erfahrung, wie auch Biologie unterscheidet, lernt jeder Mensch verschieden. Dennoch, je mehr Sinne durch Bildung angesprochen werden, desto besser kann ein Mensch neue Informationen aufnehmen. Deshalb sollte Bildung so nah wie möglich am Thema bzw. dem Objekt des Interesses stattfinden. Folglich sollte die globale Gesellschaft folgendes anstreben:

Jeder Mensch sollte Zugang zum Wissen der Menschheit haben, welches in Bibliotheken, Museen, auf virtuellen Plattformen und vielen anderen Medien zu finden ist. Die globale Gesellschaft sollte es einem jeden Einzelnen ermöglichen die Welt zu bereisen. Es ist außerdem notwendig, dass es jedem möglich ist, Wissen und Fertigkeiten in die Praxis umzusetzen. Des Weiteren sollte die globale Gesellschaft dafür sorgen, dass jeder Mensch Kontakt mit jenen aufnehmen kann, die Wissen und Fertigkeiten vermitteln wollen.

Frage: Wer ist daran interessiert, anderen Menschen Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln?
Verfolgt ein Mensch eine Sache mit leidenschaftlichem Interesse, ist es oft so, dass die- oder derjenige liebend gern Gedanken darüber teilt. Nahezu jeder, der sich mit einer bestimmten Sache beschäftigt – vom Anfänger bis zum Experten – teilt Erfahrungen und Wissen mit anderen. Unserer Erfahrung nach ist das Weitergeben von Wissen und Fertigkeiten dann höchst befriedigend und sogar mit Freude verbunden, wenn der Lernende wahrlich interessiert ist.

Auf dem Verständnis aufbauend, dass das Interesse des Lernenden der wichtigste Faktor für einen effektiven Lernprozess ist, präsentieren wir folgende Richtlinien, die sich als geeignet erwiesen haben, Menschen in ihrem Bildungsprozess zu unterstützen:

 —

Bildung sollte begeistern, motivieren und inspirieren,
indem Neugier, Kreativität, Scharfsinn und Einfallsreichtum gefördert werden.

Eigenmotivation, die unserer Ansicht nach jedem Menschen innewohnt, sollte unterstützt und gefördert werden. Der eigenen Neugier und den eigenen Interessen folgen zu können, ist der effizienteste Weg zu lernen.
Sich auf Dinge zu konzentrieren, die einen begeistern, sorgt für ausreichend Elan, um selbst komplexe Probleme zu lösen. Diese Begeisterung und dieser Einfallsreichtum müssen unterstützt und gefördert werden, um Menschen in die Lage zu versetzen, ihr ganzes Leben lang effektiv lernen zu können.

Bildung sollte praxisorientiert sein.

Für einen erfolgreichen Verlauf sollte Bildung mit Gefühlen und Sinnesempfindungen kombiniert werden. Folglich sollten Bildungssysteme die gesamte Welt erfahrbar machen. Das heißt, beispielsweise nicht nur über Wüsten zu sprechen, indem man sie auf Karten studiert, sondern auch in diese Wüsten zu reisen, um sie erleben zu können. Menschen lernen am effektivsten und können sich am besten an Dinge erinnern, wenn neue Informationen mit selbst kreierten bzw. erfahrenen Gefühlen, Bildern und Eindrücken verbunden sind. Und am besten kann man sich ein eigenes Bild von etwas machen, wenn man das Objekt des Interesses sieht, hört, riecht, berührt, spürt, fühlt, also hautnah erlebt.

 —

Wissen und Fertigkeiten sollten auf verständliche Art und Weise kommuniziert werden.

Beschreibungen und Anleitungen sind eher nutzlos, wenn sie in „kryptisch“ geschrieben sind und niemand „kryptisch“ lesen kann. Wissen sollte in möglichst einfacher Art und Weise präsentiert werden. Fertigkeiten sollten so weitergegeben werden, dass sie der Lernende mit Leichtigkeit verstehen, üben und anwenden kann. Je besser ein Individuum etwas verinnerlicht, desto einfacher kann sie oder er den Bildungsprozess fortführen.

 —

Die globale Gesellschaft sollte alle existierenden Informationen zur Verfügung stellen.

Wenn Informationen nur zum Teil verfügbar sind, ist es sehr schwer oder gar unmöglich, Schlussfolgerungen aus ihnen zu ziehen, um nachhaltige Lösungen für Probleme zu entwickeln. Je mehr Informationen abrufbar sind, desto besser kann der Einzelne eigene Untersuchungen oder Projekte darauf aufbauen.

 —

Das ganzheitliche Verständnis von Verbindungen und Abhängigkeiten
zwischen einzelnen Themengebieten sollte Teil von Bildung sein.

Das Universum existiert als Einheit. Folglich ist alles irgendwie mit etwas anderem verknüpft. Deshalb sehen wir es als wichtig an, die verschiedenen Aspekte nicht nur separat, sondern auch ihre Wechselbeziehungen zu betrachten.

.

Die folgenden Beispiele sollen die von uns genannten Punkte veranschaulichen:

  • Ich interessiere mich für Elefanten. Erlebe ich Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung, kann ich mir eine plastische Vorstellung vom Leben eines Elefanten machen. Über Fragen und Ideen, die während der Beobachtung entstehen, spreche ich mit Elefantenexperten und jenen, die sich, wie ich, für Elefanten interessieren.
  • Ich möchte Französisch lernen. Neben Büchern, Filmen und der Teilnahme an Sprachkursen sind Unterhaltungen mit Menschen, die französisch sprechen, der beste Weg, um Französisch zu lernen. Demnach ist es sehr hilfreich, Personen finden zu können, die mich unterrichten bzw. sich einfach nur mit mir unterhalten wollen. Vielleicht kann ich ihnen wiederum meine Muttersprache näher bringen.
  • Ich möchte lernen, Klarinette zu spielen. Das heißt zunächst, dass ich das Instrument selbst und einen Ort benötige, an dem ich üben kann, ohne andere zu stören. Inspiriert durch Besuche von Konzerten erfahrener Klarinettisten, oder deren Tonaufnahmen, kann ich meine Fertigkeiten mit Hilfe von jenen entwickeln, die das Instrument bereits spielen. Darüber hinaus wäre es interessant, etwas über die Materialien zu erfahren, aus denen eine Klarinette gefertigt wird bzw. eine Idee davon zu bekommen, wie ein Ton in ihr entsteht.
  • Ich strebe an, Vorgänge in Computersystemen zu verstehen. Zugang zu gut geschriebenen Büchern und ähnlichen Informationsquellen, Gespräche mit Physikern, Informatikern, Programmierern und Ingenieuren und die Möglichkeit, solche Prozesse durch Experimente zu erleben, ermöglichen es mir, mein Wissen darüber so effektiv wie möglich zu erweitern. Zusätzliche Informationen über Energieverbrauch und notwendige Materialien zur Herstellung eines Computersystems würden mich für Wechselbeziehungen zwischen Computertechnologie und den Ressourcen der Erde sensibilisieren.

Fazit: Durch den Einsatz effektiver Kommunikations- und Organisationssysteme (→ Technologie) sollte es das Bildungssystem jedem Einzelnen ermöglichen, Quellen des Wissens, Trainingsmöglichkeiten und Individuen finden zu können, die ihre Erfahrungen teilen wollen. Werkzeuge, die für den Bildungsprozess benötigt werden (z.B. Bücher, Stifte, Computer, spezielle Ausrüstung), sollten vom Wirtschaftssystem bereitgestellt werden (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

Jeder Mensch interessiert sich für die Welt, die uns umgibt bzw. innewohnt. Mit dem Erscheinen auf dieser Welt denken wir über sie nach. Wir entdecken eigene Bedürfnisse und erkennen, dass uns die Befriedigung dieser Bedürfnisse Glück und Zufriedenheit bringen kann. Dieser Prozess muss nicht zwangsläufig bewusst durchlaufen werden. An dieser Stelle jedoch beginnen wir, uns für Bildung zu interessieren. Bildung – als die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten – dient der Befriedigung von Bedürfnissen und der Realisierung von Träumen und Vorstellungen (→ Grundlegende Verständnisse).

.

—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Es bestehen große Unterschiede zwischen Bildung, wie oben beschrieben, und Bildung in unserer heutigen Gesellschaft. Die Gesellschaft versteht Bildungsinstitutionen (wie z.B. Schulen) oftmals als Pflicht und „zwingt“ Menschen dazu, sich Wissen anzueignen, welches von anderen ausgewählt und mit statischen, nicht-individuellen Methoden gelehrt wird.

Spricht man über Bildung, wird oft gesagt, dass es wichtig ist, Menschen zu unterrichten, um sie „gesellschaftsfähig“ zu machen. Was heißt es, „gesellschaftsfähig“ zu sein? Es könnte bedeuten: „Es ist wichtig, lesen und schreiben zu können“, „Es ist wichtig, gewissen Verhaltensregeln zu folgen“, oder „Jeder muss etwas lernen, um Arbeit zu finden, um die Familie ernähren zu können.“
Menschen, die Bildung auf diese Weise interpretieren, führen oftmals weiter aus, dass es wichtig ist, den folgenden Generationen gesellschaftliche Werte weiterzugeben. Sie nennen dabei Werte wie „Es ist notwendig, höflich, gebildet und hart im Nehmen zu sein, um ein gutes Leben führen zu können.“, „Es ist wichtig, fleißig zu sein!“, oder „Stehlen ist falsch!“. Oftmals schließen sie mit: „Es gibt Familien, deren Kinder doch nur Dummheiten machen würden, wenn es die Schulpflicht nicht gäbe.“

Frage: Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, das nicht auf Wettbewerb basiert? Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, in dem Qualität und Nachhaltigkeit von größerer Bedeutung sind als das Ziel, so hart wie möglich zu arbeiten? Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, in dem es nicht notwendig ist zu stehlen, um in den Genuss von Waren und Dienstleistungen zu kommen? Und schließlich: Was wäre, wenn unsere Kinder sich in einem Umfeld bewegten, das ihrer Neugier gerecht wird, weil es Unmengen Spiel-, Entdeckungs- und Experimentiermöglichkeiten bietet? Ist es wahrscheinlich, dass Kinder herumlungern, nichts tun und darüber hinaus Dummheiten in einer Umgebung begehen, die attraktive Bildungsangebote in Musik, Naturwissenschaften, Tanz, Sport, Photographie, Malerei, Sprachen, Werken, Technologie und auf allen anderen noch erdenklichen Themengebieten ermöglicht?

Wie man sieht, ist die Art der Werte, zu deren Vermittlung sich eine Gesellschaft gezwungen fühlt, davon abhängig, in welchem Umfeld die Mitglieder der Gesellschaft aufwachsen. Wächst ein Individuum in einem Umfeld auf, in dem man nicht stehlen oder jemandem weh tun muss, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, könnte es sogar unnötig sein, Werte wie die oben genannten aktiv zu vermitteln.

Wie dem auch sei: Heutige Bildungssysteme behandeln selten Verständnisse, die das Potential haben, den Planeten zu einem sichereren Ort zu machen. Dies sind u.a. Verständnisse über die Wichtigkeit von Kommunikation oder Verständnisse über Wechselbeziehungen innerhalb der Gesellschaft. Weiterhin fördern derzeitige Bildungssysteme eher selten Kreativität und kritisches Denken. Im Gegenteil versuchen heutige Bildungssysteme in Tests, Arbeiten und Klausuren „richtig“ und „falsch“ festzulegen. Dabei wird allzu oft der Gesamtkontext vergessen. „Richtig“ und „falsch“ werden als alleinige Wahrheit präsentiert. Das offenbart ein fehlendes Verständnis innerhalb der Gesellschaft bezüglich Wahrheit: Die gemeinsame Wahrheit von Bildungsinstitutionen ist weder mehr noch weniger wichtig als die persönliche Wahrheit eines Individuums (→ Grundlegende Verständnisse).
Anstatt Lernende zu „korrigieren“, sollten Bildungssysteme sich darauf konzentrieren, dem Individuum diese gemeinsame Wahrheit zu erläutern, damit es selbst entscheiden kann, ob sie oder er diese Wahrheit ebenfalls teilt.
In Bildungsprozessen, die nicht vom Individuum gewählt wurden, könnte jegliche Art von Beurteilung (z.B. durch die Nutzung von Zensuren) inneren Leistungsdruck erzeugen. Leistungsdruck, oder jegliche Erwartung seitens der Gesellschaft gegenüber einem Individuum, könnte negative Erfahrungen im Zusammenhang mit Bildung hervorbringen. Beispielsweise könnte es dazu führen, dass Menschen Angst davor bekommen, Fehler zu machen, obwohl eigene Fehler eine wichtige Komponente des Bildungsprozesses sind.
Außerdem vermeiden unsere derzeitigen Bildungssysteme oftmals Kooperation, wenn sie Leistungen verlangen, die von jedem Lernenden in Einzelarbeit erbracht werden sollen. Das steht im Gegensatz zur Kernidee von Gesellschaft, da Gesellschaft selbst ein Synonym für Kooperation ist. Diese Vermeidung des Miteinander kann Misstrauen und Unehrlichkeit der Lernenden untereinander fördern und dem Willen zu gegenseitiger Unterstützung entgegen wirken. Die Angst davor, bewertet und beurteilt zu werden, wenn man etwas „falsch“ macht, kombiniert mit der Erfahrung durch mangelnde Unterstützung, „allein gelassen“ zu werden, erzeugt oft sehr negative Erfahrungen im Zusammenhang mit Bildung.
Negative Erfahrungen bezüglich Bildung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum Interesse verliert. Wie bereits erwähnt, ist das Interesse eines Individuums der wichtigste Faktor für jeden Lernprozess. Dies bedeutet, dass die Art und Weise des Umgangs der heutigen Gesellschaft mit Bildung Menschen eher vom Lernen abhält, als sie in ihrem Lernwillen zu unterstützen.
Viele Menschen sprechen nun über die unzähligen „faulen“ Menschen in der Welt. In unseren Augen hatten diese „faulen“ Menschen im Laufe ihres Lebens verschiedenste Interessen, welche nicht in die begrenzenden Rahmen unserer heutigen Bildungssysteme passten. Ihrer Neugier wurden Schranken gesetzt.
Neugier kann unterdrückt werden, wenn Erwachsene zu Kindern sagen: „Sei still!“, „Hör auf zu träumen!“ oder „Nerve jemand anderen damit!“. Neugier kann verschwinden, wenn eine Familie kein Geld hat, um sich Bücher zu leisten, oder den Besuch im Zoo bzw. Museum zu finanzieren. Finanzielle Schranken scheinen mit das größte Hindernis für Bildungsprozesse in unserer heutigen Gesellschaft zu sein.

Gleichermaßen sollte hervorgehoben werden, dass Wissen aus Wettbewerbsgründen von Unternehmen zurückgehalten bzw. in Patenten abgelegt werden muss. In einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz und Wettbewerb basiert, sind Patente notwendig, um einem Erfinder exklusive Kontrolle über eine Idee und deren Nutzung einräumen zu können. Patente jedoch erschweren den freien Wissensaustausch und damit Bildung.

In unseren Augen sind heutige Bildungssysteme selten so konzipiert, dass sie den Bildungsprozess eines Individuums optimal unterstützen. Eher begrenzen sie die Möglichkeiten, sich Wissen und Fertigkeiten anzueignen als individuellen Interessen entgegen zu kommen. Wenn Bildungssysteme Angebote schaffen würden, anstatt Neugier und Interesse zu vernichten, wären Menschen in der Lage, sich über das ganze Leben hinweg Wissen und Fertigkeiten aneignen zu können.

In der jüngeren Vergangenheit sind mit der Verbreitung von Kommunikationsstrukturen wie dem Internet eine unvorstellbare Menge an Bildungsangeboten entstanden, die nun für Menschen mit Internetzugang verfügbar sind. Hier erzählen Menschen auf Blogs von ihren Erfahrungen, erläutern interessante Ideen auf Videoplattformen oder schreiben Wissen in der Wikipedia nieder. Darüber hinaus erleichtern Suchmaschinen die Recherche von Wissensquellen. Soziale Netzwerke vereinfachen es, mit Menschen in Kontakt zu treten, die ähnliche Interessen verfolgen wie man selbst. Diese Kommunikationsstrukturen erlauben einen Wissensaustausch über den gesamten Planeten hinweg und sind somit der Beginn eines globalen Bildungssystems. Ein globales Bildungssystem, in dessen lokalen Bildungseinrichtungen Menschen zusammenkommen können, um miteinander zu reden, zu diskutieren, zu kreieren, zu analysieren, zu üben und um einfach alles das zu teilen, was sie möchten, wann immer sie möchten.

 .

—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

.

„Es ist unmöglich jeden auf den gleichen Bildungsstand zu bringen.“

Dem stimmen wir zu. Wir sind alle verschieden. Jeden auf den gleichen Bildungsstand zu bringen ist in Systemen wichtig, die auf Konkurrenz und Wettbewerb fußen. “Chancengleichheit” ist hierbei eine Größe, die von der Gesellschaft angestrebt wird. Jeder soll hinsichtlich dem „Wettlauf um Ressourcen“ vom gleichen Ausgangspunkt starten können, damit sich niemand benachteiligt fühlt oder sogar gegen andere wendet. Aber wahrscheinlich ist es in einem System, welches Kooperation dem Wettbewerb vorzieht, nicht nötig, jeden auf einen ähnlichen Bildungsstand zu bringen.
Wir sind alle verschieden. Und auch wenn unser aller Leben auf identischen Grundprinzipien basiert (z.B. atmen, essen, schlafen, usw.), sind wir immer noch sehr verschieden, in der Art und Weise wie wir denken, fühlen und folglich auch lernen. Unsere verschiedenen Interessen und die Vielfältigkeit unserer Ideen sind genau das, was das Leben miteinander so interessant und farbenfroh macht. Anstatt alle „so gleich wie möglich“ machen zu wollen, sollte die globale Gesellschaft anstreben, die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu erfüllen, damit Menschen ihre Verschiedenheiten bestaunen und genießen können, anstatt sie fürchten zu müssen.

.

„Fehler zu machen, zeugt von Schwäche.“

Das ist weniger eine Meinung und mehr eine Einstellung. Eine Einstellung, die oft sehr destruktive Konsequenzen mit sich bringt. Wenn die Gesellschaft „Fehler“ mit „Schwäche“ gleichstellt, kann dies – insbesondere in einer Wettbewerbsgesellschaft – Menschen dazu bringen, sich davor zu fürchten, Fehler zu machen. Diese Angst kann den Lernprozess eines Menschen verlangsamen und ihn dazu bringen, weit mehr Fehler zu machen, als es ohne diesen sozialen Druck der Falle wäre. Menschen, die Angst davor haben, etwas falsch zu machen, sind oft nicht gut darin, sich neue Dinge anzueignen. Man muss eben darauf vorbereitet sein, den „falschen Weg zu gehen“, um den „richtigen Weg“ zu finden.
Solche Aussagen implizieren darüber hinaus, dass es ein allgemein gültiges „richtig“ und ein allgemeingültiges „falsch“ gibt. Von unserem Standpunkt aus gesehen ist das nicht der Fall. „Richtig“ und „falsch“ stehen stets in einem Kontext: Laut zu sein ist richtig, wenn jemand eine Oper singen möchte. Laut zu sein ist falsch, wenn jemand nachts in einem Kinderkrankenhaus arbeitet. Es ist weder richtig noch falsch an sich. Laut zu sein, kann erst in einem Kontext betrachtet in richtig oder falsch eingeordnet werden. Und auch dann: Die Entscheidung über richtig und falsch, angemessen und unangemessen, resultiert aus der eigenen Wahrheit eines jeden Einzelnen (→ Grundlegende Verständnisse).
Es ist folglich sogar „richtig“ und wichtig, Fehler zu machen, wenn sie den Lernprozess voranbringen. Schließlich kann ein „Fehler“ Quelle neuer Beobachtungen und Ideen sein, wie es oft in der Entwicklung der Wissenschaft der Fall ist.

——

Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zu Bildung).

9 thoughts on “Bildung

    • Hallo Martin,
      natürlich ist es genau unser Anliegen, dass sich diese Gedanken verbreiten. Falls du hier und da Ergänzungen oder Anmerkungen zu unseren Artikeln hast, dann würden wir sie uns gern ansehen.
      Und ebenso danke für deine persönliche Blogarbeit! Weiter so =) … Fl’âme

  1. Pingback: Global Society: so könnte Bildung gut gelingen … « Der Mensch – das faszinierende Wesen

  2. Hier kommt noch eine Anregung, die auf meinem Blog eingegangen ist:
    “Diesen Ansatz des Lernens unterschreibe ich vollkommen – bis auf eine ganz wichtige Sache:

    Bildung ist die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten

    Das ist mir schlicht zu wenig, denn dieser Ansatz reduziert Bildung auf die Mechanik der ausschließlichen Wissens- und Fertigkeitesaneignung = die Herausbildung der linken Hirnhälfte.
    Was ist mit der rechten, der musischen = seelischen Bildung?

    Nein, ich meine hier ganz bestimmt nicht die religiöse Erziehung der Kirchen, sondern die gesunde Bildung und Entwicklung der Seele.
    Freilich wird das in dem Artikel mit angesprochen, aber warum wird es als Definition ausgeblendet?

    Nur ein allseitig gebildeter Mensch, also: Geist, Körper und Seele – ist ein vollständiger und glücklicher Mensch.
    Dieser Vorschlag der Bildung aber konzentriert sich – wie auch die heute bestehenden Bildungssysteme – ausschließlich auf die Bildung des Geistes. Das ist mir zu einseitig.”

    • In unserem Artikel geht es (in der jetzigen Version) hauptsächlich um bewusstes Lernen. Die Bildung von Seele, Geist und Körper ist uns dabei ebenso wichtig wie das sogenannte “Faktenwissen”. Denn auch Wissen über Körper, Geist und die Seele ist Wissen. Somit würde unsere Definition auch hier funktionieren. Wir glauben also schon jetzt, auch die Bildung von Geist, Körper und Seele in diesem Artikel mit einzuschließen.
      Vielen Dank für diese Anregung. Wir sind mit ihrer Sichtweise gänzlich einverstanden und müssen sie in kommender Zeit wohl besser im Artikel herausstellen.

      Fl’âme
      (Global Society Blog)

  3. Und noch eine Anregung von mir zum Thema:
    Auch beim Lernen lassen sich die Erkenntnisse von Viktor Schauberger, dass Sog viel stärkere Kräfte entwickelt als Druck, anwenden.
    Heute werden in der Regel Fakten in die Köpfe unserer Kinder gepresst. Das kann nur Widerstand begleitet von negativen Gefühlen erzeugen.
    Der Artikel beschreibt sehr gut, wie der Sog durch das gerade vorhandene Interesse an einem Thema begleitet von einen positiven Gefühl entwickelt wird.
    Zu Viktor Schauber z.B. hier: http://www.eine-weibliche-physik.de/ewp6-fremdtexte/ewp642_schauberger.html
    VG Martin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s