Die Wissenschaftliche Denkweise

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Der folgende Artikel beschreibt die vom Menschen angewandte Denk- und Vorgehensweise, mit deren Hilfe jeder Mensch die eigene Umwelt erkundet, Interessen verfolgt, persönliche Ziele erreicht oder Lösungen entwickelt.
Es beginnt mit einer Beobachtung bzw. einer Erfahrung, die Neugier weckt. Sobald wir neugierig sind, beginnen wir eigene und neue Informationen über die Dinge zu sammeln, die uns interessieren. Aus diesen Informationen heraus entwickeln wir Theorien und Thesen. Schließlich versuchen wir unsere Theorien in Experimenten zu bestätigen, um herauszufinden, ob eine von ihnen von Nutzen sein könnte. Experimente bringen wiederum neue Beobachtungen zu Tage und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Grafik der Wissenschaftlichen Denkweise

Die obige Abbildung zeigt, in welcher Art und Weise ein Mensch persönlichen Interessen nachgeht. Wir nennen diese Methode Wissenschaftliche Denkweise, da sie von der Wissenschaft gezielt angewandt wird.

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Jeder Mensch nutzt die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb der eigenen Wahrheit, um persönliche Ziele zu erreichen.

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Beobachtung – Entdeckung – Erlebnis
Der Kreislauf beginnt damit, dass etwas die Aufmerksamkeit eines Menschen auf sich zieht. Das kann ein Gefühl, eine Beobachtung, ein Geräusch, ein Geruch oder einfach eine Nachricht von jemand anderem sein. Es beginnt mit einem Erlebnis, welches Neugier weckt.
Beispiel: Du stehst in einem Zimmer und möchtest ein anderes Zimmer betreten. Es gibt eine Tür, die beide Räume voneinander trennt. In dem Moment, in dem du die Tür entdeckst, weckt sie deine Aufmerksamkeit, weil sie zwischen dir und deinem Vorhaben steht.

Neugierde – Motivation – Interesse
Ist ein Mensch erst einmal neugierig, entsteht innere Motivation, das Erlebte oder eine gegebene Situation innerhalb der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt bzw. innerhalb der eigenen Wahrheit einzuordnen. An dieser Stelle entwickelt sich das Interesse eines Individuums, etwas zu verstehen oder zu tun, da sie oder er eine Möglichkeit sieht, ein persönliches Ziel zu erreichen oder ein Problem zu lösen. Der Mensch beginnt darüber nachzudenken. Der Mensch beginnt mit dem Sammeln von Informationen.
Beispiel: Du bist nun motiviert, die Tür zu öffnen, die deinen Weg versperrt.

Denken – Informationen sammeln
Die erste Quelle für Informationen ist der eigene Kopf bzw. Geist. Sofort beginnt ein jeder Mensch, jegliches Wissen oder jegliche Erfahrung abzurufen, die mit dem jeweiligen Thema des Interesses in Verbindung stehen könnte. Falls ein Mensch mit dem eigenen Wissen und den eigenen Erfahrungen nicht zufrieden ist, beginnt er damit, weitere Informationen zu erlangen, indem sie bzw. er Bücher liest, Inspiration sucht, andere Menschen befragt oder forscht (→ Bildung). Der Mensch sammelt Informationen, um eine Annahme bzw. Theorie darüber zu entwickeln, was er oder sie zu verstehen bzw. zu tun versucht.
Beispiel: In der Vergangenheit hast du viele Türen geöffnet, indem du die Türklinke nach unten gedrückt hast. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, die dir einfallen werden, wenn du darüber nachdenkst, wie du die Tür öffnen kannst.

Theorie – These – Vorhersage
Während der Mensch Informationen sammelt, entsteht ein Bild in seinem Kopf bzw. Geist. Aufbauend auf Wissen und Erfahrungen entwickelt jeder Mensch eine individuelle Reflexion über alle Dinge. Das Individuum erdenkt eine eigene Sichtweise, welche dann wiederum dessen individuelle Wahrheit formt. Ausgehend von diesen Theorien entstehen Thesen. Thesen sind Annahmen darüber, wie sich etwas verhält, wie etwas funktioniert oder reagiert.
Beispiel: Unterbewusst nutzt du deine Theorie über Türen, um folgende These aufzustellen: „Wenn ich die Türklinke herunter drücke, wird sich die Tür öffnen und mein Weg in das andere Zimmer ist frei.“

Experiment – Praxis
Folglich nutzt ein jeder die entwickelten Thesen als Vorhersagen zur Bestätigung der eigenen Theorien. Jeder Mensch experimentiert permanent beim Beobachten oder beim Umsetzen von Vorhaben. Auf diesem Weg kann ein jedes Individuum Annahmen und Theorien prüfen.
Schlägt ein Experiment fehl, wundert man sich und fragt sich, warum das Erwartete nicht eingetreten ist. Gelingt ein Experiment, genießt man den Erfolg.
Beispiel: Öffnet sich die Tür, wenn du die Klinke betätigst? Das ist dein Experiment. Falls sich die Tür öffnet, war dein Experiment erfolgreich. Wenn nicht, ist dein Experiment fehlgeschlagen und du fragst dich „Was ist los? Warum hat sie sich nicht geöffnet?“. Erneut erregt ein Ereignis deine Aufmerksamkeit.

Unser ganzes Leben ist ein unendlich fließender Kreislauf dieser Schritte. Es ist die Methode, die wir permanent anwenden, um unsere Umgebung zu erfassen, zu verstehen und zu formen.
Jeder Mensch nutzt die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb der eigenen Wahrheit durch das Einbeziehen eigener Erfahrungen, Gefühle, Ideen und Ängste. Das geschieht viel häufiger unterbewusst als bewusst. Da wir uns in Wissen, Erfahrungen und Biologie unterscheiden, drückt sich diese Denkweise bei jedem anders aus. Dennoch ist es diese eine Denkweise, die ein jeder Mensch anwendet, um persönliche Ziele zu entdecken und zu erreichen.

Ein weiteres Beispiel veranschaulicht die Wissenschaftliche Denkweise in einer Alltagssituation:
Ich bemerke, dass ich hungrig bin. Folglich möchte ich etwas essen. Sofort beginne ich damit, jede Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wie ich mein Bedürfnis befriedigen kann.
Vielleicht verfüge ich über einen Kühlschrank, der bis zum Rand mit Köstlichkeiten gefüllt ist. Vielleicht ist mein Kühlschrank leer und ich muss erst etwas einkaufen gehen. Vielleicht entscheide ich mich dazu, zu warten bis das Hungergefühl verschwindet. Vielleicht lebe ich auf einem Bauernhof und kann einfach einen Apfel vom Obstbaum pflücken. Vielleicht muss ich auf der Straße leben und entscheide mich dazu, um Essen zu betteln. Vielleicht entscheide ich mich aber auch dazu, Brot aus einer Bäckerei zu stehlen. Wie auch immer, wenn ich etwas zu essen habe, esse ich, weil ich erwarte, so meinen Hunger zu stillen.

Das obige Beispiel veranschaulicht einen Sachverhalt, dessen Verständnis wir als wichtig erachten:

Verschiedene Menschen
kommen oft zu verschiedenen Schlüssen.

Verschiedene Schlussfolgerungen führen folglich zu verschiedenen persönlichen Interessen. Diese Interessen können sich in verschiedenen Lebensentwürfen, variierenden Bestrebungen oder der Befriedigung individueller Ziele widerspiegeln. Da eine Gesellschaft aber ein Zusammenschluss mehrerer Menschen ist, passiert es manchmal, dass unterschiedliche Interessen miteinander kollidieren. Ein Konflikt entsteht. Um ein harmonisches Miteinander und ein Leben in Frieden auf der Erde zu ermöglichen, ist es wichtig diese verschiedenen Interessen zu koordinieren, um die Bedürfnisse eines jeden Menschen zu befriedigen. Folglich sollte Kooperation die Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung und Organisation sein.
Kooperation heißt, ein gemeinsames Ziel anzustreben. Kooperierende Individuen wenden die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb ihrer gemeinsamen Wahrheit an. Sie teilen ein Interesse und informieren sich gegenseitig über ihre Sichtweisen und Vorhaben, indem sie miteinander kommunizieren, um gemeinsame Wahrheit zu finden (→ Grundlegende Verständnisse). Außerdem sammeln sie Information, indem sie andere Menschen fragen oder nachforschen bzw. recherchieren. Sie entwickeln Theorien und setzen sie in die Tat um. Das heißt, Kommunikation innerhalb einer Gruppe kooperierender Individuen ist die Basis erfolgreicher Kooperation.

Der zufriedenstellende Austausch
von Ansichten, Wissen und Informationen,

d.h. Kommunikation, ist unabdingbar für erfolgreiche Kooperation.

Gesellschaftliche Konflikte, die durch zufriedenstellende Kommunikation aufgezeigt wurden, müssen gelöst werden.

Eine Lösung ist eine Situation, mit der jeder zufrieden ist.

Wie in der Abbildung zur Wissenschaftlichen Denkweise gezeigt, resultiert die Qualität einer Lösung aus der Qualität der entwickelten Theorie, die wiederum von Menge und Qualität der gesammelten Informationen abhängt. Um also ganzheitliche, gut durchdachte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, muss ein Problem in kleine Informationseinheiten aufgebrochen werden, um die gesamte Problemkomplexität erfassen zu können. Dafür bedarf es ausführlicher, aufgeschlossener und gewaltfreier Kommunikation zum Austausch von Wissen und Informationen. Weitergehend bedeutet Kooperation, hinsichtlich dem Finden von Lösungen, verschiedene Perspektiven zu beleuchten, indem man die eigene Wahrnehmung, Überzeugung und Einstellung gegenüber einem Sachverhalt hinterfragt. Es bedeutet Wechselbeziehungen und Wechselwirkungen in Betracht zu ziehen, um die Aufstellung einer fundierten Theorie zu ermöglichen, welche die Entwicklung nachhaltiger Lösungen ermöglicht. In Folge dessen sollte die globale Gesellschaft folgendes anstreben:

Gesellschaftliche Kommunikation sollte vorurteilsfrei sein. Folglich sollten Strukturen zur gesellschaftlichen Organisation jede Perspektive, jede Ansicht, jede Idee und jedes Bedürfnis in Betracht ziehen, mit der sie konfrontiert werden. Die globale Gesellschaft sollte Kooperation mithilfe aufgeschlossener, gewaltfreier Kommunikation etablieren, die jeden einzelnen Menschen in die Gesellschaft integriert.
Die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen, zur Auflösung und Vermeidung gesellschaftlicher Konflikte durch Koordination, ist der erfolgversprechendste Ansatz, um eine globale Gesellschaft in Frieden zu ermöglichen.
Genauer gesagt, sollte die globale Gesellschaft Organisationsstrukturen bewusst und gezielt entwerfen. Das heißt, die globale Gesellschaft sollte die Fähigkeiten der Menschheit nutzen (→ Technologie), um eine Umgebung zu schaffen, in der jeder Mensch eigene Interessen effektiv kommunizieren und mit anderen koordinieren kann. Die globale Gesellschaft sollte eine Umgebung kreieren, in der Motivation zu Kooperation nicht beeinträchtigt wird. Eine Umgebung, die Verhaltensweisen wie Rivalität, Neid und Hass nicht provoziert, da diese der Suche des Einzelnen nach Glück und Zufriedenheit entgegenwirken. Die globale Gesellschaft sollte angeeignetes Wissen so ganzheitlich wie möglich zur Entwicklung eines globalen Gesellschaftssystems anwenden, welches der Menschheit ermöglicht, das Ziel von Gesellschaft (→ Werte) so effektiv wie möglich zu erreichen.

Frage: Was ist, wenn die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb des Lösungsfindungsprozesses zu mehreren, möglichen Vorgehensweisen führt? Was ist wenn das weitere Vorgehen Entscheidungen benötigt?
In diesen Fällen ist Entscheidungsfindung Teil der Lösungsfindung.

Auführliche Kommunikation und Forschung
wird gegebenenfalls von Entscheidungsfindung begleitet.

Entscheidungen dienen dazu, verschiedene Vorgehensweisen auszuprobieren, um in Folge dessen optimale Wege zur Lösung eines Problems zu finden. Diese Vorgehensweise bringt neue Beobachtungen bzw. Erkenntnisse und liefert somit weitere Informationen innerhalb des Lösungsfindungsprozesses.
Aufgrund von gesellschaftlichen Entscheidungen und deren Umsetzung kann es zu neuen gesellschaftlichen Konflikten kommen. Konflikte können sich in Gewalt ausdrücken. Im Falle gewaltsamer Auseinandersetzungen benötigt eine Gesellschaft Wege, Menschen voreinander zu schützen. Wege, die gleichzeitig eine fortlaufend konstruktive, aufgeschlossene, gewaltfreie Kommunikation garantieren, da Kommunikation die Basis gesellschaftlicher Kooperation ist. Nur Kommunikation ermöglicht die Einbeziehung der Bedürfnisse und Bestrebungen eines jeden einzelnen Menschen. Kommunikation und Kooperation sollten niemals abgebrochen werden.

Langfristig haben wir als Menschheit gar keine andere Wahl als zu kooperieren, wenn wir ein friedliches Miteinander ermöglichen wollen – zusammen auf einem Planeten, in einer einzigen globalen Gesellschaft. Folglich müssen wir ausführlich miteinander kommunizieren, um gesellschaftliche Kooperation zu einem Erfolg zu machen. Das heißt nur gut koordinierte Kommunikation und Forschung ermöglicht die gezielte Gestaltung gesellschaftlicher Strukturen, welche wiederum das Wohlergehen der globalen Gesellschaft ermöglichen.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Die globale Gesellschaft ist sich der Wissenschaftlichen Denkweise und der Wichtigkeit von aufgeschlossener, gewaltfreier Kommunikation, Kooperation und Koordination, als Basis zur Gestaltung einer globalen Gesellschaft in Frieden, nicht bewusst. Heutzutage sind gesellschaftliche Strukturen vornehmlich auf Entscheidungsfindung ausgelegt. Wir kennen Hierarchien, Organigramme und Führung. Wir haben Parlamente, Regierungen und Abteilungen. Zusätzlich haben wir Konzepte zur Durchführung von Abstimmungen und Wahlen. Leider hat die globale Gesellschaft bis heute nicht verstanden, dass ausführliche Kommunikation und Forschungsprozesse eine wichtige Basis zur Findung von Lösungen bilden. Entscheidungsfindung sollte nur als Teil dieses Prozesses gesehen werden.
Es sind die Strukturen zur Entscheidungsfindung, auf die sich viele Menschen konzentrieren. Viele Menschen, die Posten zur Entscheidungsfindung besetzen, wie z.B. Politiker oder Manager, fokussieren sich auf Abstimmungen, Wahlen, Kampagnen und Möglichkeiten, Wettstreiter zu übertreffen. Wie man sieht, macht es die heutige globale Gesellschaft genau umgekehrt: Entscheidungsfindung dominiert Kommunikation und Forschung. Der derzeitige Ansatz zur Organisation der Gesellschaft; der derzeitige Weg, Bedürfnisse und Bestrebungen zu koordinieren, wird nicht zu einem globalen Wohlergehen führen.
Im Vergleich zu etablierten Strukturen zur Entscheidungsfindung sind die offiziellen Kommunikationsstrukturen der globalen Gesellschaft entweder unzureichend oder gar nicht vorhanden. Sogar in sogenannten „modernen Industriestaaten“ haben Bürger oft nur einen offiziellen Weg, eigene Bedürfnisse zu formulieren bzw. auf gesellschaftliche Konflikte hinzuweisen: Durch das Wählen eines Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen, die ähnliche Ansichten zu vertreten scheinen. Offensichtlich sind wir uns nicht über den Stellenwert von Kommunikation bewusst. Dieser Mangel an Kommunikationsstrukturen begünstigt das Entstehen von Einsamkeit bzw. Abgeschiedenheit, Frustration, Wut, Neid, Hass, Leid und anderen unangenehmen Gefühlen bzw. Geisteszuständen und manifestiert sich in Demonstrationen, Streiks, Anschlägen und Amokläufen.
Die Möglichkeit zu individueller, zufriedenstellender Kommunikation ist unabdingbar für gesellschaftliche Kooperation. Jeder Mensch braucht die Möglichkeit, persönliche Probleme, Vorstellungen und Bestrebungen so kommunizieren zu können, dass sie oder er verstanden werden kann. Die Möglichkeit zu individueller, zufriedenstellender Kommunikation bedeutet, in der Lage zu sein, Schwierigkeiten, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und daraufhin die bestmögliche Unterstützung der Gesellschaft zu erhalten, die zu diesem Zeitpunkt möglich ist. Eine Gesellschaft sollte jedes einzelne Problem, jede einzelne Idee und jede einzelne Ansicht mit in Betracht ziehen. Das heißt nicht, dass eine Gesellschaft jeden einzelnen Menschen nach dessen Meinung zu jedwedem Problem befragen muss. Aber es heißt, bestehende Kommunikationsmöglichkeiten nicht zu erschweren – z.B. wie sie zwischen einer Mutter und ihrem Kind existieren. Wenn eine Frau von ihrem Umfeld dazu gebracht wird, von ihrem Kind entfernt zu sein, z.B. weil sie Geld verdienen muss, verliert das Menschenkind eine Chance, mit dem Mitmenschen zu kommunizieren, der ihm wohl am nächsten steht. Situationen wie diese sollten vermieden werden. Wir denken, dass sie für Menschen nicht gut sind und somit auch nicht für eine Gesellschaft.
Leider vermeiden viele Menschen Kommunikation, weil sie für sich Nachteile sehen, wenn sie bestimmte, persönliche Probleme ansprechen, mit denen sie konfrontiert sind. Dies sind Nachteile, die sie in ihrer Vergangenheit erfahren haben. Beispielsweise haben viele Menschen Angst davor, den Job zu verlieren, wenn sie sich über Probleme am Arbeitsplatz aussprechen. Die Gesellschaft sollte bestrebt sein, Umgebungen zu schaffen, in denen Angst vor Kommunikation nicht existiert.

Aufgrund dessen, dass sich die Menschheit auf das Treffen von Entscheidungen spezialisiert hat, haben wir Institutionen, die einschreiten, wenn sich gesellschaftliche Konflikte in Gewalt ausdrücken (z.B. Polizei und Rechtsanstalten). Aber anstelle Kommunikation aufrecht zu erhalten, wird Kommunikation von diesen Institutionen oft vermieden oder sogar verboten. Noch dazu werden Menschen von diesen Institutionen verurteilt, isoliert und sogar getötet. Wenn die Gesellschaft den Dialog mit Menschen unterbricht, die evtl. ein Problem mit gesellschaftlichen Strukturen haben, dann ignorieren wir die wohl offensichtlichste Möglichkeit, gesellschaftliche Konflikte zu verstehen. Ohne solche Konflikte zu verstehen, wird die globale Gesellschaft nicht in der Lage sein, an der Auflösung und Vorbeugung von Konflikten zu arbeiten und folglich wird es der Menschheit unmöglich sein, eine globale Gesellschaft in Frieden zu erleben.

Es scheint, dass sogar viele Wissenschaftler der heutigen Zeit die Wissenschaftliche Denkweise nicht mit vollem Bewusstsein anwenden. Unserer Ansicht nach bedeutet Wissenschaft jede mögliche Information zu verwenden, wenn es darum geht, etwas zu erforschen bzw. zu entwickeln. Jede widersprüchliche Ansicht zu einer Theorie ist eine Information und muss diskutiert werden. Deshalb sind Wissenschaftler in unseren Augen geradezu aufgefordert, so aufgeschlossen wie nur möglich zu sein. Sie sollten versuchen, ihre Ansichten und Erklärungen so verständlich wie möglich zu kommunizieren, anstatt widersprüchliche Aussagen zu verwerfen oder sogar als „unsinnig“ abzustempeln.
Die derzeitigen Bedingungen für wissenschaftliches Arbeiten verkomplizieren heutige Forschungsprozesse. Ein Großteil wissenschaftlicher Arbeiten wird von Journalen und Kongressen abgelehnt, welche folglich nicht zur gesellschaftlichen Entwicklung genutzt werden können. Aufgrund von finanziellen Problemen müssen sich Wissenschaftler sogar um finanzielle Unterstützung kümmern, indem sie unsagbar viele Projektanträge schreiben. Sie können sich folglich nicht voll und ganz auf ihre eigentlichen Vorhaben konzentrieren.

Nichtsdestotrotz hat sich durch die Entwicklung des Internet und mobiler Telekommunikation eine Unmenge an Möglichkeiten zum Austausch von Informationen aufgetan. E-Mail, SMS, Instant Messaging, Foren, Soziale Netzwerke und Blogs ermöglichen es der globalen Gesellschaft, in einem nie dagewesenen Ausmaß zu kommunizieren. Vorrangig ist es die junge Generation, die mit solchen Technologien vertraut ist. Diese Technologien erlauben es, Informationsflüsse sehr viel effizienter zu verwalten, als das noch vor einigen Jahren möglich war. Für diejenigen, die eher selten in Berührung mit solchen Kommunikationstechnologien gekommen sind, ist es auch eher schwer zu erfassen, welche Möglichkeiten sie bieten, um sie für die gesellschaftliche Entwicklung anzuwenden.
In den meisten Fällen bleibt aber die effektivste und auch schönste Kommunikation, unserer Ansicht nach, jene, bei der sich alle Kommunikationspartner in die Augen sehen können.

Letztendlich sind es nicht Technologien, auf welche die Menschheit wartet, um gesellschaftliche Defizite zu beseitigen. Es ist vielmehr das Verständnis über die Wichtigkeit von Kommunikation, Kooperation und Koordination innerhalb der Gesellschaft, welches die nachhaltige Entwicklung von Lösungen ermöglichen würde – im Großen wie im Kleinen. Lasst uns miteinander kommunizieren!

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Regeln und Gesetze sind die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft.“

Dem können wir nicht zustimmen. Regeln und Gesetze, sowie auch Rechte, können eine Unterstützung für eine gemeinsame Richtung der Gesellschaft sein. Und sie können sogar eine Orientierung zur Organisation der Gesellschaft bilden. Dennoch beseitigen Regeln und Gesetze nicht die wirklichen Ursachen gesellschaftlicher Defizite, die Anreize geben, wie z.B. andere Menschen zu verletzen. Regeln und Gesetze liefern selten Methoden, die der Umsetzung ihrer Ziele dienlich sind. Anstelle dessen funktionieren Regeln und Gesetze mithilfe von Strafe und Belohnung. Weder Strafe, noch Belohnung helfen dabei, eine Problemsituation zu beseitigen, sondern dienen lediglich dazu, Menschen von destruktiven Reaktionen, in Folge frustrierender Umstände und systembedingter Mängel, abzuhalten. In vielen Fällen sind Strafen, die im Falle einer „Straftat“ angewendet werden, zur Abschreckung konzipiert, um Menschen schon vom Gedanken an eine solche Handlung abzuhalten. Wir denken, dass das keine Lösung sein kann, weil die Gründe, andere Menschen nicht zu verletzen, selten von denen, die „Böses“ tun, nachvollzogen werden können. Und auch wenn sie verstanden haben, dass es „schlecht“ ist, so zu handeln, wie sie gehandelt haben, zeigen Regeln und Gesetze selten Wege auf, wie diese Personen eigene Bestrebungen umsetzen, eigene Ziele erreichen oder eigene Bedürfnisse befriedigen können, ohne andere zu verletzen.
Folglich sehen wir, je mehr Regeln und Gesetze wir etablieren, um Menschen davon abzuhalten, „falsch“ zu handeln, desto besser werden Menschen darin, „falsche“ Handlungen zu verschleiern, um ihre Bestrebungen umzusetzen.
Regeln und Gesetze sind außerdem sehr statisch. Sobald sich ein Umstand geändert hat, braucht eine Gesellschaft viel Zeit, um eine Regel anzupassen oder zu streichen. Eine Vorgehensweise, die in einer Situation funktioniert, kann in einer anderen sehr destruktive Auswirkungen haben. Beispielsweise versucht die Regel „Gehe nicht bei rot über die Straße!“, Unfällen vorzubeugen. Eine Ärztin, die einem Menschen auf der anderen Straßenseite helfen könnte während die Ampel rot ist, steht in einem Konflikt. Sie würde illegal handeln, wenn sie die Regel brechen und zur anderen Straßenseite hinüber eilen würde. Andere Gesetze versuchen wiederum diesen Regelbruch zu legalisieren, damit die Ärztin ihrer Pflicht nachgehen kann. Offensichtlich, ist das derzeitige Rechtssystem in unserer globalen Gesellschaft sehr verwirrend und frustrierend, weil man ständig darüber nachdenken muss, ob man im Einklang mit dem Gesetz handelt oder nicht.
Wir denken, dass eine Gesellschaft freier und flexibler ist, je weniger Regeln existieren. Die globale Gesellschaft sollte eher versuchen, Gründe zu eliminieren, die Menschen dazu bringen, andere Menschen zu verletzen bzw. destruktiv zu handeln, indem sie freie Bildung, freie Kommunikation und eine zufriedenstellende Organisation und Bereitstellung von Ressourcen ermöglicht, um Verständnisse und Informationen auszutauschen. Verständnisse und aufgeschlossene Kommunikation bilden die Basis einer funktionierenden Gesellschaft, nicht Regeln und Gesetze.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zur Wissenschaftlichen Denkweise).

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