Umgang mit Ressourcenknappheit

English

Frage: Was ist eine Ressource?
Eine Ressource ist etwas, das ein Individuum nutzt, um persönliche Ziele zu erreichen. Das können Rohstoffe, Energie oder Werkzeuge sein. Lebensraum ist eine Ressource. Information und Wissen können als Ressource betrachtet werden, aber auch die eigene körperliche bzw. geistige Fitness. Nahezu alles, was wir kennen, kann als Ressource bezeichnet werden.

Frage: Was ist Knappheit?
Wenn eine Ressource nicht in ausreichenden Mengen verfügbar ist, dann ist diese Ressource knapp. Knappheit bedeutet, dass es einen Mangel gibt bzw. zu wenig da ist. Es fehlt etwas. Beispielsweise ist Knappheit offensichtlich, wenn jemand zu wenig zu essen oder zu wenig Platz zum Wohnen hat. Knappheit ist sichtbar, wenn eine Bibliothek unzureichende Informationen bietet oder Ärztinnen und Krankenpfleger in einem Krankenhaus gestresst und entkräftet sind. Auch das Gefühl mangelnder Inspiration, Zeit oder mangelndem Einfallsreichtum kann als Knappheit von Ressourcen angesehen werden.

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Der Großteil der Probleme in der Welt wird durch Ressourcenknappheit verursacht.

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Das Gegenteil von Ressourcenknappheit ist Ressourcenreichhaltigkeit. Ressourcenreichhaltigkeit beschreibt Situationen, in denen Ressourcen in ausreichendem Maße verfügbar sind. Reichhaltigkeit heißt, dass mehr als genug einer bestimmten Ressource zur Verfügung steht, um ein Bedürfnis bzw. einen Zweck erfüllen zu können.

Ressourcenreichhaltigkeit ist ein Zustand,
in dem das Angebot die Nachfrage übersteigt.


Ressourcenknappheit ist ein Zustand,
in dem das Angebot die Nachfrage nicht deckt.

Stell dir vier Personen vor, die um einen Tisch herum sitzen, auf welchem drei Äpfel liegen. Angenommen, ein einziger Apfel würde den Hunger einer einzelnen Person stillen, dann genügen drei Äpfel für vier Personen nicht. Die Ressource ist knapp. Die vier Personen können miteinander kommunizieren und kooperieren oder gegeneinander kämpfen, um mit dieser Situation umzugehen.
Stell dir nun vor, auf dem Tisch liegen fünf Äpfel. Die Ressource ist reichlich vorhanden. Es gibt kein Problem hinsichtlich Ressourcenorganisation und -verteilung. Daher braucht es weder Lösungen noch Vorgehensweisen wie endlose Debatten, Betrug, Intrigen oder Kämpfe.
Durch die gezielte Veränderung des Umfeldes würden die vier Personen ein Entstehen von Knappheit dieser Art -ein Mangel an Äpfeln- vermeiden (→ Technologie). In diesem Fall könnten sie der Apfelknappheit durch pflanzen weiterer Apfelbäume vorbeugen, damit sie vier und mehr Äpfel anstelle von dreien erzeugen können.

 Die globale Gesellschaft sollte anstreben,
das Auftreten von Ressourcenknappheit zu vermeiden,

indem sie gezielt Ressourcenreichhaltigkeit schafft.

Ressourcen müssen für Individuen verfügbar sein, die diese zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse benötigen. Daher müssen vorhandene Ressourcen zugänglich sein. Aus Sicht des Individuums sind gewünschte Ressourcen, auf die sie oder er nicht zugreifen kann, knappe Ressourcen.
Selbst wenn beispielsweise die oben erwähnten Apfelbäume genug Äpfel zur Befriedigung des Hungers eines Jeden hervorbringen würden, ist es absolut notwendig, dass diese Äpfel den Hungrigen zur Verfügung stehen. Diese Verfügbarkeit kann erreicht werden, indem ihnen die Apfelbäume und somit die Äpfel zugänglich gemacht werden oder eine Art Verteilungssystem etabliert wird.
Um also Ressourcen effektiv zur Verfügung stellen zu können, sollte es die globale Gesellschaft anstreben, Reichhaltigkeit an Zugriffsmöglichkeiten zu etablieren. Reichhaltigkeit an Zugriffsmöglichkeiten ist eine Situation, in der ein Individuum dann sofortigen Zugriff auf jede Ressource zur Befriedigung eines Bedürfnisses bzw. zur Erreichung eines Ziels hat, wenn sie oder er diese Ressource benötigt. Diesen Zustand nennen wir im folgenden Zugriffsreichhaltigkeit.

Die globale Gesellschaft sollte die Schaffung von Zugriffsreichhaltigkeit anstreben,
indem sie die Verteilung von Ressourcen effektiv organisiert.

Jede Gesellschaft etabliert Wirtschaftssysteme. Wirtschaftssysteme sollen Ressourcen innerhalb einer Gesellschaft organisieren und verteilen, um die Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft zu befriedigen. Je reichlicher Ressourcen verfügbar und zugänglich sind, desto mehr Bedürfnisse können über das Wirtschaftssystem befriedigt werden.
Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Rohstoffe, Energie, Werkzeuge und Informationen sind über den gesamten Globus verteilt. Um einen effektiven Zugriff auf Ressourcen zu ermöglichen, ist es notwendig, auf globaler Ebene miteinander verbundene Wirtschaftssysteme zu etablieren, welche Ressourcen- sowie Zugriffsreichhaltigkeit ermöglichen und erhalten können. Das sich daraus ergebende globale Wirtschaftssystem sollte es der globalen Gesellschaft ermöglichen, jede Form von Knappheit zu überwinden, um den Freiheitsradius eines jeden Menschen so weit wie möglich auszuweiten, um so die Befriedigung der Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu ermöglichen (→ Werte).

Das globale Wirtschaftssystem sollte jeden Einzelnen bei der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten unterstützen (→ Bildung). Es sollte jedem Einzelnen ermöglichen, mit anderen zu kommunizieren, um die Umsetzung individueller Ziele koordinieren sowie nachhaltige Lösungen entwickeln zu können (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Das globale Wirtschaftssystem sollte kontinuierlich die Optimierung von Methoden und Werkzeugen unterstützen, um Rohstoff- und Energieressourcen so effizient wie möglich nutzen zu können (→ Technologie). Das globale Wirtschaftssystem sollte bestrebt sein, jedem Einzelnen benötigte Ressourcen jederzeit zur Verfügung zu stellen.

Wir, die Autoren, bezeichnen solch ein Wirtschaftssystem als Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie.

Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist ein Wirtschaftssystem,
welches gezielt Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit etabliert,
um den Freiheitsradius eines jeden Individuums maximal auszuweiten.

Frage: Wie sieht das Leben in solch einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie aus? Wie kann solch ein Wirtschaftssystem jeden Menschen unterstützen? Welche Art von Strukturen sind notwendig, um das Ziel von Gesellschaft so effektiv wie möglich umzusetzen?

 

Der folgende Abschnitt beschreibt die verschiedenen ökonomischen Systeme, die in ihrer Vernetzung eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ausmachen. Mit Hilfe dieser Systeme kann die globale Gesellschaft Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit erreichen.

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Die globale Gesellschaft benötigt zufriedenstellende Kommunikationssysteme.

Da Kommunikation unabdingbar für Kooperation ist (→ Die Wissenschaftliche Denkweise), sollte die globale Gesellschaft Kommunikationssysteme etablieren, die es allen Menschen ermöglichen, zu jedem Zeitpunkt über den gesamten Globus hinweg zu kommunizieren. Diese Kommunikationssysteme sollten schnell und zuverlässig sein sowie den Schutz der Privatsphäre so weit wie möglich garantieren. Des Weiteren sollte jedes Individuum diese Kommunikationssysteme so nutzen können, wie es der persönlichen Vorliebe entspricht. Jedem Menschen sollte es ermöglicht sein, Erfahrungen, Ideen, Sorgen, Bedarf an Ressourcen und generell alles kommunizieren zu können, was sie oder er kommunizieren möchte.
Dafür sollten diese Kommunikationssysteme eine angenehme und intuitive Kommunikation zwischen Menschen und den verschiedenen ökonomischen Systemen ermöglichen, welche sie bei der Organisation und Koordination gesellschaftlicher Prozesse unterstützen. Zusätzlich sollten diese Kommunikationssysteme eine effektive Kommunikation zwischen den einzelnen ökonomischen Systemen realisieren, damit diese auf effektive Art und Weise miteinander interagieren können.

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Die globale Gesellschaft benötigt Wissensplattformen.

Damit jeder Einzelne auf effektive Art und Weise Informationen sammeln (→ Die Wissenschaftliche Denkweise) und lernen kann (→ Bildung), sollte die globale Gesellschaft Wissensplattformen etablieren. Diese Wissensplattformen sollten jedem zugänglich sein. Sie sollten so konzipiert sein, dass sie das einfache Auffinden und Verstehen von Inhalten ermöglichen, indem diese Inhalte anschaulich aufbereitet werden. Diese Wissensplattformen sollten außerdem Dienste anbieten, die es ermöglichen, Einträge zu bereichern und zu diskutieren. Sie würden kulturelle Inhalte (z.B. Texte, Musik, Bilder, Rezepte, usw.), technologische Inhalte (z.B. Theorien, Entwurfspläne, Erfindungen, Ideen, Studien, usw.), historische Dokumentationen und faktisch alles Wissen speichern und verwalten, welches im Interesse der Menschheit stand, steht oder stehen wird.
Ein interessiertes Individuum muss auf einfache Art und Weise in der Lage sein, gewünschte Informationen suchen und finden zu können, genauso wie es möglich sein sollte, einen Eindruck von gemachten Erfahrungen hinsichtlich eines bestimmten Themengebietes zu erhalten. Jeder Einzelne sollte die Möglichkeit haben, jene zu kontaktieren, die es mögen, ihr Wissen über themenverwandte Fachgebiete zu teilen. Für ein Individuum sollte es einfach sein, einen persönlichen Überblick über themenspezifische Materialien wie Bücher, Filme, Reportagen, Studien, Vorlesungen, Möglichkeiten zur Verbesserung von Fertigkeiten und einen Überblick über themenverwandte Methoden und Werkzeuge zu erhalten.

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Die globale Gesellschaft benötigt verlässliche Personenverkehrssysteme.

Die globale Gesellschaft sollte es anstreben, individuelles, komfortables und verlässliches Reisen über den gesamten Globus hinweg zu ermöglichen. Diese Personenverkehrssysteme würde jeden Einzelnen beim Sammeln von Erfahrungen, beim Treffen von Gesprächspartnern und folglich bei der anschaulichen Aneignung von Wissen und Fertigkeiten unterstützen (→ Bildung). Des Weiteren würden diese Personenverkehrssysteme jedem Einzelnen ermöglichen, die volle Bandbreite der kulturellen und natürlichen Vielfalt des Planeten erleben und genießen zu können.

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Die globale Gesellschaft sollte einen Überblick über die Ressourcennachfrage haben.

Da jedes Individuum Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Wohnraum und Werkzeuge benötigt, sollte die globale Gesellschaft Systeme zur Erfassung der Ressourcennachfrage etablieren. Indem es die Anzahl bestellter Werkzeuge und Rohstoffe registriert und mit Informationen aus Entwurfs- bzw. Fertigungsprozessen kombiniert, ist ein Nachfrageübersichtssystem in der Lage, einen Überblick über benötigte Rohstoff- und Energieressourcen zu erzeugen. Auf diese Weise helfen Nachfrageübersichtssysteme bei der Beantwortung von Fragen wie „Wieviel Energie verbrauchen wir unter welchen Umständen?“, „Welche Mengen welcher Rohstoffe werden wo auf dem Planeten benötigt?“ oder „Wieviele Menschen reisen zwischen Asien und Europa, New York und Peking oder zwischen Bokolo und Bongila? Und auf welche Art und Weise möchten diese Menschen gern reisen?“.
Akkurate Nachfrageübersichtssysteme ermöglichen es der globalen Gesellschaft, einen Überblick über die Nachfrage nach Ressourcen innerhalb der Gesellschaft zu erzeugen. Dieser Überblick ist eine Basis zum gezielten Entwurf gesellschaftlicher Strukturen, da es das Ziel von Gesellschaft ist, sich um die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu kümmern (→ Werte).

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Die globale Gesellschaft sollte Rohstoff- und Energieressourcen überblicken.

Die globale Gesellschaft benötigt
effektive Wiederverwendungs- und Wiederverwertungssysteme.

Die globale Gesellschaft nutzt Rohstoff- und Energieressourcen. Deshalb sollte die globale Gesellschaft Ressourcenübersichtssysteme etablieren, die permanent Übersicht darüber geben, wo auf der Erde welche Ressourcen in welcher Menge existieren und wie diese geborgen bzw. genutzt werden können. Außerdem sollten diese Systeme Informationen über die Regenerationsraten von Ressourcen bereitstellen. Zum Beispiel müssen wir wissen, wie schnell welche Pflanzen unter welchen Bedingungen nachwachsen, wie schnell sich Humus regeneriert oder wie die Wasserkreisläufe unseres Planeten funktionieren.
Falls ein Individuum ein Werkzeug nicht mehr benötigt, sollte dieses Werkzeug wieder in die ökonomischen Ressourcenkreisläufe integriert werden – entweder als Werkzeug oder als Rohstoffquelle. So würde die globale Gesellschaft effektive Wiederverwendungs- und Wiederverwertungssysteme schaffen, um Ressourcenreichhaltigkeit erhalten zu können. Wenn der Aspekt der Demontage eines Werkzeugs schon in dessen Entwurfs- und Produktionsprozess berücksichtigt wird, ist es möglich, ein Werkzeug einzusammeln, um es zu aktualisieren bzw. all seine Materialien zu extrahieren, um daraus wiederum ein Werkzeug mit verbesserten Eigenschaften zu fertigen. Auf diesem Weg können neuartige Verständnisse auf dynamische Art und Weise in existierende Werkzeuge integriert werden (→ Technologie). Daher sollten Ressourcenübersichtssysteme, durch den Zugriff auf Konstruktionsinformationen, ebenfalls jene Rohstoffe erfassen, die in produzierten Werkzeugen enthalten sind.

Des Weiteren sollten Informationen über die Ressourcennachfrage (generiert durch Nachfrageübersichtssysteme) und Informationen über verfügbare Ressourcen (generiert durch Ressourcenübersichtssysteme) kombiniert werden. Diese Kombination von Informationen ermöglicht es der globalen Gesellschaft, den Grad von Knappheit bzw. Reichhaltigkeit zu messen. Darüber hinaus ermöglicht diese Kombination, die zukünftige Ressourcennachfrage abzuschätzen und somit aufkommende Ressourcenengpässe frühestmöglich aufzuzeigen. Diese Informationen können dabei helfen herauszuarbeiten, welche Art von Forschung nach Alternativen und welche Art von Verbesserungen zur Erhöhung der Ressourceneffizienz notwendig sind, damit das Ressourcenangebot die aufkommende Nachfrage weiterhin leicht mehr als decken kann.

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Die globale Gesellschaft benötigt flexible Produktions- und Verteilungssysteme.

Das globale Wirtschaftssystem sollte es jedem einzelnen Menschen ermöglichen, Waren (Rohstoffe und Werkzeuge) zu bestellen, und zwar wann immer sie oder er dies möchte. Außerdem sollte es jedes Individuum beim Entwerfen oder Konfigurieren von Werkzeugen unterstützen. Entwurfswerkzeuge und -dienste sollten jeden in die Lage versetzen, neue Werkzeuge entwickeln zu können, indem sie realisierbare Entwurfsvorlagen bereithalten, berechnen, ob manuell kreierte Konstruktionen funktionieren und indem sie optimale Materialkombinationen zusammenstellen. Test- und Simulationswerkzeuge könnten Schwachstellen eines Entwurfs aufzeigen noch bevor der erste Prototyp gefertigt wird. Solche Dienste könnten jedes Individuum darin unterstützen, Werkzeuge auf effektive Art und Weise zu entwerfen, während sie dafür Sorge tragen, dass diese Werkzeuge mit dem Ökosystem der Erde und gesellschaftlichen Kriterien harmonieren (→ Technologie).
Neuentwicklungen, deren angedachte Funktionalität in ausführlichen Tests gezeigt wurde, können umgehend zur Bestellung angeboten werden. Folglich könnte sich die Bandbreite an Waren und deren Variationen permanent vergrößern, was es wahrscheinlicher macht, dass Individuen Zugriff auf Werkzeuge bekommen, die ihre Bedürfnisse optimal befriedigen.
Indem sie so viele Informationen wie möglich verwenden, sollten Produktionssysteme regelmäßig nachgefragte Waren in leicht höheren Mengen produzieren als es der Nachfrage entsprechen würde. Leicht mehr zu produzieren, als es der Nachfrage entsprechen würde, sichert die Flexibilität, Individuen mit Waren versorgen zu können, auch wenn die Nachfrage variiert. Unregelmäßig bestellte Waren sollten auf Nachfrage produziert werden. Es sollte dabei angestrebt werden, die Verzögerung zwischen Bestellung und Lieferung so kurz wie nur möglich zu gestalten.
Dafür sollte die globale Gesellschaft flexible Verteilungssysteme etablieren, die ihre Kapazitäten über den gesamten Globus hinweg dynamisch der Nachfrage anpassen können. Diese Verteilungssysteme sollten Waren so individuell, schnell, akkurat, verlässlich und so sorgfältig wie möglich an ihre Bestimmungsorte bringen. Deshalb sollten Waren in möglichst kurzer Entfernung zu ihren Bestimmungsorten produziert werden. Die Berücksichtigung von kurzen Verteilungsentfernungen ist energieeffizient. Das Bestreben, kleine Verteilungsentfernungen zu realisieren, könnte Kurze-Wege-Strategie genannt werden.
Ein Beispiel: Die lokale Nahrungsmittelproduktion beliefert vorrangig die ortsansässigen Einwohner mit nährstoffreichen, gesunden Nahrungsmitteln. Nahrungsmittel, die nicht im regionalen Klima produziert werden können, werden in anderen Teilen der Welt produziert. Folglich kümmert sich die lokale Nahrungsmittelproduktion zusätzlich um die Produktion von Nahrungsmitteln, die aus anderen Regionen angefragt werden. Die Verteilungssysteme sorgen für eine schnelle und dem jeweiligen Nahrungsmittel angemessene Auslieferung, damit jede Art von Nahrung frisch und wohlschmeckend an jeden Ort der Welt geliefert werden kann.
Wie genau die lokale Nahrungsmittelproduktion organisiert ist, kann von Region zu Region variieren. Diese könnte aus vollautomatischen Produktionssystemen in Koordination mit den Anstrengungen von Gärtnern und Bauern bestehen, die leidenschaftlich gern handgefertigte Nahrungsmittel anbieten.

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Die globale Gesellschaft benötigt effektive Energiesysteme.

Da wohl alle genannten ökonomischen Systeme Energie benötigen, sollte die globale Gesellschaft anstreben, Energie aus ausschließlich sauberen und schnell-erneuerbaren Energiequellen zu nutzen. Das könnten z.B. Energiequellen wie Sonnenlicht und Sonnenwärme, die Bewegungen von Wind und Wasser sowie die des Erdkerns sein. Energieerzeugungs- und -verteilungssysteme sollten so flexibel wie möglich funktionieren, um den Energiebedarf an jedem Ort der Erde zu jedem Zeitpunkt decken zu können.
Um Energieverluste schon bei der Übertragung zu vermieden, sollten Energiesysteme ebenfalls die Kurze-Wege-Strategie anwenden. Das heißt, dass Energie möglichst dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird. Beispielsweise könnten die Oberflächen von Gebäuden so entworfen sein, dass sie Sonnenlicht und andere Energieformen einfangen und damit das Gebäude selbst mit Energie versorgen können. Jede Überproduktion an Energie könnte in das regionale und globale Energieverteilungssystem eingespeist werden. Zur Schaffung von Energiereichhaltigkeit wäre es sehr effektiv, wenn so viele Gebäude wie möglich mehr Energie erzeugen würden als sie verbrauchen.

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Alle oben erwähnten ökonomischen Systeme müssen ganzheitlich miteinander verbunden bzw. vernetzt sein, um die Koordination aller individueller Bestrebungen im bestmöglichen Umfang zu ermöglichen. Auf diesem Weg könnte die Kollision verschiedener Interessen vermieden werden, um jeglichem Aufkommen von Konflikten vorzubeugen. Diese Vernetzung ist Aufgabe der Kommunikationssysteme. Sie haben die Aufgabe, jede Form von Kommunikation, jede Art von Informationsaustausch zwischen den vielseitigen Systemen in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu unterstützen. Je besser alle Systeme miteinander interagieren können, desto effektiver können sie funktionieren, um die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Individuums zu befriedigen.
Je besser beispielsweise Nachfrageübersichtssysteme die zukünftige Ressourcennachfrage abschätzen können, desto besser können Produktionssysteme im Vorfeld die Anpassung ihrer Kapazitäten vorbereiten. Je intuitiver Wissen und Informationen über die Bandbreite verfügbarer Methoden und Werkzeuge und deren Möglichkeiten von Wissensplattformen aufbereitet und präsentiert werden, desto einfacher kann die globale Gesellschaft Konzepte zur Anpassung ihrer Produktionssysteme entwerfen. Je früher neue Verständnisse in existierende Strukturen integriert werden können, desto früher verbessern sich diese Strukturen, um Bedürfnisse noch effektiver befriedigen zu können.

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Jedem Individuum sollte es möglich sein, persönliche Vorhaben zu realisieren,
während Automatisierung zur Erfüllung unangenehmer Aufgaben eingesetzt wird.

In einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie verbringt jedes Individuum Zeit mit Dingen, die sie bzw. ihn interessieren, Freude bringen oder die von ihr bzw. ihm als wichtig erachtet werden. Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist darin bestrebt, die nötigen Systeme anzubieten, die die globale Gesellschaft in die Lage versetzen, jedes Individuum bei der Umsetzung persönlicher Ziele zu unterstützen. Zum Beispiel könnte jeder aufgrund von einfach zu verwendenden Wissensplattformen und intuitiven Kommunikationssystemen dazu befähigt sein, köstlichste Rezepte zu kochen, komplexeste Maschinen zu verstehen und zu nutzen oder das Singen der eigenen Lieblingslieder auf effektive Art und Weise zu üben (→ Bildung).
Für das Bestehen einer blühenden Gesellschaft notwendige, jedoch als unangenehm empfundene Aufgaben, werden in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie so weit wie möglich automatisiert, um stets die Nachfrage decken zu können. Theoretisch kann jede vom Menschen durchgeführte körperliche Tätigkeit vollständig automatisiert werden. Es ist eine der Fähigkeiten der Menschheit, Maschinen zu entwerfen und weiterzuentwickeln, um somit gesamte Prozessabläufe automatisieren zu können – von Ackerbau über Transportlogistik bis hin zur Reinigung und Reparatur jeder Art von Struktur (→ Technologie). Unserer Ansicht nach ist Automatisierung eine wichtige Technologie, die die Möglichkeit bietet, Menschen von unangenehmen Aufgaben frei zu machen, damit sie ihr Potential und ihre Motivation auf Aufgaben ihrer Wahl konzentrieren können.
Falls Menschen automatisierte Aufgaben dennoch lieber manuell erledigen wollen, sollte es immer möglich sein, den Automatisierungsgrad anzupassen, um ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu gewährleisten. Wir, die Autoren, nennen dies Optionale Automatisierung.

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Transparenz, die Möglichkeit,
gesellschaftliche Vorgänge beobachten und erleben zu können,

ermöglicht es Individuen,
Wechselbeziehungen innerhalb von Gesellschaft zu verstehen,

um in der Lage zu sein,
jede Art von Technologie hinterfragen und verbessern zu können.

Jede Gesellschaftsstruktur innerhalb einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie sollte so gestaltet sein, dass sie so transparent wie möglich funktioniert. Da Lernprozesse am effektivsten sind, wenn Menschen einen tiefen Einblick in die Themengebiete ihres Interesses haben, bietet Transparenz die Möglichkeit, gesellschaftliche Vorgänge beobachten, erleben, verstehen und folglich verbessern zu können (→ Bildung).
Beispielsweise sollten Produktionsprozesse für jeden zugänglich sein. Texte, Filme, als auch leidenschaftliche Individuen könnten Besucher durch jeden einzelnen Produktionsschritt geleiten. Es sollte möglich sein, Krankenpflegerinnen und Ärzte in Krankenhäusern begleiten zu können, um fühlbar nah erleben zu können, auf welche Art und Weise sie sich um ihre Patienten kümmern, wie sie organisiert sind bzw. auf welche Art und Weise sie die Infrastruktur des Krankenhauses nutzen.

Wir denken, dass diese Art von Wirtschaftssystem nur auf Basis der gezielten Anwendung der Wissenschaftlichen Denkweise umsetzbar ist (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Die Systeme, die eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ausmachen, werden eingesetzt, um mögliches Aufkommen von Ressourcenknappheit aufzuzeigen, indem sie Informationen der Nachfrage- und Ressourcenübersichtssysteme zusammenbringen. Falls dennoch Knappheit auftritt, sollten entstehende Konflikte und Probleme durch ausführliche Kommunikation gelöst werden, um eine effektive Koordination individueller Vorhaben möglich zu machen. Diese Kommunikation könnte mit Fragen eingeleitet werden wie „Wer benötigt diese Ressourcen wie dringend?“, „Finden wir Alternativen, die der Erfüllung der Zwecke dieser Menschen helfen, um das Auftreten von Knappheit abzuschwächen?“ und „Welche Konzepte könnten geeignet sein, um die verfügbaren Ressourcen innerhalb der Gruppe, die diese Ressourcen anfordert, verteilen zu können?“ Parallel dazu ist es notwendig, Knappheitsprobleme zu untersuchen, um Reichhaltigkeit zu schaffen und zu bewahren. Dazu muss die globale Gesellschaft eventuell folgende Art von Fragen beantworten: „Mit welcher Form von Knappheit haben wir es hier zu tun? Wie können wir diese Form von Knappheit heute und in Zukunft vermeiden? Welche Art von Informationen benötigen wir, um diese Fragen beantworten zu können? Was finden wir auf unseren Wissensplattformen, um diese Information zu erlangen? Wer könnte weitreichende Erfahrungen auf dem Gebiet haben, mit dem wir uns beschäftigen? Wen können wir um Rat fragen? Welche Art weitergehender Forschung sollten wir initiieren? Wie sollten wir, sobald wir zufriedenstellend viele Informationen beisammen haben, unsere Technologie – die derzeitig genutzten Methoden und Werkzeuge – anpassen und verbessern, um (erneut) einen Zustand der Reichhaltigkeit zu erzeugen?“
Basierend auf der Wissenschaftlichen Denkweise entwickelt sich eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie im Einklang mit Umwelt- und Gesellschaftsgegebenheiten. Im Grunde geht es in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie darum, Technologie so zu nutzen, dass die speziellen Potenziale und Fertigkeiten der vielen Individuen gezielt koordiniert werden können, um ein Umfeld zu schaffen und zu erhalten, das von Reichhaltigkeit geprägt ist.
Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie passt sich permanent den Bedürfnissen der Gesellschaft an. Sie entwickelt sich mit den Verständnissen, Vorstellungen und Vorhaben der Menschheit. Weitergehend unterstützt sie die globale Gesellschaft permanent dabei, dem Ideal von Gesellschaft, in der ein jeder Zufriedenheit und Erfüllung finden kann, näher zu kommen (→ Werte). Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist bestrebt, nachhaltigen Frieden auf einem gesunden Planeten zu ermöglichen, die jedem einzelnen Menschen eine Unzahl an Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Um es unseren Lesern zu ermöglichen, ein tieferes Verständnis vom Konzept einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu erlangen, haben wir das folgende Beispiel entworfen, welches beschreibt, wie eine Baustelle in solch einem Wirtschaftssystem aussehen und wie es sich anfühlen könnte:
Bürger, irgendwo auf dem Planeten, wollen eine Brücke bauen. Schon die Planungsphase wurde von jedem begleitet, der Interesse für dieses Projekt hegt. Der Entwurf der Brücke entspricht dem neuesten Stand der Technik, da er auf jeglichem Wissen hinsichtlich dem Bau von Brücken basiert, das durch die gesellschaftlichen Wissensplattformen bereitgestellt wird. Außerdem hatten die Planenden die Möglichkeit, ausführlich von Konstruktionsexperten beraten zu werden. Studien über Auswirkungen auf die Umwelt, die von interessierten, leidenschaftlichen und spezialisierten Menschen erstellt wurden, bildeten die Basis für Entwurf und Auswahl der Materialien.
Der Konstruktionsprozess selbst ist ein gesellschaftliches Ereignis und kombiniert effektives Vorgehen mit einer weiten Zahl von Bildungs- und Fest- bzw. Partyelementen. Es könnte sich anfühlen wie eine Bildungsexkursion kombiniert mit einem Musikfestival und einer Technologieausstellung.
Auf dem gesamten Baustellengelände stehen Informationstafeln bereit, damit ein jeder in der Lage ist, dem Voranschreiten der Bauarbeiten zu folgen – vom Auftreten von Problemen über den Verlauf anschließender Untersuchungen bis hin zur Findung von Lösungen. Im Prinzip sind diese Informationen überall auf der Erde verfügbar. Somit kann jeder, der sich für das Projekt interessiert, auf dem neuesten Stand bleiben, eigene Fertigkeiten erweitern und vertiefen, und folglich ist es jedem möglich, eigene Ideen zur Lösung von Problemen oder zur Verbesserung von Lösungen beizusteuern. Workshops, die themenverwandte Themen zur Konstruktion von Brücken behandeln, unterstützen jeden bei der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten. Dies ermöglicht eine fachspezifische Kommunikation auf dem Baustellengelände.
Auf dem Baustellengelände genutzte Werkzeuge, wie Bagger und Kräne, könnten so entworfen sein, dass sie so leise wie möglich sind. Unangenehme Effekte wie Gestank oder Staub werden so weit wie möglich vermieden, um eine angenehme Atmosphäre auf dem Baustellengelände und um das Baustellengelände herum zu gewährleisten.
Faktisch können wir uns nicht im Detail vorstellen wie effektiv, lustig, inspirierend, gesund und voller Freude sich eine solche Baustelle anfühlen kann. Aber es gibt einen wichtigen Punkt hervorzuheben: Jedes Individuum auf dem Baustellengelände kann kommen und gehen, wann sie oder er will, da der Bauprozess nicht von einer speziellen, kleinen Gruppe von Menschen abhängt. Das liegt daran, dass die Gesellschaft jeden beim Lernen, Aneignen und Anwenden jeder Art von Technik oder Maschine unterstützt.
Die Kernmotivation eines effizienten Brückenbaus, der Umweltkriterien respektiert, hat ihren Ursprung bei den lokalen Bürgern und all jenen, die die jeweilige Region, ihre Natur, Kultur und Atmosphäre lieben. Es ist deren Bedürfnis, deren Motivation, deren Interesse und schließlich deren Wille, sich darum zu kümmern, dass alles so perfekt und angenehm wie möglich abläuft.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Einige Ressourcen scheinen nur in begrenztem Maße zu existieren. Solche Ressourcen sind z.B. Rohstoff- und Energieressourcen. Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie gehen wir mit der Endlichkeit von Ressourcen um?
Im folgenden Abschnitt vergleichen wir die heutige Herangehensweise zur Organisation von Ressourcen mit der oben erläuterten Herangehensweise. Beide Ansätze nehmen die Endlichkeit einiger Arten von Ressourcen als gegeben an. Des Weiteren stellen wir unsere Ansicht darüber dar, warum und wie die derzeitige Idee von Eigentum eine so dominierende und unumstößliche Wichtigkeit erlangt hat, wie die Idee von Eigentum mit Ressourcenknappheit in Beziehung steht und wie wir diese Situation zugunsten einer Form gesellschaftlicher Organisation verändern können, welche es unnötig macht, an Ressourcen festzuhalten, um ein sicheres, erfülltes und facettenreiches Leben auf der Erde genießen zu können. Dafür fasst dieser Vergleich beide Herangehensweisen, mit der Endlichkeit von Ressourcen umzugehen, zusammen und vergleicht die damit einhergehenden Mechanismen beider Herangehensweisen.

Frage: Wie kamen wir dorthin, wo wir heute sind?
In unseren Augen kann das derzeitige Wirtschaftssystem verstanden werden, indem man auf die geschichtliche Entwicklung der Menschheit schaut. Historiker sagen, dass wir, die Menschheit, einmal in kleinen Gruppen lebten, die geographisch über weite Entfernungen zerstreut waren. Diese Gruppen lernten, wie sie Nahrung finden, jagen und kultivieren konnten und entwickelten Wege, um innerhalb ihrer Gruppen effektiv kommunizieren zu können. Jede Gruppe entwickelte spezifische Wege der Kommunikation – ihre spezifische Form von Sprache. Kommunikation zwischen den Gruppen war schwierig, da sie verschiedene Sprachen verwendeten.
Da Verständnisse über die Welt, in der sie lebten, – und folglich Technologie – noch nicht so weit fortgeschritten war, dass sie die Schaffung und Erhaltung von Reichhaltigkeit ermöglichten, war außerdem Knappheit für die Gruppen und ihre Mitglieder eine häufig wahrgenommene Erfahrung. Oft dominierte Ressourcenknappheit die globale Situation. Ressourcenknappheit bedeutete für die Mitglieder der frühen Gemeinschaften oft, dass sie aufgrund von winterlichen Nahrungsmittelengpässen verhungern mussten, aufgrund von Wasserknappheit zu Dürrezeiten verdursten mussten oder, dass ihre wertvollen Ressourcen von anderen hungrigen Gruppen entwendet wurden.
Nicht mit anderen Gruppen kommunizieren zu können und gleichzeitig unbekanntes Auftreten, Verhalten und Handeln von Mitgliedern dieser anderen Gruppen zu beobachten, könnte gegenseitige Skepsis, Misstrauen und sogar Angst ausgelöst haben. Diese Angst gegenüber anderen ging wahrscheinlich mit der Angst darüber einher, wichtige Dinge im Leben oder das Leben selbst wegen des erwähnten Erlebens von Knappheit zu verlieren. Aus diesen Ängsten heraus entwickelte sich dann eine abwehrende Haltung gegenüber anderen Gruppen, um den eigenen Zugriff auf Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Ackerland oder jegliche weitere Ressource zu sichern. Diese abwehrende Haltung aufgrund von Angst gegenüber dem Unbekannten ist wahrscheinlich die Grundlage der Mentalität von Eigentum.
Nichtsdestotrotz hatte jede Gruppe Zugang zu verschiedenen Arten von Ressourcen. Das Interesse an Ressourcen einer anderen Gruppe stellte hierbei eine antreibende Motivation für die Entwicklung von Kommunikationswegen dar. Wenn eine erste Gruppe an den Ressourcen einer anderen zweiten Gruppe interessiert war, verlangte die zweite Gruppe eine interessante Ressource der ersten Gruppe im Austausch dafür. Das Prinzip des Tausches etablierte sich zwischen den Gruppen. Als Tausch eine etablierte Art und Weise zur Aneignung von Ressourcen war, vereinfachte Geld das Prinzip des Tausches und ermöglichte eine völlig neue Dimension des Handels. Dennoch ist Geld eine andere Form des Tausches und Tausch geht mit unserer heutigen Vorstellung von Eigentum einher, welche eine direkte Konsequenz von Wertevorstellungen ist, die durch das Leben in Knappheitsumfeldern entstehen. Knappheitsumfelder, welche im Wesentlichen deshalb bestehen bleiben, weil angenommen wird, Zustände von Ressourcenknappheit nicht in Zustände von Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit wandeln zu können.
Zusammengefasst gab es also zwei große Defizite in dieser Gesellschaftsform, welche aus der losen Verknüpfung mehrerer verteilter Gruppen bestand: Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den einzelnen Gruppen und fehlende Verständnisse darüber, wie Ressourcenknappheit überwunden werden kann. Noch bis heute dominiert Angst vor fremden Gruppen, ihren Kulturen und Traditionen die Weltsicht vieler Menschen und Gruppen. Das liegt größtenteils an den erwähnten Kommunikationsschwierigkeiten sowie etablierten Gedankenkonstrukten wie Vorurteilen und Überzeugungen anderen Menschen gegenüber und darüber wie die Dinge „sind“ bzw. „sein müssen“. Zusätzlich gibt es innerhalb dieser Gruppen und folglich innerhalb der gesamten globalen Gesellschaft sehr große Defizite, was die Etablierung effektiver Organisation zur Überwindung von Ressourcenknappheit angeht. Das liegt größtenteils an dem fehlenden Bewusstsein über die Notwendigkeit, Zustände von Ressourcenknappheit zu überwinden, um ein friedliches und nachhaltiges Miteinander zu ermöglichen. Daher schützen viele Gruppen (z.B Nationen) ihre Besitztümer aus Angst, einen erreichten Lebensstandard zu verlieren anstatt Reichhaltigkeit anzustreben. Deshalb hat die Idee von Eigentum eine so dominierende und scheinbar unumstößliche Wichtigkeit erlangt. Das mangelnde Bewusstsein über die Fähigkeit zur Umgehung von Ressourcenknappheit, kombiniert mit den Effekten von verschlossener, vorsichtiger Kommunikation aufgrund von Angst, bilden die Fundamente der Entwicklung der derzeitigen Idee von Eigentum, und folglich sind sie die Fundamente der Nutzung von Geld.

Um im heutigen Wirtschaftssystem legal auf Waren und Dienstleistungen zugreifen zu können, muss man eine spezifische Menge an Geld ausgeben: Den Preis. Je knapper eine Ressource im Verhältnis zur Höhe der Nachfrage erscheint, desto mehr Geld kann im Gegenzug für diese Ressource verlangt werden. Sehr knappe Ressourcen können sehr hohe Preise erzielen, da viele Menschen danach streben, diese „kostbaren“ Ressourcen zu erlangen, die nur in kleinen Mengen verfügbar zu sein scheinen. Folglich gibt es einen Anreiz, Ressourcenknappheit bewusst herbeizuführen, um finanzielle Möglichkeiten zu sichern bzw. zu steigern. Dieser Umstand bietet Individuen, Nationen und Unternehmen Anreiz, die Versorgung vorsätzlich zu reduzieren bzw. die Nachfrage nach eigens vertriebenen Ressourcen künstlich zu steigern. Das heißt, dass ein monetäres System auf Ressourcenknappheit basiert und diese folglich provoziert.
Dennoch ist die wohl verblüffendste Erkenntnis, dass Ressourcen, die reichlich verfügbar sind, nicht verkauft werden würden, weil niemand die Notwendigkeit sehen würde, einen Preis dafür zu zahlen. Zum Beispiel würde in der Wüste kaum jemand Geld für Standard-Wüstensand ausgeben. Kaum jemand würde Geld für Frischluft ausgeben, zumindest nicht solange die Luft der Atmosphäre sauber ist. Eine reichlich verfügbare Ressource anzubieten bzw. daran zu arbeiten, ein Produkt in reichlichen Mengen verfügbar zu machen, kann die Möglichkeit senken, ein zufriedenstellendes Einkommen zu erlangen. Das zeigt, dass das derzeitige monetäre System nicht nur auf Knappheit basiert, sondern auch nur ausschließlich innerhalb eines Rahmens von Knappheit funktioniert.
Der Fokus des derzeitigen Wirtschaftssystems liegt nicht im „Verreichhaltigen“ von Ressourcen, sondern eher im Verwalten von Knappheit innerhalb der Gesellschaft. Deshalb nennen wir, die Autoren, ein solches Wirtschaftssystem Knappheit-Verwaltende Ökonomie.
Innerhalb von Gesellschaftssystemen, die ihre Ressourcen über eine Knappheit-Verwaltende Ökonomie organisieren, ist Entscheidungsfindung (z.B. Politik) wichtig, um festzulegen, welche Wege zur Verteilung von Ressourcen unter welchen Umständen gesellschaftlich akzeptiert sind und welche nicht. Dennoch könnte die Organisation von Ressourcen auch heutzutage viel effektiver sein, wenn wir ausführliche, aufgeschlossene Kommunikation als Basis von Lösungsfindung erkennen würden. Allzu oft ist Geld heute unser einziges Kommunikationsmittel zur Organisation von Ressourcen. Geld als Kommunikationsmittel zur Organisation von Ressourcen spiegelt aber nicht die Vielfältigkeit von Bedürfnissen und technologischen Möglichkeiten wieder.
Ein kurzer Überblick über unsere heutige Gesellschaft, welche scheinbar noch nicht erkannt hat, welche Wege sie einschlagen kann, um Ressourcen in Reichhaltigkeit zu erschaffen – damit Menschen nicht permanent um sie kämpfen müssen -, kann in einem der Übersichtsartikel nachgelesen werden (→ Unsere Gesellschaft).

Die Fähigkeit, Ressourcenreichhaltigkeit zu schaffen, kann die Notwendigkeit für ein monetäres System hinfällig machen. Dafür müssen wir die grundlegenden Herangehensweisen gesellschaftlicher Organisation verändern. Wir müssen damit beginnen, ausführlich und zufriedenstellend miteinander zu kommunizieren, uns gegenseitig über unsere Bedürfnisse, Wünsche und Möglichkeiten zu informieren. Nur so können wir eine Form gesellschaftlicher Organisation schaffen, die effizient mit Ressourcen umgeht. Nur so können wir Ressourcenreichhaltigkeit etablieren, die es uns ermöglicht, die Befriedigung der Bedürfnisse eines Jeden zu koordinieren.

 

Unsere Fähigkeit zur Organisation gesellschaftlicher Bestrebungen hat sich um ein Vielfaches gesteigert, im Vergleich zu der Zeit, als wir noch in verstreuten kleinen Gruppen lebten. Seitdem haben wir über den gesamten Globus hinweg Kommunikationssysteme wie Postdienste, Mobilfunkdienste oder Kommunikationsdienste etabliert, die über das Internet angeboten werden. Wir sind in der Lage, nahezu jede Sprache in jede andere zu übersetzen. Theoretisch könnte jeder Mensch mit jedem anderen Menschen kommunizieren. Dank Online-Enzyklopädien, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken haben wir zusätzlich ein Gefühl dafür, wie Informations- und Wissensplattformen die globale Gesellschaft darin unterstützen könnten, globale Kooperation zu etablieren. Darüber hinaus sind Ressourcenmanagement, Erfassung der Nachfrage und effektive Organisation grundlegende Prinzipien in der Philosophie heutiger Unternehmen. Erfolgreiche Unternehmen setzen auf effektive Mitarbeiter- und Kundenkommunikation, engen Kontakt zu Forschungseinrichtungen und eine schnelle Anpassung an die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern.
Das heißt: Die nötigen Konzepte, um den Übergang hin zu einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu initiieren, existieren bereits und werden – zumindest in Teilen – eingesetzt. Das Problem liegt lediglich darin, dass sie isoliert von einander eingesetzt werden. Sie funktionieren noch nicht als ein globales System, angewandt zur Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen. Zur Zeit sind diese Systeme weder gezielt miteinander verbunden noch koordiniert.
Um alle gesellschaftlichen Elemente effektiv miteinander koordinieren zu können, muss die gezielte Anwendung von Kommunikation Grundlage gesellschaftlicher Organisation werden (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Diese Kommunikation von Ideen und deren Umsetzung muss zu einer effizienten Nutzung von Ressourcen führen. Effizient heißt in diesem Fall, Dinge so zu entwerfen und zu nutzen, dass wir die nachhaltige Befriedigung von Bedürfnissen auf diesem Planeten sichern können. Es heißt also, keinerlei Müll zu produzieren. Alle Materialien sollten wiederverwertet werden (→ Technologie).
Durch die Umsetzung dieser Ziele könnten wir in der Lage sein, die Schaffung von Reichhaltigkeit auf der Erde zu realisieren. Reichhaltigkeit heißt, dass wir stets leicht mehr anbieten als wir benötigen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Es heißt, dass wir stets ein wenig mehr produzieren als notwendig, um die Nachfrage – und folglich Bedürfnisse – optimal befriedigen zu können. Das Dilemma, von etwas nicht genug zu haben, würde dann eher selten als oft auftreten. Und selbst wenn wir Mangel an etwas erleben, könnten wir uns auf Formen der Organisation stützen, die es uns ermöglichen, schnell miteinander zu kommunizieren. Über diese Kommunikation können wir Wege organisieren, die uns dabei unterstützen, die erlebte Knappheit durch die Entwicklung von Alternativen “umgehen” und dringende Bedürfnisse befriedigen zu können.
Darüber hinaus bedeutet Reichhaltigkeit, dass jeder auf die Dinge Zugriff hat, auf die sie oder er Zugriff haben möchte, und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem sie oder er diese Dinge benötigt. Das bedeutet, die Notwendigkeit, an Ressourcen festzuhalten, um sich selbst zu schützen bzw. die eigene Existenz zu sichern, indem wir uns gegenseitig den Zugriff auf diese Ressourcen verwehren, könnte sich verringern oder sogar verschwinden. Wir müssten nicht mehr an ihnen festhalten, weil wir sicher sein könnten, dass jedem Individuum Reichhaltigkeit geboten wird und zwar durch ein Gesellschaftssystem, welches von der Menschheit für die Menschheit entwickelt wird. Aufgrund dessen, dass man sich sicher sein kann, dass man dann Zugriff auf die Dinge hat, die man braucht, wann immer man sie braucht, muss man materielle Dinge (wie z.B. Geld für Nahrungsmittel, die Nutzung von Transportmitteln, Landbesitz, usw.) nicht mehr horten, um sich den Zugriff darauf zu sichern. Daher kann ein freier Fluss von Ressourcen möglich werden.
Gepaart mit dem Verständnis darüber, dass wir die Ressourcen der Erde schonen und erhalten müssen, kann solch eine Verfügbarkeit von Ressourcen zu einer Mentalitätsverschiebung weg vom Festhalten an materiellen Werten, hin zu einer sehr fürsorglichen und umsichtigen Nutzung der Waren führen, die wir nutzen und fertigen. Mit Hilfe dieser Form der Organisation könnten wir eine „Mentalität des Zugriffs“ entwickeln. Das heißt, dass Menschen Ressourcen nur so lange nutzen, wie sie sie benötigen. Wenn Menschen Ressourcen nicht mehr benötigen, können diese zurückgegeben und anderen verfügbar gemacht werden. Das könnte wie das Konzept einer Bibliothek, kombiniert mit dem Konzept einer Fabrik zur Wiederverwertung von Flaschen funktionieren. Falls Produkte ausgedient haben bzw. als unpraktisch empfunden werden, können sie aktualisiert oder wiederverwertet werden, wobei ihre Materialien zur Herstellung neuer Dinge verwendet werden können (→ Technologie).
Durch die Etablierung von Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit wie auch einer sich entwickelnden Mentalität des Zugriffs könnte es folglich möglich sein zu beobachten, wie sich Werte etablieren, die die globale Gesellschaft in ihrem Streben nach dem Ziel von Gesellschaft unterstützen (→ Werte). Innerhalb dieses Prozesses könnten wir den Übergang zu einer Gesellschaft erleben, die jeden so gut wie möglich unterstützt. Auf diesem Weg könnte jedem Individuum Glück und Zufriedenheit über die gesamte Lebenszeit möglich sein.

Kurz, sobald wir also beginnen, gesellschaftliche Koordination gezielt auf effektiver Kommunikation und Organisation zu gründen, wären wir in der Lage, gesellschaftliche Strukturen zu etablieren, die eine effiziente Nutzung von Ressourcen ermöglichen. Kontinuierlich wachsende Ressourceneffizienz ebnet den Weg zur Schaffung von Ressourcenreichhaltigkeit. Ressourcenreichhaltigkeit ermöglicht wiederum einen freien Fluss von Ressourcen. Anstatt Rohstoffe, Werkzeuge, Wissen und Informationen als Eigentum zu bezeichnen, würden Individuen Zugriff auf das haben, was sie brauchen, zum Zeitpunkt des Bedarfs. Eine Mentalität des Zugriffs würde es uns ermöglichen, uns von unserer derzeitigen Sicht auf Eigentum loszulösen, während wir gleichzeitig ein effektiveres ökonomisches Konzept entwickeln.

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Wenn wir die ethischsten und ehrlichsten Führungskräfte
wie Politiker und Manager wählen, könnte das heutige System funktionieren.“

Diese Meinung wird oft geäußert, um zu verdeutlichen, dass die Ursachen der Probleme wie Armut, Korruption und Krieg, mit denen wir heutzutage konfrontiert sind, in unethischem Verhalten und so genannten „schlechten Entscheidungen“ von Führungskräften liegen. Unserer Ansicht nach sind unethisches Verhalten und „schlechte Entscheidungen“ Symptome, keine Ursachen. Die Ursachen, mit denen die globale Gesellschaft konfrontiert ist, sind systemischer Natur. Sie haben ihren Ursprung in den Strukturen unserer derzeitig etablierten Gesellschaftssysteme, deren Wechselbeziehungen untereinander und ihren Auswirkungen auf das Ökosystem der Erde. Wir betrachten unethisches und unehrliches Verhalten als Resultate, als Konsequenzen, als Symptome eines Umfeldes von Knappheit und von Werten und Ansichten, die daher rühren, sich an ein solches Knappheitsumfeld anpassen zu müssen (→ Menschliches Verhalten).
In unserer heutigen Gesellschaft sind Führungskräfte dazu veranlasst, Symptome wie unethische sowie unehrliche Verhaltensweisen und resultierende Konflikte durch Regeln und Gesetze und deren Umsetzung einzuschränken. Dieser Umstand sorgt in unseren Gesellschaftssystemen für massenhaft Bürokratie und außerdem für Tendenzen, alles und jeden zu überwachen bzw. zu kontrollieren. Wie dem auch sei, das Bestreben, Symptome einzuschränken, verringert nicht das Auftreten systemischer Probleme und kann sogar weitere negative Folgen und Konflikte nach sich ziehen. Deshalb sollte sich die globale Gesellschaft auf die Beseitigung von systemischen Problemen konzentrieren, um das Auftreten von negativen Konsequenzen bzw. Konflikten zu reduzieren. Je besser die Gesellschaftssysteme jeden dabei unterstützen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen bzw. eigene Vorhaben umzusetzen, indem sie verschiedene Bestrebungen gezielt koordinieren, desto weniger Konflikte treten auf, desto weniger Kriminalität entsteht, desto weniger Kontrolle ist notwendig, desto weniger Regeln und Gesetze werden benötigt, desto weniger verkompliziert Bürokratie unser Leben und desto besser können sich Führungskräfte darauf konzentrieren, einzigartige Koordinationsprobleme zu lösen, anstatt immer und immer wieder mit derselben Art von Konflikten konfrontiert zu werden.
Selbst wenn die ethischsten und ehrlichsten Führungskräfte die heutige Gesellschaft in den Rahmen des heutigen Gesellschaftssystems führen würden (mit der Intention, die Befriedigung der Bedürfnisse eines jeden einzelnen Individuums zu ermöglichen), müssten sie permanent gegen die starken, gegeneinander wirkenden Mechanismen („mein Vorteil ist dein Nachteil“) kämpfen, die durch die bloße Absicht eines jeden Menschen getrieben werden, ein angenehmes Leben zu leben (→ Grundlegende Verständnisse). Wir sollten gesellschaftliche Mechanismen gezielt gestalten, ihren konkurrenzbetonten Charakter in einen kooperativen Charakter wandeln, anstatt Grenzen zu errichten, die menschliche Bestrebungen durch freiheitsbegrenzende Regeln und Gesetze blockieren (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

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„Man kann nicht alles haben.“

Man braucht nicht alles. Zumindest braucht man nicht alles auf einmal. Beispielsweise kann einer allein nicht zwei Autos fahren, um von A nach B zu reisen. Folglich ist es nicht notwendig, alles für jeden zu kreieren, um das Gesellschaftssystem in die Lage zu versetzen, die Bedürfnisse eines jeden erfüllen zu können. Wir brauchen lediglich eine Form der Organisation, die jeden mit den gewünschten Dingen zu dem Zeitpunkt versorgt, an dem sie oder er diese benötigt. So könnte ein Individuum auf alles Zugriff haben und würde nur einen kleinen Teil der ganzen Spanne an Möglichkeiten zu einem Zeitpunkt nutzen. Daher kann alles übrige zwischendurch von all den anderen genutzt werden.
Die obige Meinung hört man auch oft in Situationen, in denen sich jemand einen Wunschgegenstand nicht leisten kann bzw. keine Möglichkeit sieht, ein Vorhaben umzusetzen. Das ist normalerweise dann der Fall, wenn dieser Gegenstand zu teuer ist oder die Umsetzung einen zu hohen Aufwand erfordern würde. Diese Meinung drückt also auch aus, dass man manche Dinge im Leben als unerreichbar akzeptieren muss.
Um Gründe dafür herauszuarbeiten, warum man nicht in der Lage ist, etwas zu erreichen, ist es notwendig, Fragen nachzugehen wie „Was ist nötig, damit ich mein Ziel erreichen kann?“ und „Wie kann ich mein Ziel erreichen?“. Indem man Bücher liest, Fragen stellt und sich nach anderen umsieht, die ähnliche Ziele verfolgen, könnte ein Individuum mehrere Wege offenlegen, um die gewünschte Situation zu erreichen (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Individuen, die es gewohnt sind, Wege zu finden, um etwas möglich zu machen anstatt Dinge als unerreichbar zu erklären bzw. zu akzeptieren, erreichen oft Dinge, von denen viele gedacht hätten, das sie unerreichbar wären.

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„Wir brauchen mehr Arbeitsplätze.“

Frage: Welche sind die eigentlichen Bedürfnisse hinter dieser Art von Aussage? Und wie kann die Gesellschaft bestmöglich dabei helfen, die Befriedigung dieser Bedürfnisse zu unterstützen?
Es gibt zwei Bedürfnisse, auf die wir die obige Aussage zurückführen konnten:
Das erste hinter dieser Aussage stehende Bedürfnis ist die Tatsache, dass Menschen Zugriff auf Ressourcen wie Informationen, Waren und Dienstleistungen benötigen. Heutzutage ist der Zugriff auf Ressourcen über die Nutzung von Geld organisiert. Über Jahrhunderte und bis heute war eine bezahlte Arbeit für die Mehrzahl der Bevölkerung die einzige legale Möglichkeit, Geld zu erhalten. Folglich gibt es innerhalb der Gesellschaft eine sehr große Nachfrage nach Arbeitsplätzen. Nichtsdestotrotz ist das erste tatsächliche Bedürfnis, das sich hinter der Forderung nach Arbeitsplätzen verbirgt, Zugriff auf benötigte Ressourcen zu erhalten, die es einem Individuum ermöglichen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen bzw. persönliche Ziele zu erreichen.
Das zweite Bedürfnis, das wir dieser Aussage entnehmen konnten, ist das Bedürfnis, einer Tätigkeit nachgehen zu können, die das Individuum erfüllt bzw. erfreut. Eine Beschäftigung, die das Individuum inspiriert. Eine, die Fertigkeiten und Wissen des Individuums herausfordert. Etwas, dass interessant und sinnvoll ist.
Den Zugriff auf Ressourcen zu ermöglichen kann hierbei Individuen der globalen Gesellschaft in die Lage versetzen, erfüllenden Tätigkeiten nachzugehen. Die Gesellschaft könnte und sollte Menschen selbst wählen lassen, welchen Aktivitäten sie nachgehen wollen. Das impliziert natürlich, dass intrinsische Motivation die führende Motivationsform der Individuen der Gesellschaft wird (→ Menschliches Verhalten).
Mit Hilfe von gut funktionierenden Kommunikationssystemen und Wissensplattformen sollte es das Gesellschaftssystem möglich machen, dass solche Menschen, die es lieben, einer Aufgabe nachzugehen, von jenen Menschen kontaktiert werden bzw. in Verbindung treten können, die ein Vorhaben umsetzen wollen. Diese Form der Zusammenarbeit ist eine Symbiose: Die oder der eine wird in der Realisierung eines Vorhabens bzw. bei der Umsetzung eines persönlichen Ziels unterstützt, während die oder der andere die Möglichkeit hat, eine sie bzw. ihn erfüllende Tätigkeit zu genießen sowie die eigenen Fertigkeiten voranzubringen. Es ist eine Win-Win-Situation, in der eine Gruppe von Individuen etwas kreiert, das die Expertise und die Erfahrung von mehr als einem Individuum benötigt.
Die Quintessenz: Wir brauchen nicht mehr Arbeit. Wir wollen Tätigkeiten nachgehen können, denen wir gerne nachgehen, die uns erfüllen. Und wir benötigen Zugriff auf Ressourcen, damit wir in der Lage sind, den Tätigkeiten, die uns interessieren, wirklich nachzugehen zu können. Menschen, die gelernt haben, an Themen ihrer Wahl zu arbeiten, ihrer inneren Motivation folgend, halten normalerweise selbstständig nach den Aufgaben ihrer Wahl Ausschau. Ihnen muss nicht gesagt werden: „Das ist von jetzt an dein Job! Mach das!“. Deshalb brauchen wir nicht mehr Arbeitsplätze. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, welches es uns ermöglicht, unsere Bedürfnisse zu befriedigen und uns dabei unterstützt, unsere Vorhaben umzusetzen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, dass uns Unterstützung bietet, wenn wir Unterstützung benötigen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, das es uns ermöglicht, uns gegenseitig zu finden, wenn wir uns gegenseitig brauchen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, das es uns ermöglicht, die Aufgaben unserer Wahl zu entdecken und ihnen nachzugehen und es uns folglich erlaubt, unsere Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung zu befriedigen.

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„Die besitzenden und mächtigen Menschen
sind für den Großteil unserer Probleme verantwortlich!“

Dem widersprechen wir. Es passiert leicht, die Verantwortung für Dinge, die einem missfallen, in gesellschaftlichen Gruppen zu sehen, mit denen man nicht direkt in Verbindung steht. Wenn man den Präsidenten eines Landes oder den Top-Manager einer Staatsbank nicht persönlich kennt, dann ist es einfach, diese Menschen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen, weil sie eigentlich diejenigen sind, die vernünftige Entscheidungen innerhalb ihres Verantwortungsbereichs treffen sollen. Es ist ebenso einfach, Menschen als Verantwortliche zu sehen, die großen Einfluss haben, aber keine offiziellen Posten bzw. Ämter bekleiden.
Wir, die Autoren, denken, dass die Probleme in der Art und Weise zu finden sind, wie wir die Gesellschaft heutzutage organisieren. Die Probleme haben ihre Ursache in dem Umstand, das wir in Knappheitsumfeldern leben, in denen Macht über andere ein mögliches – und oft notwendiges – Mittel zur Realisierung eigener Vorhaben ist. Innerhalb von Knappheitsumfeldern versetzt Macht über andere ein Individuum in die Lage, Ressourcen innerhalb der Gesellschaft zu dirigieren und somit zu vermeiden, Knappheit selbst zu erleben.
An die Notwendigkeit des Konzeptes von „reich“ und „mächtig“ zu glauben, zieht nach sich, dass es Menschen geben muss, die „arm“ und „machtlos“ sind. In unseren Gesprächen haben wir beobachtet, dass die meisten Menschen in der heutigen Welt daran glauben, dass es Menschen geben muss, die führen, und Menschen, die folgen, um eine gesellschaftliche Organisationsform zu etablieren, die den Individuen des Planeten ein erfülltes Leben ermöglicht. Dieser Glaube verbunden mit dem Glauben an die Notwendigkeit des Konzeptes von Eigentum – wie im Artikel beschrieben – sind die fundamentalen Überzeugungen, welche die Unterscheidung zwischen besitzenden, mächtigen Menschen sowie armen, machtlosen Menschen hervorbringen. Individuen Macht über andere zu gestatten, schafft Anreize, diese Macht zu missbrauchen. Diese Anreize sind in Knappheitsumfeldern noch einmal größer.
Um eine globale Gesellschaft in Frieden und Erfüllung zum höchstmöglichen Ausmaß zu etablieren, benötigen wir eine Form der Organisation, innerhalb der die Macht eines jeden über sich selbst – die Freiheit eines jeden Individuums – so groß wie möglich ist. Eine Form der Organisation, in der Macht über andere nicht notwendig ist, um eigene Ziele zu realisieren.
Das Hauptaugenmerk von Gesellschaftskritik sollte darin liegen, grundlegende Konzepte gesellschaftlicher Organisation, welche negative Konsequenzen verursachen könnten, zu hinterfragen, um in der Lage zu sein, diese grundlegenden Konzepte zu verändern. Folglich könnte es konstruktiv und hilfreich sein, alternative Wege gesellschaftlicher Organisation tiefgründig zu durchdenken und zu entwickeln, um in der Lage zu sein, Strukturen zu verändern, die persönlicher Autonomie bzw. Selbstbestimmung entgegenwirken. Des Weiteren kann es hilfreich sein, zu lernen, auf welche Art und Weise man Alternativen so präsentieren kann, dass sie einfach zu verstehen sind. Das Beschuldigen anderer Menschengruppen wird nicht dabei helfen, eine friedvolle, Freude bringende und gesunde Atmosphäre zu schaffen, die der Gesellschaft zum Erblühen und Gedeihen verhilft. Niemand, der vor hat, gesellschaftliche Strukturen konstruktiv zu kritisieren, sollte sich darauf konzentrieren, anderen Menschen Vorwürfe zu machen, ob das nun „reiche“ oder „mächtige“ Menschen sind, die „ungebildete“ Jugend, Schwarze oder Weiße, Homosexuelle, Amerikaner oder Chinesen, Christen, Juden, Muslime oder wer auch immer.
Wir brauchen keinen Hass und keine Aggression. Wir brauchen aufgeschlossene Kommunikation und ein respektvolles Miteinander, wenn wir Probleme lösen wollen, mit denen wir konfrontiert sind, um die Erfüllung unserer individuellen Bedürfnisse und Vorhaben zu koordinieren (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

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„Das hört sich ja alles toll an, aber es ist idealistisch.“

Ja, natürlich ist es das. Wenn ich ein Balletttänzer bin und es mein Ideal ist, fünf Pirouetten zu drehen, dann werde ich nicht nur auf drei Pirouetten hinarbeiten. Ich werde fünf anstreben. Als Bäcker würde ich anstreben, den wohlduftenden und leckeren Kuchen zu kreieren, der meinem geistigen Auge vorschwebt – mein persönliches Kuchenideal. Nicht weniger!
Jeder kreiert Ideale, wenn sie oder er über die bevorstehende Shoppingtour, das Streichen einer Wand oder über die Planung für den Flug zum Mond nachdenkt. Es ist notwendig, nach einem Ideal zu streben, um dem Ideal irgendwie nahe zu kommen. Wenn wir uns nicht einmal bemühen, ein Ideal zu realisieren, werden wir nirgendwo nah an die Verbesserung unserer Leistung oder die Erreichung unserer Ziele kommen.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zum Umgang mit Ressourcenknappheit).

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