Menschliches Verhalten

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Einführung

Definition
Was bedeutet der Begriff „Menschliches Verhalten“? Wir, die Autoren, beschreiben „Menschliches Verhalten“ wie folgt:

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„Menschliches Verhalten“ ist Synonym für die Gesamtheit menschlicher Aktivität.
Dies umfasst bewusste, unbewusste, aktive sowie auch passive Handlungen bzw. Reaktionen.
Menschliches Verhalten steht immer im Bezug zu einer das Individuum umgebenden Umwelt.

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Jeder Mensch handelt innerhalb der eigenen Umwelt und reagiert auf sie. Es ist nicht immer offensichtlich, ob ein Mensch aus eigenen Motiven heraus handelt oder ob er auf Ereignisse des Umfelds reagiert. Die Grenzen zwischen „Handlung“ bzw. „Aktion“ und „Reaktion“ sind fließend. Die menschliche Welt in „Individuum“ und „Umwelt“ oder „Aktion“ und „Reaktion“ einzuteilen, ist ein hilfreiches (menschliches) Konzept, um die Welt um uns herum zu beschreiben. Dennoch sollten wir im Gedächtnis behalten, dass „Umwelt“ und „Individuum“ nicht voneinander getrennt sind. Sie sind miteinander verknüpft.

Im Rahmen der Diskussion um Gesellschaftssysteme, die anstreben, den Freiheitsradius eines jeden Einzelnen maximal auszudehnen (→ Werte), sehen wir, die Autoren, es als wichtig an, Ursache und Wirkung von verschiedenen Ausprägungen menschlichen Verhaltens zu hinterfragen.

Das menschliche Individuum in seiner Umwelt
Beginnen wir bei den Wechselbeziehungen zwischen einem Menschen und der sie bzw. ihn umgebenden Umwelt. Jedes Individuum existiert in dessen jeweiligen individuellen Umwelt. Doch was bedeutet der Begriff „Umwelt“?

Es gibt eine Vielzahl von Aspekten, die in ihrer Gesamtheit die Umwelt eines Individuums ausmachen. Zum Beispiel die physische Umwelt: Wir sind umgeben von verschiedensten lebendigen Dingen, wie Pflanzen, Tieren und Menschen sowie nicht-lebendigen Dingen wie Steinen, Möbelstücken, Häusern und technischer Ausrüstung. Wir können unsere physische Umwelt sehen, hören, schmecken, erfühlen oder riechen. Außerdem ist jedes Individuum von einer sozialen Umwelt umgeben, bestehend aus Individuen wie Freunden, Partnern, der Familie und fremden Menschen. Das Individuum nimmt in diesen unterschiedlichen sozialen Umfeldern verschiedene soziale Rollen ein. Oft finden wir uns auch in organisatorischen Umwelten wieder, in denen wir Verantwortung innerhalb von Teams und Hierarchien übernehmen. Darüber hinaus ist jedes Individuum von verschiedenen Weltsichten, Werten und Lebenseinstellungen umgeben. Diese spiegeln sich im Verhalten von Mitmenschen wider, und werden über Gesprächs- und Medieninhalte, sowie geschichtliche Dokumentation, Musik, Film, Kunst und generell die das Individuum umgebende Kultur wahrnehmbar. Weiterhin findet sich das Individuum in einer technologischen Umwelt wieder, bestehend aus Kommunikationstechnik, Maschinen (wie Autos, Computer und Fahrstühle), Straßen und Versorgungssystemen, sowie Konzepten darüber, wie man all diese Dinge einsetzt. Es gibt noch viele weitere Aspekte, die du zur Beschreibung deiner Umwelt ausmachen kannst. Wir, die Autoren, möchten verdeutlichen, dass wir ALLES meinen, was uns umgibt – physisch, mental, sozial, spirituell usw. -, wenn wir von „Umwelt“ sprechen.

Ein Individuum wird von dessen Umwelt in verschiedenster Weise beeinflusst: Klimatische Bedingungen, Wasser- und Nahrungsmittelangebot, Mitmenschen mit verschiedensten Erwartungen, oder Gesetze, die jeder einhalten soll. Alle Umwelteinflüsse haben ihren Anteil daran, wie wir fühlen, denken und folglich handeln. Unsere Umwelt beeinflusst uns.

Umgekehrt beeinflusst jedes Individuum seine bzw. ihre Umwelt in verschiedenster Art und Weise. Wenn ich zum Beispiel mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen durch die Straßen laufe, könnte es sein, dass ich eine positive Wirkung auf die mir begegnenden Menschen habe. Wenn ich jedoch mit hasserfüllten Augen durch die Straßen laufe, werde ich womöglich eine andere Wirkung auf diese Menschen haben. In Gesprächen haben wir die Wahl, ob wir eine Idee vorbringen oder sie zurückhalten wollen. Wir können mitbeeinflussen, auf welche Art und Weise technische Geräte und Prozesse entwickelt werden. Wir können anderen Menschen die Gestaltung der Gesellschaft in unserem Sinne überlassen, wir können selbst zu Gestaltern der Gesellschaft werden oder wir halten uns gänzlich aus dem gesellschaftlichen Gestaltungsprozess heraus. Jede Wahl, die ein Individuum trifft, beeinflusst ihre bzw. seine Umwelt. Tatsächlich ist jeder Mensch ständig damit konfrontiert, aus Optionen zu wählen.

In welchem Ausmaß ein Individuum seine bzw. ihre Umwelt beeinflussen kann, hängt stark von der persönlichen Lebenssituation des Individuums ab. Dies umfasst zum Beispiel ihre bzw. seine Gesundheit, eigenes Wissen und eigene Fähigkeiten, die eigene soziale Rolle und Reputation und die umgebenden Gesellschaftssysteme. Letztendlich kann aber folgende Aussage getroffen werden: Das Verhalten eines jeden Individuums beeinflusst, wie sich andere Individuen fühlen, worüber sie sich Gedanken machen und wie sie handeln. Da die Gesellschaft aus der Gesamtheit aller Individuen besteht, beeinflusst das Verhalten eines jeden Individuums folglich auch, wie die Gesellschaftssysteme aufgebaut sind und wie sie funktionieren.

Die Wechselwirkung verläuft also stets in beide Richtungen: Unsere Umwelt beeinflusst uns und wir beeinflussen unsere Umwelt.
Umwelt & Individuum

Wie wir werden, wer wir sind

Die Zeitleiste der Einflüsse
Über die gesamte Lebenszeit eines Individuums hinweg wird dieses Individuum durch die Wechselbeziehungen mit vielen Aspekten seiner, bzw. ihrer Umwelt beeinflusst. Diese Interaktion mit der Umwelt formt und prägt das Individuum in seiner Art und Weise mit der Umwelt zu interagieren. Alle Formen und Facetten der Einflüsse auf menschliches Verhalten in ihrer Gesamtheit aufzuzeigen, ist aufgrund ihrer Vielfältigkeit ein wahrscheinlich unmögliches Unterfangen. Im Folgenden wollen wir einen anschaulichen Überblick über die Vielfalt an Umwelteinflüssen geben, die menschliche Individuen und folglich deren Verhalten beeinflussen. Dazu stellen wir zunächst eine Grafik vor, die wir anschließend erläutern.
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Zeitachse - Meine EntwicklungsgeschichteDies ist eine Zeitleiste von Einflüssen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Leben eines Menschen ist ihr bzw. sein Verhalten Folge des Zusammenspiels aller gegenwärtigen und aller vergangenen Einflüsse, die je auf diesen Menschen gewirkt haben. Die spezifischen Aktions- und Reaktionsmuster eines jeden Individuums sind die Folge der sich überlagernden Einflüsse, denen dieses Individuum über sein bzw. ihr gesamtes Leben hinweg ausgesetzt ist.

1 Genetik (Merkmale der Spezies und Veranlagungen)
Im Moment der Befruchtung vereinen sich die Gene der Mutter mit denen des Vaters und bilden den Bauplan eines neuen Menschen. Dieser Bauplan ist der genetische Code des Individuums – das Genom bzw. Erbgut. Wie auch jede andere uns bekannte Spezies auf der Erde ist das Erbgut eines jeden Menschen einzigartig (ausgenommen eineiige Zwillinge, deren Erbgut identisch ist). Da Gene die Baupläne eines Individuums sind, haben sie auch Einfluss auf die Wesenszüge eines Individuums. Wie intensiv ein Mensch Kälte und Wärme, Freude und Wut fühlt, oder wie anfällig sie bzw. er für bestimmte Krankheiten ist, hängt u.a. von ihrem bzw. seinem Erbgut ab. Das ist, was Veranlagung genannt wird: Die genetisch bedingte Tendenz zu bestimmten Eigenschaften oder Verfassungszuständen.

Es gibt spezifische Eigenschaften der Spezies Mensch, die im Erbgut kodiert sind, und die alle Menschen gemeinsam haben: Jeder Mensch lebt eine Balance zwischen Aktivität und Ruhe. Wir müssen atmen, essen und trinken, um unseren Körper mit Energie zu versorgen. Blut fließt durch unsere Adern, angetrieben durch den Rhythmus unseres Herzens. Unser hormonelles Gleichgewicht – das Gleichgewicht des Systems signalisierender Moleküle in unserem Körper – variiert kontinuierlich im Verlauf unseres Lebens und beeinflusst unseren Stoffwechsel, unsere Gemütszustände, Emotionen und Kreisläufe. Über vielschichtige Mechanismen koordiniert neuronale Aktivität die verschiedenen Zellen und somit Organe in unserem Körper und deren Funktion. Unsere Haut ist in der Lage mit Sonneneinstrahlung, Wind, Hitze und Kälte umzugehen. Diese und andere Merkmale der Spezies stellen die Grundlage des menschlichen Organismus dar und bilden somit die biologischen Rahmenbedingungen für die Interaktion mit unserer Umwelt. (A0)

2 Epigenetik
In einem Organismus gibt es sowohl aktive als auch inaktive Gensequenzen. Nur aktive Gensequenzen werden im Organismus umgesetzt, inaktive nicht. Der Epigenetische Mechanismus hat Einfluss auf die Aktivierung, bzw. Deaktivierung (A1). Ob Gensequenzen aktiviert oder deaktiviert werden, hängt davon ab, welche Umwelteinflüsse auf ein Individuum wirken. Wenn sich Umweltbedingungen ändern oder das Individuum seine Lebensweise (z.B. Wahl der Nahrungsmittel, Gewohnheiten, mentale Haltungen) ändert, kann sich auch dessen epigenetische Konfiguration ändern. Teile der epigenetischen Konfiguration eines Individuums werden sogar an die folgende Generation vererbt.

Ein bekanntes Beispiel für Auswirkungen epigenetischer Prozesse sind die Langzeitstudien mit Überlebenden des niederländischen “Hongerwinter” aus dem Jahre 1944: Kinder, deren Mütter während diesen Winters in einer bestimmten Phase der Schwangerschaft an Mangelernährung litten, zeigten höhere Fettleibigkeitsraten. Diese Effekte waren sogar teilweise in der dritten Generation präsent. Sie wurden vererbt.

3 Pränatale Phase
Die Entwicklung eines Menschen beginnt im Bauch der Mutter. In den neun Monaten pränatalen Wachstums ist der junge Mensch abhängig von der Gesundheit der Mutter. Sein bzw. ihr Wachstum ist beispielsweise stark von der Qualität des Wassers und der Nahrung abhängig, auf die die Mutter Zugriff hat. Das Wachstum und die Gesundheit des Fötus werden ebenfalls von der Art und Menge an Medikamenten, Alkohol und Drogen beeinflusst, die die Mutter konsumiert. Krankheitsphasen bzw. Phasen außergewöhnlicher Belastung der Mutter üben zusätzlich enormen Einfluss auf die pränatale Entwicklung des Fötus aus. Belastungen durch Geräusche und Lärm sowie Gifte und Strahlung, und inwieweit die Mutter Zugang zu medizinischer Versorgung nutzen kann, sind weitere Einflussfaktoren.

Die Gesamtheit aller Umwelteinflüsse beeinflusst die Gesundheit und den Körperbau des Fötus. Sie erzeugen erste Erfahrungen, die sich lange nach der Geburt in den Eigenschaften und Verhaltensmustern dieses Menschen widerspiegeln können.

4 Nahrung, Wasser und andere physische Gegebenheiten
Nach der Geburt befindet sich der junge Mensch in einer sehr andersartigen Umwelt und muss in dieser von nun an zurecht kommen. Damit sich der Mensch optimal entwickeln und entfalten kann, muss seine Umwelt die physischen Bedürfnisse des menschlichen Organismus nach lebenswichtigen Gütern wie Wasser, Nahrung, Sauerstoff und Sonnenlicht befriedigen.

Die regelmäßige Aufnahme von Wasser und Nahrung ist eine biologische Notwendigkeit eines sich entwickelnden Menschen. Der menschliche Körper besteht zu mehr als 70% aus Wasser. Wasser bildet die Basis menschlicher Körperflüssigkeiten und ermöglicht so den Transport von Sauerstoff, Nährstoffen und Botenstoffen. Nahrungsmittel versorgen den Organismus mit Nährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen und Mineralien. Diese Nährstoffe ermöglichen es dem menschlichen Organismus, zu wachsen und zu gedeihen. Die Wasser- und Nahrungsmittelqualität ist einer der größten Einflussfaktoren auf die Gesundheit, Fitness und Krankheitsresistenz eines Individuums.

Leider gibt es Gegebenheiten, die die Entwicklung eines menschlichen Organismus bedrohen können. (Regelmäßig) der Belastung toxischer Chemikalien sowie extremer Lautstärke, Temperatur oder Strahlung ausgesetzt zu sein, gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern kann die Entwicklung eines Individuums erheblich stören.

5 Sozialisation
Einen sehr komplexen und sehr bedeutenden Einfluss stellt der Prozess der Sozialisation dar. Sozialisation beschreibt den aktiven und passiven Transfer von gesellschaftlichen Werten, Haltungen, Weltsichten, Erfahrungen, Konzepten, Wissen, Fertigkeiten und somit Verhaltensmustern auf das sich entwickelnde Individuum. Ein Individuum nimmt seine bzw. ihre Umgebung wahr und eignet sich folglich Gedanken und Verhaltensmuster ihrer bzw. seiner Mitmenschen an.

In frühen Entwicklungsphasen ist ein Kind sehr aufgeschlossen, unvoreingenommen, neugierig und dadurch empfänglich für Information. Aus diesem Grund ist ein Kind verletzlich. Da ein Kind seine ersten Erfahrungen durchlebt, akzeptiert es viele Dinge als gegeben. Deshalb haben Eltern, die Familie und generell das Umfeld, in dem das Kind aufwächst, einen erheblichen Einfluss auf die Persönlichkeit des Kindes. Zum Beispiel macht es einen Unterschied ob ein Umfeld laut, hektisch und aufreibend, oder ob es ruhig, entspannt und ausgeglichen ist. Es macht einen Unterschied, ob sich die Familie einem Kind zuwendet und versucht, Dinge zu erklären oder ob die Menschen im näheren Umfeld unzureichend für das Kind da sind, während sie wiederholt Regeln diktieren. Es macht einen Unterschied, ob sich ein Kind verstanden und sicher fühlt, oder allein und missverstanden.

Dies ist in späteren Entwicklungsphasen sehr ähnlich. Jetzt sind es zusätzlich Freunde, Bildungssysteme und Arbeitsumfelder, die das Individuum beeinflussen. Soziale Beziehungen, entwickeln sich und bewegen sich zwischen Gegen- und Miteinander, zwischen Verständnis und Missverständnis, zwischen Streit und Harmonie, zwischen Empathie und Ignoranz.

Darüber hinaus wirken auch gesellschaftliche Bewegungen, Institutionen, Traditionen und Gesetze auf das Individuum ein. Das Individuum lernt, was „wichtig“, was „erlaubt“, was „verboten“ ist und was „man erreichen muss“. Sie bzw. er lernt, wie man sich in bestimmten Situationen verhält, wer welche „Privilegien“ hat, wer eine „Autorität“ darstellt und vielleicht auch warum dies so ist.

Dabei wird das Verhalten eines Individuums in großem Umfang auch davon beeinflusst, welchen Freiheitsradius die derzeitige Organisationsstruktur der Gesellschaft ermöglicht bzw. erlaubt. Zum Beispiel entwickeln sich andere Verhaltensmuster, wenn gesellschaftliche Institutionen ein Individuum von Lösungsfindungsprozessen ausschließen als wenn seine bzw. ihre Verständnisse mit in diese Lösungsfindungsprozesse eingebunden werden. Wenn gesellschaftliche Organisation dazu führt, dass ein Individuum nur unzureichend Zugang zu Ressourcen hat, entwickeln sich andere Verhaltensmuster, als wenn ihm oder ihr Wissen, Waren und Unterstützung in Reichhaltigkeit zur Verfügung gestellt werden (→ Umgang mit Ressourcenknappheit). Des Weiteren können sich andere Verhaltensmuster entwickeln, wenn ein Individuum Möglichkeiten zur Selbstentfaltung durch den Zugang zu beispielsweise Bibliotheken, herausfordernden Aufgaben oder Trainings wahrnehmen kann, als wenn sie bzw. er keinen Zugang dazu hat.

6 Spiritualität
Spiritualität – die Suche nach Sinn, innerem Frieden, Geistlichkeit, Erklärung, Bewusstsein, Transzendenz, dem Kontakt zu einer höheren Ordnung, uvm. – übt einen bemerkswerten Einfluss auf das Verhalten vieler Individuen aus. Spiritualität ist ein großer, vielschichtiger, verschieden erklärter Begriff. Menschen setzen sich mit den verschiedensten Persönlichkeitstypen der Astrologie, verschiedensten Naturlehren, Traumdeutungen, Mystik, Tarot, Göttern, Energien, Auren, Ahnungen, Vorstellungen über die Herkunft der Menschen oder das Leben nach dem Tod, Eingebungen, Erscheinungen und vielen anderen Formen von Spiritualität auseinander. Spirituelle Themen haben oft gemein, dass sie zwar eher für den Geist als für den Verstand greifbar sind, jedoch eine so faszinierende Wirkung ausüben, dass sie Menschen bereichern und beflügeln können.

7 Tiefgreifende Lebenserfahrungen
Schließlich ist es der manchmal unvorhersehbar glückliche oder tragische Verlauf des Lebens selbst, der tiefgreifende persönliche Erfahrungen mit sich bringt (z.B. der plötzliche Tod eines Familienmitglieds, das unerwartete Wiedertreffen eines längst vergessenen Freundes oder die perfekte Gelegenheit zur rechten Zeit), welche ein Individuum und folglich dessen Verhalten über das gesamte Leben hinweg beeinflussen.


Wahrnehmung
Viele der erläuterten Einflüsse können als Umweltsignale beschrieben werden. Diese Umweltsignale verursachen Reaktionen des Individuums bzw. Reaktionen innerhalb dessen Organismus. Solch eine Reaktion kann biochemisch, neuronal, mental, physisch oder jeder anderen Art sein. Häufig ist solch eine Reaktion jedoch ein Zusammenspiel mehrerer dieser Reaktionsarten.

Wir alle haben Sinne, mit deren Hilfe wir uns selbst und die Signale aus unserer Umwelt erfassen können. Dies ist der Beginn des als Wahrnehmung bezeichneten Prozesses. Wahrnehmung ist jedoch nicht nur die Aufnahme von Signalen durch unsere Sinne. Sie ist außerdem der Prozess unseres Organismus, diese Signale zu filtern und zu kategorisieren, um sie in ein aus Sicht des Organismus sinnvolles Gesamtbild einzufügen. Über die Entwicklungsgeschichte des Individuums hinweg formen und prägen sich auf diese Weise dessen Haltungen, Meinungen und Überzeugungen. Bewusst wie unterbewusst bilden sie die Grundlage dafür, wie wir die von uns erfassten Signale in „wichtig“ oder „unwichtig“, „gut“ oder „schlecht“, „wahr“ oder „falsch“, „vertrauenswürdig“ oder „verdächtig“, „normal“ oder „seltsam“, und viele weitere Kategorien der Unterscheidung unterteilen.

Die Zusammensetzung und zeitliche Abfolge von Einflüssen bzw. von Umweltsignalen, die über den gesamten Lebenszeitraum auf einen Menschen einwirken, ist für jedes Individuum verschieden. Folglich hat jedes Individuum eine sehr persönliche Wahrnehmung der eigenen Umwelt. Jedes Individuum nimmt dasselbe Umweltsignal anders wahr und reagiert deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr unterschiedlich in ähnlichen Situationen und Umgebungen.

Die Wahrnehmung von Umweltsignalen ist nicht nur für jedes Individuum verschieden, sie kann sich auch verändern. Passt eine Erfahrung ins Gefüge der Haltungen, Meinungen und Überzeugungen des Individuums, wird dieses Gefüge bestätigt. Passt eine Erfahrung nicht hinein, kann dies zur Irritation des Individuums führen. Unterbewusst oder bewusst versucht das Individuum entweder, die Erfahrung doch mit dessen Haltungen, Meinungen und Überzeugungen in Einklang zu bringen, sie als Unverständnis vorerst beiseite zu legen, sie zu ignorieren oder das Gefüge aus Haltungen, Meinungen und Überzeugungen zu verändern.

Setzen wir uns also anderen Einflüssen aus, können wir neue Erfahrungen machen. Durch neue Erfahrungen können sich unsere Haltungen, Meinungen und Überzeugungen verändern. Diese Veränderung hat Einfluss auf unsere Unterteilung der Welt in Kategorien wie „wichtig“ oder „unwichtig“, „gut“ oder „schlecht“, „wahr“ oder „falsch“, „vertrauenswürdig“ oder „verdächtig“, „normal“ oder „seltsam“. Verändert sich unsere Sicht auf die Welt verändert sich unsere Wahrnehmung.

Verhalten: Das Produkt der Einflüsse
Die Veranlagungen im Zusammenspiel mit der Entwicklungsgeschichte eines Individuums führen zur jeweiligen momentanen körperlichen und mentalen Verfassung, in der sich dieses Individuum befindet. Dabei ist weder unser mentaler, noch unser körperlicher Zustand statisch. Die verschiedenen Kreisläufe, biologischen Mechanismen, energetischen Flüsse und alle anderen Aspekte in unserem Körper, Geist und gesamten Organismus sind in kontinuierlichem Wandel und führen permanent zu neuen Konstellationen an momentanen körperlichen und mentalen Zuständen. Zum Beispiel kann es sein, dass du aufgrund von Veränderungen in deinem Hormonhaushalt eben noch fröhlich, aber von einem Moment auf den anderen frustriert wirst, obwohl sich die Umwelt, in der du dich befindest, nicht verändert hat. Oder: Während du einer dir unangenehmen Tätigkeit nachgehst, entsteht plötzlich aus dem Nichts ein Gedanke, der dich beschwingt und glücklich macht.

Wie dem auch sei, das Verhalten eines Individuums ist die direkte Folge dieses momentanen körperlichen und mentalen Zustands im Zusammenspiel mit den aktuellen Umweltgegebenheiten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Umwelteinflüsse prägen und formen das Individuum nicht nur über seine Entwicklungsgeschichte hinweg, sondern stellen außerdem die Umstände dar, mit denen dieses Individuum zu jedem Zeitpunkt konfrontiert ist. Deshalb ist es fundamental, die Bedeutung und individuelle Auswirkung von Umwelteinflüssen zu verstehen, um das Verhalten von (Gruppen von) Individuen nachvollziehen zu können.

Die Perspektive des Individuums

Frage: Warum ist es wichtig, Ursache und Wirkung der zuvor genannten Umwelteinflüsse zu verstehen? Betrachten wir das Ganze aus der Perspektive des Individuums:

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Jeder Mensch strebt nach persönlicher Zufriedenheit (→ Grundlegende Verständnisse).

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Zufriedenheit
Zufriedenheit ist ein angenehmer Gemütszustand. Du fühlst dich gut, weil du dich fröhlich, behaglich, stolz, sicher, geborgen oder auf andere Weise wohl fühlst. Zufriedenheit kann sich auch einstellen, wenn du dich in deiner derzeitigen Lebenssituation wohlfühlst, trotz oder wegen der Schwierigkeiten, die das Leben mit sich bringt. Ein Mangel an Zufriedenheit erzeugt hingegen unangenehme Gefühle.

Das Streben nach Zufriedenheit – geplant oder spontan, geduldig oder euphorisch, bewusst oder unterbewusst – bedeutet, Situationen und Umstände zu schaffen, die diesen angenehmen Gemütszustand hervorrufen. Wir, die Autoren, denken, dass jedes Individuum zu jedem Zeitpunkt ihrer bzw. seiner Existenz versucht, persönliche Zufriedenheit herbeizuführen. Folglich scheint die stärkste Kraft in der Entwicklung der Verhaltensweisen eines Individuums das Streben nach persönlicher Zufriedenheit zu sein. Wir Menschen versuchen stets, den aktuellen Grad unserer Zufriedenheit zu halten oder unsere Zufriedenheit zu steigern. Das Verhalten eines Individuums resultiert in jeder beliebigen Situation aus seinen bzw. ihren Erfahrungen darüber, wie dies zu erreichen ist.

Menschliche Bedürfnisse
Persönliche Zufriedenheit kann durch die Befriedigung von Bedürfnissen erreicht werden. Der Begriff „Bedürfnis“ beschreibt das Verlangen nach einer bestimmten Qualität des Lebens. Bedürfnisse können erfüllt oder nicht erfüllt sein. Sie grenzen sich ab von konkreten Handlungen und sind unabhängig von Zeit und Raum sowie anderen Individuen.

Die Spanne menschlicher Bedürfnisse ist unglaublich umfangreich und vielfältig. Menschen haben – um nur einige zu nennen – das Bedürfnis nach Vitalität, Gesundheit, Bewegung, , Erholung, Sicherheit, Geborgenheit, Stabilität, Unterstützung, Vertrauen, Wärme, Nähe, Harmonie, Freude, Verbundenheit, Sexualität, Liebe, Anerkennung, Kontakt, Austausch, Empathie, Akzeptanz, Wertschätzung, Teilhabe, Gemeinschaft, Entwicklung, Selbstentfaltung, Autonomie, Bedeutung und Sinn. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Bedürfnisse, nach deren Befriedigung sich ein Mensch sehnen könnte.

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Jegliche Handlung eines Individuums dient der Befriedigung eigener Bedürfnisse.

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Jegliche Aktionen und Reaktionen eines Menschen sind versuchte Strategien, die erfolgreich, teilweise erfolgreich oder erfolglos zur Befriedigung eigener Bedürfnisse beitragen können. Sie entspringen dem derzeitigen Erfahrungsschatz bzw. der persönlichen Wahrheit (→ Grundlegende Verständnisse) des Individuums und werden ständig entwickelt, verfeinert oder verworfen. Das geschieht sowohl bewusst als auch unterbewusst (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

Eine einzige Handlungsweise kann dabei zur Erfüllung von mehr als nur einem Bedürfnis dienen. Klettert ein kleiner Junge beispielsweise auf einen Baum, erfüllt er sich damit eventuell gleichzeitig die Bedürfnisse nach Abenteuer, Bewegung, Spiel und Aufmerksamkeit.

Umgekehrt kann ein einziges Bedürfnis stets durch verschiedenste Handlungsweisen erfüllt werden. Zum Beispiel könnte der kleine Junge sich das Bedürfnis nach Bewegung auch beim Fußball-, Tischtennisspielen oder Schwimmen stillen.

So handeln auch verschiedene Menschen verschieden, um sich z.B. das Bedürfnis nach Nähe zu befriedigen: Der eine möchte reden, eine andere gemeinsam einen Film schauen, ein dritter knutschen und kuscheln.

Manche Bedürfnisse sind für ein Individuum dringlicher, andere weniger dringlich. Zum Beispiel erfüllen sich manche Menschen zunächst das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung bevor sie sich dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und Verantwortung widmen (können). Für andere wiederum ist es genau umgekehrt: Für sie sind die Bedürfnisse nach Gemeinschaft und Verantwortung von höherer Priorität als z.B. die Bedürfnisse nach Nahrung, Rast oder Selbstentfaltung. Diese Wertigkeiten sind nicht nur für jeden Menschen verschieden, sie verändern sich auch ständig. (B1)

Das Verhalten – sprich Aktionen und Reaktionen – mehrerer Individuen kann in Konflikt miteinander stehen. Das bedeutet nicht, dass die Bedürfnisse dieser Individuen im Konflikt stehen. Es sind ausschließlich die gewählten Strategien zur Befriedigung der Bedürfnisse, die in Konfliktfällen kollidieren. Zur Erreichung des Ziels von Gesellschaft (→ Werte) ist es daher hilfreich, wenn Individuen in der Lage sind, ihre Handlungen zur Erfüllung ihrer Bedürfnisse miteinander in Einklang zu bringen.

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Je höher der eigene Grad an Zufriedenheit,
desto eher kann ein Individuum die Erfüllung eigener Bedürfnisse
mit der Erfüllung der Bedürfnisse anderer in Einklang bringen.

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Je besser ein Individuum persönliche Bedürfnisse befriedigen kann und je tiefgreifender sich die Zufriedenheit eines Individuums gründet, desto eher ist es in der Lage, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, mit diesen Menschen in Kontakt zu treten und eigenes Verhalten zu reflektieren. Dafür ist es wichtig, dass Individuen in der Lage sind, sich gegenseitig ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Nur wenn Individuen die Bedürfnisse der jeweils anderen kennen, können alle miteinander die Befriedigung ihrer Bedürfnisse in Einklang bringen.

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Je höher der Grad an persönlicher Zufriedenheit der einzelnen Individuen,
– und je besser ihre Kommunikation zum gemeinsamen Bewusstsein ihrer Bedürfnisse beiträgt –
desto eher ist die Kultur ihrer Gesellschaft von Harmonie und Synergie geprägt.

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Deshalb ist die Unterstützung eines jeden einzelnen Individuums essenziell, um das Ziel von Gesellschaft zu erreichen (→ Werte). Dies betrifft die Unterstützung bei der Befriedigung ihrer persönlichen Bedürfnisse sowie bei der Kommunikation zum gegenseitigen Austausch über diese.

Unterstützende Umwelt
Welche Art von Umwelt würde ein Individuum (bzw. eine Gruppe von Individuen) bei der Befriedigung von Bedürfnissen und somit beim Erreichen von persönlicher Zufriedenheit unterstützen?

Da jedes Individuum nach persönlicher Zufriedenheit strebt, würde eine optimale Umwelt jedes einzelne Individuum so ganzheitlich wie möglich unterstützen. In einer unterstützenden Umwelt würde ein Individuum, das eine Frage stellt, Antworten erhalten oder die nötige Unterstützung, um diese Antworten zu finden. Ein Individuum, welches Trinkwasser benötigt, würde direkt damit versorgt werden, oder die notwendigen Mittel zur Trinkwassergewinnung erhalten. Wenn ein Individuum ein Vorhaben in die Tat umsetzen will, versorgt eine unterstützende Umwelt sie bzw. ihn mit dem Zugang zu Wissen, Schulungen, sowie Kontakt zu Personen, die ähnliche Vorhaben oder nützliche Expertise anbieten (→ Bildung). Möchten mehrere Individuen den Austausch über ihre Bedürfnisse angenehmer, effizienter oder erfüllender miteinander gestalten, bietet eine Unterstützende Umwelt Zugang zu einer Reihe hilfreicher Kommunikationstechniken. Im Fall eines Konfliktes stellt solch eine Umwelt Methoden bereit, um gewaltfreie, lösungsorientierte Kommunikation zu ermöglichen, damit der aktuelle Konflikt gelöst und das Aufkommen künftiger Konflikte vermieden werden kann (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

Nicht-Unterstützende und Feindselige Umwelt
Welche Umwelt würde ein Individuum (bzw. eine Gruppe von Individuen) andererseits daran hindern, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und folglich davon abhalten, persönliche Zufriedenheit zu erlangen?

Eine nicht-unterstützende Umwelt stellt weder Unterstützung, Fürsorge noch Rat bereit. Für ein einzelnes Individuum ist es beschwerlicher, für die Befriedigung ihrer bzw. seiner persönlichen Bedürfnisse zu sorgen. Das Individuum ist auf sich allein gestellt. In einer feindseligen Umwelt wird dem Individuum dazu noch Unterstützung verweigert. In extremen Fällen wird es sogar missbraucht und misshandelt.

Stellt ein Individuum in einer nicht-unterstützenden Umwelt eine Frage, erhält es keine Antwort, wird nicht verstanden geschweige denn gehört. Eine feindselige Umwelt reagiert sogar mit Verurteilung, Verletzung und Bestrafung. Benötigt ein Individuum Trinkwasser, muss es allein dafür sorgen. Eventuell wird es sogar aktiv daran gehindert, an Möglichkeiten zur Trinkwassergewinnung zu gelangen. Will ein Individuum ein Ziel in die Tat umsetzen, muss es sich ohne jegliche Hilfsmittel eigenes Wissen und Fähigkeiten aneignen. Der Kontakt zu anderen Personen ist schwierig oder gar unmöglich. Die Lösung von Konflikten wird nicht unterstützt. In einer feindseligen Umwelt werden sie sogar geschürt. Dabei wird die Verantwortung dem Individuum zugeschrieben, welches sich mit Schuld- und Schamgefühlen allein gelassen sieht.

Unterstützende Umwelt

Feindselige Umwelt

Feindselige Umwelt

Unterstützende vs. Feindselige Umwelt
Ein Individuum kann persönliche Ziele in einer unterstützenden Umwelt sehr viel angenehmer und effizienter erreichen als in einer nicht-unterstützenden Umwelt. Je mehr Möglichkeiten einem Individuum zur Erreichung persönlicher Ziele zur Verfügung stehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieses Individuum diese Ziele tatsächlich erreicht und desto weniger Gründe gibt es für sie bzw. ihn, sich destruktiv zu verhalten. Ausgestattet mit allerhand Mitteln und Methoden wäre das Individuum befähigt, eigene Ambitionen auf einfache Art und Weise mit dem eigenen Umfeld zu harmonisieren. Das Gefühl oder das Bewusstsein darüber, in einer unterstützenden Umwelt zu leben, fördert das Vertrauen in diese Umwelt. Dieses Vertrauen kann zu Verhalten führen, das diese Umwelt pflegt und unterstützt: „Ich kann meine Bedürfnisse durch die Erfahrungen, das Wissen und die Fähigkeiten meiner Mitmenschen bzw. den vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen und Organisationsformen umfassender befriedigen, als ohne diese.“

In einer feindseligen Umwelt hingegen empfindet ein Individuum einen Mangel an Unterstützung und sieht daher wahrscheinlich keinen Anlass – oder ist einfach nicht in der Lage -, eigene Vorhaben mit dem Umfeld zu harmonisieren. Mangelnde Unterstützung, Misshandlung oder Missbrauch, wird im Individuum vermeintlich Gefühle wie Angst, Wut, Frustration, Verzweiflung, Ohnmacht oder Aggression erzeugen. Wenn solche Gefühle von der Umwelt des Individuums unbemerkt bleiben oder ignoriert werden, können sie Verhaltensweisen hervorrufen, die andere Individuen behindern oder verletzen bzw. gesellschaftliche Strukturen und Prozesse stören, schädigen oder zerstören. Solche Empfindungen werden in Umfeldern provoziert, in denen Barrieren, Mauern, Regeln, Gesetze oder Menschen permanent die Befriedigung der Bedürfnisse des Individuums be- und verhindern. Dies heißt zusätzlich, dass ein Individuum, welches sich nicht willkommen, nicht unterstützt, oder sogar ausgeschlossen fühlt, womöglich kaum noch Motivation verspürt, zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen, bzw. keine Möglichkeiten dafür sieht. Das wiederum bedeutet, dass alle anderen Individuen nicht von den Entwicklungen profitieren werden, die dieses Individuum eventuell angestoßen hätte (→ Werte).

Wie Individuen mit der Umwelt interagieren
Im Großen und Ganzen gibt es zwei Möglichkeiten, wie sich Menschen in ihrer Umwelt zurechtfinden. Beide werden sowohl bewusst als auch unterbewusst gewählt. Die erste Möglichkeit ist, sich an seine Umwelt anzupassen. In diesem Fall passt ein Individuum Mentalität, Strategien zur Befriedigung von Bedürfnissen, Physiologie und folglich die eigenen Verhaltensmuster den gegebenen Umständen an. Die zweite Möglichkeit eines Menschen, in seiner Umwelt zurecht zu kommen, ist, sie so zu verändern und zu formen, dass sie den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Wir Menschen nutzen stets beide Wege, um in unserer Umwelt zurecht zu kommen. Wir nutzen eine Mischung aus Anpassung an die Gegebenheiten unseres Umfelds einerseits und Gestaltung jener Gegebenheiten andererseits. Wir wählen die eine oder andere Option – oder wir finden einen Mittelweg –, indem wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen, um zu entscheiden, welche Option uns am meisten nützt.

Ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen sollten ihre Umwelt nicht so gestalten, dass daraus feindselige Umwelten für andere entstehen. Muss sich ein Individuum an eine feindselige Umwelt anpassen, könnte dies Verhalten hervorbringen, das wiederum schädlich für andere ist.

Gesellschaftlicher Wandel

Von feindseligen zu unterstützenden Umwelten
Mit Blick auf das Ziel von Gesellschaft (→ Werte) ist es folglich notwendig, die Entstehung von Gegebenheiten zu vermeiden, die schädliches Verhalten provozieren. Daher sollte es bei gesellschaftlichem Wandel darum gehen, existierende nicht-unterstützende oder sogar feindselige Umwelten in unterstützende Umwelten zu wandeln, in denen jeder Mensch in der Lage ist, so frei und einfach wie möglich Zufriedenheit anzustreben.

Bedürfnisorientierte Gestaltung (Needs Based Design)
Und hier kommen die Gesellschaftssysteme ins Spiel: Gesellschaftliche Strukturen sollten zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse konzipiert sein. Sie sollten demnach so gestaltet sein, dass sie unterstützende Umwelten für alle Individuen hervorbringen. Gesellschaftliche Strukturen sollten Individuen nicht dazu bringen, aufgrund der Starrheit selbiger Strukturen mit den Systemen in Konflikt zu geraten. Stattdessen sollten sich gesellschaftliche Strukturen permanent an sich verändernde Bedürfniskonstellationen anpassen.

Den Entwicklungsprozess gesellschaftlicher Strukturen, die sich den jeweils aktuellen Bedürfnissen aller Individuen annehmen können – wobei momentanes Wissen und Technologie sinnvoll angewendet werden – nennen wir Bedürfnisorientierte Gestaltung. Die Bedürfnisorientierte Gestaltung der Gesellschaftssysteme muss zu einer Kultur gesellschaftlichen Austauschs und Lernens führen, damit das gegenseitige Bewusstsein über unsere Bedürfnisse steigt. Diese Kultur würde die Grundlage zur Entwicklung geeigneter Strukturen und Organisationsformen bilden (→ Wissenschaftliche Denkweise), um das Ziel von Gesellschaft zu erreichen. Gesellschaftssysteme auf der Basis unserer Bedürfnisse zu gestalten, würde es jedem Individuum ermöglichen, zu wachsen und sich zu entfalten und somit das Potenzial für gegenseitige Fürsorge innerhalb der Gesellschaft zu stärken und auszuweiten.

Um das Konzept der Bedürfnisorientierten Gestaltung erfolgreich umzusetzen, ist Technologie (Methoden und Werkzeuge) nötig, die es uns ermöglicht, die Komplexität gesellschaftlicher Zusammenhänge, Probleme und Konflikte zu erfassen und zu bewältigen (→ Technologie). Zum Beispiel ist es für gesellschaftliche Institutionen und Repräsentanten unabdingbar, Einblick in die Bedürfnisse der Individuen zu haben, die sie vertreten. Deshalb würde die Etablierung von Nachfrage-Übersichts-Systemen (→ Umgang mit Ressourcenknappheit) als Orientierungshilfe von enormer Bedeutung sein. Mit deren Hilfe könnten Individuen kommunizieren, welche ihrer Bedürfnisse zur Zeit nicht erfüllt sind, bzw. welche Ressourcen sie benötigen. Mit diesen umfangreichen Informationen könnten interdisziplinäre Teams von Gesellschaftsentwicklern (Anthropolog_innen, Soziolog_innen, Biolog_innen, Psycholog_innen, Planer_innen und Organisator_innen, Architekt_innen, Ingenieur_innen, Mediziner_innen, Techniker_innen, Pädagog_innen, Koordinator_innen, Konfliktberater_innen, usw.) Mechanismen entwickeln, die die Koordination der Befriedigung der Bedürfnisse aller Individuen ermöglicht. Der Entwicklungsprozess sollte dabei alle beteiligten und interessierten Individuuen so weit wie möglich einschließen. Optimaler Weise bestünden diese Teams aus genau jenen Individuen, die diese Mechanismen später nutzen wollen.

Auf individueller Ebene bedeutet Bedürfnisorientierte Gestaltung:

  • eigene Wünsche zu hinterfragen, um die wahren Bedürfnisse hinter jedem Begehren zu ergründen
  • der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse nachzugehen
  • zu erkennen, wo die Vorgehensweise zur Befriedigung eigener Bedürfnisse mit der Vorgehensweise anderer Individuen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse in Konflikt steht
  • empathisch und gewaltfrei zu kommunizieren, um die Befriedigung der Bedürfnisse aller Beteiligten zu ermöglichen
  • aufgeschlossen zu sein, für die enorme Spanne an Möglichkeiten und potenziellen Alternativen, die uns zur Verfügung stehen oder entwickelt werden können

Wenn Individuen in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse klar zu identifizieren und sich so ausdrücken können, dass andere ihre Bedürfnisse verstehen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Konflikte eskalieren. Die Offenlegung von Bedürfnissen ist eine essenzielle Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung von Konflikten. Die Auseinandersetzung mit diesen Konflikten muss dann keine emotionale Konfrontation bedeuten, sondern kann auf Basis der offengelegten Bedürfnisse einen gemeinsamen Lösungsprozess darstellen. Konfrontationen, bei denen die wahren Bedürfnisse der beteiligten Parteien hinter Vorwürfen und Rechtfertigungen verborgen bleiben, können langwierig und (emotional) kräftezehrend sein. Gelingt es, derartige Konfrontationen zu vermeiden, indem Konflikte bedürfnisorientiert gelöst werden, verringert sich das Stressaufkommen und lässt Raum für das Streben nach persönlicher Zufriedenheit.

Wir Menschen brauchen flexible Gesellschaftssysteme und Kommunikationsformen, die uns optimal darin unterstützen, die Befriedigung unser aller Bedürfnisse zu koordinieren (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

Persönliche Verantwortung
Jedes einzelne Individuum ist Teil der Umwelt eines jeden anderen. Wenn es Dir wichtig ist, dazu beizutragen dem Ziel von Gesellschaft (→ Werte) näher zu kommen, ist es deine Verantwortung, nicht feindselige Umwelt für andere zu sein. Du trägst Verantwortung dafür, deiner Umwelt gegenüber achtsam zu sein, um erkennen zu können, ob deine Strategien zur Befriedung deiner Bedürfnisse, und somit deine Verhaltensweisen, anderen eventuell schaden. Ab dem Moment der Erkenntnis über dein Verhalten besteht deine Verantwortung darin, deinen gesamten Freiheitsradius zur Lösung aufkommender Konflikte mit dir selbst und zwischen dir und anderen zu nutzen. Nutze die dir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, mit deinen Mitmenschen und Konfliktpartnern in Kontakt zu treten. Du bist mit dafür verantwortlich, keine Umstände zu schaffen, die dich oder andere Individuen dazu veranlassen, auf Verhaltensweisen zurückzugreifen, die dich oder andere schädigen bzw. verletzen.

Überlappende, individuelle Umwelten

–– Ein Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2016) –-

Nicht-unterstützende Umwelten in unserer heutigen Gesellschaft
In unserer heutigen Gesellschaft gibt es viele Umstände, die zur Entstehung von nicht-unterstützenden und feindseligen Umwelten beitragen. Im Folgenden benennen wir einige Beispiele dieser Umstände:

  • Krieg und Umweltverschmutzung machen viele Teile der Erde zu gefährlichen Orten,
  • viele Kinder auf der ganzen Welt wachsen in Umfeldern auf, die sie körperlich sowie psychisch stark belasten,
  • Bildungssysteme und Arbeitsumfelder sind selten an menschliche Interessen und Bedürfnisse angepasst (z.B. zu große Klassen bzw. Lerngruppen, Mangel an individuell unterstützenden Bildungsangeboten, zu wenige Selbstenfaltungsmöglichkeiten, Anwesenheitspflicht),
  • das Verhältnis zwischen eigenen Aufgaben und Ruhezeiten wird meist von anderen bestimmt,
  • keinen oder zu wenig Einfluss auf Lösungsfindungsprozesse und Entscheidungen,
  • Angst und Kontrolle dominiert Vertrauen,
  • Isolation und Unterdrückung von Minderheiten.

Diese Umstände können verschiedenste Auswirkungen auf ein Individuum haben. Es ist nicht unüblich, dass Individuen innerhalb der derzeitigen globalen Gesellschaft das Gefühl haben

  • dass „Führungskräfte“ und Regierungen nicht offen kommunizieren oder absichtlich falsch informieren,
  • dass die heutige Politik und Wirtschaft nicht nach Frieden auf der Welt und Harmonie mit den Ökosystemen strebt,
  • gestresst und überlastet zu sein,
  • von lokalen, regionalen, nationalen und globalen politischen und wirtschaftlichen Systemen missachtet, ausgenutzt und bedroht zu werden,
  • von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein,
  • dass einige ihrer Mitmenschen sie nicht wahrnehmen, ihnen nicht zuhören, sie nicht anerkennen und nicht verstehen

Nicht-unterstützende und feindselige Umwelten bringen Menschen dazu, sich diesen Umwelten zu entziehen oder sich gegen diese aufzulehnen. Beispiele dessen sind Trennung und Streit in Familien, Freundesbeziehungen, Partnerschaften oder Arbeitsverhältnissen. In einem größeren gesellschaftlichen Rahmen ist dies erkennbar, wenn Menschen protestieren, streiken oder boykottieren. Unruhen, Anschläge, Amokläufe und Terrorismus sind einige der extremsten Formen des Kampfes gegen feindselige Umwelten. Solche gesellschaftlichen Symptome sind NICHT die Folge eines natürlichen Antriebs „böser“ Menschen und Kulturen, andere zu schädigen und zu zerstören. Solche gesellschaftlichen Symptome entstehen, wenn (Gruppen von) Individuen nicht-unterstützenden und feindseligen Umwelten ausgesetzt sind. Heutzutage werden diemeisten nicht-unterstützenden bzw. feindseligen Umwelten durch die Konsequenzen des Wettbewerbs um Ressourcen verursacht.

Wettbewerb
Über die gesamte Geschichte der Menschheit hinweg gab es Zeiten, in denen Knappheit eine vorherrschende, prägende Erfahrung vieler Individuen war. Die Produkte, die die Menschen herstellten, waren deshalb sehr wertvoll für sie. Sie entwickelten Methoden, um ihre Waren und Dienstleistungen anderen anzubieten, damit sie wiederum Zugang zu anderen Waren und Dienstleistung erhielten, mit denen sie ihre Bedürfnisse befriedigen konnten.

Wenn Waren und Dienstleistungen in Größenordnungen angeboten werden, die die Nachfrage übersteigen, wird es schwierig, diese zu tauschen oder zu verkaufen. Folglich treten mehrere Parteien, die die selbe Ware oder Dienstleistung anbieten, in Konkurrenz miteinander. Und genau das ist passiert.

In der heutigen Gesellschaft können wir Wettbewerb auf vielen Ebenen erkennen. Es ist normal für uns, miteinander im Wettbewerb zu stehen. Es gibt Wettbewerb zwischen Individuen, zwischen Unternehmen und selbst Staaten konkurrieren miteinander im Wettlauf um Ressourcen. Diejenigen, die nicht in der Lage sind, mit ihrer Konkurrenz mitzuhalten, haben wenig oder gar keinen Zugang zu Ressourcen. Demzufolge haben viele Menschen Angst, ihren etablierten Status zu verlieren. Aus selbigen Gründen tendieren Politiker_innen innerpolitisch eher zu Konkurrenz als zu Kooperation. All diese Umständebehindern, dass wir nachhaltige und ganzheitliche Lösungen durch Kooperation hervorbringen und schaffen ein riesiges Hindernis auf dem Weg zum Ziel von Gesellschaft (→ Werte).

Des Weiteren gibt es andere sehr destruktive Eigenschaften, die Wettbewerb mit sich bringt. Zum Beispiel geht Wettbewerb oft damit einher, anderen die Nutzung von Informationen oder Ideen zu verbieten, die einen Vorteil für die Konkurrenz darstellen könnten. Das kann man wunderbar im Patentsystem sehen. Menschen benötigen Informationen und Ideen, aber für viele ist der Zugang zu diesen oft nicht erschwinglich. Schlimmer noch: In den meisten Fällen geht Wettbewerb damit einher, Informationen voreinander zurückzuhalten, damit „mein (finanzieller) Vorteil mein alleiniger Vorteil bleibt“. Dies bedeutet aber auch, dass „meine Ideen“ nicht von jemand anderem weiterentwickelt werden können. Folglich kann eine unvorstellbar große Menge an Innovationen und Problemlösungsprozessen, die in dieser Welt erfolgen könnten, nicht stattfinden, weil Ideen und Konzepte nicht umfangreich geteilt werden.

Der durch den Wettbewerb erzeugte Zwang, schneller und billiger gegenüber aktuellen Normen zu sein, führt zu neuen Normen, die dazu zwingen, noch schneller und billiger zu werden. Um Geld zu sparen, stellen Arbeitgeber oft weniger Personal ein, erwarten aber, dass dieses reduzierte Personal mehr Arbeit erledigt. Das führt dazu, dass weniger Menschen einen bezahlten Job haben, was wiederum zu enormen Spannungen innerhalb unserer heutigen globalen Gesellschaft führt: Menschen mit bezahltem Job haben oft wenig Zeit, müssen aber gleichzeitig riesige Arbeitspensen bewältigen. Hingegen leiden andere Menschen ohne oder mit nur geringfügig bezahlten Jobs unter großem existenziellem Druck, mit keinem oder wenig Einkommen über die Runden kommen zu müssen. Dazu begleitet sie oft das Gefühl, nicht beitragen zu dürfen bzw. zu können.

Zusätzlich kann Wettbewerb Korruption fördern – und tut dies oft auch. Man muss einen starken Charakter haben, um nicht zu versuchen, „die Regeln zu seinen Gunsten zu beugen“, um irgendeine Art Vorteil zu haben. Die Versuchung, zu „unfairen Mitteln“ zu greifen, um seinen Konkurrenten auch nur ein wenig voraus zu sein, ist stets präsent. Egal, wie viele Regeln und Regulationen von der Gesellschaft dagegen auferlegt werden: Es bleibt stets der Anreiz zu tricksen bzw. das „Spiel“ ein wenig zum eigenen Vorteil zu manipulieren.

Wettbewerb ist das Gegenteil von Kooperation. Wettbewerb kann eine Atmosphäre erzeugen, in der sich Wettbewerber beneiden und gegenseitig Unglück bei ihren Unternehmungen wünschen. Wo Kooperation die gemeinsame Nutzung von Informationen und synergetisches Lösen von Problemen fördert, provoziert Wettbewerb Zurückhaltung und Manipulation von Informationen, Rechthaberei und Korruption. Deshalb erzeugt Wettbewerb oft Misstrauen. Misstrauen wiederum erlaubt weder aufgeschlossene Kommunikation, noch freien Fluss von Information als fruchtbare Grundlage zwischenmenschlichen Austauschs. Jedoch nur ein freier Fluss von Informationen gepaart mit nachhaltigem Zugriff auf Waren und Dienstleistungen würde die Gestaltung von Gesellschaftssystemen ermöglichen, die alle Individuen optimal dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

Einige der oben genannten Merkmale können natürlich auch außerhalb von Bereichen des Wettbewerbs gefunden werden. Wettbewerb bietet jedoch einen zusätzlichen Anreiz, oben beschriebene Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Solange Wettbewerb auf freundschaftlichen Grundlagen basiert (z.B. im Sport) und nicht mit ernsthaften Folgen verbunden ist, kann er sehr konstruktiv sein. Sobald es aber um den Zugriff auf Ressourcen geht, die Bedürfnisse befriedigen (z.B. Geld, Nahrung, Schutz, Transport usw.), kann Wettbewerb sehr destruktive Auswirkungen haben.

Extrinsische Motivation
In den meisten derzeitigen Gesellschaftssystemen werden Menschen zur Arbeit motiviert, indem systematisch an Bedingungen geknüpfte Anreize angewandt werden. Extrinsische Motivation ist der Drang etwas zu tun, um eine versprochene Belohnung zu erhalten bzw. eine angedrohte Strafe zu vermeiden. Wenn du gut, schnell oder schlau genug bist, bekommst du etwas. Wenn du nicht so gut darin bist, eine bestimmte Tätigkeit zu erledigen, dann bekommst du weniger oder gar nichts oder du wirst sogar dafür bestraft, dass du nicht gut genug bist.

Du gehst beispielsweise einer Arbeit nach, um Zugang zu Ressourcen zu erhalten (z.B. Geld, Unterkunft, Nahrung, Ansehen, usw.). Wenn du in deinem Job nicht unermüdlich dran bleibst, wirst du nicht befördert und erhältst folglich keine Belohnung: Du wirst nicht im Haus deiner Träume leben können, bzw. nicht die Nahrungsmittel kaufen können, die du essen möchtest. Vielleicht nimmst du es auch als stille Bestrafung wahr.

Schulnoten, die darüber entscheiden, welchen Bildungsweg man einschlagen darf, und der damit einhergehende Leistungsdruck, sowie Strafen wie Bußgelder und Freiheitsentzug sind ebenfalls Beispiele für an Bedingungen geknüpfte Anreize.

Welche Probleme bringt der übermäßige Gebrauch von solchen Anreizen mit sich?

An Bedingungen geknüpfte Belohnungen von außen („Wenn du dies tust, bekommst du das“-Belohnungen) grenzen von Natur aus unseren Fokus ein und konzentrieren unseren Geist auf eine bestimmte Aufgabe. Deshalb erweisen sich extrinsische Anreize hinsichtlich komplexen Aufgaben und dem Lösen von Problemen oft als wenig effektiv und sogar kontraproduktiv. Das Lösen komplexer Probleme – wie jene, mit denen sich die globale Gesellschaft konfrontiert sieht – erfordert Achtsamkeit, Weitsicht, Geduld, Kreativität, Ganzheitlichkeit sowie Feingefühl für Details und Wechselbeziehungen. Schon um ein leicht komplexes Problem tiefgreifend und ganzheitlich zu verstehen, muss sich ein Individuum sorgenfrei, wohl und ungezwungen fühlen. Das Gehirn muss in der Lage sein, entspannt und ruhig ein weites Spektrum an Informationen aufzunehmen, um diese effizient zu verarbeiten (C1). Wenn Individuen jedoch hauptsächlich durch extrinsische Anreize motiviert werden, tendieren sie dazu, sich auf die versprochene Belohnung zu konzentrieren anstatt ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die ganzheitlich nachhaltige Lösung des Problems zu richten [2].

Dies gilt auch für vorausschauendes Denken. Externe Belohnungen können den Geist eher auf die greifbare Belohnung richten als auf das, was in ferner Zukunft liegt. Dadurch untergraben äußere Anreize oft die Fähigkeit, Probleme und Konflikte vorauszusehen, Durch äußere Belohnungen erzeugtes Kurzzeitdenken kann also langfristige Lösungen behindern [3].

Extrinsische Belohnungen, die für eine Aufgabe angeboten werden, führen tendenziell dazu, dass das extrinsisch motivierte Individuum die selbe Art von Belohnung erwartet, wenn sie oder er eine ähnliche Aufgabe erhält. Dies zwingt das belohnende Individuum dazu, Belohnungen immer und immer wieder anzubieten. Des Weiteren können angebotene Belohnungen im Laufe der Zeit zur Normalität für das belohnte Individuum werden. Dies bedeutet, dass der Anreiz, der dem Individuum angeboten wird, nicht mehr ausreichen könnte, um ihn oder sie zu motivieren. Aus diesem Grund muss das belohnende Individuum die Belohnung regelmäßig erhöhen, um ähnliche Ergebnisse zu erhalten [4]. Sollte die Belohnung nicht kontinuierlich erhöht werden, kann es sein, dass die Motivation des belohnten Individuums stetig sinkt. Folglich können extrinsisch motivierte Individuen abhängig von externer Belohnung werden. Bleiben Belohnungen von außen aus, kann man häufig beobachten, dass jene Individuen aufhören, extrinsisch motivierte Tätigkeiten aufzunehmen. Daraufhin wird ihnen oft „Inaktivität“ oder „Faulheit“ zugeschrieben. Aufgrund der systematischen Anwendung externer Anreize taucht „Faulheit“ als ein großes Thema in vielen gegenwärtigen politischen Diskussionen auf.

Schon im jungen Alter lehrt uns die Mehrheit der Bildungssysteme, wie wichtig Belohnungen und Bestrafungen sind. Viele von uns streben nach guten Noten, um gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden, anstatt diese als Ergebnis ihres Interesses an den Bildungsinhalten zu erlangen. Später im gesellschaftlichen Bildungsprozess tendieren wir dazu, eher jene Fachgebiete zu wählen, die ein vernünftiges Einkommen versprechen, als solche, die unsere Leidenschaften und Interessen befriedigen. Schließlich wird das Vorankommen in unserer „Karriere“ – und Geld – zur Hauptmotivation Dinge zu erreichen.

Intrinsische Motivation
Intrinsische Motivation ist ein innerer Antrieb, der dich dazu veranlasst, dem nachzugehen, was dich interessiert, deine Neugier weckt, dich inspiriert und dich vor Herausforderungen stellt. Du machst etwas, ohne irgendeine Belohnung von außen dafür zu erwarten, weil dich die Aufgabe selbst oder die erzielten Ergebnisse unmittelbar erfreuen.

Intrinsische Motivation zeichnet sich im Wesentlichen durch die folgenden drei Merkmale aus:

  • Autonomie – der Drang, dein Leben selbst zu bestimmen; selbst zu entscheiden, was du tun willst und was nicht
  • Meisterung – der Wunsch, besser und besser in Etwas zu werden
  • Sinn – das Verlangen danach das, was du tust, im Dienste von etwas Wichtigem zu tun

Wir alle wollen etwas tun, was von Bedeutung ist. Und wir wollen selbst entscheiden, was wir tun. Sinn, gekoppelt mit Autonomie, befähigt uns für gewöhnlich, in den Dingen, die wir tun, immer besser zu werden. Darüber hinaus machen Menschen Dinge ausschließlich aus der Freude heraus, diese zu meistern.

Für gewöhnlich ist mindestens eines dieser drei Merkmale Teil der Motivation einer dich fesselnden Tätigkeit. Wenn du beispielsweise gerne zeichnest, möchtest du wahrscheinlich selbst darüber entscheiden, was du zeichnest und wie du es zeichnest (Autonomie). Wenn du dafür trainierst, an einem Spiel deiner Lieblingssportart teilzunehmen, entwickelst du womöglich einen starken Willen, deine Disziplin zu meistern (Meisterung). Dein Interesse an der Entwicklung von Antriebssystemen in Luft- und Raumfahrt könnte vom Wunsch getrieben sein, Transport einfacher, sicherer, bequemer oder umweltfreundlicher zu gestalten (Sinn).

Intrinsische Motivation befähigt uns, an einer Sache oder einem schwer zu verstehenden Problem dran zu bleiben. Sie hilft uns, auf kreative Art und Weise Probleme zu lösen, verstärkt unsere Energie für die Einarbeitung in ein Thema, und treibt uns voran, dieses besser und besser zu verstehen. Deshalb hilft uns diese Art der Motivation, Lösungen zu finden, auch in der heutigen, durch äußere Anreize getriebenen Welt. [5]

Es gibt eine große Bandbreite an Tätigkeiten, die als ausschließlich intrinsisch motiviert beschrieben werden können. Extrinsisch motivierte Tätigkeiten andererseits haben stets einen intrinsisch motivierten Anteil an sich; auch wenn dies ausschließlich der Selbsterhaltungstrieb des Individuums ist. Wie dem auch sei, um ein intrinsisch motiviertes Ziel zu erreichen, gehen Individuen oft vielen verschiedenen Aufgaben nach, die den Weg zu diesem Ziel ebnen.

Stell Dir beispielsweise vor, du möchtest Forscher für natürliche Krebsmedikamente werden. Die Vorstellung davon, in Zukunft dieser Tätigkeit nachzugehen, erfüllt dich mit Freude, da deine Bedürfnisse nach Sinn, Fortschritt und Verbundenheit zur Natur befriedigt würden. Leider ist ein Semester an der Universität verdammt teuer. Um dein Studium irgendwann bezahlen zu können, musst du wahrscheinlich erst einmal Geld verdienen. Sagen wir, du arbeitest in einer Postfiliale und verdienst zunächst wenig. Es ist ein stressiger Job. Du gibst jeden Tag dein Bestes. Über die Jahre kannst du ein paar Ersparnisse beiseite legen, aber es ist einfach nicht genug. Die Gelegenheit zu einer Beförderung veranlasst dich, einen Teil deiner Ersparnisse für eine Weiterbildung auszugeben. Nach fünf Jahren steigst du auf zum Abteilungsleiter. Jetzt erwartet jeder von dir, zu jeder Zeit erreichbar zu sein. Wie lange hältst du durch, deinem Traum zu folgen?

Je mehr Aufgaben und Hürden zwischen dir und deinem Ziel stehen, desto stärker könntest du einen Abfall deiner intrinsischen Motivation empfinden. Solange du merkst, dass du deinem Ziel näher kommst, kann sich ein Gefühl des Vorankommens einstellen. Gibt es allerdings zu viele Aufgaben und Hürden zwischen dir und der Erfüllung deines Ziels, kann es sein, dass du dein Ziel aus den Augen verlierst.

Dein Ziel aus deinen Augen zu verlieren, kann als „Trennung“ von dir selbst verstanden werden, da du die emotionale Verbindung zu deinen Bedürfnissen verloren hast. Der Hauptgrund für „Trennung“ ist das permanente Wettrennen um den Lebensunterhalt in einer Wettbewerbsgesellschaft, in der wir oft Tätigkeiten nachgehen müssen, denen wir aus intrinsischer Motivation heraus nicht nachgehen würden.

Trennung von sich selbst
Wie oben erwähnt, verlieren viele von uns einige ihrer persönlichen Bedürfnisse aus den Augen – oder haben diese nie entdeckt -, aufgrund des Drucks ihren gesellschaftlichen Status zu erhalten und zu verbessern. Wir tendieren dazu, unsere emotionale Bindung zu uns selbst, unserer Umwelt und den Tätigkeiten, mit denen wir betraut sind, zu verlieren. Während wir unsere Aufmerksamkeit auf Belohnungen (wie z.B. Löhne, Zinssätze, Dividenden und Rabatte) sowie auf die Beurteilung der Meinungen und Lebensweisen anderer richten, trennen wir uns mehr und mehr von unserem Sinn für unsere eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse unserer Liebsten. Diese Trennung verwehrt es uns, unsere intrinsisch motivierten Ziele wahrzunehmen. Wir tendieren dazu, Interesse an der Qualität der Aufgaben, mit denen wir vertraut sind, zu verlieren, da wir hauptsächlich des Geldes wegen zur Arbeit kommen. Wir funktionieren lediglich, anstatt unsere Tätigkeiten mit all unseren Sinnen zu erleben. Wir tragen Masken und zeigen uns selten authentisch. Wir geben vor, dass alles in Ordnung ist und wir glücklich sind. Unsere oberflächliche Zufriedenheit wird durch den Erwerb materieller Statussymbole und den Zeitvertreib mit trendigen Spielereien genährt. Wir tendieren dazu, gedankenlos zu wiederholen, was wir von Politiker_innen, Prominenten, oder religiösen Oberhäuptern hören, anstatt unsere eigenen Verständnisse und Sichtweisen zu entwickeln. Das alles macht es uns nahezu unmöglich, persönliche Zufriedenheit gezielt anzustreben.

Macht in den Händen Weniger
Trennung erzeugt eine Tendenz in uns, unreflektiert den Ideen anderer zu folgen. Wir sind dabei leicht manipulierbar. Deshalb können wir oft beobachten, dass nur wenige Individuen innerhalb der Gesellschaft gesellschaftliche Strukturen nach ihrem Willen gestalten. Dieser Umstand eröffnet diesen Wenigen allerdings die Möglichkeit, die Bewegung von Ressourcen zu kontrollieren. Dies konzentriert Macht und Zugriff auf Ressourcen in den Händen einiger Weniger, wobei Oligopole und Monopole entstehen. Dies zeigt sich in der stetig größer werdenden Kluft zwischen Arm und Superreich, wie auch in der Einverleibung kleinerer Unternehmen durch riesige Konzerngruppen.

Wenn für eine Gruppe von Individuen Macht über andere bzw. über die Ressourcen anderer zur Normalität wird, gewöhnen sie sich daran diese Macht zu nutzen, um ihre persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Dies kann sich zu einer gefährlichen Situation entwickeln, denn diese Individuen können dazu tendieren, an ihrem Machtstatus festzuhalten. Falls Individuen, die Macht über andere haben, den Verlust ihrer Macht fürchten müssen, kann es passieren, dass sie versuchen, den Freiheitsradius dieser anderen Individuen einzuschränken. Dies wirkt dem Ziel von Gesellschaft entgegen (→ Werte).

Wir leben in Gesellschaftssystemen, die (Gruppen von) Individuen Macht über andere und deren Zugriff auf Ressourcen einräumen. Wir müssen unsere emotionale Verbindung zu uns selbst, unseren persönlichen Bedürfnissen und unserer Umwelt wiederherstellen. Nur dann können wir unsere eigenen Ideen und Vorstellungen darüber entwickeln, wie Gesellschaftssysteme aussehen sollten, damit sie unsere Bedürfnisse befriedigen können. Wenn wir dies nicht tun, entwickeln wir keine Visionen und geraten in einen Zustand der Inaktivität hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklung. Diese Inaktivität ist eine stillschweigende Absegnung der existierenden Gesellschaftssysteme und der Strukturen, die anderen Macht über uns gewähren.

Ineffizienz der derzeitigen Gesellschaftssysteme
Gesellschaftssysteme, die Individuen nicht bei der Entdeckung und Entfaltung ihrer intrinsischen Motivation unterstützen und begleiten, erzeugen eine große Kluft innerhalb der Gesellschaft. Wenn Menschen hauptsächlich durch äußere Anreize motiviert werden, kann es sein, dass sie einen Beruf lernen und ausüben, zu dem sie ohne diese äußeren Anreize nie gekommen wären. Sollte die intrinsische Motivation im Hinblick auf ihren Beruf nicht die vorrangige Art der Motivation sein, ist die emotionale Verbundenheit mit ihren Tätigkeiten eher gering. Folglich zeigen viele Menschen in der Gesellschaft wenig Leidenschaft an dem, was sie tun, und sind sehr unzufrieden mit den Tätigkeiten, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie sind nicht „glücklich“ in ihrem Job. Im Gegensatz dazu gibt es viele Menschen, die sich für diese Aufgaben interessieren und gerne an ihnen arbeiten würden. Aber dies ist ihnen nicht möglich. Zunächst, weil andere diese Arbeitsstellen besetzen. Des Weiteren, weil sie sich wahrscheinlich mit enormen gesellschaftlichen Hürden konfrontiert sehen, wenn sie ihre Lebenssituation von einem Beruf zu einem anderen verändern wollen.

Für viele von uns ist es heutzutage sehr schwierig, einen eingeschlagenen Bildungs- oder Berufsweg zu wechseln. Solche Wechsel (wie die Wahl eines anderen Studiengangs oder den Aufbau eines eigenen Unternehmens) sind meist mit der Überwindung gewaltiger gesellschaftlicher Hindernisse verbunden. Viele von uns haben nicht gelernt, wie sie ihre eigene Situation analysieren und wie sie ihre Möglichkeiten entdecken können. Darüber hinaus erleben viele Menschen einen Mangel an Zugang zu gesellschaftlicher Unterstützung. Somit bleiben beim Gedanken an die Änderung des eigenen Lebensweges zu viele Unsicherheitsfaktoren. Es ist oft nicht möglich, Bildungs- und Berufswege auszuprobieren, ohne negative (z.B. existenzielle) Konsequenzen fürchten zu müssen. Schließlich sind viele von uns entmutigt, irgendetwas an ihrem eingeschlagenen Lebensweg zu ändern und hören sogar auf, darüber nachzudenken.

Zusammen genommen heißt dies, dass die derzeitigen Formen gesellschaftlicher Organisation weder so effektiv noch so effizient sind, wie sie sein könnten, um die notwendigen Aufgaben zur Schaffung und Erhaltung einer gesunden Gesellschaft zu bewerkstelligen. Sie versagen darin, Menschen optimal in passenden Positionen, Funktionen oder Jobs zu platzieren.

Apathie – Inaktivität und Faulheit
Wie bereits erwähnt, trainieren die meisten der heutigen Bildungssysteme Kindern systematisch an, extrinsischen Anreizen zu folgen. Sie nutzen Anreize wie Belohnungen und Bestrafungen, und untersagen es oftmals „Herumzutoben“, zu spielen bzw. „Quatsch zu machen“. Allgemein gesprochen schränken heutige Bildungssysteme den Antrieb der Kinder ein, eigenen Interessen zu folgen, und zwingen sie dazu, sich auf die vorgeschriebenen Inhalte der Lehrpläne zu konzentrieren.

Wie oben beschrieben, können extrinsische Anreize abhängig machen. Nach jahrelanger, systematischer Einschränkung und Verminderung intrinsischer Motivation durch Bildungssysteme, die äußere Anreize in großem Ausmaß anwenden, müssen solche Anreize weiterhin permanent angeboten werden, damit das Individuum in dessen Aktivitäten bzw. beruflichen Tätigkeiten motiviert bleibt. Da viele Menschen diese Ursache nicht begreifen, kommen sie zu Schlussfolgerungen wie: „Menschen sind von Natur aus faul!“. Menschen sind nicht von Natur aus faul. Die derzeitigen Bildungssysteme – geformt vom wirtschaftlichen Druck des Wettbewerbs – machen einen Großteil der Bevölkerung von extrinsischen Anreizen abhängig.

Bildungssysteme sollten nicht dazu tendieren, Individuuen ausschließlich auf die Anforderungen wettbewerbsbasierter Gesellschaftsysteme vorzubereiten. Bildungssysteme, Familienmitglieder, Freunde und die Gesellschaft im Gesamten sollten vielmehr die Entdeckung, Entfaltung und das Streben nach Erfüllung persönlicher Bedürfnisse, Interessen und Ziele fördern. Wir müssen die Menschen dieser Welt mit dem nötigen Wissen, den nötigen Fertigkeiten und Werkzeugen ausstatten, die sie dazu befähigen, der Befriedigung ihrer Bedürfnisse nachzugehen (→ Bildung). Dieser Umstand kann den Wandel zu Gesellschaftssystemen fördern, welche so gut wie möglich für jede(n) funktionieren.

Das schlechte Image der Eigennützigkeit
Wenn Menschen heutzutage über „Eigennutz“ oder „egoistisch sein“ reden, meinen sie dies oft in einer negativen Weise. Allerdings basiert alles, was wir tun, auf egoistischen Motiven: Wir tun Dinge, die unserer körperlichen Existenz, unserem Wohlbefinden, unserem Selbstwertgefühl, unserem Gewissen oder unserem Sinn für Notwendigkeit dienen. Jede Handlung eines jeden Individuums hat – bewusst oder unterbewusst – im Kern eigennützige Beweggründe. Du, dein Geist und dein Körper versuchen immer das zu tun, was richtig scheint entsprechend deiner persönlichen Wahrheit (→ Grundlegende Verständnisse). Das bedeutet, dass es für dich unausweichlich ist, Dinge zu deinem eigenen Nutzen zu tun. Es ist nichts falsch daran, bewusst eigennützig zu handeln.

Wenn Menschen den Egoismus eines Individuums kritisieren, geht es nicht um den inbegriffenen Eigennutz. Die Kritik bezieht sich eher auf den Nachteil (und evtl. Schaden), den andere durch die „egoistische“ Handlung erfahren.

Bei der Umsetzung eigener Ziele durch Unachtsamkeit die Bestrebungen anderer zu behindern, nährt Konflikte. An der Umsetzung eigener Bestrebungen gehindert zu werden, erzeugt Unzufriedenheit bei den Betroffenen und belastet die Beziehungen der Individuen untereinander. Dies kann zu Spannungen zwischen den Individuen führen. Diese Spannungen können den Konflikt intensivieren und folglich zu Problemen für alle Beteiligten führen.

Deshalb ist es wichtig, „meinen Nutzen“ oder „meinen Vorteil“ so zu organisieren, dass andere dadurch keine Nachteile haben. Folglich sollte die Umsetzung persönlicher Ziele so gut wie möglich mit den Bestrebungen anderer harmonieren. Wenn dies berücksichtigt wird, kann es sogar sein, dass andere von „meinem Nutzen“ profitieren anstatt diesen als Hindernis zu empfinden (→ Werte). Das heißt: Solange niemand aufgrund deiner Handlungen einen Nachteil erleidet, sei so eigennützig wie du willst.

Die Hauptaufgabe gesellschaftlicher Organisation sollte die Koordination verschiedener individueller Bestrebungen und Interessen sein (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Dies könnte der Kollision von Interessen vorbeugen und aufkommende Konflikte lösen. Die Auffassung von altruistischen guten Menschen auf der einen und egoistischen bösen Menschen auf der anderen Seite ist überholt.

Umgang mit destruktiven Verhaltensmustern
Die globale Gesellschaft wendet verschiedenste Methoden im Umgang mit Menschen an, die Verhaltensweisen zeigen, die als unangebracht angesehen werden. Dabei scheint der Schwerpunkt im Umgang mit unerwünschten Verhaltensweisen auf Formen der Bestrafung zu liegen. Dies sind Formen der Bestrafung wie Bußgelder, Verbote, Freiheitsentzug, Folter und Tod. Hierbei soll Bestrafung zu vier Effekten führen: Erstens soll sie das Individuum dazu bewegen, sein bzw. ihr eigenes Verhalten zu ändern. Zweitens soll die Bestrafung andere davon abhalten, zukünftig genauso oder ähnlich zu handeln. Drittens kann das bestrafte Individuum vom Rest der Gesellschaft isoliert werden, um andere nicht zu stören oder zu schaden. Viertens soll Bestrafung besänftigend auf das vorherrschende „Gerechtigkeitsempfinden“ einer Gesellschaft wirken.

Die derzeitige globale Gesellschaft scheint sich der Wechselbeziehung zwischen dem Verhalten eines Individuums und dessen jeweiliger Umwelt nicht ausreichend bewusst zu sein. Jedes Individuum wird in eine bestimmte Umwelt hineingeboren und wächst in ihr auf. Anstatt ausschließlich in der Persönlichkeit des Individuums nach Gründen für destruktives Verhalten zu suchen, ist es genauso wichtig, in der Umwelt und Entwicklungsgeschichte des Individuums nach Gründen für die Entwicklung destruktiven Verhaltens zu suchen. Untersuchungen und Nachforschungen sollten folgende Fragen stellen:

  • Welche Umstände brachten das Individuum dazu, sich auf diese Weise zu verhalten? Welche Bedürfnisse sollten dadurch befriedigt werden?
  • Auf welche Art kann die Gesellschaft das Individuum dabei unterstützen, zu verstehen, warum diese bestimmte Verhaltensweise als destruktiv betrachtet wird?
  • Wie kann die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Individuum Wege entwickeln, die das Individuum dazu befähigen, ihre bzw. seine Bedürfnisse zu befriedigen ohne dabei jemanden zu stören oder zu schaden?
  • Wie kann die Gesellschaft ihre Gesellschaftssysteme so ausrichten, dass Individuen in ähnlichen Situationen bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse unterstützt werden, anstatt destruktive bzw. schädigende Verhaltensweisen an den Tag legen zu müssen?

Im Interesse eines Jeden sollten Untersuchungen jeglicher Art von „Kriminalität“ offenbaren, welche Umstände ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen dazu brachte, in destruktiver Weise zu handeln. Das Hauptaugenmerk der Gesellschaft sollte nicht auf der Bestrafung unerwünschter Verhaltensmuster liegen, sondern auf der Gestaltung von Umfeldern, die das Individuum unterstützen und den Ausdruck destruktiven Verhaltens somit so weit wie möglich unnötig machen.

All die kleinen, großen und teils unfassbaren Gewalttaten, die wir Menschen uns gegenseitig antun, sind Symptome unserer derzeitigen Dominanzkultur. Uns ist mehrheitlich noch nicht bewusst, wie Gewalt in der Gesellschaft entsteht, wie sie von Individuum zu Individuum weiter gereicht wird, und schließlich in Körperverletzung, Folter, Mord oder Krieg kulminiert. Die globale Gesellschaft sollte Opfern und ihren Angehörigen in ihrem Schmerz, ihrer Wut und ihrer Trauer zur Seite stehen und ihnen die Unterstützung zur Verfügung stellen, die sie brauchen.

Ökosysteme im Ausverkauf
Wie im Hauptteil dieses Artikels erwähnt, benötigt der menschliche Organismus die regelmäßige Einnahme von sauberer Luft, Wasser und nährstoffreicher Nahrung, genügend Sonnenlicht und viele andere Formen an Substanzen und Energie. Außerdem schafft eine sichere und geschützte Umwelt ausreichend Zeit und Raum, um Dinge und Wechselbeziehungen in unserer Welt zu entdecken. Sichere und geschützte Umgebungen ermöglichen es zu lernen, zu experimentieren, zu planen und ein friedliches Leben zu genießen, ohne durch belastende Ereignisse aus der Bahn geworfen zu werden.

Trotzdem scheint es, dass die Menschheit die zukünftige Stabilität solcher Umgebungen weltweit kontinuierlich gefährdet. Rohstoffe werden überall auf dem Planeten ausgebeutet, auf einer Skala, die die globale Gesellschaft noch nie zuvor erlebt hat. Die globale Gesellschaft versucht sich an das Fossile Zeitalter zu ketten, indem sie jeden Tropfen Öl aus Teersanden presst (z.B. in Kanada) oder hochriskante Frackingmethoden zur Gasgewinnung einsetzt. Es gibt einige Entwicklungen in Richtung erneuerbarer Energiesysteme, aber der Hauptanteil der Energiesysteme hält an der Nutzung von Kohle, Öl und Uranium fest. Das Verbrennen von Kohle reduziert die Luftqualität erheblich (zu sehen in China). Der Abbau, Transport und die Nutzung von Uranium, um es in Atomkraftwerken zu verwenden, setzt viele Menschen erhöhter Strahlung aus und schafft Risiken schwerer Nuklearunfälle. Die übermäßige Verbrennung von fossilen Brennstoffen hat die Erderwärmung womöglich beschleunigt, wenn nicht sogar verursacht. Das Klima unseres einen und alleinigen Heimatplaneten verändert sich. Die globale Gesellschaft beobachtet das Schmelzen der Polarkappen, das Steigen des Meeresspiegels, ein erhöhtes Aufkommen von Unwettern, wärmere Jahreszeiten und im Allgemeinen einen Anstieg von Wetterextremen.

Aufgrund der wachsenden Verbreitung von Monokulturen in der Landwirtschaft und der intensiven Anwendung von Pestiziden leidet die Artenvielfalt. Die Population bestäubender Insekten – wie beispielsweise die Populationen der Bienen – sinkt. Aus den gleichen Gründen und wegen Überdüngung der Felder verschlechtert sich die Qualität der Böden des Planeten. Urwälder werden für billiges Holz und dadurch frei werdende Anbauflächen gerodet. Die Industrie nutzt toxische Chemikalien in Produkten und Produktionsprozessen so, dass diese die Gesundheit aller Lebewesen bedrohen und die Wasserquellen im Umkreis der Produktionsanlagen verseuchten. Weltweit gibt es eine immense Ausbeutung natürlicher Wasserreservoirs. Zusätzlich bedrohen wir unsere maritime Nahrungsmittelversorgung, indem wir die Fischgründe der Welt ausbeuten und die Ozeane mit Plastik verschmutzen. Die industrielle Nutzung von biochemischen Substanzen (wie z.B. Hormonen) führt zur Anhäufung dieser Stoffe im Wasser und im Erdreich. Über die Aufnahme von Nahrung und Wasser können solche Substanzen Auslöser biochemischer Prozesse innerhalb eines Organismus sein, welche natürlicherweise nur von körpereigenen Hormonen ausgelöst werden. Solche künstlich herbeigeführten Reaktionen belasten den Organismus und können sich dramatisch auf Gesundheit und Entwicklung auswirken.

Die Minderung des ökologischen Reichtums des Planeten und die Ausbeutung endlicher Ressourcen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verknappung von Ressourcen in globalem Maßstab verstärken. Dies könnte weit mehr unvorhersehbare Konflikte hervorbringen, als wir schon heute zu bewältigen haben und uns Menschen somit dazu zwingen, unseren Wettstreit um knappe Ressourcen weiter zu verschärfen. Sich ausschließlich auf strukturelle Anreize wie monetäre Profite oder irreführende Wohlstandsindikatoren (wie z.B. das BIP) zu konzentrieren, führt offensichtlich zu destruktivem und schädlichem Verhalten.

Unsere wettbewerbsgetriebenen, profitorientierten Wirtschaftsysteme verschwenden unsere Ressourcen und reduzieren damit den Gestaltungsspielraum für unser Leben auf diesem Planeten. Es ist jetzt an der Zeit, der gesellschaftlichen Entwicklung eine neue Richtung zu geben. Wir müssen Gesellschaftssysteme hervorbringen, die Nachhaltigkeit, individuelle Gesundheit und vitalisierende Umgebungen strukturell verstärken anstatt finanziellen Gewinn als einziges Ziel zu propagieren.

Werte und Regeln leben
Wenn sich eine Gesellschaft selbst Regeln auferlegt, dann sollte jede Regel jedem Individuum in einer Weise kommuniziert werden, dass die Gründe für diese Regel und die Regel selbst verstanden werden können. Auf dieser Grundlage könnte jeder befähigt sein, diese Regeln anzuwenden, damit sie sich in der Gesellschaft etablieren.

Wenn eine Gruppe von Individuen – eine Gesellschaft – von ihren Mitgliedern erwartet, gesellschaftliche Werte zu respektieren (z.B. einander zuzuhören) und folglich von ihnen erwartet, dass sie ihr Verhalten anpassen, ist es sehr wichtig, dass diese Werte in dieser Gesellschaft auch erfahrbar sind. Im Alltagsleben sollten Individuen jene Werte erleben, deren Verwirklichung von ihnen erwartet wird. Wenn Lehrer_innen beispielsweise von ihren Schüler_innen verlangen, sich gegenseitig zu respektieren, dann sollten sie selbst auch ihre Schüler_innen, deren Eltern und ihre Kollegen_innen respektieren. Wenn sich Politiker_innen über korruptes Verhalten aufregen, dann sollten sie ihre Ämter nicht dazu missbrauchen, sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Staaten, die ihren Willen zu weltweitem Frieden unterstreichen, sollten aufhören, Gewalt und Krieg in jeglicher Form zu provozieren.

Bestrafung und Belohnung sind kein optimales Instrument, um moralische Werte zu etablieren. Wenn die von einer Gesellschaft gewünschten Werte in dieser Gesellschaft gelebt werden, erleben alle Individuen dieser Gesellschaft diese Werte automatisch als Teil ihres Lebens. Heutzutage scheint es notwendig zu sein, selbige Werte Individuen aktiv einzuflößen,, da die meisten der Werte, die unsere Gesellschaft offiziell schätzt (z.B. „Schütze die Umwelt.“, „Respektiere deine Mitmenschen.“, oder „Hilf anderen ohne eine Gegenleistung einzufordern.“) völlig unzureichend in Politik, Wirtschaft und auf anderen gesellschaftlichen Organisationsebenen angewandt werden. Wir müssen diese Werte in die Strukturen unserer Gesellschaftssysteme integrieren, anstatt zu versuchen, diese als Gegengewicht zur Grundstruktur unserer Gesellschaftssysteme zu etablieren.

Damit es nicht zur Provokation von destruktivem und schädigendem Verhalten kommt, muss die globale Gesellschaft feindselige Umwelten in unterstützende Umwelten wandeln. Dies umfasst auch jene Charakteristiken der Gesellschaftssysteme herauszuarbeiten und zu beseitigen, die Ausbeutung, Verschmutzung, Missbrauch, Gewalt und andere destruktive Handlungsweisen fördern und verstärken. Wir müssen uns zum Ziel setzen, Gesellschaftssysteme zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, eigenen Zielen im Einklang mit den Bedürfnissen aller anderen Individuen und dem sie umgebenden Ökosystem nachzugehen. Auf jeder Gesellschaftsebene (Politik, Wirtschaft, Familien, usw.) sollten die Menschen befähigt und ermutigt sein, so kooperativ und unterstützend wie möglich zu handeln. Es ist jedoch weitaus wahrscheinlicher, dieses Ziel von Gesellschaft (→ Werte) in einer „Reichhaltigkeit Schaffenden Wirtschaft“, als in einer „Knappheit Verwaltenden Wirtschaft“ zu erreichen (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

— Mythen und Meinungen —

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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“Es gibt gute Menschen und es gibt schlechte Menschen,
und die guten Menschen müssen vor den schlechten Menschen beschützt werden.”

“Gut” und “schlecht” sind Eigenschaften, die immer in einem bestimmten Kontext stehen. Was für den einen gut erscheint, kann für den anderen schlecht oder unangebracht wirken. Wenn man sich „schlechtes“ bzw. „unmoralisches“ Verhalten von Individuen anschaut, kann man immer Gründe finden, weshalb diese Individuen so agieren. „Gutes“ wie auch “schlechtes” Verhalten sind auf das Streben nach Befriedigung von Bedürfnissen zurückzuführen. Menschen machen normalerweise keine schlechten Dinge, nur weil es ihnen Freude macht, schlecht zu sein.

Viele Menschen sind so beschäftigt damit, ihre Ziele zu verfolgen, dass sie dabei übersehen, wie schlecht sich ihre Tätigkeit (oder Untätigkeit) auf andere Menschen auswirkt. In anderen Fällen verhindern starre Sichtweisen und festgefahrene Überzeugungen (z.B. „Das geht halt nicht anders!“), dass Menschen Konflikte aufgeschlossen von allen Seiten beleuchten und Lösungen entwickeln. Diese Menschen tun sich meistens schwer damit, sich ernsthaft mit Alternativen auseinanderzusetzen.

Für manche Menschen sind die ihnen bisher bekannten, alternativen Vorgehensweisen keine adäquate Option, um ihre Bedürfnisse effektiv befriedigen zu können. „Schlechtes“ Verhalten ist also den Umständen geschuldet, mit denen sich das Individuum konfrontiert sieht, und nicht per se Zeichen für die „schlechte“ Natur eines Menschen.

Anderen wiederum ist es tatsächlich egal, wie sich ihr Verhalten auf andere auswirkt. Die Gründe für solch eine Einstellung können in der Entwicklungsgeschichte jener Menschen liegen. Es kann sein, dass sie kontinuierlich und immer wieder erfahren haben, dass sich ihre gesellschaftliche Umwelt nicht für ihre Bedürfnisse interessiert. Sie haben sich daher angewöhnt, sich ebenso wenig um die Bedürfnisse anderer zu scheren. „Schlechtes“ Verhalten ist also nicht nur gegenwärtigen Umständen geschuldet, sondern ebenfalls jenen Umständen, die die Entwicklung eines Menschen begleitet haben. Deshalb sollte sich die Gesellschaft jedem Menschen zu jedem Zeitpunkt annehmen, wenn er bzw. sie Unterstützung braucht.

In extremen Fällen sehen Menschen sogar einen wichtigen Grund, anderen “Schlechtes” zu tun. Sie sehen ihren Anlass als so wichtig an, dass er rechtfertigt, anderen zu schaden. Oder sie meinen, dass “schlechte“ Menschen es verdient haben, schlecht behandelt zu werden. Diese Überzeugung vertreten Menschen häufig, wenn sie dem vereinfachten Glauben zum Opfer gefallen sind, es gäbe „gute“ und „schlechte“ Menschen auf der Welt. Sie fühlen sich dabei stets der Gruppe der „guten“ Menschen zugehörig.

Es ist sehr destruktiv und gefährlich, (Gruppen von) Individuen als “gut” oder “schlecht” abzustempeln. Möchte man fremde Menschen besser einschätzen können oder sie sogar verstehen lernen, dann hilft es sehr viel mehr, die Bedürfnisse, die hinter einer Handlung, Tradition, Denkweise, oder Verhaltensweise stehen, zu erfragen. Am Besten kann dies durch empathischen Kontakt zu diesen (Gruppen von) Individuen geschehen. In Konfliktfällen sollte es dabei weniger um das Verhalten anderer, sondern vielmehr um das eigene Verhalten gehen.

In der globalen Gesellschaft benötigen wir nicht mehr Kontrolle übereinander, indem wir “gute” von “schlechten” Menschen abschotten! Was wir brauchen, ist eine viel bessere Koordination unserer verschiedenen Interessen (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Solch eine Koordination würde es unnötig machen, anderen zu schaden, um seine Ziele zu erreichen. Die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse auf gewaltfreie, empathische und kooperative Art und Weise zu befriedigen, ohne anderen dabei zu schaden, kann man erlernen. Dies funktioniert jedoch nur in solchen Umgebungen wirklich gut, die Individuen darin unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.

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„Menschen, die hassen, werden nie aufhören, zu hassen.“

Nicht zwangsläufig. Menschen können sich ändern und ändern sich. Das kann viel Anstrengung kosten, aber es ist möglich. Menschen können (und werden) dir darüber hinaus sehr verschiedene Seiten ihrer selbst zeigen, abhängig davon, wie DU auf sie zugehst

Wie dem auch sei: Das Erreichen von Zufriedenheit eines Individuums sollte gar nicht vom guten Willen anderer abhängig sein. Ein Individuum würde evtl. gar keine Notwendigkeit darin sehen, sich zu bemühen, dass „Hassende“ es respektieren, wenn dieses Individuum seine Bedürfnisse davon unabhängig befriedigen kann. Individuen muss es ermöglicht werden, aus dem Kreis der Menschen, die sie beneiden und hassen, ohne negative Auswirkungen heraustreten zu können. Wenn sich zusätzlich der gesellschaftliche Rahmen dahingehend verändert, dass es unnötig und nicht lohnenswert ist, ein „Hassender“ zu sein; oder dahingehend, dass Hass nicht mehr begünstigt wird, werden „Hassende“ nicht mehr lange „Hassende“ bleiben.

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“Menschen zeigen häufig aggressives Verhalten,
wegen ihrer genetischen Veranlagungen.
Dem ist so, da Gene die physischen Eigenschaften und den chemischen
Metabolismus des Individuums bestimmen und somit auch dessen Emotionen.”

Menschliches Verhalten wird durch viele Faktoren beeinflusst und kann nicht allein auf die genetischen Veranlagungen eines Menschen zurückgeführt werden. Ein Beispiel: Eine Person mit der Veranlagung, Wut sehr intensiv zu empfinden, wird in einem friedvollen, unterstützenden Umfeld anders mit dieser Wut umgehen, als in einem sehr demütigenden, aggressiven Umfeld. Eventuell wird das Gefühl von intensiver Wut und Aggression gar nicht erst ausgelöst, weil das Umfeld keinerlei Anreize dafür bietet. Jegliche Art von Verhalten steht immer in Verbindung zu einem spezifischen Umfeld, welches spezifische Einflüsse bietet.

Gesellschaftssysteme sind Teil der Umwelt eines jeden Individuums. Wenn wir den Eindruck haben, dass Menschen von Natur aus aggressiv sind, kann es sein, dass dies einem Mangel in der Grundstruktur unserer Gesellschaftssysteme geschuldet ist. (Wir erwähnen viele dieser Mängel im „Vergleich“; der zweiten Hälfte all unserer Hauptartikel des Blogs.) Tagtäglich mit den Unzulänglichkeiten der Gesellschaftssysteme konfrontiert zu werden, kann Menschen unterschwellig frustrieren und dadurch in einen Zustand konstanter Gereiztheit versetzen. Solch ein Zustand kann als „naturgegebene Aggression“ fehlgedeutet werden. Dabei sollte dieser Zustand sehr viel eher als Konsequenz von Gesellschaftssystemen verstanden werden, welche nicht optimal in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Menschen funktionieren.

Die Entstehung von Aggression wird also durch viele Faktoren beeinflusst und nicht ausschließlich durch genetische Veranlagung bestimmt. Wir sollten unsere Gesellschaftssysteme so gestalten, dass sie der Entstehung von Konflikten, Frustration und Aggression vorbeugen bzw. diese aufzulösen helfen.

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“Menschen werden faul, wenn sie alles zur Verfügung gestellt bekommen.
Jeder Mensch sollte produktiv sein.”

Wir möchten hier beim ersten Teil dieser Meinung anfangen und uns erst einmal die Definition von Faulheit anschauen:

Faulheit als “physisch und mental nichts tun” existiert nicht. Wir atmen, verdauen oder verstoffwechseln fortwährend. Wir denken immer, oder versuchen aktiv unsere Gedanken zu beruhigen (zum Beispiel in der Meditation). Das bedeutet, dass “faul sein” immer im Kontrast zu “fleißig sein” steht; und zwar im Hinblick auf Arbeit, die “erledigt werden muss”. Ein Individuum wird als produktiv bzw. unproduktiv bezeichnet, gemessen daran was sie oder er “leistet”. Um jedoch feststellen zu können, ob eine Person faul oder fleißig ist, bedarf es stets einer Annahme darüber, was überhaupt erledigt werden muss. Wer legt also fest, was wirklich getan und erledigt werden muss? Sind es nur die lebenserhaltenden Aktivitäten, Taten und Aufgaben, die wirklich erledigt werden müssen? Was bedeutet “produktiv” zu sein? Wer sagt, was produktiv und was unproduktiv ist? Ist eine Person unproduktiv, wenn sie Jahre damit verbringt, ausschließlich nachzudenken und zu philosophieren über ihr Leben? Was wenn diese Person – nach einer Dekade “Faulheit” – ein Gedicht schreibt, dass Menschen dazu inspiriert, ihr Leben zum Besseren zu wandeln? Dieses Gedicht wäre vielleicht niemals geschrieben worden, hätte dieses Individuum all die Jahre danach gestrebt, “produktiv” zu sein. Man kann niemals wissen, welche Art von Aktivität sich in der Zukunft einmal als wie wertvoll herausstellen wird.

Die nächste Frage, die darauf folgen muss ist: “Ist es wirklich notwendig, sicherzustellen, dass alle produktiv sind?” Soll es wirklich darum gehen, dass alle irgendetwas tun, nur damit sie etwas tun? Kann die alleinige Fokussierung auf „produktiv sein“ nicht leicht dazu führen, dass wir „überproduktiv“ werden?

Überproduktion kann sehr schädlich sein. Ein Beispiel: Produkte so zu entwerfen, dass sie nicht lange halten und nicht wiederverwertbar sind, um noch mehr produzieren und verkaufen zu können, ist kontra-produktiv, wenn es zu unseren Zielen zählt, eine gesunde, saubere Umwelt zu erhalten. Wie können wir sicherstellen, dass Produktivität sich nicht zu destruktiver Produktivität wandelt? Hier sind einige Beispiele von Gedanken, mit denen sich Individuen in unseren heutigen Gesellschaftssystemen häufig konfrontiert sehen:

  • “Mir ist klar, dass das, was ich verkaufe unter widrigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Ich würde das lieber nicht verkaufen, aber ich brauche meinen Job!”
  • “Ich weiß, dass es unethisch und verschwenderisch ist, technische Geräte zu entwickeln, die so konzipiert sind, dass sie schnellstmöglich auseinanderfallen, aber wir müssen weiterhin Geld machen!”
  • “Ich möchte eigentlich kein Essen verkaufen, das solch eine schlechte Qualität hat. Aber ich kann es mir nicht leisten, etwas besseres anzubauen und ich muss ja meinen Lebensunterhalt verdienen.”

Wir können einfach nicht sicher stellen, dass Produktivität konstruktiv bleibt, es sei denn, wir hören damit auf, Menschen um jeden Preis in die Produktivität zu zwingen! Wir müssen alle Individuen von der Existenzangst befreien, ihren „Lebensunterhalt verdienen zu müssen“. Nur so haben Menschen die Möglichkeit, sich über ihre Bedürfnisse und Vorhaben bewusst zu werden. Aus dieser Selbsterkenntnis heraus nehmen sie Tätigkeiten auf, über die sie ihre Potenziale entfalten können. Und nur so können sie in einer Weise „produktiv“ werden, die ihrer intrinsischen Motivation entspringt. Wenn Menschen die Freiheit gewährt wird, produktiv in eigenem Ermessen zu sein und dazu alles Nötige zur Verfügung gestellt bekommen, ist es wahrscheinlich, dass sich ein Großteil der Gesellschaft dazu entscheidet, konstruktiven und sinnerfüllten Tätigkeiten nachzugehen.

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„Menschen werden faul, wenn sie keine Pflichten haben.
Menschen wollen keine Verantwortung übernehmen.“

In Gesellschaftssystemen zu leben, die es jedem ermöglichen, eigene Bedürfnisse effizient zu befriedigen, bedeutet nicht, dass es keine Pflichten mehr gibt. Sich gebraucht und bedeutsam zu fühlen ist ein grundlegendes Bedürfnis, weil es uns eine Richtung und einen Sinn gibt. Viele Menschen empfinden einen Sinn in ihrem Leben gerade wegen der Pflichten, denen sie nachgehen. Sie haben das Gefühl, dass das, was sie tun, einen bedeutungsvollen Beitrag zur Gesellschaft darstellt. Das gibt ihnen selbst Bedeutung und Sinn und sie fühlen sich dazugehörig. Wenn Menschen das Bedürfnis haben, sich zu bestimmten Aufgaben und Taten zu verpflichten, sollte ihnen dies freigestellt sein. Dies ist ein wichtiger Aspekt, wenn es darum gehen soll, den Freiheitsradius des Individuums zu erweitern. Jede_r sollte wählen können, welche Verpflichtungen er oder sie eingeht und welche nicht. Bezüglich wichtiger Tätigkeiten, die erledigt werden müssen (z.B. Nahrungsmittel anbauen, Straßenreinigung, Instandhaltung des öffentlichen Verkehrs) werden sich auch weiterhin Organisationen entwickeln, die diese notwendigen Aufgaben übernehmen. Im Gegensatz zu unserer heutigen Gesellschaft würden sich die Menschen, die eine solche Organisation ausmachen, nicht ausschließlich aufgrund von äußeren Anreizen zu solchen Tätigkeiten entschließen, sondern sehr viel eher aus einer intrinsischen Motivation heraus. Deshalb hätten diese Menschen auch ein hohes Interesse daran, diese notwendigen Tätigkeiten vernünftig auszuführen.

Vorhaben, die nur unzureichend viele Menschen umsetzen wollen bzw. für die nur unzureichend viele Menschen Verantwortung übernehmen wollen, könnten unter Umständen gar nicht in der angedachten Form umgesetzt werden. Die Individuen, die die Umsetzung solcher Vorhaben anstreben, sollten jedoch weiterhin darin unterstützt werden, ihr Anliegen zu kommunizieren, Mitstreiter zu finden und alternative Herangehensweisen zu ergründen, damit sie ihr Vorhaben in einer anderen Form umsetzen können.

Heutzutage haben viele Menschen in Positionen hoher Verantwortung das Gefühl, isoliert zu sein. Dies kann teilweise unseren momentanen Organisationsstrukturen, und teilweise unserer heutigen Einstellung gegenüber Belohnungen und Bestrafungen geschuldet sein. Die Gesellschaft muss die Erwartungshaltung, dass jemand einzig und allein für eine Aufgabe verantwortlich ist, hinter sich lassen. Diese Einstellung lässt das Individuum mit der Erfüllung der Aufgabe allein. Ganz alleine einer wichtigen Aufgabe nachgehen zu müssen, ohne ausreichend konstruktives Feedback zu erhalten; erfüllt von Angst, für Fehler bestraft zu werden, ist ein wirksamer Motivationskiller. Deshalb schrecken Menschen heutzutage häufig davor zurück, Verantwortung zu übernehmen.

Wenn ein Individuum eine Aufgabe übernimmt, sollten alle anderen involvierten Individuen ihr Interesse und ihre Unterstützung für die Ausführung dieser Aufgabe zeigen, anstatt sich einfach – voll von Erwartungen und Anforderungen – herauszuhalten. Offen alle Schwierigkeiten kommunizieren zu können, die mit der Verantwortung für eine bestimmte Aufgabe einhergehen, kann Menschen in die Lage versetzen, zwanglos und effektiv mit dieser Verantwortung umzugehen. In solch unterstützenden Umfeldern ist es für Menschen sehr viel leichter, sich zu einer Tätigkeit oder Aufgabe zu verpflichten, als in vielen Umfeldern der heutigen Gesellschaftssysteme.

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„Manche Menschen sind einfach von Natur aus faul.”

Schauen wir uns das Verhalten von Kindern an. Die meisten Kinder unter 3 Jahren sind sehr fleißig darin, die Welt um sich herum zu entdecken. (Das warst du sicherlich auch, als du ein Kind warst.) Je mehr es zu entdecken gibt, desto mehr entdecken sie. Kinder sind nicht faul. Sogar, wenn sie sich ausschließlich der Beobachtung von Dingen widmen, sind sie sehr fleißig in dieser Disziplin. Unsere momentanen Bildungssysteme neigen dazu, die weitere Entwicklung dieser inneren Motivation zu hemmen, anstatt sie zu fördern. Wir sagen unseren Kindern “konzentriere dich jetzt mal hier drauf” und “hör auf Quatsch zu machen”, anstatt sie darin zu unterstützen, ihren inneren Interessen nachzugehen. Wir stecken sie in die Schule, damit sie dort über Jahre hinweg Dinge lernen, die sie vielleicht überhaupt nicht interessieren. Und dann, nachdem wir die innere Motivation junger Menschen jahrelang systematisch verringert haben, sagen wir Dinge wie “Menschen sind von Natur aus faul”.

Wenn Menschen nach jahrelangem Training verinnerlicht haben, nicht ihren inneren Interessen und ihrer inneren Motivation zu folgen, sondern sich stattdessen mit extrinsischen Anreizen (wie Schulnoten und Geld) zu motivieren, ist es kein Wunder, dass sie inaktiv werden, sobald extrinsische Anreize ausbleiben. Wenn man darüber hinaus noch dafür bestraft wird, aktiv zu sein – zu entdecken, zu lernen, was man lernen möchte, oder einfach nur spielerisch Spaß zu haben – ist man selbstverständlich lieber inaktiv!

Menschen sind nicht von Natur aus faul. Menschen sind von Natur aus neugierig und interessiert. Die meisten Kinder wissen, wann sie eine Pause benötigen, wann sie Schlaf brauchen, wann sie hungrig sind, oder wann sie einfach produktiv sein wollen. Das bedeutet nicht, dass sie faul sind. Es bedeutet nur, dass sie im Einklang mit ihrem Energiehaushalt agieren.

In Gesellschaftssystemen, die dazu ausgelegt sind, sich bedingungslos um alle Menschen zu kümmern und das Wohlsein aller zu sichern, hätten wir wohl eine sehr andere Situation. In solchen Systemen würde jede_r von Kindheit an optimal darin unterstützt werden, eigene intrinsisch motivierte Ziele umzusetzen. In Gesellschaftssystemen, welche intrinsische Motivation erhalten und fördern, werden viele Menschen wahrscheinlich sehr aktiv sein, da sie von Beginn ihres Lebens an daran gewöhnt wären, ihren inneren Interessen zu folgen (→ Bildung).

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“Wenn jeder Zugriff auf alles hat,

werden die Menschen einfach ihre Umwelt zerstören.”

Dass jede_r versorgt ist, unterstützt wird und jeder bzw. jedem geholfen wird, persönliche Bedürfnisse zu befriedigen und eigenen Ambitionen nachzugehen, bedeutet nicht, dass jede_r einfach das nehmen kann, was er bzw. sie will und damit tun kann, was sie bzw. er möchte! Freien Zugriff für jede_r zu ermöglichen würde auch umfassen, uns selbst über die Wechselbeziehungen aller Ebenen des Lebens auf diesem Planeten (ökologisch, sozial, ökonomisch, usw.) zu bilden. Somit könnte jede bzw. jeder ein Bewusstsein für Wechselbeziehungen und die Bedeutung des Schutzes der Unversehrtheit allen Lebens dieser Welt entwickeln. Solch ein Bewusstsein etabliert als gesunder Menschenverstand würde zu einer Reihe von Regeln und Vorschriften führen, die die Ökosysteme und ihre natürlichen Kreisläufe, Pflanzen, Tiere und Menschen schützen.

Heutzutage müssen Menschen „ihren Lebensunterhalt verdienen“. Dieser Umstand bringt sie häufig dazu, einer Arbeit nachzugehen, die ihre Umwelt ausbeutet oder schädigt. In einer Gesellschaft, in der sich um jeden gesorgt wird und niemand existenzielle Ängste haben muss, kann „seinen Lebensunterhalt verdienen“ keine Ausrede beim Brechen von schützenden Regeln sein.

Außerdem wird es bezüglich spezieller Aufgaben sicherlich noch immer Regelungen geben, die festlegen, unter welchen Voraussetzungen und auf welche Weise ein Individuum mit gefährlichen bzw. knappen Materialien, Gütern und Verfahren umgehen darf.

Wenn es unser Ziel ist, dass jeder Zugang zu allem hat, was er oder sie benötigt, dann sollten wir vernünftige Regeln von unseren umfassenden Verständnissen ableiten, wie wir uns, die Erde und alle darauf lebenden Kreaturen behandeln, um nichts zu zerstören und niemanden auszubeuten. Wenn Existenzängste durch eine Bedürfnisorientierte Gestaltung der Gesellschaftssysteme nicht mehr Teil unseres Erlebens sind, werden wir in der Lage sein, uns tatsächlich an diesen Regeln zu orientieren. Somit wird es unnötig sein, irgendetwas zu schädigen oder zu zerstören, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen.

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“Der Wettbewerb generiert sehr produktive Ideen.”

Das ist wohl wahr. Wettbewerb erzeugt jedoch auch einige sehr destruktive Dinge. Und oft bringt Wettbewerb uns einfach nicht das, was er sollte. Wir – die Autoren – denken, dass Wettbewerb eine gute und gesunde Methode bezüglich vieler Situationen ist. Wenn er zum Beispiel in Spielen oder zum Lernen angewandt wird; oder die Lösung von Problemen sinnvoll unterstützt, kann Wettbewerb sehr konstruktive Auswirkungen haben.

Das Konzept „Wettbewerb“ jedoch auf den Wettkampf um (den Zugriff auf) Ressourcen anzuwenden, ist eine sehr gefährliche und zerstörerische Kombination. Wir alle benötigen Ressourcen, um unsere täglichen Bedürfnisse zu befriedigen. Wettbewerb in diesem Zusammenhang rückt das Zusammenleben als eine Gesellschaft in ein sehr anderes Licht. Dieses Spiel des Wettbewerbs ist eher destruktiv zum Ziel von Gesellschaft (→ Werte). Menschen erholen sich nicht von Niederlagen in diesem globalen Spiel des Wettbewerbs, so wie sie sich von Niederlagen im Sport erholen. Sie verlieren ihre Häuser, sie sterben an Unterernährung oder Lebensmittelvergiftung, sie werden im Krieg, durch (Drogen-)Missbrauch, Gefangenschaft oder andere Formen von Gewalt verletzt. Und all dies nur, weil sie nicht so gut, schnell, ausdauernd, kämpferisch, geschickt, fortgeschritten oder privilegiert sind, wie andere (Gruppen von) Individuen. Das Wettrennen um Ressourcen – und damit um ein gutes, menschenwürdiges Leben – sollte gar kein Wettrennen sein! Wettbewerb sollte nicht als die hauptsächliche Methode zur Verteilung von Gütern genutzt werden! Wettbewerb kann in Spielen genutzt werden, sollte aber nicht als fundamentales Konzept zur Befriedigung der Bedürfnisse von (Gruppen von) Individuen eingesetzt werden.

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“Es ist unmöglich, jeden glücklich zu machen.

Man kann es nicht allen recht machen.”

Wir stimmen mit dieser Meinung überein. Bei der Neugestaltung gesellschaftlicher Strukturen geht es nicht darum, es allen recht zu machen. Es geht darum, einem Ideal so nahe wie möglich zu kommen (→ Werte). Darüber hinaus, ist es nicht der Zweck von Gesellschaftssystemen, Menschen glücklich zu machen. Sie sind dazu da, die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen. Was eine Gesellschaft zum Glücksgefühl des Individuums beitragen kann und sollte, ist, eine erfüllende, unterstützende Umwelt zu gewährleisten. Somit hat das Individuum selbst die Freiheit, ihr oder sein Glück selbst zu entdecken. Menschen wissen, oder können lernen, wie sie sich selbst oder einander glücklich machen können.

Auf materieller Ebene geht es ebenfalls nicht darum, jeden mit jeder erdenklichen Ware zu versorgen. Beispielsweise könntest du der Ansicht sein, dass jeder ein Auto fahren möchte. Wenn wir – die globale Gesellschaft – nicht die Ressourcen haben, jedem ein Auto als Transportmittel zu gewähren, müssen wir zuerst prüfen, wie viele Menschen überhaupt solch ein Fahrzeug haben wollen. Dann müssen wir uns anschauen, was diese Menschen mit diesem Auto machen wollen: Wollen sie es zwei Monate im Jahr benutzen? Wollen sie es als Statussymbol besitzen? Möchten sie es fünf mal im Jahr für kurze Wochenendausflüge nutzen? Oder benötigen sie es für den täglichen Transport? Die Frage ist also eigentlich: „Wollen sie wirklich ein Auto besitzen, oder benötigen sie Zugriff auf individuellen, sicheren, verlässlichen, flexiblen, schnellen und komfortablen Transport?“

Letzteres zu arrangieren ist eine Frage der Organisation. Ziel ist es, aus der gesamten Menge an Bedürfnissen und Erwartungen – die sich weiterhin kontinuierlich verändern werden – ein Verkehrskonzept zu entwickeln. Dieses Verkehrskonzept würde zum Großteil darauf basieren, dass wir die Nutzung von allen uns zur Verfügung stehenden Transportmitteln (Fußwege, Fahrräder, Busse, Taxis, Autos, Züge, Helikopter, Flugzeuge, usw.) intelligent koordinieren, damit jedes Individuum zu jeder Zeit Zugang zu Transportmitteln ihrer bzw. seiner Wahl hat. Gleichzeitig sollten wir versuchen, denen ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, die rund um die Uhr Zugriff darauf haben möchten. Somit könnten wir zuverlässige, nachhaltige Transportsysteme schaffen, welchen den persönlichen Bedürfnissen eines jeden Individuums optimal gerecht werden.

Wir müssen diese Herangehensweise, unsere Bedürfnisse zu hinterfragen, um verschiedene Interessen innerhalb von Gesellschaft zu koordinieren, auf einen Großteil unserer Gesellschaftssysteme anwenden. Nur so erreichen wir Zugriffsreichhaltigkeit (→ Umgang mit Ressourcenknappheit). Dazu müssen wir herausfinden, welche Bedürfnisse tatsächlich hinter unseren Wünschen und Vorstellungen stehen. Dies genauer herauszufinden, kann sehr positiv zur Befriedigung unserer Bedürfnisse beitragen. Je klarer wir uns unserer Bedürfnisse sind, desto direkter und nachhaltiger können wir sie befriedigen. Diese Art von Bewusstsein und diese Art unsere verschiedenen Bedürfnisse miteinander zu koordinieren, werden uns sehr viel effektiver zu Zufriedenheit und Glück führen, als wir es heute gewohnt sind. Alle Menschen sollten in die Lage versetzt werden, ihre Ziele zu erreichen und sich im Zuge dessen zum Glücklichsein entscheiden zu können.

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“Wenn eine Person die Möglichkeit hat, stellt sie sich über andere Menschen.”

Dies ist eine ziemlich akkurate Beobachtung in den heutigen Systemen. Da unsere momentanen Systeme mit der künstlichen Erschaffung und der Aufrechterhaltung von Knappheit funktionieren (→ Umgang mit Ressourcenknappheit), ist es eine logische Schlussfolgerung, dass ein Mensch diese Knappheit lieber auf andere abwälzen würde, als sie selbst zu erfahren. Knappheit erfahren bedeutet, “nicht in der Lage sein, seine Bedürfnisse so zu befriedigen, wie man dies gerne tun würde”. Und da alle Menschen nach Zufriedenheit streben (→ Grundlegende Verständnisse), sind wir alle darauf erpicht, unsere Ziele so effektiv wie möglich zu erreichen.

In gesellschaftlichen Organisationsformen, in denen die eigene Position in Hierarchien, Kasten und sozialen Ständen nicht notwendig ist, um persönliche Ziele zu erreichen, könnte es viel seltener vorkommen, dass Menschen einander zu dominieren versuchen. Selbst wenn es vorkommt, haben Individuen realisierbare Möglichkeiten, sich aus diesen abhängigen Beziehungen solch starrer organisatorischer Strukturen herauszulösen.

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„Geht es darum, Hierarchien abzuschaffen?
Ohne hierarchische Strukturen herrscht Chaos!“

Die Aufgabe, mit der sich die Menschheit konfrontiert sieht, ist nicht, sich von allen Arten hierarchischer Strukturen zu befreien. Es ist jedoch wichtig, Menschen vom (gesellschaftlichen) Druck zu befreien, sich Hierarchien unterwerfen zu müssen, um Zugang zu Ressourcen zu erlangen. Menschen sollten wählen können, ob sie Teil einer Hierarchie sein wollen, oder nicht. Sie sollten in die Lage versetzt werden, Hierarchien gemeinsam zu entwickeln oder sie zu verändern. Hierarchien, die eine Gruppe von Individuen für sich selbst entwickelt und gestaltet, werden meist von allen als hilfreich empfunden. Wenn es darum geht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, funktionieren Hierarchien, die selbst gewählten Kulturen des Miteinander entspringen, sehr viel effektiver und effizienter als starre, zugewiesene Hierarchiestrukturen.

Es geht also nicht darum, Hierarchien abzuschaffen, sondern darum, unsere Organisationsformen zu überdenken und miteinander neu zu gestalten.

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„Um solch eine Idee umzusetzen, müssen alle zustimmen.
Sobald eine Person nicht mitmachen will, wird und kann es nicht funktionieren.“

Solch eine Aussage entstammt unserem heutigen Demokratieverständnis. Dabei geht es darum, Entscheidungen zu treffen. Vor allem Entscheidungen zu treffen, die entweder zu „Wir machen das“ oder zu „Wir machen das nicht“ führen. Unsere Möglichkeiten sind aber weitaus vielfältiger, als uns zwischen „ja“ und „nein“ zu entscheiden. Es geht darum, aus den tausenden Lösungsmöglichkeiten jene zusammenzusetzen, die jedem Einzelnen und allen zusammen optimal bei der Befriedigung unserer Bedürfnisse unterstützen. Jede_r, der Lösungen für sich und andere finden will, macht dabei mit. Alle anderen eben nicht. Diese Freiheit sollte jede_r haben.

Wichtige Voraussetzung dafür ist, Menschen vom (gesellschaftlichen) Druck zu befreien, sich Hierarchien unterwerfen zu müssen, um Zugang zu Ressourcen zu erlangen. Solche Abhängigkeiten machen sie zu Mitläufern, denen es schwerfällt oder unmöglich ist, anderen Lösungswegen nachzugehen, die entgegen der Ansicht ihrer Anführer oder Vorgesetzten stehen.

Letztendlich ist die Frage ist nicht, ob alle mitmachen. Die Frage ist, welche Schritte wir unternehmen wollen, um Formen des Zusammenlebens zu entwickeln, in denen nicht mehr alle allem zustimmen müssen, damit es allen gut geht, sondern die vom Vertrauen und der Gewissheit geprägt sind, dass die Lösungen und Beschlüsse anderer der Befriedigung meiner Bedürfnisse nicht entgegen stehen.

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“Und wenn sich Menschen dagegen stellen? Was passiert mit denen?”

Menschen, die sich gegen etwas stellen, erfüllen sich damit Bedürfnisse. Welche das sind, ist individuell verschieden. In den meisten Fällen handeln sie aus der Angst heraus, dass ihnen das Vorhaben, gegen das sie sich stellen, das eigene Wohlergehen oder das ihrer Mitmenschen mindern wird. Deshalb ist es immer wichtig, diese Ängste ernst zu nehmen und ihnen empathisch zu begegnen, um auch hier gemeinsam Lösungen zu finden. Sollte Gewalt – ob psychisch oder physisch – Teil einer Auseinandersetzung werden, gilt es, alle Beteiligten zu schützen, mit dem Ziel, weiterhin dafür zu sorgen, dass der Dialog fortgesetzt werden kann.

Nur durch Kontakt kann man Klarheit darüber erlangen, wo Konflikte bestehen, was die Zielvorstellungen, Werte und Bedürfnisse von „Gegnern“ sind, und wie man daraufhin Lösungsvorschläge ableiten kann. Nur so kann ein Gegeneinander in ein friedliches Nebeneinander oder Miteinander gewandelt werden.

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“Man kann das nicht ändern. Das ist die Natur des Menschen!”

Diese Meinung wird häufig geäußert, wenn Menschen über Persönlichkeitsmerkmale an sich, oder Eigenschaften von bestimmten Menschen sprechen. Es ist jedoch nicht möglich, Schlussfolgerungen darüber zu schließen, was “unveränderbare menschliche Natur” ist und was nicht! Dass ein Individuum beispielsweise nicht weiß, wie er bzw. sie bestimmte Eigenschaften an sich ändert, bedeutet nicht, dass es unmöglich ist, diese zu ändern. Es bedeutet einfach nur, dass es diesem Individuum mit seinem gegenwärtigen Wissen zu dieser spezifischen Zeit nicht möglich ist.

Meistens ist es jedoch überhaupt nicht notwendig zu versuchen, menschliche Eigenschaften zu verändern. Es ist vielmehr notwendig, die Gegebenheiten zu verändern, die diese Individuen umgeben, sodass jegliche Verhaltensmuster des Individuums keine negativen Auswirkungen auf andere Individuen haben. Beispielsweise kann laute Musik und heftiges Herumtrampeln einer Person, die gerne ganze Nächte durchtanzt, ihre Nachbarn stark belästigen. Wenn diese Person nun aber die Möglichkeit hat, bei Nacht in einem Raum in ihrem Gemeinschaftszentrum zu tanzen, wird sie bzw. er vielleicht gar nichts an seiner nächtlichen Leidenschaft ändern müssen.

Noch wichtiger: Wird das Umfeld eines Individuums verändert, können Verhaltensweisen, die andere schädigen, sogar gänzlich verschwinden. Viele Menschen verhalten sich gemein, rücksichtslos, gehässig, aggressiv, oder grausam, weil sie sich verletzlich, bedroht, oder auf irgend eine Art unwohl in einer bestimmten (Lebens-) Situation fühlen. Sobald es nicht mehr notwendig ist, verletzende bzw. beleidigende Verhaltensweisen an den Tag zu legen, um etwas zu erreichen oder zu erhalten, ist es eventuell für das Individuum gar nicht mehr erstrebenswert, sich auf diese Weise zu verhalten.

Wenn die Gründe, die zu destruktivem Verhalten führen, verschwinden, entwickelt sich oft eine Neigung zu vorrangig friedvollen, nicht-aggressiven Verhaltensmustern. Dem ist so, da es viel angenehmer und gesünder ist, in Harmonie mit seiner Umgebung zu leben. Wenn Menschen eine Art Umfeld hinter sich lassen und in einem anderen leben, passen sie die Art, wie sie sich verhalten, im Laufe der Zeit dem neuen Umfeld an.

Wir sollten aufhören zu versuchen, einander zu verändern. Wir sollten eher versuchen zu verstehen, wie das Verhalten von Menschen mit den Umständen verkoppelt ist, die sie umgeben. Die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen, machen es unnötig, die “Natur des Menschen” verändern zu wollen. Aus der Erkenntnis ergibt sich eher die Notwendigkeit, unser Miteinander und die Umwelten, in denen wir leben, zu gestalten. Diese Umwelten sollten Verhaltensweisen begünstigen und fördern, welche konstruktiv – oder zumindest nicht destruktiv – zum Ziel von Gesellschaft beitragen. (→Werte)

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“Menschen müssen kontrolliert werden, um sich nicht gegenseitig zu schaden.”

Menschen verhalten sich selten schädlich, wenn sie sich sicher, geborgen und frei fühlen und miteinander in einer Kultur leben, die von gegenseitiger Anerkennung und Unterstützung geprägt ist. Sie müssen also nicht kontrolliert werden. Die Umstände sorgen dafür, dass sie mit ihrer Umwelt in Harmonie leben können. Wenn wir wollen, dass Menschen weniger destruktives und „schädliches“ Verhalten zeigen, müssen wir sicher gehen, dass sie sich nicht dafür bedroht fühlen, wer sie sind, was sie mögen, wie sie leben, wen sie lieben, was sie denken, wie sie sich äußern, oder dafür, wie sie ihren Zielen folgen.

Wenn Kontrolle selbst gewählt ist, wird sie vom Individuum meist als hilfreich empfunden. Wenn sich Menschen jedoch einer Kontrolle ausgesetzt sehen, die sie weder verstehen noch nachvollziehen können, die sie auch nicht erwirkt haben oder sogar als Bedrohung empfinden, fühlen sie sich eingeengt, blockiert und machtlos. Daraus eventuell entstehende Wut und Aggression kann dann dazu führen, dass sie anderen schaden, gerade weil sie kontrolliert werden.

Selbstverständlich werden wir – die globale Gesellschaft – Menschen, die anderen Schaden zufügen, dies nicht einfach weiterhin tun lassen. Konfliktbeteiligte in gewaltvollen Auseinandersetzungen sollten dazu befähigt werden, ihren Konflikt gewaltfrei zu bewältigen. Diese Konflikte sollten begleitet werden. Es sollte sichergestellt werden, dass der Konfliktbewältigungsprozess Veränderungen herbeiführt, die zumindest ein friedliches Nebeneinander ermöglichen. Aber das bedeutet nicht, dass wir einander kontrollieren müssen.

Die Einhaltung von Regeln, die wir uns gemeinsam auferlegen, werden wir auch weiterhin sicherstellen (müssen). Ziel sollte es jedoch sein, dass wir diese Regeln gar nicht brauchen bzw. sie so sehr Teil des gesellschaftlichen Miteinanders werden, dass wir darauf vertrauen, dass sie eingehalten werden und somit nicht kontrolliert werden müssen.

Das Bestreben, andere zu kontrollieren, hat seinen Ursprung für gewöhnlich in irgendeiner Art von Angst. Dies sind meist Ängste wie:

  • „Andere könnten zerstören, was ich aufgebaut habe.“
  • „Sie werden mir Möglichkeiten oder Gegenstände wegnehmen.“
  • „Sie werden mich davon abhalten, meine Ziele zu verwirklichen”.

Angst kann sehr einschränkend sein. Zu versuchen, die Handlungen anderer zu kontrollieren, hat häufig den gegenteiligen Effekt davon, was ursprünglich gewollt war. Menschen, die versuchen, andere zu kontrollieren, werden sich wohl nie vollends frei fühlen. Wahrscheinlich werden sie immer das Gefühl haben, sich den Rücken freihalten zu müssen, was es sehr schwer macht, Freiheit zu genießen.

Es ist unnötig – und nicht wünschenswert – zu versuchen, das Verhalten von (Gruppen von) Individuen zu kontrollieren. Weil Angst oft durch uns unbekannte Situationen ausgelöst wird, die wir nicht einschätzen können, ist das Gegenteil notwendig: Wir müssen unsere Ängste dadurch überwinden, dass wir versuchen, das Unbekannte kennenzulernen. Wir müssen Informationen sammeln, indem wir mit den Situationen und Individuen, vor denen wir Angst haben, in Kontakt treten. Auf dieser Basis könnten wir kooperative Zusammengehörigkeit etablieren. Das hätte zur Folge, dass wir ohne Angst und daher ohne jegliches Bedürfnis nach Kontrolle miteinander leben könnten. Menschen müssen nicht kontrolliert werden. Menschen müssen befriedigt sein (sich sicher und geborgen fühlen, ein erfülltes Leben ihrer Wahl lebend), um Seite an Seite in Harmonie leben zu können.

— Fußnoten —

(A0) Zum Zwecke der Vereinfachung gehen wir an dieser Stelle nicht weiter auf jene Einflüsse ein, die vor der Empfängnis stattfinden (z.B. auf die natürliche Auslese als Teil der Evolution, die Entwicklungsgeschichte unserer Vorfahren, usw.).

(A1) Auf Grundlage des genetischen Codes werden im Körper Proteine zusammengesetzt. Während das Genom den Bauplan für einen Organismus darstellt, können Proteine als biologische „Maschinen“ gesehen werden, die die Anweisungen dieser Baupläne umsetzen. Sie decken eine weite Spanne an Funktionen innerhalb eines lebenden Organismus ab. Zum Beispiel zersetzen Proteine den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker, damit ihn dein Körper in die Blutbahnen aufnehmen kann. Andere Proteine funktionieren als schützende Antikörper.

Proteine werden kontinuierlich in allen Zellen des menschlichen Körpers produziert. Zu Beginn dieses Produktionsprozesses lesen einige Proteine den genetischen Code aus. Sequenz für Sequenz tasten sie den genetischen Strang ab. Dennoch sind nicht alle Gensequenzen stets lesbar, da wiederum andere Proteine den Zugriff auf die Gensequenzen beeinflussen. Diese Proteine umschlingen den genetischen Code. Es gibt Auslöseimpulse der Umwelt, die dazu führen, dass sich diese Proteine zusammen ziehen und somit das Auslesen bestimmter Gensequenzen verhindern. Falls eine Gensequenz nicht gelesen werden kann, wird sie nicht umgesetzt. Dieser Mechanismus verändert also nicht die Gensequenzen an sich. Eher beeinflusst er, welche Teile des genetischen Codes exprimiert (umgesetzt) und welche unterdrückt werden. Die Wissenschaft der Epigenetik beschreibt die Mechanismen der Aktivierung und Deaktivierung von Gensequenzen.

(B1) Wir möchten an dieser Stelle kurz zur Maslowschen Bedrüfnishierarchie Stellung nehmen, da die Pyramiden-Grafik einer Vielzahl unserer Leser vertraut ist. Wir möchten von einer Unterteilung in Defizitbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse Abstand nehmen. Auch die Unterteilung in andere Kategorien von Bedürfnissen (z.B. Grundbedürfnisse, Existenzbedürfnisse, Luxusbedürfnisse, etc.) ist für unsere Zwecke in diesem Artikel unwesentlich. Für bestimmte Zwecke kann es nützlich sein, Bedürfnisse bestimmten Kategorien zuzuweisen. Jedoch sehen wir die Wertigkeiten von Bedürfnissen als höchst subjektiv. Aus unserer Sicht unterscheiden sich diese Wertigkeiten von Individuum zu Individuum, von Lebenssituation zu Lebenssituation. Für diesen Artikel ist es weder von Bedeutung, in welcher hierarchischen Reihenfolge welche Bedürfnisse im Individuum angeordnet sind, noch ist es von Bedeutung, ob diese Reihenfolge universell anwendbar ist.

(C1) Da Belohnungen und Bestrafungen Menschen unter Druck setzen und sie dazu bringen (können), ihren Fokus zu konzentrieren, können an Bedingungen geknüpfte Anreize einen eher begrenzenden Faktor beim Lösen von Problemen darstellen. Den Geist zu fokussieren wirkt oft der Fähigkeit entgegen, kognitiv Informationen zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nur wenig oder gar nichts miteinander zu tun haben, aber dennoch zusammen gebracht werden müssen, um Lösungen abzuleiten.

— Zitate und Literaturhinweise —

[2] “Ein auf Leistung fokussierter Ansatz, der von einem “Wenn-Dann” Belohnungssystem gefördert wird, kann daher kontraproduktiv sein: Bei Menschen, die Belohnungen angeboten bekamen, um heuristische Aufgaben zu lösen, stellte sich schnell heraus, dass sie länger zum Lösen dieser brauchten. Der Fokus des Verstandes ist verengt und daher ist es schwerer für das Individuum, eine neue Funktionalität (oder Anwendung) für alte (oder lang bekannte) Objekte zu sehen. … All dies trifft für Aufgaben zu, die nicht algorithmisch sind und erhöhte rechte Hirnaktivität verlangen – flexibles Problemlösen, Einfallsreichtum oder konzeptionelles Verständnis. An Bedingungen geknüpfte Belohnungen können für diese Aufgaben gefährlich sein.” Daniel Pink

[3] – “Die bloße Anwesenheit von Zielen kann Mitarbeiter dazu bewegen, sich auf Kurzzeitgewinne zu fokussieren und die potenziell verheerenden Langzeitauswirkungen auf die Firma aus den Augen zu verlieren.” Harvard Business School

[4] – “Belohnungen machen abhängig in sofern, dass das Angebot einer bedingten Belohnung bewirkt, dass ein Auftragnehmer diese erwartet, wann immer eine ähnliche Aufgabe ansteht, was wiederum den Auftraggeber dazu zwingt, wieder und wieder Belohnungen zu nutzen.” Anton Suvorov

[4] – “Und in Kürze reicht die existierende Belohnung nicht mehr aus. Diese wird sich bald weniger wie ein Bonus anfühlen und mehr zum Status Quo werden – was den Auftraggeber dann dazu zwingt, größere Belohnungen anzubieten, um die selben Effekte zu erzielen.” Dankiel Pink

[5] – “Ziele, die sich Menschen selbst setzen und die darauf hinzielen, eine Tätigkeit oder Sache zu meistern, sind normalerweise gesund.” Daniel Pink

[5] – Absatz frei adaptiert von Daniel Pink


Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zu “Menschliches Verhalten”).

Umgang mit Ressourcenknappheit

English

Frage: Was ist eine Ressource?
Eine Ressource ist etwas, das ein Individuum nutzt, um persönliche Ziele zu erreichen. Das können Rohstoffe, Energie oder Werkzeuge sein. Lebensraum ist eine Ressource. Information und Wissen können als Ressource betrachtet werden, aber auch die eigene körperliche bzw. geistige Fitness. Nahezu alles, was wir kennen, kann als Ressource bezeichnet werden.

Frage: Was ist Knappheit?
Wenn eine Ressource nicht in ausreichenden Mengen verfügbar ist, dann ist diese Ressource knapp. Knappheit bedeutet, dass es einen Mangel gibt bzw. zu wenig da ist. Es fehlt etwas. Beispielsweise ist Knappheit offensichtlich, wenn jemand zu wenig zu essen oder zu wenig Platz zum Wohnen hat. Knappheit ist sichtbar, wenn eine Bibliothek unzureichende Informationen bietet oder Ärztinnen und Krankenpfleger in einem Krankenhaus gestresst und entkräftet sind. Auch das Gefühl mangelnder Inspiration, Zeit oder mangelndem Einfallsreichtum kann als Knappheit von Ressourcen angesehen werden.

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Der Großteil der Probleme in der Welt wird durch Ressourcenknappheit verursacht.

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Das Gegenteil von Ressourcenknappheit ist Ressourcenreichhaltigkeit. Ressourcenreichhaltigkeit beschreibt Situationen, in denen Ressourcen in ausreichendem Maße verfügbar sind. Reichhaltigkeit heißt, dass mehr als genug einer bestimmten Ressource zur Verfügung steht, um ein Bedürfnis bzw. einen Zweck erfüllen zu können.

Ressourcenreichhaltigkeit ist ein Zustand,
in dem das Angebot die Nachfrage übersteigt.


Ressourcenknappheit ist ein Zustand,
in dem das Angebot die Nachfrage nicht deckt.

Stell dir vier Personen vor, die um einen Tisch herum sitzen, auf welchem drei Äpfel liegen. Angenommen, ein einziger Apfel würde den Hunger einer einzelnen Person stillen, dann genügen drei Äpfel für vier Personen nicht. Die Ressource ist knapp. Die vier Personen können miteinander kommunizieren und kooperieren oder gegeneinander kämpfen, um mit dieser Situation umzugehen.
Stell dir nun vor, auf dem Tisch liegen fünf Äpfel. Die Ressource ist reichlich vorhanden. Es gibt kein Problem hinsichtlich Ressourcenorganisation und -verteilung. Daher braucht es weder Lösungen noch Vorgehensweisen wie endlose Debatten, Betrug, Intrigen oder Kämpfe.
Durch die gezielte Veränderung des Umfeldes würden die vier Personen ein Entstehen von Knappheit dieser Art -ein Mangel an Äpfeln- vermeiden (→ Technologie). In diesem Fall könnten sie der Apfelknappheit durch pflanzen weiterer Apfelbäume vorbeugen, damit sie vier und mehr Äpfel anstelle von dreien erzeugen können.

 Die globale Gesellschaft sollte anstreben,
das Auftreten von Ressourcenknappheit zu vermeiden,

indem sie gezielt Ressourcenreichhaltigkeit schafft.

Ressourcen müssen für Individuen verfügbar sein, die diese zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse benötigen. Daher müssen vorhandene Ressourcen zugänglich sein. Aus Sicht des Individuums sind gewünschte Ressourcen, auf die sie oder er nicht zugreifen kann, knappe Ressourcen.
Selbst wenn beispielsweise die oben erwähnten Apfelbäume genug Äpfel zur Befriedigung des Hungers eines Jeden hervorbringen würden, ist es absolut notwendig, dass diese Äpfel den Hungrigen zur Verfügung stehen. Diese Verfügbarkeit kann erreicht werden, indem ihnen die Apfelbäume und somit die Äpfel zugänglich gemacht werden oder eine Art Verteilungssystem etabliert wird.
Um also Ressourcen effektiv zur Verfügung stellen zu können, sollte es die globale Gesellschaft anstreben, Reichhaltigkeit an Zugriffsmöglichkeiten zu etablieren. Reichhaltigkeit an Zugriffsmöglichkeiten ist eine Situation, in der ein Individuum dann sofortigen Zugriff auf jede Ressource zur Befriedigung eines Bedürfnisses bzw. zur Erreichung eines Ziels hat, wenn sie oder er diese Ressource benötigt. Diesen Zustand nennen wir im folgenden Zugriffsreichhaltigkeit.

Die globale Gesellschaft sollte die Schaffung von Zugriffsreichhaltigkeit anstreben,
indem sie die Verteilung von Ressourcen effektiv organisiert.

Jede Gesellschaft etabliert Wirtschaftssysteme. Wirtschaftssysteme sollen Ressourcen innerhalb einer Gesellschaft organisieren und verteilen, um die Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft zu befriedigen. Je reichlicher Ressourcen verfügbar und zugänglich sind, desto mehr Bedürfnisse können über das Wirtschaftssystem befriedigt werden.
Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Rohstoffe, Energie, Werkzeuge und Informationen sind über den gesamten Globus verteilt. Um einen effektiven Zugriff auf Ressourcen zu ermöglichen, ist es notwendig, auf globaler Ebene miteinander verbundene Wirtschaftssysteme zu etablieren, welche Ressourcen- sowie Zugriffsreichhaltigkeit ermöglichen und erhalten können. Das sich daraus ergebende globale Wirtschaftssystem sollte es der globalen Gesellschaft ermöglichen, jede Form von Knappheit zu überwinden, um den Freiheitsradius eines jeden Menschen so weit wie möglich auszuweiten, um so die Befriedigung der Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu ermöglichen (→ Werte).

Das globale Wirtschaftssystem sollte jeden Einzelnen bei der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten unterstützen (→ Bildung). Es sollte jedem Einzelnen ermöglichen, mit anderen zu kommunizieren, um die Umsetzung individueller Ziele koordinieren sowie nachhaltige Lösungen entwickeln zu können (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Das globale Wirtschaftssystem sollte kontinuierlich die Optimierung von Methoden und Werkzeugen unterstützen, um Rohstoff- und Energieressourcen so effizient wie möglich nutzen zu können (→ Technologie). Das globale Wirtschaftssystem sollte bestrebt sein, jedem Einzelnen benötigte Ressourcen jederzeit zur Verfügung zu stellen.

Wir, die Autoren, bezeichnen solch ein Wirtschaftssystem als Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie.

Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist ein Wirtschaftssystem,
welches gezielt Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit etabliert,
um den Freiheitsradius eines jeden Individuums maximal auszuweiten.

Frage: Wie sieht das Leben in solch einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie aus? Wie kann solch ein Wirtschaftssystem jeden Menschen unterstützen? Welche Art von Strukturen sind notwendig, um das Ziel von Gesellschaft so effektiv wie möglich umzusetzen?

 

Der folgende Abschnitt beschreibt die verschiedenen ökonomischen Systeme, die in ihrer Vernetzung eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ausmachen. Mit Hilfe dieser Systeme kann die globale Gesellschaft Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit erreichen.

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Die globale Gesellschaft benötigt zufriedenstellende Kommunikationssysteme.

Da Kommunikation unabdingbar für Kooperation ist (→ Die Wissenschaftliche Denkweise), sollte die globale Gesellschaft Kommunikationssysteme etablieren, die es allen Menschen ermöglichen, zu jedem Zeitpunkt über den gesamten Globus hinweg zu kommunizieren. Diese Kommunikationssysteme sollten schnell und zuverlässig sein sowie den Schutz der Privatsphäre so weit wie möglich garantieren. Des Weiteren sollte jedes Individuum diese Kommunikationssysteme so nutzen können, wie es der persönlichen Vorliebe entspricht. Jedem Menschen sollte es ermöglicht sein, Erfahrungen, Ideen, Sorgen, Bedarf an Ressourcen und generell alles kommunizieren zu können, was sie oder er kommunizieren möchte.
Dafür sollten diese Kommunikationssysteme eine angenehme und intuitive Kommunikation zwischen Menschen und den verschiedenen ökonomischen Systemen ermöglichen, welche sie bei der Organisation und Koordination gesellschaftlicher Prozesse unterstützen. Zusätzlich sollten diese Kommunikationssysteme eine effektive Kommunikation zwischen den einzelnen ökonomischen Systemen realisieren, damit diese auf effektive Art und Weise miteinander interagieren können.

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Die globale Gesellschaft benötigt Wissensplattformen.

Damit jeder Einzelne auf effektive Art und Weise Informationen sammeln (→ Die Wissenschaftliche Denkweise) und lernen kann (→ Bildung), sollte die globale Gesellschaft Wissensplattformen etablieren. Diese Wissensplattformen sollten jedem zugänglich sein. Sie sollten so konzipiert sein, dass sie das einfache Auffinden und Verstehen von Inhalten ermöglichen, indem diese Inhalte anschaulich aufbereitet werden. Diese Wissensplattformen sollten außerdem Dienste anbieten, die es ermöglichen, Einträge zu bereichern und zu diskutieren. Sie würden kulturelle Inhalte (z.B. Texte, Musik, Bilder, Rezepte, usw.), technologische Inhalte (z.B. Theorien, Entwurfspläne, Erfindungen, Ideen, Studien, usw.), historische Dokumentationen und faktisch alles Wissen speichern und verwalten, welches im Interesse der Menschheit stand, steht oder stehen wird.
Ein interessiertes Individuum muss auf einfache Art und Weise in der Lage sein, gewünschte Informationen suchen und finden zu können, genauso wie es möglich sein sollte, einen Eindruck von gemachten Erfahrungen hinsichtlich eines bestimmten Themengebietes zu erhalten. Jeder Einzelne sollte die Möglichkeit haben, jene zu kontaktieren, die es mögen, ihr Wissen über themenverwandte Fachgebiete zu teilen. Für ein Individuum sollte es einfach sein, einen persönlichen Überblick über themenspezifische Materialien wie Bücher, Filme, Reportagen, Studien, Vorlesungen, Möglichkeiten zur Verbesserung von Fertigkeiten und einen Überblick über themenverwandte Methoden und Werkzeuge zu erhalten.

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Die globale Gesellschaft benötigt verlässliche Personenverkehrssysteme.

Die globale Gesellschaft sollte es anstreben, individuelles, komfortables und verlässliches Reisen über den gesamten Globus hinweg zu ermöglichen. Diese Personenverkehrssysteme würde jeden Einzelnen beim Sammeln von Erfahrungen, beim Treffen von Gesprächspartnern und folglich bei der anschaulichen Aneignung von Wissen und Fertigkeiten unterstützen (→ Bildung). Des Weiteren würden diese Personenverkehrssysteme jedem Einzelnen ermöglichen, die volle Bandbreite der kulturellen und natürlichen Vielfalt des Planeten erleben und genießen zu können.

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Die globale Gesellschaft sollte einen Überblick über die Ressourcennachfrage haben.

Da jedes Individuum Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Wohnraum und Werkzeuge benötigt, sollte die globale Gesellschaft Systeme zur Erfassung der Ressourcennachfrage etablieren. Indem es die Anzahl bestellter Werkzeuge und Rohstoffe registriert und mit Informationen aus Entwurfs- bzw. Fertigungsprozessen kombiniert, ist ein Nachfrageübersichtssystem in der Lage, einen Überblick über benötigte Rohstoff- und Energieressourcen zu erzeugen. Auf diese Weise helfen Nachfrageübersichtssysteme bei der Beantwortung von Fragen wie „Wieviel Energie verbrauchen wir unter welchen Umständen?“, „Welche Mengen welcher Rohstoffe werden wo auf dem Planeten benötigt?“ oder „Wieviele Menschen reisen zwischen Asien und Europa, New York und Peking oder zwischen Bokolo und Bongila? Und auf welche Art und Weise möchten diese Menschen gern reisen?“.
Akkurate Nachfrageübersichtssysteme ermöglichen es der globalen Gesellschaft, einen Überblick über die Nachfrage nach Ressourcen innerhalb der Gesellschaft zu erzeugen. Dieser Überblick ist eine Basis zum gezielten Entwurf gesellschaftlicher Strukturen, da es das Ziel von Gesellschaft ist, sich um die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu kümmern (→ Werte).

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Die globale Gesellschaft sollte Rohstoff- und Energieressourcen überblicken.

Die globale Gesellschaft benötigt
effektive Wiederverwendungs- und Wiederverwertungssysteme.

Die globale Gesellschaft nutzt Rohstoff- und Energieressourcen. Deshalb sollte die globale Gesellschaft Ressourcenübersichtssysteme etablieren, die permanent Übersicht darüber geben, wo auf der Erde welche Ressourcen in welcher Menge existieren und wie diese geborgen bzw. genutzt werden können. Außerdem sollten diese Systeme Informationen über die Regenerationsraten von Ressourcen bereitstellen. Zum Beispiel müssen wir wissen, wie schnell welche Pflanzen unter welchen Bedingungen nachwachsen, wie schnell sich Humus regeneriert oder wie die Wasserkreisläufe unseres Planeten funktionieren.
Falls ein Individuum ein Werkzeug nicht mehr benötigt, sollte dieses Werkzeug wieder in die ökonomischen Ressourcenkreisläufe integriert werden – entweder als Werkzeug oder als Rohstoffquelle. So würde die globale Gesellschaft effektive Wiederverwendungs- und Wiederverwertungssysteme schaffen, um Ressourcenreichhaltigkeit erhalten zu können. Wenn der Aspekt der Demontage eines Werkzeugs schon in dessen Entwurfs- und Produktionsprozess berücksichtigt wird, ist es möglich, ein Werkzeug einzusammeln, um es zu aktualisieren bzw. all seine Materialien zu extrahieren, um daraus wiederum ein Werkzeug mit verbesserten Eigenschaften zu fertigen. Auf diesem Weg können neuartige Verständnisse auf dynamische Art und Weise in existierende Werkzeuge integriert werden (→ Technologie). Daher sollten Ressourcenübersichtssysteme, durch den Zugriff auf Konstruktionsinformationen, ebenfalls jene Rohstoffe erfassen, die in produzierten Werkzeugen enthalten sind.

Des Weiteren sollten Informationen über die Ressourcennachfrage (generiert durch Nachfrageübersichtssysteme) und Informationen über verfügbare Ressourcen (generiert durch Ressourcenübersichtssysteme) kombiniert werden. Diese Kombination von Informationen ermöglicht es der globalen Gesellschaft, den Grad von Knappheit bzw. Reichhaltigkeit zu messen. Darüber hinaus ermöglicht diese Kombination, die zukünftige Ressourcennachfrage abzuschätzen und somit aufkommende Ressourcenengpässe frühestmöglich aufzuzeigen. Diese Informationen können dabei helfen herauszuarbeiten, welche Art von Forschung nach Alternativen und welche Art von Verbesserungen zur Erhöhung der Ressourceneffizienz notwendig sind, damit das Ressourcenangebot die aufkommende Nachfrage weiterhin leicht mehr als decken kann.

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Die globale Gesellschaft benötigt flexible Produktions- und Verteilungssysteme.

Das globale Wirtschaftssystem sollte es jedem einzelnen Menschen ermöglichen, Waren (Rohstoffe und Werkzeuge) zu bestellen, und zwar wann immer sie oder er dies möchte. Außerdem sollte es jedes Individuum beim Entwerfen oder Konfigurieren von Werkzeugen unterstützen. Entwurfswerkzeuge und -dienste sollten jeden in die Lage versetzen, neue Werkzeuge entwickeln zu können, indem sie realisierbare Entwurfsvorlagen bereithalten, berechnen, ob manuell kreierte Konstruktionen funktionieren und indem sie optimale Materialkombinationen zusammenstellen. Test- und Simulationswerkzeuge könnten Schwachstellen eines Entwurfs aufzeigen noch bevor der erste Prototyp gefertigt wird. Solche Dienste könnten jedes Individuum darin unterstützen, Werkzeuge auf effektive Art und Weise zu entwerfen, während sie dafür Sorge tragen, dass diese Werkzeuge mit dem Ökosystem der Erde und gesellschaftlichen Kriterien harmonieren (→ Technologie).
Neuentwicklungen, deren angedachte Funktionalität in ausführlichen Tests gezeigt wurde, können umgehend zur Bestellung angeboten werden. Folglich könnte sich die Bandbreite an Waren und deren Variationen permanent vergrößern, was es wahrscheinlicher macht, dass Individuen Zugriff auf Werkzeuge bekommen, die ihre Bedürfnisse optimal befriedigen.
Indem sie so viele Informationen wie möglich verwenden, sollten Produktionssysteme regelmäßig nachgefragte Waren in leicht höheren Mengen produzieren als es der Nachfrage entsprechen würde. Leicht mehr zu produzieren, als es der Nachfrage entsprechen würde, sichert die Flexibilität, Individuen mit Waren versorgen zu können, auch wenn die Nachfrage variiert. Unregelmäßig bestellte Waren sollten auf Nachfrage produziert werden. Es sollte dabei angestrebt werden, die Verzögerung zwischen Bestellung und Lieferung so kurz wie nur möglich zu gestalten.
Dafür sollte die globale Gesellschaft flexible Verteilungssysteme etablieren, die ihre Kapazitäten über den gesamten Globus hinweg dynamisch der Nachfrage anpassen können. Diese Verteilungssysteme sollten Waren so individuell, schnell, akkurat, verlässlich und so sorgfältig wie möglich an ihre Bestimmungsorte bringen. Deshalb sollten Waren in möglichst kurzer Entfernung zu ihren Bestimmungsorten produziert werden. Die Berücksichtigung von kurzen Verteilungsentfernungen ist energieeffizient. Das Bestreben, kleine Verteilungsentfernungen zu realisieren, könnte Kurze-Wege-Strategie genannt werden.
Ein Beispiel: Die lokale Nahrungsmittelproduktion beliefert vorrangig die ortsansässigen Einwohner mit nährstoffreichen, gesunden Nahrungsmitteln. Nahrungsmittel, die nicht im regionalen Klima produziert werden können, werden in anderen Teilen der Welt produziert. Folglich kümmert sich die lokale Nahrungsmittelproduktion zusätzlich um die Produktion von Nahrungsmitteln, die aus anderen Regionen angefragt werden. Die Verteilungssysteme sorgen für eine schnelle und dem jeweiligen Nahrungsmittel angemessene Auslieferung, damit jede Art von Nahrung frisch und wohlschmeckend an jeden Ort der Welt geliefert werden kann.
Wie genau die lokale Nahrungsmittelproduktion organisiert ist, kann von Region zu Region variieren. Diese könnte aus vollautomatischen Produktionssystemen in Koordination mit den Anstrengungen von Gärtnern und Bauern bestehen, die leidenschaftlich gern handgefertigte Nahrungsmittel anbieten.

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Die globale Gesellschaft benötigt effektive Energiesysteme.

Da wohl alle genannten ökonomischen Systeme Energie benötigen, sollte die globale Gesellschaft anstreben, Energie aus ausschließlich sauberen und schnell-erneuerbaren Energiequellen zu nutzen. Das könnten z.B. Energiequellen wie Sonnenlicht und Sonnenwärme, die Bewegungen von Wind und Wasser sowie die des Erdkerns sein. Energieerzeugungs- und -verteilungssysteme sollten so flexibel wie möglich funktionieren, um den Energiebedarf an jedem Ort der Erde zu jedem Zeitpunkt decken zu können.
Um Energieverluste schon bei der Übertragung zu vermieden, sollten Energiesysteme ebenfalls die Kurze-Wege-Strategie anwenden. Das heißt, dass Energie möglichst dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird. Beispielsweise könnten die Oberflächen von Gebäuden so entworfen sein, dass sie Sonnenlicht und andere Energieformen einfangen und damit das Gebäude selbst mit Energie versorgen können. Jede Überproduktion an Energie könnte in das regionale und globale Energieverteilungssystem eingespeist werden. Zur Schaffung von Energiereichhaltigkeit wäre es sehr effektiv, wenn so viele Gebäude wie möglich mehr Energie erzeugen würden als sie verbrauchen.

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Alle oben erwähnten ökonomischen Systeme müssen ganzheitlich miteinander verbunden bzw. vernetzt sein, um die Koordination aller individueller Bestrebungen im bestmöglichen Umfang zu ermöglichen. Auf diesem Weg könnte die Kollision verschiedener Interessen vermieden werden, um jeglichem Aufkommen von Konflikten vorzubeugen. Diese Vernetzung ist Aufgabe der Kommunikationssysteme. Sie haben die Aufgabe, jede Form von Kommunikation, jede Art von Informationsaustausch zwischen den vielseitigen Systemen in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu unterstützen. Je besser alle Systeme miteinander interagieren können, desto effektiver können sie funktionieren, um die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Individuums zu befriedigen.
Je besser beispielsweise Nachfrageübersichtssysteme die zukünftige Ressourcennachfrage abschätzen können, desto besser können Produktionssysteme im Vorfeld die Anpassung ihrer Kapazitäten vorbereiten. Je intuitiver Wissen und Informationen über die Bandbreite verfügbarer Methoden und Werkzeuge und deren Möglichkeiten von Wissensplattformen aufbereitet und präsentiert werden, desto einfacher kann die globale Gesellschaft Konzepte zur Anpassung ihrer Produktionssysteme entwerfen. Je früher neue Verständnisse in existierende Strukturen integriert werden können, desto früher verbessern sich diese Strukturen, um Bedürfnisse noch effektiver befriedigen zu können.

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Jedem Individuum sollte es möglich sein, persönliche Vorhaben zu realisieren,
während Automatisierung zur Erfüllung unangenehmer Aufgaben eingesetzt wird.

In einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie verbringt jedes Individuum Zeit mit Dingen, die sie bzw. ihn interessieren, Freude bringen oder die von ihr bzw. ihm als wichtig erachtet werden. Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist darin bestrebt, die nötigen Systeme anzubieten, die die globale Gesellschaft in die Lage versetzen, jedes Individuum bei der Umsetzung persönlicher Ziele zu unterstützen. Zum Beispiel könnte jeder aufgrund von einfach zu verwendenden Wissensplattformen und intuitiven Kommunikationssystemen dazu befähigt sein, köstlichste Rezepte zu kochen, komplexeste Maschinen zu verstehen und zu nutzen oder das Singen der eigenen Lieblingslieder auf effektive Art und Weise zu üben (→ Bildung).
Für das Bestehen einer blühenden Gesellschaft notwendige, jedoch als unangenehm empfundene Aufgaben, werden in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie so weit wie möglich automatisiert, um stets die Nachfrage decken zu können. Theoretisch kann jede vom Menschen durchgeführte körperliche Tätigkeit vollständig automatisiert werden. Es ist eine der Fähigkeiten der Menschheit, Maschinen zu entwerfen und weiterzuentwickeln, um somit gesamte Prozessabläufe automatisieren zu können – von Ackerbau über Transportlogistik bis hin zur Reinigung und Reparatur jeder Art von Struktur (→ Technologie). Unserer Ansicht nach ist Automatisierung eine wichtige Technologie, die die Möglichkeit bietet, Menschen von unangenehmen Aufgaben frei zu machen, damit sie ihr Potential und ihre Motivation auf Aufgaben ihrer Wahl konzentrieren können.
Falls Menschen automatisierte Aufgaben dennoch lieber manuell erledigen wollen, sollte es immer möglich sein, den Automatisierungsgrad anzupassen, um ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu gewährleisten. Wir, die Autoren, nennen dies Optionale Automatisierung.

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Transparenz, die Möglichkeit,
gesellschaftliche Vorgänge beobachten und erleben zu können,

ermöglicht es Individuen,
Wechselbeziehungen innerhalb von Gesellschaft zu verstehen,

um in der Lage zu sein,
jede Art von Technologie hinterfragen und verbessern zu können.

Jede Gesellschaftsstruktur innerhalb einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie sollte so gestaltet sein, dass sie so transparent wie möglich funktioniert. Da Lernprozesse am effektivsten sind, wenn Menschen einen tiefen Einblick in die Themengebiete ihres Interesses haben, bietet Transparenz die Möglichkeit, gesellschaftliche Vorgänge beobachten, erleben, verstehen und folglich verbessern zu können (→ Bildung).
Beispielsweise sollten Produktionsprozesse für jeden zugänglich sein. Texte, Filme, als auch leidenschaftliche Individuen könnten Besucher durch jeden einzelnen Produktionsschritt geleiten. Es sollte möglich sein, Krankenpflegerinnen und Ärzte in Krankenhäusern begleiten zu können, um fühlbar nah erleben zu können, auf welche Art und Weise sie sich um ihre Patienten kümmern, wie sie organisiert sind bzw. auf welche Art und Weise sie die Infrastruktur des Krankenhauses nutzen.

Wir denken, dass diese Art von Wirtschaftssystem nur auf Basis der gezielten Anwendung der Wissenschaftlichen Denkweise umsetzbar ist (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Die Systeme, die eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ausmachen, werden eingesetzt, um mögliches Aufkommen von Ressourcenknappheit aufzuzeigen, indem sie Informationen der Nachfrage- und Ressourcenübersichtssysteme zusammenbringen. Falls dennoch Knappheit auftritt, sollten entstehende Konflikte und Probleme durch ausführliche Kommunikation gelöst werden, um eine effektive Koordination individueller Vorhaben möglich zu machen. Diese Kommunikation könnte mit Fragen eingeleitet werden wie „Wer benötigt diese Ressourcen wie dringend?“, „Finden wir Alternativen, die der Erfüllung der Zwecke dieser Menschen helfen, um das Auftreten von Knappheit abzuschwächen?“ und „Welche Konzepte könnten geeignet sein, um die verfügbaren Ressourcen innerhalb der Gruppe, die diese Ressourcen anfordert, verteilen zu können?“ Parallel dazu ist es notwendig, Knappheitsprobleme zu untersuchen, um Reichhaltigkeit zu schaffen und zu bewahren. Dazu muss die globale Gesellschaft eventuell folgende Art von Fragen beantworten: „Mit welcher Form von Knappheit haben wir es hier zu tun? Wie können wir diese Form von Knappheit heute und in Zukunft vermeiden? Welche Art von Informationen benötigen wir, um diese Fragen beantworten zu können? Was finden wir auf unseren Wissensplattformen, um diese Information zu erlangen? Wer könnte weitreichende Erfahrungen auf dem Gebiet haben, mit dem wir uns beschäftigen? Wen können wir um Rat fragen? Welche Art weitergehender Forschung sollten wir initiieren? Wie sollten wir, sobald wir zufriedenstellend viele Informationen beisammen haben, unsere Technologie – die derzeitig genutzten Methoden und Werkzeuge – anpassen und verbessern, um (erneut) einen Zustand der Reichhaltigkeit zu erzeugen?“
Basierend auf der Wissenschaftlichen Denkweise entwickelt sich eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie im Einklang mit Umwelt- und Gesellschaftsgegebenheiten. Im Grunde geht es in einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie darum, Technologie so zu nutzen, dass die speziellen Potenziale und Fertigkeiten der vielen Individuen gezielt koordiniert werden können, um ein Umfeld zu schaffen und zu erhalten, das von Reichhaltigkeit geprägt ist.
Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie passt sich permanent den Bedürfnissen der Gesellschaft an. Sie entwickelt sich mit den Verständnissen, Vorstellungen und Vorhaben der Menschheit. Weitergehend unterstützt sie die globale Gesellschaft permanent dabei, dem Ideal von Gesellschaft, in der ein jeder Zufriedenheit und Erfüllung finden kann, näher zu kommen (→ Werte). Eine Reichhaltigkeit-Schaffende Ökonomie ist bestrebt, nachhaltigen Frieden auf einem gesunden Planeten zu ermöglichen, die jedem einzelnen Menschen eine Unzahl an Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Um es unseren Lesern zu ermöglichen, ein tieferes Verständnis vom Konzept einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu erlangen, haben wir das folgende Beispiel entworfen, welches beschreibt, wie eine Baustelle in solch einem Wirtschaftssystem aussehen und wie es sich anfühlen könnte:
Bürger, irgendwo auf dem Planeten, wollen eine Brücke bauen. Schon die Planungsphase wurde von jedem begleitet, der Interesse für dieses Projekt hegt. Der Entwurf der Brücke entspricht dem neuesten Stand der Technik, da er auf jeglichem Wissen hinsichtlich dem Bau von Brücken basiert, das durch die gesellschaftlichen Wissensplattformen bereitgestellt wird. Außerdem hatten die Planenden die Möglichkeit, ausführlich von Konstruktionsexperten beraten zu werden. Studien über Auswirkungen auf die Umwelt, die von interessierten, leidenschaftlichen und spezialisierten Menschen erstellt wurden, bildeten die Basis für Entwurf und Auswahl der Materialien.
Der Konstruktionsprozess selbst ist ein gesellschaftliches Ereignis und kombiniert effektives Vorgehen mit einer weiten Zahl von Bildungs- und Fest- bzw. Partyelementen. Es könnte sich anfühlen wie eine Bildungsexkursion kombiniert mit einem Musikfestival und einer Technologieausstellung.
Auf dem gesamten Baustellengelände stehen Informationstafeln bereit, damit ein jeder in der Lage ist, dem Voranschreiten der Bauarbeiten zu folgen – vom Auftreten von Problemen über den Verlauf anschließender Untersuchungen bis hin zur Findung von Lösungen. Im Prinzip sind diese Informationen überall auf der Erde verfügbar. Somit kann jeder, der sich für das Projekt interessiert, auf dem neuesten Stand bleiben, eigene Fertigkeiten erweitern und vertiefen, und folglich ist es jedem möglich, eigene Ideen zur Lösung von Problemen oder zur Verbesserung von Lösungen beizusteuern. Workshops, die themenverwandte Themen zur Konstruktion von Brücken behandeln, unterstützen jeden bei der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten. Dies ermöglicht eine fachspezifische Kommunikation auf dem Baustellengelände.
Auf dem Baustellengelände genutzte Werkzeuge, wie Bagger und Kräne, könnten so entworfen sein, dass sie so leise wie möglich sind. Unangenehme Effekte wie Gestank oder Staub werden so weit wie möglich vermieden, um eine angenehme Atmosphäre auf dem Baustellengelände und um das Baustellengelände herum zu gewährleisten.
Faktisch können wir uns nicht im Detail vorstellen wie effektiv, lustig, inspirierend, gesund und voller Freude sich eine solche Baustelle anfühlen kann. Aber es gibt einen wichtigen Punkt hervorzuheben: Jedes Individuum auf dem Baustellengelände kann kommen und gehen, wann sie oder er will, da der Bauprozess nicht von einer speziellen, kleinen Gruppe von Menschen abhängt. Das liegt daran, dass die Gesellschaft jeden beim Lernen, Aneignen und Anwenden jeder Art von Technik oder Maschine unterstützt.
Die Kernmotivation eines effizienten Brückenbaus, der Umweltkriterien respektiert, hat ihren Ursprung bei den lokalen Bürgern und all jenen, die die jeweilige Region, ihre Natur, Kultur und Atmosphäre lieben. Es ist deren Bedürfnis, deren Motivation, deren Interesse und schließlich deren Wille, sich darum zu kümmern, dass alles so perfekt und angenehm wie möglich abläuft.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Einige Ressourcen scheinen nur in begrenztem Maße zu existieren. Solche Ressourcen sind z.B. Rohstoff- und Energieressourcen. Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie gehen wir mit der Endlichkeit von Ressourcen um?
Im folgenden Abschnitt vergleichen wir die heutige Herangehensweise zur Organisation von Ressourcen mit der oben erläuterten Herangehensweise. Beide Ansätze nehmen die Endlichkeit einiger Arten von Ressourcen als gegeben an. Des Weiteren stellen wir unsere Ansicht darüber dar, warum und wie die derzeitige Idee von Eigentum eine so dominierende und unumstößliche Wichtigkeit erlangt hat, wie die Idee von Eigentum mit Ressourcenknappheit in Beziehung steht und wie wir diese Situation zugunsten einer Form gesellschaftlicher Organisation verändern können, welche es unnötig macht, an Ressourcen festzuhalten, um ein sicheres, erfülltes und facettenreiches Leben auf der Erde genießen zu können. Dafür fasst dieser Vergleich beide Herangehensweisen, mit der Endlichkeit von Ressourcen umzugehen, zusammen und vergleicht die damit einhergehenden Mechanismen beider Herangehensweisen.

Frage: Wie kamen wir dorthin, wo wir heute sind?
In unseren Augen kann das derzeitige Wirtschaftssystem verstanden werden, indem man auf die geschichtliche Entwicklung der Menschheit schaut. Historiker sagen, dass wir, die Menschheit, einmal in kleinen Gruppen lebten, die geographisch über weite Entfernungen zerstreut waren. Diese Gruppen lernten, wie sie Nahrung finden, jagen und kultivieren konnten und entwickelten Wege, um innerhalb ihrer Gruppen effektiv kommunizieren zu können. Jede Gruppe entwickelte spezifische Wege der Kommunikation – ihre spezifische Form von Sprache. Kommunikation zwischen den Gruppen war schwierig, da sie verschiedene Sprachen verwendeten.
Da Verständnisse über die Welt, in der sie lebten, – und folglich Technologie – noch nicht so weit fortgeschritten war, dass sie die Schaffung und Erhaltung von Reichhaltigkeit ermöglichten, war außerdem Knappheit für die Gruppen und ihre Mitglieder eine häufig wahrgenommene Erfahrung. Oft dominierte Ressourcenknappheit die globale Situation. Ressourcenknappheit bedeutete für die Mitglieder der frühen Gemeinschaften oft, dass sie aufgrund von winterlichen Nahrungsmittelengpässen verhungern mussten, aufgrund von Wasserknappheit zu Dürrezeiten verdursten mussten oder, dass ihre wertvollen Ressourcen von anderen hungrigen Gruppen entwendet wurden.
Nicht mit anderen Gruppen kommunizieren zu können und gleichzeitig unbekanntes Auftreten, Verhalten und Handeln von Mitgliedern dieser anderen Gruppen zu beobachten, könnte gegenseitige Skepsis, Misstrauen und sogar Angst ausgelöst haben. Diese Angst gegenüber anderen ging wahrscheinlich mit der Angst darüber einher, wichtige Dinge im Leben oder das Leben selbst wegen des erwähnten Erlebens von Knappheit zu verlieren. Aus diesen Ängsten heraus entwickelte sich dann eine abwehrende Haltung gegenüber anderen Gruppen, um den eigenen Zugriff auf Ressourcen wie Nahrungsmittel, Wasser, Ackerland oder jegliche weitere Ressource zu sichern. Diese abwehrende Haltung aufgrund von Angst gegenüber dem Unbekannten ist wahrscheinlich die Grundlage der Mentalität von Eigentum.
Nichtsdestotrotz hatte jede Gruppe Zugang zu verschiedenen Arten von Ressourcen. Das Interesse an Ressourcen einer anderen Gruppe stellte hierbei eine antreibende Motivation für die Entwicklung von Kommunikationswegen dar. Wenn eine erste Gruppe an den Ressourcen einer anderen zweiten Gruppe interessiert war, verlangte die zweite Gruppe eine interessante Ressource der ersten Gruppe im Austausch dafür. Das Prinzip des Tausches etablierte sich zwischen den Gruppen. Als Tausch eine etablierte Art und Weise zur Aneignung von Ressourcen war, vereinfachte Geld das Prinzip des Tausches und ermöglichte eine völlig neue Dimension des Handels. Dennoch ist Geld eine andere Form des Tausches und Tausch geht mit unserer heutigen Vorstellung von Eigentum einher, welche eine direkte Konsequenz von Wertevorstellungen ist, die durch das Leben in Knappheitsumfeldern entstehen. Knappheitsumfelder, welche im Wesentlichen deshalb bestehen bleiben, weil angenommen wird, Zustände von Ressourcenknappheit nicht in Zustände von Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit wandeln zu können.
Zusammengefasst gab es also zwei große Defizite in dieser Gesellschaftsform, welche aus der losen Verknüpfung mehrerer verteilter Gruppen bestand: Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den einzelnen Gruppen und fehlende Verständnisse darüber, wie Ressourcenknappheit überwunden werden kann. Noch bis heute dominiert Angst vor fremden Gruppen, ihren Kulturen und Traditionen die Weltsicht vieler Menschen und Gruppen. Das liegt größtenteils an den erwähnten Kommunikationsschwierigkeiten sowie etablierten Gedankenkonstrukten wie Vorurteilen und Überzeugungen anderen Menschen gegenüber und darüber wie die Dinge „sind“ bzw. „sein müssen“. Zusätzlich gibt es innerhalb dieser Gruppen und folglich innerhalb der gesamten globalen Gesellschaft sehr große Defizite, was die Etablierung effektiver Organisation zur Überwindung von Ressourcenknappheit angeht. Das liegt größtenteils an dem fehlenden Bewusstsein über die Notwendigkeit, Zustände von Ressourcenknappheit zu überwinden, um ein friedliches und nachhaltiges Miteinander zu ermöglichen. Daher schützen viele Gruppen (z.B Nationen) ihre Besitztümer aus Angst, einen erreichten Lebensstandard zu verlieren anstatt Reichhaltigkeit anzustreben. Deshalb hat die Idee von Eigentum eine so dominierende und scheinbar unumstößliche Wichtigkeit erlangt. Das mangelnde Bewusstsein über die Fähigkeit zur Umgehung von Ressourcenknappheit, kombiniert mit den Effekten von verschlossener, vorsichtiger Kommunikation aufgrund von Angst, bilden die Fundamente der Entwicklung der derzeitigen Idee von Eigentum, und folglich sind sie die Fundamente der Nutzung von Geld.

Um im heutigen Wirtschaftssystem legal auf Waren und Dienstleistungen zugreifen zu können, muss man eine spezifische Menge an Geld ausgeben: Den Preis. Je knapper eine Ressource im Verhältnis zur Höhe der Nachfrage erscheint, desto mehr Geld kann im Gegenzug für diese Ressource verlangt werden. Sehr knappe Ressourcen können sehr hohe Preise erzielen, da viele Menschen danach streben, diese „kostbaren“ Ressourcen zu erlangen, die nur in kleinen Mengen verfügbar zu sein scheinen. Folglich gibt es einen Anreiz, Ressourcenknappheit bewusst herbeizuführen, um finanzielle Möglichkeiten zu sichern bzw. zu steigern. Dieser Umstand bietet Individuen, Nationen und Unternehmen Anreiz, die Versorgung vorsätzlich zu reduzieren bzw. die Nachfrage nach eigens vertriebenen Ressourcen künstlich zu steigern. Das heißt, dass ein monetäres System auf Ressourcenknappheit basiert und diese folglich provoziert.
Dennoch ist die wohl verblüffendste Erkenntnis, dass Ressourcen, die reichlich verfügbar sind, nicht verkauft werden würden, weil niemand die Notwendigkeit sehen würde, einen Preis dafür zu zahlen. Zum Beispiel würde in der Wüste kaum jemand Geld für Standard-Wüstensand ausgeben. Kaum jemand würde Geld für Frischluft ausgeben, zumindest nicht solange die Luft der Atmosphäre sauber ist. Eine reichlich verfügbare Ressource anzubieten bzw. daran zu arbeiten, ein Produkt in reichlichen Mengen verfügbar zu machen, kann die Möglichkeit senken, ein zufriedenstellendes Einkommen zu erlangen. Das zeigt, dass das derzeitige monetäre System nicht nur auf Knappheit basiert, sondern auch nur ausschließlich innerhalb eines Rahmens von Knappheit funktioniert.
Der Fokus des derzeitigen Wirtschaftssystems liegt nicht im „Verreichhaltigen“ von Ressourcen, sondern eher im Verwalten von Knappheit innerhalb der Gesellschaft. Deshalb nennen wir, die Autoren, ein solches Wirtschaftssystem Knappheit-Verwaltende Ökonomie.
Innerhalb von Gesellschaftssystemen, die ihre Ressourcen über eine Knappheit-Verwaltende Ökonomie organisieren, ist Entscheidungsfindung (z.B. Politik) wichtig, um festzulegen, welche Wege zur Verteilung von Ressourcen unter welchen Umständen gesellschaftlich akzeptiert sind und welche nicht. Dennoch könnte die Organisation von Ressourcen auch heutzutage viel effektiver sein, wenn wir ausführliche, aufgeschlossene Kommunikation als Basis von Lösungsfindung erkennen würden. Allzu oft ist Geld heute unser einziges Kommunikationsmittel zur Organisation von Ressourcen. Geld als Kommunikationsmittel zur Organisation von Ressourcen spiegelt aber nicht die Vielfältigkeit von Bedürfnissen und technologischen Möglichkeiten wieder.
Ein kurzer Überblick über unsere heutige Gesellschaft, welche scheinbar noch nicht erkannt hat, welche Wege sie einschlagen kann, um Ressourcen in Reichhaltigkeit zu erschaffen – damit Menschen nicht permanent um sie kämpfen müssen -, kann in einem der Übersichtsartikel nachgelesen werden (→ Unsere Gesellschaft).

Die Fähigkeit, Ressourcenreichhaltigkeit zu schaffen, kann die Notwendigkeit für ein monetäres System hinfällig machen. Dafür müssen wir die grundlegenden Herangehensweisen gesellschaftlicher Organisation verändern. Wir müssen damit beginnen, ausführlich und zufriedenstellend miteinander zu kommunizieren, uns gegenseitig über unsere Bedürfnisse, Wünsche und Möglichkeiten zu informieren. Nur so können wir eine Form gesellschaftlicher Organisation schaffen, die effizient mit Ressourcen umgeht. Nur so können wir Ressourcenreichhaltigkeit etablieren, die es uns ermöglicht, die Befriedigung der Bedürfnisse eines Jeden zu koordinieren.

 

Unsere Fähigkeit zur Organisation gesellschaftlicher Bestrebungen hat sich um ein Vielfaches gesteigert, im Vergleich zu der Zeit, als wir noch in verstreuten kleinen Gruppen lebten. Seitdem haben wir über den gesamten Globus hinweg Kommunikationssysteme wie Postdienste, Mobilfunkdienste oder Kommunikationsdienste etabliert, die über das Internet angeboten werden. Wir sind in der Lage, nahezu jede Sprache in jede andere zu übersetzen. Theoretisch könnte jeder Mensch mit jedem anderen Menschen kommunizieren. Dank Online-Enzyklopädien, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken haben wir zusätzlich ein Gefühl dafür, wie Informations- und Wissensplattformen die globale Gesellschaft darin unterstützen könnten, globale Kooperation zu etablieren. Darüber hinaus sind Ressourcenmanagement, Erfassung der Nachfrage und effektive Organisation grundlegende Prinzipien in der Philosophie heutiger Unternehmen. Erfolgreiche Unternehmen setzen auf effektive Mitarbeiter- und Kundenkommunikation, engen Kontakt zu Forschungseinrichtungen und eine schnelle Anpassung an die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern.
Das heißt: Die nötigen Konzepte, um den Übergang hin zu einer Reichhaltigkeit-Schaffenden Ökonomie zu initiieren, existieren bereits und werden – zumindest in Teilen – eingesetzt. Das Problem liegt lediglich darin, dass sie isoliert von einander eingesetzt werden. Sie funktionieren noch nicht als ein globales System, angewandt zur Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen. Zur Zeit sind diese Systeme weder gezielt miteinander verbunden noch koordiniert.
Um alle gesellschaftlichen Elemente effektiv miteinander koordinieren zu können, muss die gezielte Anwendung von Kommunikation Grundlage gesellschaftlicher Organisation werden (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Diese Kommunikation von Ideen und deren Umsetzung muss zu einer effizienten Nutzung von Ressourcen führen. Effizient heißt in diesem Fall, Dinge so zu entwerfen und zu nutzen, dass wir die nachhaltige Befriedigung von Bedürfnissen auf diesem Planeten sichern können. Es heißt also, keinerlei Müll zu produzieren. Alle Materialien sollten wiederverwertet werden (→ Technologie).
Durch die Umsetzung dieser Ziele könnten wir in der Lage sein, die Schaffung von Reichhaltigkeit auf der Erde zu realisieren. Reichhaltigkeit heißt, dass wir stets leicht mehr anbieten als wir benötigen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Es heißt, dass wir stets ein wenig mehr produzieren als notwendig, um die Nachfrage – und folglich Bedürfnisse – optimal befriedigen zu können. Das Dilemma, von etwas nicht genug zu haben, würde dann eher selten als oft auftreten. Und selbst wenn wir Mangel an etwas erleben, könnten wir uns auf Formen der Organisation stützen, die es uns ermöglichen, schnell miteinander zu kommunizieren. Über diese Kommunikation können wir Wege organisieren, die uns dabei unterstützen, die erlebte Knappheit durch die Entwicklung von Alternativen “umgehen” und dringende Bedürfnisse befriedigen zu können.
Darüber hinaus bedeutet Reichhaltigkeit, dass jeder auf die Dinge Zugriff hat, auf die sie oder er Zugriff haben möchte, und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem sie oder er diese Dinge benötigt. Das bedeutet, die Notwendigkeit, an Ressourcen festzuhalten, um sich selbst zu schützen bzw. die eigene Existenz zu sichern, indem wir uns gegenseitig den Zugriff auf diese Ressourcen verwehren, könnte sich verringern oder sogar verschwinden. Wir müssten nicht mehr an ihnen festhalten, weil wir sicher sein könnten, dass jedem Individuum Reichhaltigkeit geboten wird und zwar durch ein Gesellschaftssystem, welches von der Menschheit für die Menschheit entwickelt wird. Aufgrund dessen, dass man sich sicher sein kann, dass man dann Zugriff auf die Dinge hat, die man braucht, wann immer man sie braucht, muss man materielle Dinge (wie z.B. Geld für Nahrungsmittel, die Nutzung von Transportmitteln, Landbesitz, usw.) nicht mehr horten, um sich den Zugriff darauf zu sichern. Daher kann ein freier Fluss von Ressourcen möglich werden.
Gepaart mit dem Verständnis darüber, dass wir die Ressourcen der Erde schonen und erhalten müssen, kann solch eine Verfügbarkeit von Ressourcen zu einer Mentalitätsverschiebung weg vom Festhalten an materiellen Werten, hin zu einer sehr fürsorglichen und umsichtigen Nutzung der Waren führen, die wir nutzen und fertigen. Mit Hilfe dieser Form der Organisation könnten wir eine „Mentalität des Zugriffs“ entwickeln. Das heißt, dass Menschen Ressourcen nur so lange nutzen, wie sie sie benötigen. Wenn Menschen Ressourcen nicht mehr benötigen, können diese zurückgegeben und anderen verfügbar gemacht werden. Das könnte wie das Konzept einer Bibliothek, kombiniert mit dem Konzept einer Fabrik zur Wiederverwertung von Flaschen funktionieren. Falls Produkte ausgedient haben bzw. als unpraktisch empfunden werden, können sie aktualisiert oder wiederverwertet werden, wobei ihre Materialien zur Herstellung neuer Dinge verwendet werden können (→ Technologie).
Durch die Etablierung von Ressourcen- und Zugriffsreichhaltigkeit wie auch einer sich entwickelnden Mentalität des Zugriffs könnte es folglich möglich sein zu beobachten, wie sich Werte etablieren, die die globale Gesellschaft in ihrem Streben nach dem Ziel von Gesellschaft unterstützen (→ Werte). Innerhalb dieses Prozesses könnten wir den Übergang zu einer Gesellschaft erleben, die jeden so gut wie möglich unterstützt. Auf diesem Weg könnte jedem Individuum Glück und Zufriedenheit über die gesamte Lebenszeit möglich sein.

Kurz, sobald wir also beginnen, gesellschaftliche Koordination gezielt auf effektiver Kommunikation und Organisation zu gründen, wären wir in der Lage, gesellschaftliche Strukturen zu etablieren, die eine effiziente Nutzung von Ressourcen ermöglichen. Kontinuierlich wachsende Ressourceneffizienz ebnet den Weg zur Schaffung von Ressourcenreichhaltigkeit. Ressourcenreichhaltigkeit ermöglicht wiederum einen freien Fluss von Ressourcen. Anstatt Rohstoffe, Werkzeuge, Wissen und Informationen als Eigentum zu bezeichnen, würden Individuen Zugriff auf das haben, was sie brauchen, zum Zeitpunkt des Bedarfs. Eine Mentalität des Zugriffs würde es uns ermöglichen, uns von unserer derzeitigen Sicht auf Eigentum loszulösen, während wir gleichzeitig ein effektiveres ökonomisches Konzept entwickeln.

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Wenn wir die ethischsten und ehrlichsten Führungskräfte
wie Politiker und Manager wählen, könnte das heutige System funktionieren.“

Diese Meinung wird oft geäußert, um zu verdeutlichen, dass die Ursachen der Probleme wie Armut, Korruption und Krieg, mit denen wir heutzutage konfrontiert sind, in unethischem Verhalten und so genannten „schlechten Entscheidungen“ von Führungskräften liegen. Unserer Ansicht nach sind unethisches Verhalten und „schlechte Entscheidungen“ Symptome, keine Ursachen. Die Ursachen, mit denen die globale Gesellschaft konfrontiert ist, sind systemischer Natur. Sie haben ihren Ursprung in den Strukturen unserer derzeitig etablierten Gesellschaftssysteme, deren Wechselbeziehungen untereinander und ihren Auswirkungen auf das Ökosystem der Erde. Wir betrachten unethisches und unehrliches Verhalten als Resultate, als Konsequenzen, als Symptome eines Umfeldes von Knappheit und von Werten und Ansichten, die daher rühren, sich an ein solches Knappheitsumfeld anpassen zu müssen (→ Menschliches Verhalten).
In unserer heutigen Gesellschaft sind Führungskräfte dazu veranlasst, Symptome wie unethische sowie unehrliche Verhaltensweisen und resultierende Konflikte durch Regeln und Gesetze und deren Umsetzung einzuschränken. Dieser Umstand sorgt in unseren Gesellschaftssystemen für massenhaft Bürokratie und außerdem für Tendenzen, alles und jeden zu überwachen bzw. zu kontrollieren. Wie dem auch sei, das Bestreben, Symptome einzuschränken, verringert nicht das Auftreten systemischer Probleme und kann sogar weitere negative Folgen und Konflikte nach sich ziehen. Deshalb sollte sich die globale Gesellschaft auf die Beseitigung von systemischen Problemen konzentrieren, um das Auftreten von negativen Konsequenzen bzw. Konflikten zu reduzieren. Je besser die Gesellschaftssysteme jeden dabei unterstützen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen bzw. eigene Vorhaben umzusetzen, indem sie verschiedene Bestrebungen gezielt koordinieren, desto weniger Konflikte treten auf, desto weniger Kriminalität entsteht, desto weniger Kontrolle ist notwendig, desto weniger Regeln und Gesetze werden benötigt, desto weniger verkompliziert Bürokratie unser Leben und desto besser können sich Führungskräfte darauf konzentrieren, einzigartige Koordinationsprobleme zu lösen, anstatt immer und immer wieder mit derselben Art von Konflikten konfrontiert zu werden.
Selbst wenn die ethischsten und ehrlichsten Führungskräfte die heutige Gesellschaft in den Rahmen des heutigen Gesellschaftssystems führen würden (mit der Intention, die Befriedigung der Bedürfnisse eines jeden einzelnen Individuums zu ermöglichen), müssten sie permanent gegen die starken, gegeneinander wirkenden Mechanismen („mein Vorteil ist dein Nachteil“) kämpfen, die durch die bloße Absicht eines jeden Menschen getrieben werden, ein angenehmes Leben zu leben (→ Grundlegende Verständnisse). Wir sollten gesellschaftliche Mechanismen gezielt gestalten, ihren konkurrenzbetonten Charakter in einen kooperativen Charakter wandeln, anstatt Grenzen zu errichten, die menschliche Bestrebungen durch freiheitsbegrenzende Regeln und Gesetze blockieren (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

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„Man kann nicht alles haben.“

Man braucht nicht alles. Zumindest braucht man nicht alles auf einmal. Beispielsweise kann einer allein nicht zwei Autos fahren, um von A nach B zu reisen. Folglich ist es nicht notwendig, alles für jeden zu kreieren, um das Gesellschaftssystem in die Lage zu versetzen, die Bedürfnisse eines jeden erfüllen zu können. Wir brauchen lediglich eine Form der Organisation, die jeden mit den gewünschten Dingen zu dem Zeitpunkt versorgt, an dem sie oder er diese benötigt. So könnte ein Individuum auf alles Zugriff haben und würde nur einen kleinen Teil der ganzen Spanne an Möglichkeiten zu einem Zeitpunkt nutzen. Daher kann alles übrige zwischendurch von all den anderen genutzt werden.
Die obige Meinung hört man auch oft in Situationen, in denen sich jemand einen Wunschgegenstand nicht leisten kann bzw. keine Möglichkeit sieht, ein Vorhaben umzusetzen. Das ist normalerweise dann der Fall, wenn dieser Gegenstand zu teuer ist oder die Umsetzung einen zu hohen Aufwand erfordern würde. Diese Meinung drückt also auch aus, dass man manche Dinge im Leben als unerreichbar akzeptieren muss.
Um Gründe dafür herauszuarbeiten, warum man nicht in der Lage ist, etwas zu erreichen, ist es notwendig, Fragen nachzugehen wie „Was ist nötig, damit ich mein Ziel erreichen kann?“ und „Wie kann ich mein Ziel erreichen?“. Indem man Bücher liest, Fragen stellt und sich nach anderen umsieht, die ähnliche Ziele verfolgen, könnte ein Individuum mehrere Wege offenlegen, um die gewünschte Situation zu erreichen (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Individuen, die es gewohnt sind, Wege zu finden, um etwas möglich zu machen anstatt Dinge als unerreichbar zu erklären bzw. zu akzeptieren, erreichen oft Dinge, von denen viele gedacht hätten, das sie unerreichbar wären.

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„Wir brauchen mehr Arbeitsplätze.“

Frage: Welche sind die eigentlichen Bedürfnisse hinter dieser Art von Aussage? Und wie kann die Gesellschaft bestmöglich dabei helfen, die Befriedigung dieser Bedürfnisse zu unterstützen?
Es gibt zwei Bedürfnisse, auf die wir die obige Aussage zurückführen konnten:
Das erste hinter dieser Aussage stehende Bedürfnis ist die Tatsache, dass Menschen Zugriff auf Ressourcen wie Informationen, Waren und Dienstleistungen benötigen. Heutzutage ist der Zugriff auf Ressourcen über die Nutzung von Geld organisiert. Über Jahrhunderte und bis heute war eine bezahlte Arbeit für die Mehrzahl der Bevölkerung die einzige legale Möglichkeit, Geld zu erhalten. Folglich gibt es innerhalb der Gesellschaft eine sehr große Nachfrage nach Arbeitsplätzen. Nichtsdestotrotz ist das erste tatsächliche Bedürfnis, das sich hinter der Forderung nach Arbeitsplätzen verbirgt, Zugriff auf benötigte Ressourcen zu erhalten, die es einem Individuum ermöglichen, eigene Bedürfnisse zu befriedigen bzw. persönliche Ziele zu erreichen.
Das zweite Bedürfnis, das wir dieser Aussage entnehmen konnten, ist das Bedürfnis, einer Tätigkeit nachgehen zu können, die das Individuum erfüllt bzw. erfreut. Eine Beschäftigung, die das Individuum inspiriert. Eine, die Fertigkeiten und Wissen des Individuums herausfordert. Etwas, dass interessant und sinnvoll ist.
Den Zugriff auf Ressourcen zu ermöglichen kann hierbei Individuen der globalen Gesellschaft in die Lage versetzen, erfüllenden Tätigkeiten nachzugehen. Die Gesellschaft könnte und sollte Menschen selbst wählen lassen, welchen Aktivitäten sie nachgehen wollen. Das impliziert natürlich, dass intrinsische Motivation die führende Motivationsform der Individuen der Gesellschaft wird (→ Menschliches Verhalten).
Mit Hilfe von gut funktionierenden Kommunikationssystemen und Wissensplattformen sollte es das Gesellschaftssystem möglich machen, dass solche Menschen, die es lieben, einer Aufgabe nachzugehen, von jenen Menschen kontaktiert werden bzw. in Verbindung treten können, die ein Vorhaben umsetzen wollen. Diese Form der Zusammenarbeit ist eine Symbiose: Die oder der eine wird in der Realisierung eines Vorhabens bzw. bei der Umsetzung eines persönlichen Ziels unterstützt, während die oder der andere die Möglichkeit hat, eine sie bzw. ihn erfüllende Tätigkeit zu genießen sowie die eigenen Fertigkeiten voranzubringen. Es ist eine Win-Win-Situation, in der eine Gruppe von Individuen etwas kreiert, das die Expertise und die Erfahrung von mehr als einem Individuum benötigt.
Die Quintessenz: Wir brauchen nicht mehr Arbeit. Wir wollen Tätigkeiten nachgehen können, denen wir gerne nachgehen, die uns erfüllen. Und wir benötigen Zugriff auf Ressourcen, damit wir in der Lage sind, den Tätigkeiten, die uns interessieren, wirklich nachzugehen zu können. Menschen, die gelernt haben, an Themen ihrer Wahl zu arbeiten, ihrer inneren Motivation folgend, halten normalerweise selbstständig nach den Aufgaben ihrer Wahl Ausschau. Ihnen muss nicht gesagt werden: „Das ist von jetzt an dein Job! Mach das!“. Deshalb brauchen wir nicht mehr Arbeitsplätze. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, welches es uns ermöglicht, unsere Bedürfnisse zu befriedigen und uns dabei unterstützt, unsere Vorhaben umzusetzen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, dass uns Unterstützung bietet, wenn wir Unterstützung benötigen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, das es uns ermöglicht, uns gegenseitig zu finden, wenn wir uns gegenseitig brauchen. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, das es uns ermöglicht, die Aufgaben unserer Wahl zu entdecken und ihnen nachzugehen und es uns folglich erlaubt, unsere Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung zu befriedigen.

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„Die besitzenden und mächtigen Menschen
sind für den Großteil unserer Probleme verantwortlich!“

Dem widersprechen wir. Es passiert leicht, die Verantwortung für Dinge, die einem missfallen, in gesellschaftlichen Gruppen zu sehen, mit denen man nicht direkt in Verbindung steht. Wenn man den Präsidenten eines Landes oder den Top-Manager einer Staatsbank nicht persönlich kennt, dann ist es einfach, diese Menschen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen, weil sie eigentlich diejenigen sind, die vernünftige Entscheidungen innerhalb ihres Verantwortungsbereichs treffen sollen. Es ist ebenso einfach, Menschen als Verantwortliche zu sehen, die großen Einfluss haben, aber keine offiziellen Posten bzw. Ämter bekleiden.
Wir, die Autoren, denken, dass die Probleme in der Art und Weise zu finden sind, wie wir die Gesellschaft heutzutage organisieren. Die Probleme haben ihre Ursache in dem Umstand, das wir in Knappheitsumfeldern leben, in denen Macht über andere ein mögliches – und oft notwendiges – Mittel zur Realisierung eigener Vorhaben ist. Innerhalb von Knappheitsumfeldern versetzt Macht über andere ein Individuum in die Lage, Ressourcen innerhalb der Gesellschaft zu dirigieren und somit zu vermeiden, Knappheit selbst zu erleben.
An die Notwendigkeit des Konzeptes von „reich“ und „mächtig“ zu glauben, zieht nach sich, dass es Menschen geben muss, die „arm“ und „machtlos“ sind. In unseren Gesprächen haben wir beobachtet, dass die meisten Menschen in der heutigen Welt daran glauben, dass es Menschen geben muss, die führen, und Menschen, die folgen, um eine gesellschaftliche Organisationsform zu etablieren, die den Individuen des Planeten ein erfülltes Leben ermöglicht. Dieser Glaube verbunden mit dem Glauben an die Notwendigkeit des Konzeptes von Eigentum – wie im Artikel beschrieben – sind die fundamentalen Überzeugungen, welche die Unterscheidung zwischen besitzenden, mächtigen Menschen sowie armen, machtlosen Menschen hervorbringen. Individuen Macht über andere zu gestatten, schafft Anreize, diese Macht zu missbrauchen. Diese Anreize sind in Knappheitsumfeldern noch einmal größer.
Um eine globale Gesellschaft in Frieden und Erfüllung zum höchstmöglichen Ausmaß zu etablieren, benötigen wir eine Form der Organisation, innerhalb der die Macht eines jeden über sich selbst – die Freiheit eines jeden Individuums – so groß wie möglich ist. Eine Form der Organisation, in der Macht über andere nicht notwendig ist, um eigene Ziele zu realisieren.
Das Hauptaugenmerk von Gesellschaftskritik sollte darin liegen, grundlegende Konzepte gesellschaftlicher Organisation, welche negative Konsequenzen verursachen könnten, zu hinterfragen, um in der Lage zu sein, diese grundlegenden Konzepte zu verändern. Folglich könnte es konstruktiv und hilfreich sein, alternative Wege gesellschaftlicher Organisation tiefgründig zu durchdenken und zu entwickeln, um in der Lage zu sein, Strukturen zu verändern, die persönlicher Autonomie bzw. Selbstbestimmung entgegenwirken. Des Weiteren kann es hilfreich sein, zu lernen, auf welche Art und Weise man Alternativen so präsentieren kann, dass sie einfach zu verstehen sind. Das Beschuldigen anderer Menschengruppen wird nicht dabei helfen, eine friedvolle, Freude bringende und gesunde Atmosphäre zu schaffen, die der Gesellschaft zum Erblühen und Gedeihen verhilft. Niemand, der vor hat, gesellschaftliche Strukturen konstruktiv zu kritisieren, sollte sich darauf konzentrieren, anderen Menschen Vorwürfe zu machen, ob das nun „reiche“ oder „mächtige“ Menschen sind, die „ungebildete“ Jugend, Schwarze oder Weiße, Homosexuelle, Amerikaner oder Chinesen, Christen, Juden, Muslime oder wer auch immer.
Wir brauchen keinen Hass und keine Aggression. Wir brauchen aufgeschlossene Kommunikation und ein respektvolles Miteinander, wenn wir Probleme lösen wollen, mit denen wir konfrontiert sind, um die Erfüllung unserer individuellen Bedürfnisse und Vorhaben zu koordinieren (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

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„Das hört sich ja alles toll an, aber es ist idealistisch.“

Ja, natürlich ist es das. Wenn ich ein Balletttänzer bin und es mein Ideal ist, fünf Pirouetten zu drehen, dann werde ich nicht nur auf drei Pirouetten hinarbeiten. Ich werde fünf anstreben. Als Bäcker würde ich anstreben, den wohlduftenden und leckeren Kuchen zu kreieren, der meinem geistigen Auge vorschwebt – mein persönliches Kuchenideal. Nicht weniger!
Jeder kreiert Ideale, wenn sie oder er über die bevorstehende Shoppingtour, das Streichen einer Wand oder über die Planung für den Flug zum Mond nachdenkt. Es ist notwendig, nach einem Ideal zu streben, um dem Ideal irgendwie nahe zu kommen. Wenn wir uns nicht einmal bemühen, ein Ideal zu realisieren, werden wir nirgendwo nah an die Verbesserung unserer Leistung oder die Erreichung unserer Ziele kommen.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zum Umgang mit Ressourcenknappheit).

Technologie

English

Jeder Mensch nutzt permanent Technologie. Zum Beispiel sind die Buchstaben, die du in diesem Moment liest, Ausdruck von Technologie. Lesen selbst ist ein Stück Technologie. Technologie verbirgt sich hinter dem Display oder dem Stück Papier, auf das du schaust. Der Stuhl, auf dem du sitzt, und die Kleidung, die du trägst, existieren dank Technologie.

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Technologie ist die zweckbestimmte Anwendung von Wissen und Fertigkeiten
– Entwurf, Entwicklung und Nutzung von Methoden und Werkzeugen –
zur Veränderung von Situationen und Gegebenheiten.

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Lesen beispielsweise ist eine Methode, die es Menschen ermöglicht, Informationen zu erlangen. Kleidungsstücke sind Werkzeuge, die einen Menschen schützen und schmücken. Und ohne Stühle müsstest du an deinem Tisch stehen oder unter ihm liegen. Kurz: Jede Form von Technologie, jede Methode und jedes Werkzeug hat einen Zweck zu erfüllen, um Individuen beim Erreichen persönlicher Ziele zu unterstützen. Folglich ist die gezielte Anwendung von Methoden und Werkzeugen der Schlüssel zur Unterstützung der globalen Gesellschaft im Streben nach der Erfüllung des Ziels von Gesellschaft (→ Werte). Technologie hat das Potenzial, die Befriedigung der verschiedenen Bedürfnisse innerhalb einer Gesellschaft zu koordinieren, um individuelles und gesellschaftliches Wohlergehen zu erschaffen.

Jede Lebensform hat in einem gewissen Maß die Möglichkeit, das eigene Umfeld durch Technologie zu beeinflussen. Aus der eigenen Wahrheit heraus (→ Grundlegende Verständnisse) nutzt jedes Individuum Technologie, wenn sie bzw. er Methoden und Werkzeuge anwendet. Beispielsweise nutzt jedes Bakterium, jede Pflanze und jedes Tier die eigenen körperlichen Fähigkeiten, um Vorhaben, wie das der Nahrungssuche oder der Verteidigung gegen Feinde, umzusetzen. Wir Menschen nutzen unser Gehirn als Werkzeug, um unsere Umwelt zu verstehen bzw. die Welt, in der wir leben, zu verändern. Wir bauen Häuser, um uns vor Wettererscheinungen und verschiedenartigen Temperaturänderungen zu schützen. Wir entwickeln Rezepte, um Anweisungen festzuhalten, damit wir immer und immer wieder köstliche Mahlzeiten kreieren können. Wir entwerfen Automaten, um schnellere und präzisere Produktionsprozesse realisieren zu können. Wir nutzen unsere Stimme als  Werkzeug der Kommunikation, um zu sprechen, zu singen oder um Geräusche zu machen. Jeder nutzt permanent Technologie, jeder entwirft, entwickelt und verwendet permanent Methoden und Werkzeuge.
Technologie ist die Verbindung zwischen einem Individuum und dessen Glück und Zufriedenheit, denn Methoden und Werkzeuge sowie deren Kombination können einen Zustand in einen anderen wandeln. Sie erfüllen einen Zweck, realisieren ein Vorhaben, lösen ein Problem, koordinieren die Befriedigung der Bedürfnisse eines Individuums mit denen von anderen oder ermöglichen ganz einfach Momente der Freude. Technologie als Weg zur Umsetzung individuellen und damit gesellschaftlichen Wohlergehens, durch die größtmögliche Ausweitung des Freiheitsradius eines jeden, ermöglicht es der globalen Gesellschaft, eine Welt in Frieden, Gesundheit und kultureller Vielfalt zu erschaffen, die erfüllt ist von Liebe und Inspiration.

Technologie verändert Situationen und Gegebenheiten. Je besser also ein Individuum das eigene Umfeld versteht, desto besser können entwickelte Methoden und Werkzeuge mit diesem eigenen Umfeld harmonieren. Jedes Individuum ist über die symbiotische Natur des Ökosystems und über gesellschaftliche Bande mit jedem anderen Individuum verbunden (→ Grundlegende Verständnisse). Folglich verändert die Technologie eines Individuums nicht nur dessen eigenes Umfeld, sondern auch Lebenslagen bzw. Umweltgegebenheiten anderer Individuen. Um Konflikten vorzubeugen, sollte die Technologie eines Individuums nicht mit den Vorhaben eines anderen Individuums kollidieren. Technologie sollte niemanden vom Erreichen persönlicher Ziele abhalten. Zum Beispiel sollte Technologie keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit eines  Individuums haben. Deshalb, um unnötige Konflikte zu vermeiden und um somit stets eine friedvolle Atmosphäre gewährleisten zu können, sollten Methoden und Werkzeuge so gestaltet sein, dass sie mit den Vorhaben eines jeden Einzelnen harmonieren. Um das zu erreichen, sollte die globale Gesellschaft danach Streben, das eigene Umfeld bzw. die eigene Umwelt so ganzheitlich wie  möglich zu verstehen.

Technologie sollte auf der gezielten Anwendung
der Wissenschaftlichen Denkweise basieren.

Am Beginn der Entwicklung von Methoden und Werkzeugen, oder deren Kombination, steht der Entwurf. Der Entwurf befasst sich mit Gedanken über Sinn und Zweck einer zu entwickelnden Methode bzw. eines zu entwickelnden Werkzeugs und damit, wie genau dieser Zweck erfüllt werden soll. Die Phase des Entwurfs dient dazu, optimale Ergebnisse zu erzielen. Nach der Wissenschaftlichen Denkweise sollten Entwurfsphasen folglich auf effektiver sowie zufriedenstellender Kommunikation und Forschung basieren. Der Entwurf einer Methode oder eines Werkzeugs sollte in hohem Maße mit allen Fachdisziplinen, die mit dem Entwurf in Verbindung stehen, interagieren, um den Anwendungsbereich der zu entwickelnden Methode bzw. des zu entwickelnden Werkzeugs so gründlich wie möglich zu verstehen. Schon innerhalb von Entwurfsphasen sollte die globale Gesellschaft darauf bedacht sein, so viele individuelle Bedürfnisse wie möglich in die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen einzubeziehen, um nicht durch deren Anwendung einzelne Individuen in ihrem Streben nach Glück und Erfüllung zu behindern. Die gezielte Anwendung der Wissenschaftlichen Denkweise ermöglicht es der globalen Gesellschaft, Methoden und Werkzeuge zu entwickeln, die gesellschaftliche sowie umweltbedingte Anforderungen, wie z.B. diejenigen des Ökosystems der Erde, erfüllen (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).
Technologieformen, die als umweltschädlich eingestuft werden oder welche die Umsetzung persönlicher Vorhaben einzelner Individuen erschweren, müssen modifiziert oder durch Alternativen, die den gleichen Zweck erfüllen, ohne Schaden anzurichten, ersetzt werden. Daher sollte die globale Gesellschaft die eigene Technologie permanent hinterfragen, durchdenken und erneuern, um stets die effektivsten Methoden und Werkzeuge anzuwenden, die so gut wie möglich mit ihrem Umfeld harmonieren.

Im folgenden Abschnitt erläutern wir Richtlinien, die die globale Gesellschaft beim Entwurf von Methoden und Werkzeugen unterstützen, damit sie dem Ziel von Gesellschaft auf effektive Weise nachgehen kann. Diese Richtlinien können jedem Einzelnen helfen, Methoden und Werkzeuge zu entwerfen, die natürliche und gesellschaftliche Umgebungen respektieren und bereichern:

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Der Zweck einer Methode oder eines Werkzeugs
sollte so tiefgründig wie möglich hinterfragt und verstanden werden.

In der Entwurfsphase von Methoden und Werkzeugen sollten deren Anwendungsbereiche so ganzheitlich wie möglich verstanden werden. Entwickler sollten sich folgende Fragen stellen: Was ist der Zweck der Methode bzw. des Werkzeugs? Gibt es Alternativen, die diesen Zweck ebenfalls erfüllen würden? Auf welche Art und Weise wird die zu entwickelnde Technologieform ihr Umfeld beeinflussen? Wird die Methode oder das Werkzeug sowie jede damit in Verbindung stehende Technologieform für Produktion, Wartung und Wiederverwertung mit ihrem Umfeld harmonieren? Wer wird die Methode bzw. das Werkzeug nutzen?
Das ganzheitliche Verständnis über und um eine Technologieform herum ermöglicht es Entwicklern, Nutzern und schließlich der gesamten globalen Gesellschaft, intuitive, sichere, gesunde, nachhaltige und robuste Methoden bzw. Werkzeuge zu entwickeln und anzuwenden, die Freude bringen, wenn man sie benutzt.

Beispiel: Du hättest gern ein Bild an deiner Wand. Dazu benötigst du eine Form von Technologie, die diesen Zweck erfüllt. Dies kann eine Kombination aus einer Schraube, einem Dübel, einem Schraubendreher, einer Bohrmaschine, einer Steckdose, deinen Fertigkeiten und einem Konzept sein, wie man diese Dinge zusammen verwendet.
Alternativ könntest du ein paar Klebestreifen verwenden oder sogar einen magnetischen Bilderrahmen, vorausgesetzt an deiner Wand können magnetische Bilderrahmen überhaupt haften. Vielleicht – dank integrierter LED-Strukturen – ist deine Tapete sogar in der Lage, Bilder überall in deiner Wohnung anzuzeigen.
Nichtsdestotrotz: Könnte das Bild jemanden stören, der mit dir lebt? Wird die gewählte Technologie die Wand beschädigen? Wirst du dir genug Material erhalten, um spätere Projekte realisieren zu können?
Wenn du dir um all das Gedanken machst, wirst du wahrscheinlich zielgerichteter und damit effektiver basteln, länger Freude an deinem Werk haben, und es vielleicht viel einfacher entfernen können, wenn es dir mal nicht mehr gefallen sollte.

Ein Beispiel, welches eine Situation aus unserer heutigen Gesellschaft betrachtet: Du möchtest Mobiltelefone in einer Fabrik produzieren, die mit nur wenig Automatisierung ausgestattet ist. Der Produktionsablauf ist hinsichtlich der Produktionsrate hoch optimiert und benötigt eine große Belegschaft. Wie gut also hast du die Arbeitsbedingungen und -umgebungen deiner Belegschaft durchdacht bzw. gestaltet? Hast du ein Umfeld geschaffen, das deinen Mitarbeitern gefällt? Empfangen deine Mitarbeiter genügend Tageslicht? Haben sie genug Pausen? Haben deine Mitarbeiter die Möglichkeit, sich auszutauschen oder das Management zu kontaktieren, um auf Probleme hinzuweisen? Deine Mitarbeiter sind der Montage am nächsten. Sind sie in der Lage und ermutigt, weitere Optimierungen am Produktionsprozess vorzunehmen und diese umzusetzen? Optimierte Arbeitsbedingungen, -umgebungen und -atmosphären können dazu beitragen, die Produktqualität zu steigern, da ein jeder motiviert und in der Lage ist, sich auf jeden Schritt der Montage zu konzentrieren.
Harmoniert das Fabrikgebäude mit seiner Umgebung? Kann es beispielsweise sinnvoll sein, das Fabrikdach mit Humus und Vegetation zu überdecken, damit es vor UV-Strahlung geschützt ist und der umgebenden Natur Lebensraum bietet? Hast du in Betracht gezogen, die Oberflächen des Fabrikgebäudes mit Werken lokal ansässiger Künstler zu dekorieren, um die Fabrik zu einem Blickfang zu machen? Sprich: Verstehst du die Fabrik als einen isolierten Ort, an dem man nur ungern bleiben möchte oder eher als einen integrierten Teil der lokalen Gemeinschaft?
Die Fabrik in ihrer Ganzheit ist ein Stück Technologie. Faktisch ist eine Fabrik genau dann am besten für einen effektiven Produktionsprozess gerüstet, wenn sie optimal mit ihrer natürlichen und gesellschaftlichen Umgebung harmoniert.

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Methoden und Werkzeuge sollten einfach zu benutzen sein

Methoden und Werkzeuge sollten auf individuelle Bedürfnisse
angepasst werden können.

Wissen und Anleitungen zu Methoden und Werkzeugen
sollten einfach zu verstehen sein.

Je einfacher ein Individuum eine Methode bzw. ein Werkzeug nutzen kann, desto effektiver kann sie oder er persönliche Vorhaben umsetzen. Je besser Methoden und Werkzeuge mit der Vorstellung eines Individuums darüber übereinstimmen, wie sie ihren Zweck erfüllen sollen, desto weniger frustrieren sie das Individuum und desto mehr unterstützen sie dessen Motivation. Daher sollten Methoden und Werkzeuge so weit wie möglich für sicheren und intuitiven Gebrauch entwickelt werden.
Da alle Menschen verschieden sind, gibt es viele verschiedene Vorstellungen davon, wie Methoden und Werkzeuge funktionieren bzw. sein sollten. Beispielsweise gibt es jene, die es bevorzugen, Schraubendreher mit der linken Hand zu benutzen, während andere es vorziehen, einen Schraubendreher mit der rechten Hand zu verwenden. Die Einen bevorzugen vollständig konfigurierbare Spiegelreflexkameras, die Anderen leichtgewichtige Kompaktkameras. Manche mögen es, grüne Sportschuhe mit Schnürsenkeln zu tragen, andere mögen rote mit Klettverschluss. Folglich sollten Methoden und Werkzeuge auf individuelle Bedürfnisse und Zwecke zugeschnitten werden können. Es macht Spaß, Methoden und Werkzeuge zu verwenden, die einfach nur das tun, wofür sie bestimmt sind.
Aus den gleichen Gründen sollten Wissen und Anleitungen über Methoden und Werkzeuge einfach zu verstehen sein, damit Nutzer ihre Fertigkeiten so einfach und effektiv wie möglich verbessern können (→ Bildung).

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Methoden und Werkzeuge sollten ressourceneffizient sein.

Die Verwendung von Rohstoffen und Energie
sollte im Einklang mit deren Regenerationszeiten stehen.


Werkzeuge sollten so langlebig wie möglich sein.


Werkzeuge sollten aktualisierbar sein.

Werkzeuge sollten für ihre Wiederverwertung entwickelt sein.

Rohstoff- und Energieressourcen scheinen in nur begrenztem Maße vorhanden zu sein. Je weniger wir von einer vorhandenen Ressource verwenden, desto mehr dieser Ressource bewahren wir für die Realisierung künftiger Projekte. Weniger Ressourcen zu nutzen erhöht gleichzeitig unsere Flexibilität im Falle von Ressourcenengpässen (z.B. aufgrund von Naturkatastrophen). Daher sollte Technologie so wenige Ressourcen wie nur möglich verwenden und gleichzeitig so effektiv bzw. so leistungsfähig wie möglich sein.
Rohstoff- und Energieressourcen, die wir verwenden, sollten hauptsächlich schnell-erneuerbare Ressourcen sein. Schnell-erneuerbare Ressourcen sind Ressourcen, die sich innerhalb kurzer Zeitdauer regenerieren – wie z.B. Sonnenlicht, Holz, Hanf und Wolle. Um eine nachhaltige Ressourcennutzung zu garantieren, sollten die Regenerationszeiten von Ressourcen mit in Betracht gezogen werden. Die Verbrauchsrate von Rohstoffen und Energie sollte niedriger sein als deren Regenerationsrate, um sie nicht in überhöhtem Maße zu verwenden bzw. restlos zu verbrauchen.
Da Fertigungsprozesse selbst Rohstoffe und Energie benötigen, sollten Werkzeuge so entworfen sein, dass sie möglichst lange halten und so weit wie möglich ununterbrochen störungsfrei funktionieren. Langlebige Werkzeuge, die ihren Zweck ohne Störungen erfüllen, müssen nicht ersetzt werden. Dieser Ansatz bewahrt Ressourcen, da er den Bedarf zur Produktion von Ersatzwerkzeugen senkt.
Weitergehend sollte die Entwurfsphase den einfachen Austausch veralteter bzw. defekter Teile ermöglichen, damit man sie auf einfachem Wege auf den neuesten Stand bringen kann. Im Bereich der Computertechnologie sollten Geräte beispielsweise aktualisierbar sein, indem an Stelle eines gesamten Computersystems nur veraltete Hardware- bzw. Softwareteile ausgetauscht werden müssen.
Im Gegensatz zu schnell-erneuerbaren Ressourcen sollten langsam-erneuerbare Ressourcen – wie fossile Brennstoffe, Metalle und Diamanten – in einer Art und Weise genutzt werden, die eine Wiederverwendung ermöglicht. Deshalb sollte die Wiederverwertung von Werkzeugen bei deren Entwicklung beachtet werden. Bereits in der Entwurfsphase sollte die einfache und effektive Demontage von Werkzeugen in Betracht gezogen werden. Kommt es vor, dass ein Werkzeug defekt oder veraltet ist, sollte es auf einfache Art und Weise möglich sein, die darin enthaltenen Rohstoffe zu extrahieren. Die Wiederverwertung von Werkzeugen ist notwendig, um geschlossene Ressourcenkreisläufe zu etablieren. Alle Materialien, die wir nutzen, sollten entweder mit natürlichen Ressourcenkreisläufen harmonieren oder in unseren Ressourcenkreisläufen verbleiben.
Diese Ansätze, die wir als Effizienzansatz herausstellen möchten, unterstützen die globale Gesellschaft beim Erschaffen von Ressourcenreichhaltigkeit, damit jedem Einzelnen die maximal erreichbare Breite an Möglichkeiten zur Verfügung stehen kann (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

Wie oben erwähnt, erfüllt jedes Stück Technologie einen Zweck. Technologie unterstützt Menschen darin, ihre Bedürfnisse zu befriedigen bzw. ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Daher kann Technologie dazu genutzt werden, Umstände herbeizuführen, die die Entstehung von Werten fördern, welche der globalen Gesellschaft beim Streben nach der Erfüllung des Ziels von Gesellschaft behilflich sein können (→ Werte).
Deshalb sollten Methoden und Werkzeuge für jeden Einzelnen verfügbar sein, um jeden Menschen so optimal wie möglich unterstützen zu können. Folglich benötigt die globale Gesellschaft ein System, welches Methoden und Werkzeuge innerhalb der Menschheit koordiniert. Diesen Zweck sollte das gesellschaftliche Wirtschaftssystem erfüllen (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Die heutige Gesellschaft scheint sich nicht über Technologie als zweckbestimmte Anwendung von Wissen und Fertigkeiten zur Veränderung von Situationen und Gegebenheiten bewusst zu sein. Wir, die globale Gesellschaft, scheinen uns nicht darüber im Klaren zu sein, dass wir permanent Situationen, Gegebenheiten und damit unsere Umwelt formen, indem wir Methoden und Werkzeuge anwenden. Die globale Gesellschaft scheint sich nicht der Möglichkeiten bewusst zu sein, durch den gezielten Einsatz von Technologie den Freiheitsradius eines jeden Individuums  ausweiten zu können.

Die globale Gesellschaft von heute hat einen sehr statischen Blick auf Technologie. Die globale Gesellschaft hat zwar ein Gefühl für existierende Methoden und Werkzeuge und deren Wirkungsweisen, aber kein Gefühl für die sich kontinuierlich durch Forschung und Einfallsreichtum ausweitetende Bandbreite an technologischen Möglichkeiten. Viele Menschen sehen eine bestimmte Form von Technologie als alleinige Lösung zur Erfüllung eines bestimmten Zwecks bzw. zur Lösung eines bestimmten Problems. Aus der Sicht eines Individuums mag es angenehm sein, eher an gewohnten Technologieformen festzuhalten, als das Problem bzw. das Bedürfnis zu untersuchen, mit dem sie oder er konfrontiert ist. Dennoch könnte es sein, dass die Bedürfnisse des Individuums durch alternative Technologieformen weitaus effektiver befriedigt werden könnten.
Zum Beispiel sagen viele Menschen „Ich brauche unbedingt einen Staubsauger!“. Die hauptsächliche Anwendung eines Staubsaugers ist das Entfernen von Staub. Folglich resultiert der  Bedarf nach einem Staubsauger aus dem Bedürfnis nach einem sauberen Wohnumfeld. Daher könnte es sinnvoll sein, die folgenden Fragen in Betracht zu ziehen: Wo kommt Staub her? Kann Staub nützlich sein? Brauche ich den Staubsauger zu jeder Zeit oder nur dann, wenn ich ihn verwenden will? Gibt es Gründe für das Entstehen von Staub und gibt es Wege, diese zu beseitigen? Benötige ich überhaupt einen Staubsauger oder alternativ ein System, welches in meinen Wohnräumen einen leicht niedrigeren Luftdruck gegenüber der Außenwelt erzeugt, kombiniert mit elektrostatischen Oberflächen, die die Staubfilterung vereinfachen?
Offensichtlich gibt es viele Wege, über Probleme und damit verbundene Technologie nachzudenken. Es gibt viele verschiedene Wege, ein bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen, viele verschiedene Methoden und Werkzeuge zur Lösung eines bestimmten Problems. Indem die globale Gesellschaft Anwendungsbereiche so tiefgründig wie möglich hinterfragt und gleichzeitig Technologie von so vielen Perspektiven wie möglich betrachtet, sollte die globale Gesellschaft ein ganzheitliches Gefühl für die Möglichkeiten entwickeln, die uns Technologie bietet, anstatt an statischen Perspektiven festzuhalten, die dem Ziel von Gesellschaft entgegenwirken können.

Heutzutage existieren viele Methoden und Werkzeuge, die ernsthafte Probleme und Konflikte verursachen. Verständlicherweise fürchten sich viele Menschen vor solchen Technologieformen. Es entsteht also eine grundlegende Frage: Ist Technologie eine der Ursachen für unsere Probleme?
Einerseits gibt es Technologieformen, die entwickelt wurden, um Symptome tiefer liegender Probleme zu mildern. Solche Technologieformen ziehen oft negative Folgen nach sich, während sie aber die Ursachen der Probleme nicht beseitigen. Die Atombombe beispielsweise wurde entworfen, um Bevölkerungsgruppen zu schützen, indem wiederum andere Bevölkerungsgruppen niedergeschmettert werden. Viele Nationen nutzen diese Waffe, um andere Nationen zu beeindrucken bzw. zu bedrohen. Nichtsdestotrotz zieht die Detonation einer Atombombe sehr destruktive Konsequenzen nach sich, löst aber keine Probleme. Sie wurde nicht entworfen, um Konflikte zu verstehen, die in Folge dessen gelöst werden können. Keine Waffe wurde entworfen, damit sie mit ihrer Umgebung harmoniert. Das heißt: Probleme, die von feindseligen und gesundheitsgefährdenden Technologieformen ausgehen, könnten genau dann verschwinden, sobald die angenommene Notwendigkeit für diese Technologieformen verschwindet. Um zum Beispiel das Auftreten von solchen Konflikten zu vermindern, die uns zu der Annahme bringen, dass wir Atombomben benötigen, könnten wir globale Kooperation anstreben, um die verschiedenen Bedürfnisse der verschiedenen Menschen innerhalb der globalen Gesellschaft zu koordinieren (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Denn wenn der Bedarf nach einer bestimmten Methode bzw. nach einem bestimmten Werkzeug verschwindet, verschwinden auch die einhergehenden Probleme.
Andererseits entstammen technologische Probleme der Art und Weise wie Werkzeuge gefertigt werden bzw. in welcher Art und Weise Technologieformen ihren Zweck erfüllen. Fertigungsprozesse technischer Geräte beispielsweise beuten heutzutage häufig Arbeiter aus, verarbeiten toxische Materialien und verursachen enorme Umweltschäden. Im Kontrast dazu ist Fotografie wiederum ein Interesse, dem viele Menschen liebend gern nachgehen. Daher sollten Methoden und Werkzeuge, mit denen wir nicht zufrieden sind – zum Beispiel Fertigungsprozesse von Kameras – permanent verbessert bzw. durch Alternativen ersetzt werden. Jedes Werkzeug, einschließlich seiner Fertigung, Anwendung und Wiederverwertung, sollte so weit wie möglich mit seiner Umwelt harmonieren, während es seinen Zweck so effektiv wie möglich erfüllt. Auf lange Sicht wird dieser Ansatz das Auftreten von Problemen reduzieren, die entstehen, wenn wir Werkzeuge fertigen, anwenden bzw. wieder auseinandernehmen.

Hinsichtlich Werkzeugen scheint sich die globale Gesellschaft nicht der anscheinenden Endlichkeit von Rohstoffen im Klaren zu sein. Werkzeuge (z.B. Maschinen, Kleidung, Gebäude, usw.) werden selten für lange Lebensdauern oder Wiederverwertungsprozesse entworfen. Verstärkt durch Anreize innerhalb des heutigen Wirtschaftssystems – wie beispielsweise der Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung des zyklischen Konsums – gehen Werkzeuge, u.a. aufgrund von geplantem Verfall, der ihrem Design innewohnt, schnell kaputt und enden auf Müllhalden. Das Sammeln, Verwalten und Beseitigen von Müll bereitet heutzutage einen Haufen Probleme.
Auf lange Sicht wird sich das Prinzip „Müll“ als ineffizient erweisen. Jeder Fertigungsprozess, der Werkzeuge produziert, die die Gesellschaft weder wiederverwenden noch wiederverwerten kann, erschafft gleichzeitig auch ein Problem, da die verwendeten Materialien für weitere Entwicklungsprozesse nicht zur Verfügung stehen. Obendrein, sobald diese Werkzeuge auf Müllhalden landen, gelangen ihre Chemikalien und Schadstoffe in den Erdboden, wo sie natürliche Kreisläufe schädigen. Heute sind die Ozeane in hohem Maße mit Plastikmüll verdreckt. FCKW-Gase schaden der Ozonschicht der Erde. Darüber hinaus können die von uns häufig eingesetzten Werkzeuge zur Energieproduktion, wie z.B. Atomkraftwerke und Ölbohrinseln, gigantische Umweltschäden verursachen. Wir machen unser Ökosystem und damit uns selbst krank, obwohl Lösungen zur Erhöhung technologischer Harmonie mit dem Ökosystem der Erde verfügbar sind.
Die globale Gesellschaft sollte sich darauf konzentrieren, vollständig geschlossene Ressourcenkreisläufe zu etablieren, um so viele Ressourcen wie möglich zu bewahren, um somit die Bedürfnisse von so vielen Individuen wie möglich befriedigen zu können, während sie gleichzeitig das Ökosystem der Erde mit Sorgfalt behandelt, da es die Grundlage allen Lebens auf der Erde ist.

Im Weiteren tendiert die globale Gesellschaft aufgrund von Profitorientierung und Profitmaximierung zur Nutzung von ineffizienten und ineffektiven Technologieformen, während sie gleichzeitig vorhandene Kapazitäten des Ökosystems der Erde überbeansprucht.
Obwohl sich beispielsweise viele Menschen darüber beklagen, auf welche Art und Weise wir Nahrungsmittel auf dem Globus verteilen, scheinen große Konzerne genetisch manipulierte Pflanzen zu verbreiten, die Samen hervorbringen, welche nicht annähernd so fruchtbar sind wie ihre Elterngeneration. Und das tun sie, obwohl nicht-modifizierte, traditionell kultivierte Pflanzen gute, fruchtbare Samen hervorbringen. Darüber hinaus verschwenden viele sogenannte „entwickelte“ Länder Unmengen an frischen Nahrungsmitteln, anstatt sie an andere Länder zu verteilen. Dabei macht es aber nicht den Eindruck, dass es zu wenige Transportkapazitäten gibt, da Nahrungsmittel, bevor sie in den Ländern des Nordens bzw. Westens konsumiert werden, unzählige Male zwischen den Kontinenten hin- und hertransportiert werden. Dies ist eine bizarre Situation. Offensichtlich sind all diese Methoden ineffektiv, um die Welt zu ernähren. Sie sind nur aus einer finanziellen Sicht effektiv. Das heißt, dass das derzeitige Wirtschaftssystem nicht in der Lage ist, die Ressourcenverteilung auf der Erde zur Schaffung von Ressourcen- und Zugangsreichhaltigkeit zu organisieren (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).
Die Natur bietet eine Unzahl an Methoden und Werkzeugen, die wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse in Betracht ziehen sollten. Dafür müssen wir Dinge wie natürliche Ressourcenkreisläufe verstehen, um sie nicht übermäßig zu beanspruchen bzw. zu schädigen.
Methoden und Werkzeuge sind nicht zwingendermaßen von Menschen erschaffen. Technologie ist etwas, das Individuen darin unterstützt, persönliche Ziele zu erreichen und Wohlbefinden zu etablieren. Daher sollte die globale Gesellschaft, wenn sie nach Lösungen sucht, alle existierenden Methoden und Werkzeuge in Betracht ziehen, die sich aus der Vielfältigkeit des Planeten Erde heraus entwickelt haben.

Eines der größten Probleme, vor denen Menschen heute stehen, wenn sie Methoden und Werkzeuge entwerfen wollen, ist das Patent- und Urheberrecht. Aufgrund dessen, dass jeder im gesellschaftlichen Gesamtbild dafür sorgen muss, einen erreichten Lebensstandard durch ein zufriedenstellendes Einkommen sicherzustellen, müssen Individuen wie auch Unternehmen andere für ihre Ideen und Konzepte bezahlen lassen. So werden Ideen und Konzepte fast ausschließlich innerhalb des Rahmens des Patent- und Urheberrechts veröffentlicht. In anderen Fällen werden Ideen und Konzepte nicht offiziell veröffentlicht und bleiben demnach geheim. Das heißt: Auch wenn benötigte Methoden bzw. Werkzeuge, die Menschen dabei helfen könnten ihre persönlichen Ziele zu erreichen, bereits existieren, kann es sein, dass sie diese nicht nutzen können, weil sie nicht veröffentlicht wurden, schlecht recherchierbar sind oder weil es ihnen verboten ist, diese zu nutzen. In Folge dessen müssen solche Individuen warten bzw. nach anderen, eventuell ineffektiven und weniger ressourceneffizienten, vielleicht sogar destruktiven Wegen Ausschau halten, um ihre Ideen realisieren zu können (→ Menschliches Verhalten).
Das derzeitige Patent- und Urheberrecht behindert den Austausch von Informationen, Erfahrungen und Wissen. Dieser Umstand verkompliziert den Entwurf von Methoden und Werkzeugen. Viele von uns müssen das Rad jeden Tag neu erfinden, anstatt an der Verbesserung existierender Methoden und Werkzeuge arbeiten zu können. Deshalb sind wir gezwungen, Technologieformen zu verwenden, die nicht so gut sind wie sie sein könnten.
Die globale Gesellschaft sollte darin bestrebt sein, Gründe zu beseitigen, die uns dazu veranlassen, Ideen und Konzepte zurückzuhalten. So könnte sich ein freier Informationsfluss zum Austausch von Erfahrungen und Wissen entwickeln. Auf dieser Basis aufbauend wäre die globale Gesellschaft in der Lage, Methoden und Werkzeuge zu entwickeln, die Qualitätskriterien wie hohe Leistungsanforderungen und ökologische Verträglichkeit so gut wie nur möglich erfüllen.

Fazit: Wir, die globale Gesellschaft, verfügen über eine Unzahl an Möglichkeiten, eine Welt zu formen, in der ein jeder Glück und Erfüllung finden kann. Das Problem liegt in der Art und Weise, wie wir Technologie heute nutzen und organisieren, ohne dabei ganzheitlich genug zu versuchen, Wechselbeziehungen zwischen unserer Technologie und unserer Umwelt bzw. resultierende Auswirkungen zu verstehen. Wir haben ein Wirtschaftssystem etabliert, dass uns davon abhält, Wissen und Information auszutauschen, während es uns Anreize bietet, Werkzeuge so zu gestalten, dass sie nach kurzer Zeit auseinander fallen, ohne dass wir uns dabei Gedanken machen, wie wir sie wiederverwerten können. Wir müssen diese Situation ändern, wenn wir in einer Welt leben wollen, die uns nachhaltige Lösungen in einer gesunden Umwelt bietet.
Nichtsdestotrotz, als notwendige Grundlage, auf der wir aufbauen können, ist es wichtig zu verstehen, dass wir vorurteilsfreie Kommunikation innerhalb der globalen Gesellschaft etablieren müssen, damit jede Idee, jedes Bedürfnis und jeder Zweifel beim Entwurf von Methoden und Werkzeugen berücksichtigt werden kann (→ Die Wissenschaftliche Denkweise).

—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Die Menge an Ressourcen auf dem Planeten ist unzureichend,
um die Wünsche aller Menschen zu erfüllen.“

Wenn du diese Meinung jemals hörst, frage nach den ausführlichen Studien über die Ressourcen der Erde, die Recherche über alle bekannten Methoden und Werkzeuge, und versichere dich, Zugang zur Datenbank der Wünsche aller Menschen zu erhalten, auf die diese Person verweist.
Wir, die Autoren, haben keinerlei Kenntnis von einer weltweiten Bestandsaufnahme der Ressourcen der Erde. Uns ist keine Studie bzw. Datenbank bekannt, die alle Informationen darüber sammelt, verwaltet und anbietet, wie alle bekannten Technologieformen und deren Kombinationsmöglichkeiten zum Abbau bzw. zur Nutzung dieser Ressourcen verwendet werden können. Des Weiteren kennen wir keine Datensammlung, die die verschiedenen Sehnsüchte, Bedürfnisse und Wünsche aller Menschen katalogisiert. Betrachtet man diesen Mangel an Wissen und Information, denken wir, ist es unmöglich darüber Aussage zu treffen, mit welcher Form von Technologie wir welche Sehnsüchte auf welche Art und Weise erfüllen können.
Das heißt: Wenn man über das Potenzial der Menschheit sprechen möchte, Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte zu erfüllen, ist es am effektivsten, sich darauf zu konzentrieren, was wir mit dem, was wir kennen, erreichen können und könnten. Annahmen darüber zu machen, dass etwas NICHT möglich ist, bedeutet eigentlich nur: „Es ist nicht möglich, mit diesem Wissen dieser bestimmten Person zu diesem Zeitpunkt.“. Wenn Menschen darüber reden, dass etwas nicht möglich ist, liegt das eher an fehlendem Wissen, wie man es möglich machen kann, weniger daran, dass es tatsächlich unmöglich ist. Auch wenn dieses Wissen nicht verbreitet ist, kann es immer sein, dass irgendjemand herausfinden kann, herausfinden wird oder bereits herausgefunden hat, wie man es möglich machen kann. Normalerweise liegt diese Art der Wahrnehmung, dass etwas nicht möglich ist, an mangelnden Fertigkeiten, Wege ausfindig zu machen, wie man etwas möglich machen kann. Anstatt also unsere Zeit damit zu verschwenden darüber nachzudenken, was unmöglich ist, sollten wir unsere Zeit besser dafür nutzen, um zu erforschen, WIE man etwas möglich machen kann. Es kann einfach ein Mangel an Wissen und Fertigkeiten sein, der Dinge für uns unerreichbar oder nicht-realisierbar erscheinen lässt.
Je effizienter unsere Technologie die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen verwendet, desto näher kommen wir dem Ziel, eines jeden Bedürfnisse zu befriedigen. Wir, die Autoren, sehen enormes Potenzial beim Entwickeln ressourceneffizienter Technologie, weil es eine Unzahl an Ideen und Konzepten darüber gibt, wie leistungsfähige, nachhaltige, einfach zu bedienende und umweltfreundliche Technologieformen entwickelt werden können. Diese Potenziale können nur auf Grundlage gesellschaftlicher Kooperation mit Hilfe vorurteilsfreier, gewaltfreier Kommunikation, freigesetzt werden (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Ohne eine solche Form der Organisation wird der Grad der Ressourceneffizienz so niedrig bleiben, wie er heute ist.

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„Technologie kann nicht die Lösung sein.
Technologie ist Ursache der meisten Probleme der heutigen Welt.“

Man kann Technologie auf verschiedene Art und Weise nutzen. Ebenso wie einen Hammer: Man kann einen Hammer nutzen, um Nägel in Bretter zu schlagen, um damit ein Haus zu bauen, oder man kann einen Hammer nutzen, um eine Person zu töten, indem man ihm oder ihr den Hammer auf den Kopf schlägt.
Und genau da liegt das Problem: Welche Art von Methoden und Werkzeugen entwickeln wir, um sie für welche Zwecke einzusetzen? Zwecke und Motive zur Entwicklung und Nutzung von Methoden und Werkzeugen entspringen unseren grundlegenden Verständnissen. Demzufolge ist die Frage eher: Welche Art von grundlegenden Verständnissen bilden die Grundlage für Zwecke und Motive, die die Entwicklung und Nutzung von problemschaffenden Technologieformen bestimmen? Und weiter: Entstammen diese grundlegenden Verständnisse aufgeschlossener Forschung und Kommunikation (→ Die Wissenschaftliche Denkweise) oder blindem Festhalten an Vorurteilen, Angst und Überzeugungen?
Solange wir also Technologie selbst als Quelle unserer Probleme betrachten, sollten wir, die globale Gesellschaft, Kommunikation und Forschung intensivieren, um zu ergründen, warum bestimmte Technologieformen Probleme verursachen. Das bedeutet, sowohl deren Einsatzgebiete so ganzheitlich wie möglich zu hinterfragen, als auch Sinn und Zweck ihrer Nutzung so tiefgründig wie möglich zu verstehen. Und das wiederum bedeutet, unsere Verständnisse zu hinterfragen, um sie zu intensivieren und auszuweiten.
Wenn Technologie dazu verwendet wird, die Umsetzung individueller Ziele zu koordinieren, kann sie die globale Gesellschaft in die Lage versetzen, der Realisierung des Ziels von Gesellschaft bedeutend näher zu kommen (→ Werte). Technologie sollte für uns funktionieren, nicht gegen uns.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links über Technologie).

Die Wissenschaftliche Denkweise

English

Der folgende Artikel beschreibt die vom Menschen angewandte Denk- und Vorgehensweise, mit deren Hilfe jeder Mensch die eigene Umwelt erkundet, Interessen verfolgt, persönliche Ziele erreicht oder Lösungen entwickelt.
Es beginnt mit einer Beobachtung bzw. einer Erfahrung, die Neugier weckt. Sobald wir neugierig sind, beginnen wir eigene und neue Informationen über die Dinge zu sammeln, die uns interessieren. Aus diesen Informationen heraus entwickeln wir Theorien und Thesen. Schließlich versuchen wir unsere Theorien in Experimenten zu bestätigen, um herauszufinden, ob eine von ihnen von Nutzen sein könnte. Experimente bringen wiederum neue Beobachtungen zu Tage und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Grafik der Wissenschaftlichen Denkweise

Die obige Abbildung zeigt, in welcher Art und Weise ein Mensch persönlichen Interessen nachgeht. Wir nennen diese Methode Wissenschaftliche Denkweise, da sie von der Wissenschaft gezielt angewandt wird.

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Jeder Mensch nutzt die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb der eigenen Wahrheit, um persönliche Ziele zu erreichen.

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Beobachtung – Entdeckung – Erlebnis
Der Kreislauf beginnt damit, dass etwas die Aufmerksamkeit eines Menschen auf sich zieht. Das kann ein Gefühl, eine Beobachtung, ein Geräusch, ein Geruch oder einfach eine Nachricht von jemand anderem sein. Es beginnt mit einem Erlebnis, welches Neugier weckt.
Beispiel: Du stehst in einem Zimmer und möchtest ein anderes Zimmer betreten. Es gibt eine Tür, die beide Räume voneinander trennt. In dem Moment, in dem du die Tür entdeckst, weckt sie deine Aufmerksamkeit, weil sie zwischen dir und deinem Vorhaben steht.

Neugierde – Motivation – Interesse
Ist ein Mensch erst einmal neugierig, entsteht innere Motivation, das Erlebte oder eine gegebene Situation innerhalb der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt bzw. innerhalb der eigenen Wahrheit einzuordnen. An dieser Stelle entwickelt sich das Interesse eines Individuums, etwas zu verstehen oder zu tun, da sie oder er eine Möglichkeit sieht, ein persönliches Ziel zu erreichen oder ein Problem zu lösen. Der Mensch beginnt darüber nachzudenken. Der Mensch beginnt mit dem Sammeln von Informationen.
Beispiel: Du bist nun motiviert, die Tür zu öffnen, die deinen Weg versperrt.

Denken – Informationen sammeln
Die erste Quelle für Informationen ist der eigene Kopf bzw. Geist. Sofort beginnt ein jeder Mensch, jegliches Wissen oder jegliche Erfahrung abzurufen, die mit dem jeweiligen Thema des Interesses in Verbindung stehen könnte. Falls ein Mensch mit dem eigenen Wissen und den eigenen Erfahrungen nicht zufrieden ist, beginnt er damit, weitere Informationen zu erlangen, indem sie bzw. er Bücher liest, Inspiration sucht, andere Menschen befragt oder forscht (→ Bildung). Der Mensch sammelt Informationen, um eine Annahme bzw. Theorie darüber zu entwickeln, was er oder sie zu verstehen bzw. zu tun versucht.
Beispiel: In der Vergangenheit hast du viele Türen geöffnet, indem du die Türklinke nach unten gedrückt hast. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, die dir einfallen werden, wenn du darüber nachdenkst, wie du die Tür öffnen kannst.

Theorie – These – Vorhersage
Während der Mensch Informationen sammelt, entsteht ein Bild in seinem Kopf bzw. Geist. Aufbauend auf Wissen und Erfahrungen entwickelt jeder Mensch eine individuelle Reflexion über alle Dinge. Das Individuum erdenkt eine eigene Sichtweise, welche dann wiederum dessen individuelle Wahrheit formt. Ausgehend von diesen Theorien entstehen Thesen. Thesen sind Annahmen darüber, wie sich etwas verhält, wie etwas funktioniert oder reagiert.
Beispiel: Unterbewusst nutzt du deine Theorie über Türen, um folgende These aufzustellen: „Wenn ich die Türklinke herunter drücke, wird sich die Tür öffnen und mein Weg in das andere Zimmer ist frei.“

Experiment – Praxis
Folglich nutzt ein jeder die entwickelten Thesen als Vorhersagen zur Bestätigung der eigenen Theorien. Jeder Mensch experimentiert permanent beim Beobachten oder beim Umsetzen von Vorhaben. Auf diesem Weg kann ein jedes Individuum Annahmen und Theorien prüfen.
Schlägt ein Experiment fehl, wundert man sich und fragt sich, warum das Erwartete nicht eingetreten ist. Gelingt ein Experiment, genießt man den Erfolg.
Beispiel: Öffnet sich die Tür, wenn du die Klinke betätigst? Das ist dein Experiment. Falls sich die Tür öffnet, war dein Experiment erfolgreich. Wenn nicht, ist dein Experiment fehlgeschlagen und du fragst dich „Was ist los? Warum hat sie sich nicht geöffnet?“. Erneut erregt ein Ereignis deine Aufmerksamkeit.

Unser ganzes Leben ist ein unendlich fließender Kreislauf dieser Schritte. Es ist die Methode, die wir permanent anwenden, um unsere Umgebung zu erfassen, zu verstehen und zu formen.
Jeder Mensch nutzt die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb der eigenen Wahrheit durch das Einbeziehen eigener Erfahrungen, Gefühle, Ideen und Ängste. Das geschieht viel häufiger unterbewusst als bewusst. Da wir uns in Wissen, Erfahrungen und Biologie unterscheiden, drückt sich diese Denkweise bei jedem anders aus. Dennoch ist es diese eine Denkweise, die ein jeder Mensch anwendet, um persönliche Ziele zu entdecken und zu erreichen.

Ein weiteres Beispiel veranschaulicht die Wissenschaftliche Denkweise in einer Alltagssituation:
Ich bemerke, dass ich hungrig bin. Folglich möchte ich etwas essen. Sofort beginne ich damit, jede Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wie ich mein Bedürfnis befriedigen kann.
Vielleicht verfüge ich über einen Kühlschrank, der bis zum Rand mit Köstlichkeiten gefüllt ist. Vielleicht ist mein Kühlschrank leer und ich muss erst etwas einkaufen gehen. Vielleicht entscheide ich mich dazu, zu warten bis das Hungergefühl verschwindet. Vielleicht lebe ich auf einem Bauernhof und kann einfach einen Apfel vom Obstbaum pflücken. Vielleicht muss ich auf der Straße leben und entscheide mich dazu, um Essen zu betteln. Vielleicht entscheide ich mich aber auch dazu, Brot aus einer Bäckerei zu stehlen. Wie auch immer, wenn ich etwas zu essen habe, esse ich, weil ich erwarte, so meinen Hunger zu stillen.

Das obige Beispiel veranschaulicht einen Sachverhalt, dessen Verständnis wir als wichtig erachten:

Verschiedene Menschen
kommen oft zu verschiedenen Schlüssen.

Verschiedene Schlussfolgerungen führen folglich zu verschiedenen persönlichen Interessen. Diese Interessen können sich in verschiedenen Lebensentwürfen, variierenden Bestrebungen oder der Befriedigung individueller Ziele widerspiegeln. Da eine Gesellschaft aber ein Zusammenschluss mehrerer Menschen ist, passiert es manchmal, dass unterschiedliche Interessen miteinander kollidieren. Ein Konflikt entsteht. Um ein harmonisches Miteinander und ein Leben in Frieden auf der Erde zu ermöglichen, ist es wichtig diese verschiedenen Interessen zu koordinieren, um die Bedürfnisse eines jeden Menschen zu befriedigen. Folglich sollte Kooperation die Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung und Organisation sein.
Kooperation heißt, ein gemeinsames Ziel anzustreben. Kooperierende Individuen wenden die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb ihrer gemeinsamen Wahrheit an. Sie teilen ein Interesse und informieren sich gegenseitig über ihre Sichtweisen und Vorhaben, indem sie miteinander kommunizieren, um gemeinsame Wahrheit zu finden (→ Grundlegende Verständnisse). Außerdem sammeln sie Information, indem sie andere Menschen fragen oder nachforschen bzw. recherchieren. Sie entwickeln Theorien und setzen sie in die Tat um. Das heißt, Kommunikation innerhalb einer Gruppe kooperierender Individuen ist die Basis erfolgreicher Kooperation.

Der zufriedenstellende Austausch
von Ansichten, Wissen und Informationen,

d.h. Kommunikation, ist unabdingbar für erfolgreiche Kooperation.

Gesellschaftliche Konflikte, die durch zufriedenstellende Kommunikation aufgezeigt wurden, müssen gelöst werden.

Eine Lösung ist eine Situation, mit der jeder zufrieden ist.

Wie in der Abbildung zur Wissenschaftlichen Denkweise gezeigt, resultiert die Qualität einer Lösung aus der Qualität der entwickelten Theorie, die wiederum von Menge und Qualität der gesammelten Informationen abhängt. Um also ganzheitliche, gut durchdachte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, muss ein Problem in kleine Informationseinheiten aufgebrochen werden, um die gesamte Problemkomplexität erfassen zu können. Dafür bedarf es ausführlicher, aufgeschlossener und gewaltfreier Kommunikation zum Austausch von Wissen und Informationen. Weitergehend bedeutet Kooperation, hinsichtlich dem Finden von Lösungen, verschiedene Perspektiven zu beleuchten, indem man die eigene Wahrnehmung, Überzeugung und Einstellung gegenüber einem Sachverhalt hinterfragt. Es bedeutet Wechselbeziehungen und Wechselwirkungen in Betracht zu ziehen, um die Aufstellung einer fundierten Theorie zu ermöglichen, welche die Entwicklung nachhaltiger Lösungen ermöglicht. In Folge dessen sollte die globale Gesellschaft folgendes anstreben:

Gesellschaftliche Kommunikation sollte vorurteilsfrei sein. Folglich sollten Strukturen zur gesellschaftlichen Organisation jede Perspektive, jede Ansicht, jede Idee und jedes Bedürfnis in Betracht ziehen, mit der sie konfrontiert werden. Die globale Gesellschaft sollte Kooperation mithilfe aufgeschlossener, gewaltfreier Kommunikation etablieren, die jeden einzelnen Menschen in die Gesellschaft integriert.
Die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen, zur Auflösung und Vermeidung gesellschaftlicher Konflikte durch Koordination, ist der erfolgversprechendste Ansatz, um eine globale Gesellschaft in Frieden zu ermöglichen.
Genauer gesagt, sollte die globale Gesellschaft Organisationsstrukturen bewusst und gezielt entwerfen. Das heißt, die globale Gesellschaft sollte die Fähigkeiten der Menschheit nutzen (→ Technologie), um eine Umgebung zu schaffen, in der jeder Mensch eigene Interessen effektiv kommunizieren und mit anderen koordinieren kann. Die globale Gesellschaft sollte eine Umgebung kreieren, in der Motivation zu Kooperation nicht beeinträchtigt wird. Eine Umgebung, die Verhaltensweisen wie Rivalität, Neid und Hass nicht provoziert, da diese der Suche des Einzelnen nach Glück und Zufriedenheit entgegenwirken. Die globale Gesellschaft sollte angeeignetes Wissen so ganzheitlich wie möglich zur Entwicklung eines globalen Gesellschaftssystems anwenden, welches der Menschheit ermöglicht, das Ziel von Gesellschaft (→ Werte) so effektiv wie möglich zu erreichen.

Frage: Was ist, wenn die Wissenschaftliche Denkweise innerhalb des Lösungsfindungsprozesses zu mehreren, möglichen Vorgehensweisen führt? Was ist wenn das weitere Vorgehen Entscheidungen benötigt?
In diesen Fällen ist Entscheidungsfindung Teil der Lösungsfindung.

Auführliche Kommunikation und Forschung
wird gegebenenfalls von Entscheidungsfindung begleitet.

Entscheidungen dienen dazu, verschiedene Vorgehensweisen auszuprobieren, um in Folge dessen optimale Wege zur Lösung eines Problems zu finden. Diese Vorgehensweise bringt neue Beobachtungen bzw. Erkenntnisse und liefert somit weitere Informationen innerhalb des Lösungsfindungsprozesses.
Aufgrund von gesellschaftlichen Entscheidungen und deren Umsetzung kann es zu neuen gesellschaftlichen Konflikten kommen. Konflikte können sich in Gewalt ausdrücken. Im Falle gewaltsamer Auseinandersetzungen benötigt eine Gesellschaft Wege, Menschen voreinander zu schützen. Wege, die gleichzeitig eine fortlaufend konstruktive, aufgeschlossene, gewaltfreie Kommunikation garantieren, da Kommunikation die Basis gesellschaftlicher Kooperation ist. Nur Kommunikation ermöglicht die Einbeziehung der Bedürfnisse und Bestrebungen eines jeden einzelnen Menschen. Kommunikation und Kooperation sollten niemals abgebrochen werden.

Langfristig haben wir als Menschheit gar keine andere Wahl als zu kooperieren, wenn wir ein friedliches Miteinander ermöglichen wollen – zusammen auf einem Planeten, in einer einzigen globalen Gesellschaft. Folglich müssen wir ausführlich miteinander kommunizieren, um gesellschaftliche Kooperation zu einem Erfolg zu machen. Das heißt nur gut koordinierte Kommunikation und Forschung ermöglicht die gezielte Gestaltung gesellschaftlicher Strukturen, welche wiederum das Wohlergehen der globalen Gesellschaft ermöglichen.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Die globale Gesellschaft ist sich der Wissenschaftlichen Denkweise und der Wichtigkeit von aufgeschlossener, gewaltfreier Kommunikation, Kooperation und Koordination, als Basis zur Gestaltung einer globalen Gesellschaft in Frieden, nicht bewusst. Heutzutage sind gesellschaftliche Strukturen vornehmlich auf Entscheidungsfindung ausgelegt. Wir kennen Hierarchien, Organigramme und Führung. Wir haben Parlamente, Regierungen und Abteilungen. Zusätzlich haben wir Konzepte zur Durchführung von Abstimmungen und Wahlen. Leider hat die globale Gesellschaft bis heute nicht verstanden, dass ausführliche Kommunikation und Forschungsprozesse eine wichtige Basis zur Findung von Lösungen bilden. Entscheidungsfindung sollte nur als Teil dieses Prozesses gesehen werden.
Es sind die Strukturen zur Entscheidungsfindung, auf die sich viele Menschen konzentrieren. Viele Menschen, die Posten zur Entscheidungsfindung besetzen, wie z.B. Politiker oder Manager, fokussieren sich auf Abstimmungen, Wahlen, Kampagnen und Möglichkeiten, Wettstreiter zu übertreffen. Wie man sieht, macht es die heutige globale Gesellschaft genau umgekehrt: Entscheidungsfindung dominiert Kommunikation und Forschung. Der derzeitige Ansatz zur Organisation der Gesellschaft; der derzeitige Weg, Bedürfnisse und Bestrebungen zu koordinieren, wird nicht zu einem globalen Wohlergehen führen.
Im Vergleich zu etablierten Strukturen zur Entscheidungsfindung sind die offiziellen Kommunikationsstrukturen der globalen Gesellschaft entweder unzureichend oder gar nicht vorhanden. Sogar in sogenannten „modernen Industriestaaten“ haben Bürger oft nur einen offiziellen Weg, eigene Bedürfnisse zu formulieren bzw. auf gesellschaftliche Konflikte hinzuweisen: Durch das Wählen eines Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen, die ähnliche Ansichten zu vertreten scheinen. Offensichtlich sind wir uns nicht über den Stellenwert von Kommunikation bewusst. Dieser Mangel an Kommunikationsstrukturen begünstigt das Entstehen von Einsamkeit bzw. Abgeschiedenheit, Frustration, Wut, Neid, Hass, Leid und anderen unangenehmen Gefühlen bzw. Geisteszuständen und manifestiert sich in Demonstrationen, Streiks, Anschlägen und Amokläufen.
Die Möglichkeit zu individueller, zufriedenstellender Kommunikation ist unabdingbar für gesellschaftliche Kooperation. Jeder Mensch braucht die Möglichkeit, persönliche Probleme, Vorstellungen und Bestrebungen so kommunizieren zu können, dass sie oder er verstanden werden kann. Die Möglichkeit zu individueller, zufriedenstellender Kommunikation bedeutet, in der Lage zu sein, Schwierigkeiten, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und daraufhin die bestmögliche Unterstützung der Gesellschaft zu erhalten, die zu diesem Zeitpunkt möglich ist. Eine Gesellschaft sollte jedes einzelne Problem, jede einzelne Idee und jede einzelne Ansicht mit in Betracht ziehen. Das heißt nicht, dass eine Gesellschaft jeden einzelnen Menschen nach dessen Meinung zu jedwedem Problem befragen muss. Aber es heißt, bestehende Kommunikationsmöglichkeiten nicht zu erschweren – z.B. wie sie zwischen einer Mutter und ihrem Kind existieren. Wenn eine Frau von ihrem Umfeld dazu gebracht wird, von ihrem Kind entfernt zu sein, z.B. weil sie Geld verdienen muss, verliert das Menschenkind eine Chance, mit dem Mitmenschen zu kommunizieren, der ihm wohl am nächsten steht. Situationen wie diese sollten vermieden werden. Wir denken, dass sie für Menschen nicht gut sind und somit auch nicht für eine Gesellschaft.
Leider vermeiden viele Menschen Kommunikation, weil sie für sich Nachteile sehen, wenn sie bestimmte, persönliche Probleme ansprechen, mit denen sie konfrontiert sind. Dies sind Nachteile, die sie in ihrer Vergangenheit erfahren haben. Beispielsweise haben viele Menschen Angst davor, den Job zu verlieren, wenn sie sich über Probleme am Arbeitsplatz aussprechen. Die Gesellschaft sollte bestrebt sein, Umgebungen zu schaffen, in denen Angst vor Kommunikation nicht existiert.

Aufgrund dessen, dass sich die Menschheit auf das Treffen von Entscheidungen spezialisiert hat, haben wir Institutionen, die einschreiten, wenn sich gesellschaftliche Konflikte in Gewalt ausdrücken (z.B. Polizei und Rechtsanstalten). Aber anstelle Kommunikation aufrecht zu erhalten, wird Kommunikation von diesen Institutionen oft vermieden oder sogar verboten. Noch dazu werden Menschen von diesen Institutionen verurteilt, isoliert und sogar getötet. Wenn die Gesellschaft den Dialog mit Menschen unterbricht, die evtl. ein Problem mit gesellschaftlichen Strukturen haben, dann ignorieren wir die wohl offensichtlichste Möglichkeit, gesellschaftliche Konflikte zu verstehen. Ohne solche Konflikte zu verstehen, wird die globale Gesellschaft nicht in der Lage sein, an der Auflösung und Vorbeugung von Konflikten zu arbeiten und folglich wird es der Menschheit unmöglich sein, eine globale Gesellschaft in Frieden zu erleben.

Es scheint, dass sogar viele Wissenschaftler der heutigen Zeit die Wissenschaftliche Denkweise nicht mit vollem Bewusstsein anwenden. Unserer Ansicht nach bedeutet Wissenschaft jede mögliche Information zu verwenden, wenn es darum geht, etwas zu erforschen bzw. zu entwickeln. Jede widersprüchliche Ansicht zu einer Theorie ist eine Information und muss diskutiert werden. Deshalb sind Wissenschaftler in unseren Augen geradezu aufgefordert, so aufgeschlossen wie nur möglich zu sein. Sie sollten versuchen, ihre Ansichten und Erklärungen so verständlich wie möglich zu kommunizieren, anstatt widersprüchliche Aussagen zu verwerfen oder sogar als „unsinnig“ abzustempeln.
Die derzeitigen Bedingungen für wissenschaftliches Arbeiten verkomplizieren heutige Forschungsprozesse. Ein Großteil wissenschaftlicher Arbeiten wird von Journalen und Kongressen abgelehnt, welche folglich nicht zur gesellschaftlichen Entwicklung genutzt werden können. Aufgrund von finanziellen Problemen müssen sich Wissenschaftler sogar um finanzielle Unterstützung kümmern, indem sie unsagbar viele Projektanträge schreiben. Sie können sich folglich nicht voll und ganz auf ihre eigentlichen Vorhaben konzentrieren.

Nichtsdestotrotz hat sich durch die Entwicklung des Internet und mobiler Telekommunikation eine Unmenge an Möglichkeiten zum Austausch von Informationen aufgetan. E-Mail, SMS, Instant Messaging, Foren, Soziale Netzwerke und Blogs ermöglichen es der globalen Gesellschaft, in einem nie dagewesenen Ausmaß zu kommunizieren. Vorrangig ist es die junge Generation, die mit solchen Technologien vertraut ist. Diese Technologien erlauben es, Informationsflüsse sehr viel effizienter zu verwalten, als das noch vor einigen Jahren möglich war. Für diejenigen, die eher selten in Berührung mit solchen Kommunikationstechnologien gekommen sind, ist es auch eher schwer zu erfassen, welche Möglichkeiten sie bieten, um sie für die gesellschaftliche Entwicklung anzuwenden.
In den meisten Fällen bleibt aber die effektivste und auch schönste Kommunikation, unserer Ansicht nach, jene, bei der sich alle Kommunikationspartner in die Augen sehen können.

Letztendlich sind es nicht Technologien, auf welche die Menschheit wartet, um gesellschaftliche Defizite zu beseitigen. Es ist vielmehr das Verständnis über die Wichtigkeit von Kommunikation, Kooperation und Koordination innerhalb der Gesellschaft, welches die nachhaltige Entwicklung von Lösungen ermöglichen würde – im Großen wie im Kleinen. Lasst uns miteinander kommunizieren!

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Regeln und Gesetze sind die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft.“

Dem können wir nicht zustimmen. Regeln und Gesetze, sowie auch Rechte, können eine Unterstützung für eine gemeinsame Richtung der Gesellschaft sein. Und sie können sogar eine Orientierung zur Organisation der Gesellschaft bilden. Dennoch beseitigen Regeln und Gesetze nicht die wirklichen Ursachen gesellschaftlicher Defizite, die Anreize geben, wie z.B. andere Menschen zu verletzen. Regeln und Gesetze liefern selten Methoden, die der Umsetzung ihrer Ziele dienlich sind. Anstelle dessen funktionieren Regeln und Gesetze mithilfe von Strafe und Belohnung. Weder Strafe, noch Belohnung helfen dabei, eine Problemsituation zu beseitigen, sondern dienen lediglich dazu, Menschen von destruktiven Reaktionen, in Folge frustrierender Umstände und systembedingter Mängel, abzuhalten. In vielen Fällen sind Strafen, die im Falle einer „Straftat“ angewendet werden, zur Abschreckung konzipiert, um Menschen schon vom Gedanken an eine solche Handlung abzuhalten. Wir denken, dass das keine Lösung sein kann, weil die Gründe, andere Menschen nicht zu verletzen, selten von denen, die „Böses“ tun, nachvollzogen werden können. Und auch wenn sie verstanden haben, dass es „schlecht“ ist, so zu handeln, wie sie gehandelt haben, zeigen Regeln und Gesetze selten Wege auf, wie diese Personen eigene Bestrebungen umsetzen, eigene Ziele erreichen oder eigene Bedürfnisse befriedigen können, ohne andere zu verletzen.
Folglich sehen wir, je mehr Regeln und Gesetze wir etablieren, um Menschen davon abzuhalten, „falsch“ zu handeln, desto besser werden Menschen darin, „falsche“ Handlungen zu verschleiern, um ihre Bestrebungen umzusetzen.
Regeln und Gesetze sind außerdem sehr statisch. Sobald sich ein Umstand geändert hat, braucht eine Gesellschaft viel Zeit, um eine Regel anzupassen oder zu streichen. Eine Vorgehensweise, die in einer Situation funktioniert, kann in einer anderen sehr destruktive Auswirkungen haben. Beispielsweise versucht die Regel „Gehe nicht bei rot über die Straße!“, Unfällen vorzubeugen. Eine Ärztin, die einem Menschen auf der anderen Straßenseite helfen könnte während die Ampel rot ist, steht in einem Konflikt. Sie würde illegal handeln, wenn sie die Regel brechen und zur anderen Straßenseite hinüber eilen würde. Andere Gesetze versuchen wiederum diesen Regelbruch zu legalisieren, damit die Ärztin ihrer Pflicht nachgehen kann. Offensichtlich, ist das derzeitige Rechtssystem in unserer globalen Gesellschaft sehr verwirrend und frustrierend, weil man ständig darüber nachdenken muss, ob man im Einklang mit dem Gesetz handelt oder nicht.
Wir denken, dass eine Gesellschaft freier und flexibler ist, je weniger Regeln existieren. Die globale Gesellschaft sollte eher versuchen, Gründe zu eliminieren, die Menschen dazu bringen, andere Menschen zu verletzen bzw. destruktiv zu handeln, indem sie freie Bildung, freie Kommunikation und eine zufriedenstellende Organisation und Bereitstellung von Ressourcen ermöglicht, um Verständnisse und Informationen auszutauschen. Verständnisse und aufgeschlossene Kommunikation bilden die Basis einer funktionierenden Gesellschaft, nicht Regeln und Gesetze.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zur Wissenschaftlichen Denkweise).

Bildung

English

Was ist Bildung? Im weiteren Sinne ist Bildung jeder Vorgang oder jede Erfahrung, durch die Geist, Charakter oder körperliche Fähigkeiten eines Individuums geformt werden. Sobald wir äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, erfahren wir unsere Umwelt – bewusst und unterbewusst. Wir lernen!
Zum Beispiel lerne ich etwas über Vorgänge im Straßenverkehr, wenn ich fahrende Autos beobachte. Schwimme ich in einem See, erlebe und erfahre ich Eigenschaften des Wassers. Wir lernen unser ganzes Leben lang. Über Bildung zu sprechen, bedeutet also folglich, die gesamte Umgebung eines Menschen über seine gesamte Lebenszeit hinweg in Betracht zu ziehen. Im engeren Sinne definieren wir Bildung wie folgt:

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Bildung ist die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten.

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Jedes Individuum eignet sich Wissen und Fertigkeiten an, um in der Lage zu sein, eigene Bedürfnisse zu befriedigen, Vorhaben zu realisieren oder Probleme zu lösen. Lernen ist demnach ein Prozess, den ein jeder Mensch durchläuft, um Glück und Zufriedenheit zu erlangen.

Frage: Welche Voraussetzungen ermöglichen es einem Menschen, effektiv zu lernen?
Ein Mensch kann neue Informationen am besten aufnehmen, wenn sein Interesse seiner inneren Motivation entspringt. In unseren Augen zeigen Kinder einen schier unendlichen Strom innerer Motivation, die sich dadurch ausdrückt, dass sie die eigene Umgebung erkunden oder versuchen, gesammelte Erfahrungen zu verstehen. Dinge, die Neugier entstehen lassen, motivieren den Menschen dazu, Fragen zu stellen, Experten zuzuhören, Informationen zu sammeln und eigene Fertigkeiten weiterzuentwickeln (→ Die Wissenschaftliche Denkweise). Der einzige, der einen Menschen bilden kann, ist dieser Mensch selbst. Andere können nur benötigte Unterstützung anbieten (z.B. in Form von Informationen, Werkzeugen, Raum zum Üben, usw.). Bildung ist ein vom Individuum gewählter Prozess.

Grafik eines Modellbildungsystems

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Die obige Abbildung zeigt, dass die Gesellschaft dem Individuum Bildung ermöglicht, und zwar über den gesamten Weg bis hin zur Erreichung persönlicher Ziele. Dieses Modell eines Bildungssystems unterstützt das Individuum bedingungslos und ohne dafür einen Gegenwert zu verlangen, da jeglicher Prozess, der ein Individuum daran hindert, Wissen und Fertigkeiten zu erlangen, innewohnende Motivation verringern, wenn nicht sogar auslöschen kann (→ Menschliches Verhalten). Diese Interpretation von Bildung harmoniert mit dem Ideal einer Modellgesellschaft (→ Werte).

Frage: Wie lernt ein Mensch am besten?
Da sich jeder Mensch in Wissen, Erfahrung, wie auch Biologie unterscheidet, lernt jeder Mensch verschieden. Dennoch, je mehr Sinne durch Bildung angesprochen werden, desto besser kann ein Mensch neue Informationen aufnehmen. Deshalb sollte Bildung so nah wie möglich am Thema bzw. dem Objekt des Interesses stattfinden. Folglich sollte die globale Gesellschaft folgendes anstreben:

Jeder Mensch sollte Zugang zum Wissen der Menschheit haben, welches in Bibliotheken, Museen, auf virtuellen Plattformen und vielen anderen Medien zu finden ist. Die globale Gesellschaft sollte es einem jeden Einzelnen ermöglichen die Welt zu bereisen. Es ist außerdem notwendig, dass es jedem möglich ist, Wissen und Fertigkeiten in die Praxis umzusetzen. Des Weiteren sollte die globale Gesellschaft dafür sorgen, dass jeder Mensch Kontakt mit jenen aufnehmen kann, die Wissen und Fertigkeiten vermitteln wollen.

Frage: Wer ist daran interessiert, anderen Menschen Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln?
Verfolgt ein Mensch eine Sache mit leidenschaftlichem Interesse, ist es oft so, dass die- oder derjenige liebend gern Gedanken darüber teilt. Nahezu jeder, der sich mit einer bestimmten Sache beschäftigt – vom Anfänger bis zum Experten – teilt Erfahrungen und Wissen mit anderen. Unserer Erfahrung nach ist das Weitergeben von Wissen und Fertigkeiten dann höchst befriedigend und sogar mit Freude verbunden, wenn der Lernende wahrlich interessiert ist.

Auf dem Verständnis aufbauend, dass das Interesse des Lernenden der wichtigste Faktor für einen effektiven Lernprozess ist, präsentieren wir folgende Richtlinien, die sich als geeignet erwiesen haben, Menschen in ihrem Bildungsprozess zu unterstützen:

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Bildung sollte begeistern, motivieren und inspirieren,
indem Neugier, Kreativität, Scharfsinn und Einfallsreichtum gefördert werden.

Eigenmotivation, die unserer Ansicht nach jedem Menschen innewohnt, sollte unterstützt und gefördert werden. Der eigenen Neugier und den eigenen Interessen folgen zu können, ist der effizienteste Weg zu lernen.
Sich auf Dinge zu konzentrieren, die einen begeistern, sorgt für ausreichend Elan, um selbst komplexe Probleme zu lösen. Diese Begeisterung und dieser Einfallsreichtum müssen unterstützt und gefördert werden, um Menschen in die Lage zu versetzen, ihr ganzes Leben lang effektiv lernen zu können.

Bildung sollte praxisorientiert sein.

Für einen erfolgreichen Verlauf sollte Bildung mit Gefühlen und Sinnesempfindungen kombiniert werden. Folglich sollten Bildungssysteme die gesamte Welt erfahrbar machen. Das heißt, beispielsweise nicht nur über Wüsten zu sprechen, indem man sie auf Karten studiert, sondern auch in diese Wüsten zu reisen, um sie erleben zu können. Menschen lernen am effektivsten und können sich am besten an Dinge erinnern, wenn neue Informationen mit selbst kreierten bzw. erfahrenen Gefühlen, Bildern und Eindrücken verbunden sind. Und am besten kann man sich ein eigenes Bild von etwas machen, wenn man das Objekt des Interesses sieht, hört, riecht, berührt, spürt, fühlt, also hautnah erlebt.

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Wissen und Fertigkeiten sollten auf verständliche Art und Weise kommuniziert werden.

Beschreibungen und Anleitungen sind eher nutzlos, wenn sie in „kryptisch“ geschrieben sind und niemand „kryptisch“ lesen kann. Wissen sollte in möglichst einfacher Art und Weise präsentiert werden. Fertigkeiten sollten so weitergegeben werden, dass sie der Lernende mit Leichtigkeit verstehen, üben und anwenden kann. Je besser ein Individuum etwas verinnerlicht, desto einfacher kann sie oder er den Bildungsprozess fortführen.

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Die globale Gesellschaft sollte alle existierenden Informationen zur Verfügung stellen.

Wenn Informationen nur zum Teil verfügbar sind, ist es sehr schwer oder gar unmöglich, Schlussfolgerungen aus ihnen zu ziehen, um nachhaltige Lösungen für Probleme zu entwickeln. Je mehr Informationen abrufbar sind, desto besser kann der Einzelne eigene Untersuchungen oder Projekte darauf aufbauen.

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Das ganzheitliche Verständnis von Verbindungen und Abhängigkeiten
zwischen einzelnen Themengebieten sollte Teil von Bildung sein.

Das Universum existiert als Einheit. Folglich ist alles irgendwie mit etwas anderem verknüpft. Deshalb sehen wir es als wichtig an, die verschiedenen Aspekte nicht nur separat, sondern auch ihre Wechselbeziehungen zu betrachten.

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Die folgenden Beispiele sollen die von uns genannten Punkte veranschaulichen:

  • Ich interessiere mich für Elefanten. Erlebe ich Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung, kann ich mir eine plastische Vorstellung vom Leben eines Elefanten machen. Über Fragen und Ideen, die während der Beobachtung entstehen, spreche ich mit Elefantenexperten und jenen, die sich, wie ich, für Elefanten interessieren.
  • Ich möchte Französisch lernen. Neben Büchern, Filmen und der Teilnahme an Sprachkursen sind Unterhaltungen mit Menschen, die französisch sprechen, der beste Weg, um Französisch zu lernen. Demnach ist es sehr hilfreich, Personen finden zu können, die mich unterrichten bzw. sich einfach nur mit mir unterhalten wollen. Vielleicht kann ich ihnen wiederum meine Muttersprache näher bringen.
  • Ich möchte lernen, Klarinette zu spielen. Das heißt zunächst, dass ich das Instrument selbst und einen Ort benötige, an dem ich üben kann, ohne andere zu stören. Inspiriert durch Besuche von Konzerten erfahrener Klarinettisten, oder deren Tonaufnahmen, kann ich meine Fertigkeiten mit Hilfe von jenen entwickeln, die das Instrument bereits spielen. Darüber hinaus wäre es interessant, etwas über die Materialien zu erfahren, aus denen eine Klarinette gefertigt wird bzw. eine Idee davon zu bekommen, wie ein Ton in ihr entsteht.
  • Ich strebe an, Vorgänge in Computersystemen zu verstehen. Zugang zu gut geschriebenen Büchern und ähnlichen Informationsquellen, Gespräche mit Physikern, Informatikern, Programmierern und Ingenieuren und die Möglichkeit, solche Prozesse durch Experimente zu erleben, ermöglichen es mir, mein Wissen darüber so effektiv wie möglich zu erweitern. Zusätzliche Informationen über Energieverbrauch und notwendige Materialien zur Herstellung eines Computersystems würden mich für Wechselbeziehungen zwischen Computertechnologie und den Ressourcen der Erde sensibilisieren.

Fazit: Durch den Einsatz effektiver Kommunikations- und Organisationssysteme (→ Technologie) sollte es das Bildungssystem jedem Einzelnen ermöglichen, Quellen des Wissens, Trainingsmöglichkeiten und Individuen finden zu können, die ihre Erfahrungen teilen wollen. Werkzeuge, die für den Bildungsprozess benötigt werden (z.B. Bücher, Stifte, Computer, spezielle Ausrüstung), sollten vom Wirtschaftssystem bereitgestellt werden (→ Umgang mit Ressourcenknappheit).

Jeder Mensch interessiert sich für die Welt, die uns umgibt bzw. innewohnt. Mit dem Erscheinen auf dieser Welt denken wir über sie nach. Wir entdecken eigene Bedürfnisse und erkennen, dass uns die Befriedigung dieser Bedürfnisse Glück und Zufriedenheit bringen kann. Dieser Prozess muss nicht zwangsläufig bewusst durchlaufen werden. An dieser Stelle jedoch beginnen wir, uns für Bildung zu interessieren. Bildung – als die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten – dient der Befriedigung von Bedürfnissen und der Realisierung von Träumen und Vorstellungen (→ Grundlegende Verständnisse).

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Es bestehen große Unterschiede zwischen Bildung, wie oben beschrieben, und Bildung in unserer heutigen Gesellschaft. Die Gesellschaft versteht Bildungsinstitutionen (wie z.B. Schulen) oftmals als Pflicht und „zwingt“ Menschen dazu, sich Wissen anzueignen, welches von anderen ausgewählt und mit statischen, nicht-individuellen Methoden gelehrt wird.

Spricht man über Bildung, wird oft gesagt, dass es wichtig ist, Menschen zu unterrichten, um sie „gesellschaftsfähig“ zu machen. Was heißt es, „gesellschaftsfähig“ zu sein? Es könnte bedeuten: „Es ist wichtig, lesen und schreiben zu können“, „Es ist wichtig, gewissen Verhaltensregeln zu folgen“, oder „Jeder muss etwas lernen, um Arbeit zu finden, um die Familie ernähren zu können.“
Menschen, die Bildung auf diese Weise interpretieren, führen oftmals weiter aus, dass es wichtig ist, den folgenden Generationen gesellschaftliche Werte weiterzugeben. Sie nennen dabei Werte wie „Es ist notwendig, höflich, gebildet und hart im Nehmen zu sein, um ein gutes Leben führen zu können.“, „Es ist wichtig, fleißig zu sein!“, oder „Stehlen ist falsch!“. Oftmals schließen sie mit: „Es gibt Familien, deren Kinder doch nur Dummheiten machen würden, wenn es die Schulpflicht nicht gäbe.“

Frage: Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, das nicht auf Wettbewerb basiert? Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, in dem Qualität und Nachhaltigkeit von größerer Bedeutung sind als das Ziel, so hart wie möglich zu arbeiten? Was wäre, wenn wir uns in einem Umfeld bewegen würden, in dem es nicht notwendig ist zu stehlen, um in den Genuss von Waren und Dienstleistungen zu kommen? Und schließlich: Was wäre, wenn unsere Kinder sich in einem Umfeld bewegten, das ihrer Neugier gerecht wird, weil es Unmengen Spiel-, Entdeckungs- und Experimentiermöglichkeiten bietet? Ist es wahrscheinlich, dass Kinder herumlungern, nichts tun und darüber hinaus Dummheiten in einer Umgebung begehen, die attraktive Bildungsangebote in Musik, Naturwissenschaften, Tanz, Sport, Photographie, Malerei, Sprachen, Werken, Technologie und auf allen anderen noch erdenklichen Themengebieten ermöglicht?

Wie man sieht, ist die Art der Werte, zu deren Vermittlung sich eine Gesellschaft gezwungen fühlt, davon abhängig, in welchem Umfeld die Mitglieder der Gesellschaft aufwachsen. Wächst ein Individuum in einem Umfeld auf, in dem man nicht stehlen oder jemandem weh tun muss, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, könnte es sogar unnötig sein, Werte wie die oben genannten aktiv zu vermitteln.

Wie dem auch sei: Heutige Bildungssysteme behandeln selten Verständnisse, die das Potential haben, den Planeten zu einem sichereren Ort zu machen. Dies sind u.a. Verständnisse über die Wichtigkeit von Kommunikation oder Verständnisse über Wechselbeziehungen innerhalb der Gesellschaft. Weiterhin fördern derzeitige Bildungssysteme eher selten Kreativität und kritisches Denken. Im Gegenteil versuchen heutige Bildungssysteme in Tests, Arbeiten und Klausuren „richtig“ und „falsch“ festzulegen. Dabei wird allzu oft der Gesamtkontext vergessen. „Richtig“ und „falsch“ werden als alleinige Wahrheit präsentiert. Das offenbart ein fehlendes Verständnis innerhalb der Gesellschaft bezüglich Wahrheit: Die gemeinsame Wahrheit von Bildungsinstitutionen ist weder mehr noch weniger wichtig als die persönliche Wahrheit eines Individuums (→ Grundlegende Verständnisse).
Anstatt Lernende zu „korrigieren“, sollten Bildungssysteme sich darauf konzentrieren, dem Individuum diese gemeinsame Wahrheit zu erläutern, damit es selbst entscheiden kann, ob sie oder er diese Wahrheit ebenfalls teilt.
In Bildungsprozessen, die nicht vom Individuum gewählt wurden, könnte jegliche Art von Beurteilung (z.B. durch die Nutzung von Zensuren) inneren Leistungsdruck erzeugen. Leistungsdruck, oder jegliche Erwartung seitens der Gesellschaft gegenüber einem Individuum, könnte negative Erfahrungen im Zusammenhang mit Bildung hervorbringen. Beispielsweise könnte es dazu führen, dass Menschen Angst davor bekommen, Fehler zu machen, obwohl eigene Fehler eine wichtige Komponente des Bildungsprozesses sind.
Außerdem vermeiden unsere derzeitigen Bildungssysteme oftmals Kooperation, wenn sie Leistungen verlangen, die von jedem Lernenden in Einzelarbeit erbracht werden sollen. Das steht im Gegensatz zur Kernidee von Gesellschaft, da Gesellschaft selbst ein Synonym für Kooperation ist. Diese Vermeidung des Miteinander kann Misstrauen und Unehrlichkeit der Lernenden untereinander fördern und dem Willen zu gegenseitiger Unterstützung entgegen wirken. Die Angst davor, bewertet und beurteilt zu werden, wenn man etwas „falsch“ macht, kombiniert mit der Erfahrung durch mangelnde Unterstützung, „allein gelassen“ zu werden, erzeugt oft sehr negative Erfahrungen im Zusammenhang mit Bildung.
Negative Erfahrungen bezüglich Bildung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum Interesse verliert. Wie bereits erwähnt, ist das Interesse eines Individuums der wichtigste Faktor für jeden Lernprozess. Dies bedeutet, dass die Art und Weise des Umgangs der heutigen Gesellschaft mit Bildung Menschen eher vom Lernen abhält, als sie in ihrem Lernwillen zu unterstützen.
Viele Menschen sprechen nun über die unzähligen „faulen“ Menschen in der Welt. In unseren Augen hatten diese „faulen“ Menschen im Laufe ihres Lebens verschiedenste Interessen, welche nicht in die begrenzenden Rahmen unserer heutigen Bildungssysteme passten. Ihrer Neugier wurden Schranken gesetzt.
Neugier kann unterdrückt werden, wenn Erwachsene zu Kindern sagen: „Sei still!“, „Hör auf zu träumen!“ oder „Nerve jemand anderen damit!“. Neugier kann verschwinden, wenn eine Familie kein Geld hat, um sich Bücher zu leisten, oder den Besuch im Zoo bzw. Museum zu finanzieren. Finanzielle Schranken scheinen mit das größte Hindernis für Bildungsprozesse in unserer heutigen Gesellschaft zu sein.

Gleichermaßen sollte hervorgehoben werden, dass Wissen aus Wettbewerbsgründen von Unternehmen zurückgehalten bzw. in Patenten abgelegt werden muss. In einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz und Wettbewerb basiert, sind Patente notwendig, um einem Erfinder exklusive Kontrolle über eine Idee und deren Nutzung einräumen zu können. Patente jedoch erschweren den freien Wissensaustausch und damit Bildung.

In unseren Augen sind heutige Bildungssysteme selten so konzipiert, dass sie den Bildungsprozess eines Individuums optimal unterstützen. Eher begrenzen sie die Möglichkeiten, sich Wissen und Fertigkeiten anzueignen als individuellen Interessen entgegen zu kommen. Wenn Bildungssysteme Angebote schaffen würden, anstatt Neugier und Interesse zu vernichten, wären Menschen in der Lage, sich über das ganze Leben hinweg Wissen und Fertigkeiten aneignen zu können.

In der jüngeren Vergangenheit sind mit der Verbreitung von Kommunikationsstrukturen wie dem Internet eine unvorstellbare Menge an Bildungsangeboten entstanden, die nun für Menschen mit Internetzugang verfügbar sind. Hier erzählen Menschen auf Blogs von ihren Erfahrungen, erläutern interessante Ideen auf Videoplattformen oder schreiben Wissen in der Wikipedia nieder. Darüber hinaus erleichtern Suchmaschinen die Recherche von Wissensquellen. Soziale Netzwerke vereinfachen es, mit Menschen in Kontakt zu treten, die ähnliche Interessen verfolgen wie man selbst. Diese Kommunikationsstrukturen erlauben einen Wissensaustausch über den gesamten Planeten hinweg und sind somit der Beginn eines globalen Bildungssystems. Ein globales Bildungssystem, in dessen lokalen Bildungseinrichtungen Menschen zusammenkommen können, um miteinander zu reden, zu diskutieren, zu kreieren, zu analysieren, zu üben und um einfach alles das zu teilen, was sie möchten, wann immer sie möchten.

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

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„Es ist unmöglich jeden auf den gleichen Bildungsstand zu bringen.“

Dem stimmen wir zu. Wir sind alle verschieden. Jeden auf den gleichen Bildungsstand zu bringen ist in Systemen wichtig, die auf Konkurrenz und Wettbewerb fußen. “Chancengleichheit” ist hierbei eine Größe, die von der Gesellschaft angestrebt wird. Jeder soll hinsichtlich dem „Wettlauf um Ressourcen“ vom gleichen Ausgangspunkt starten können, damit sich niemand benachteiligt fühlt oder sogar gegen andere wendet. Aber wahrscheinlich ist es in einem System, welches Kooperation dem Wettbewerb vorzieht, nicht nötig, jeden auf einen ähnlichen Bildungsstand zu bringen.
Wir sind alle verschieden. Und auch wenn unser aller Leben auf identischen Grundprinzipien basiert (z.B. atmen, essen, schlafen, usw.), sind wir immer noch sehr verschieden, in der Art und Weise wie wir denken, fühlen und folglich auch lernen. Unsere verschiedenen Interessen und die Vielfältigkeit unserer Ideen sind genau das, was das Leben miteinander so interessant und farbenfroh macht. Anstatt alle „so gleich wie möglich“ machen zu wollen, sollte die globale Gesellschaft anstreben, die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen zu erfüllen, damit Menschen ihre Verschiedenheiten bestaunen und genießen können, anstatt sie fürchten zu müssen.

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„Fehler zu machen, zeugt von Schwäche.“

Das ist weniger eine Meinung und mehr eine Einstellung. Eine Einstellung, die oft sehr destruktive Konsequenzen mit sich bringt. Wenn die Gesellschaft „Fehler“ mit „Schwäche“ gleichstellt, kann dies – insbesondere in einer Wettbewerbsgesellschaft – Menschen dazu bringen, sich davor zu fürchten, Fehler zu machen. Diese Angst kann den Lernprozess eines Menschen verlangsamen und ihn dazu bringen, weit mehr Fehler zu machen, als es ohne diesen sozialen Druck der Falle wäre. Menschen, die Angst davor haben, etwas falsch zu machen, sind oft nicht gut darin, sich neue Dinge anzueignen. Man muss eben darauf vorbereitet sein, den „falschen Weg zu gehen“, um den „richtigen Weg“ zu finden.
Solche Aussagen implizieren darüber hinaus, dass es ein allgemein gültiges „richtig“ und ein allgemeingültiges „falsch“ gibt. Von unserem Standpunkt aus gesehen ist das nicht der Fall. „Richtig“ und „falsch“ stehen stets in einem Kontext: Laut zu sein ist richtig, wenn jemand eine Oper singen möchte. Laut zu sein ist falsch, wenn jemand nachts in einem Kinderkrankenhaus arbeitet. Es ist weder richtig noch falsch an sich. Laut zu sein, kann erst in einem Kontext betrachtet in richtig oder falsch eingeordnet werden. Und auch dann: Die Entscheidung über richtig und falsch, angemessen und unangemessen, resultiert aus der eigenen Wahrheit eines jeden Einzelnen (→ Grundlegende Verständnisse).
Es ist folglich sogar „richtig“ und wichtig, Fehler zu machen, wenn sie den Lernprozess voranbringen. Schließlich kann ein „Fehler“ Quelle neuer Beobachtungen und Ideen sein, wie es oft in der Entwicklung der Wissenschaft der Fall ist.

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Weiteres Informationsmaterial gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links zu Bildung).

Werte

English

Um über Werte in einer Gesellschaft reden zu können, müssen wir zuerst die Bedeutung von „Gesellschaft“ definieren. Definition: Eine Gesellschaft repräsentiert eine Gruppe von Individuen, die miteinander in Verbindung stehen. Da jeder Mensch direkt oder indirekt mit jedem anderen Menschen auf der Erde in Verbindung steht, ist ein jeder Mensch Teil der globalen Gesellschaft (→ Grundlegende Verständnisse). [1]
Frage: Was ist das Ziel einer Gesellschaft? Warum sollten Menschen daran interessiert sein, sich zusammenzuschließen, um miteinander in Verbindung zu stehen?
Jeder Mensch hat Bedürfnisse [2]. Eine Gruppe von Menschen könnte in der Lage sein, diese Bedürfnisse effektiver zu befriedigen als ein einzelner Mensch allein es kann. Aus diesem grundlegenden Verständnis heraus schlussfolgern wir, dass der Zweck einer jeden Gesellschaft die Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder ist. Folglich sollte ein Wert unserer globalen Gesellschaft wie folgt lauten:

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„Die globale Gesellschaft ist bestrebt,
die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen.“
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Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Freiheitsradius eines jeden Menschen so weit wie möglich ausgedehnt werden, ohne den Freiheitsradius eines anderen Menschen zu begrenzen. Ein einzelner Mensch muss in der Lage sein, sich frei entfalten zu können, ohne irgendein anderes Mitglied der Gesellschaft in seiner Freiheit zu beschneiden.
Zur Ausdehnung des Freiheitsradius muss es einer Gesellschaft gelingen, durch effektive Kommunikation und Organisation folgende Beziehung zwischen den einzelnen Mitgliedern zu ermöglichen:

„Dein Vorteil ergibt sich aus meinem Vorteil,
der sich wiederum aus deinem Vorteil ergibt.“

Um sich ein besseres Bild davon machen zu können, wie wir diesen Wert verstehen, veranschaulichen wir diese Wechselbeziehung in den folgenden Beispielen:

  • Der Anreiz andere aufgrund von Hunger zu verletzen, um Nahrungsmittel zu stehlen, sinkt dramatisch, wenn jeder satt ist.
  • Ich kann meine Untersuchungen auf deine Untersuchungen stützen. Je besser die Bedingungen für deine Forschungsarbeiten waren, desto besser könnten meine Forschungsergebnisse ausfallen. Auf diesem Wege könnte ich zu Erkenntnissen gelangen, die dir wiederum beim Lösen deiner Probleme helfen.
  • Eine Technikerin, die auf einer Ölbohrinsel arbeitet, kann sich, unter optimalen Arbeitsbedingungen, voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren. Das verringert die Wahrscheinlichkeit für Ölhavarien. Ein nicht-verschmutzter Ozean ermöglicht es einem Fischer, gesunden und nahrhaften Fisch anzubieten – jedem Menschen und folglich auch der Familie der Technikerin.
  • Meine Lebensqualität ist höher, wenn du eine gute Bildung erfährst, da du somit interessante Ideen für deinen eigenen Nutzen, und somit den Nutzen eines jeden anderen umsetzen kannst.
  • Ich kann dir zur Seite stehen, um dich zu trösten, wenn du harten Zeiten entgegen siehst, falls meine Lebensumstände es mir gestatten, mir Zeit für dich zu nehmen.

Modellgesellschaft

Das obige Schema veranschaulicht eine Organisationsform, die wir als Modellgesellschaft bezeichnen würden. Es zeigt zwei Individuen. Diese Individuen haben individuelle Ziele. Beide leben innerhalb der Gesellschaft. Folglich führen ihre Wege durch die Gesellschaft hindurch, falls die Gesellschaft sie bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützt (z.B. bei der Aneignung von Wissen, beim Erlangen von Nahrung, Wasser, Energie, Kommunikationsmitteln, usw.).
Je besser die Gesellschaft das Individuum unterstützt, desto besser und schneller könnte das einzelne Individuum ihr bzw. sein persönliches Ziel erreichen. Auf dem Weg zum Ziel trägt das Individuum aktiv durch die Entwicklung von Ideen, Methoden, Verständnissen und technischen Lösungen zur Gesellschaft bei. Gleichzeitig trägt das Individuum bei, indem es anderen dabei hilft zu verstehen, zu entwickeln, zu kreieren, zu üben, oder indem es andere Menschen passiv zur Gestaltung von Kunst, Musik, Poesie oder anderen Formen des Ausdrucks inspiriert (→ Bildung). Dabei kann nie allgemeingültig festgelegt sein, was ein wertvoller Beitrag ist und was kein wertvoller Beitrag ist. Sogar das scheinbar bedeutungsloseste Detail kann einen Beitrag darstellen, der einem anderen Individuum in dessen Bestreben nach persönlicher Zufriedenheit hilfreich sein kann.
Sollte die Gesellschaft zufriedenstellende Unterstützung gewährleisten, gibt es wenige Gründe für destruktive Beiträge, weil das Individuum seinem persönlichen Ziel folgen kann (→ Menschliches Verhalten). Das heißt, dass die Mehrheit der Beiträge konstruktiv ist und somit nahezu alle Beiträge anderen Mitgliedern als Grundlage zur Realisierung der persönlichen Ziele hilfreich sein können. Dies ist unser Verständnis vom Ideal einer funktionierenden Gesellschaft.
Die Artikel „Die Wissenschaftliche Denkweise“, „Technologie“ und „Umgang mit Ressourcenknappheit“ geben eine Vorstellung davon, auf welche Art und Weise wir einer solchen Gesellschaft näher kommen könnten.

Um ein Gesellschaftssystem zu ermöglichen, welches sich so nah wie möglich an dieses Ideal anlehnt, müssen sich unserer Ansicht nach folgende Werte in der globalen Gesellschaft etablieren:

„Das Wohlbefinden anderer ist so wichtig
wie mein eigenes Wohlbefinden.“

Mein Wohlbefinden ist stark mit dem Wohlbefinden anderer verknüpft. Gibt es Menschen in meiner Umgebung, die andere gewaltsam ausrauben, könnte auch ich ein Opfer von Kriminalität werden. Es könnte sein, dass diese Menschen deshalb andere ausrauben, weil sie nicht ausreichend Zugriff auf Güter und Dienstleistungen haben. Das könnten Güter wie z.B. Nahrungsmittel sein. Folglich hängen meine Sicherheit und mein persönlicher Frieden sehr stark vom Wohlbefinden meiner Mitmenschen ab.
Sich zu ernähren ist ein menschliches Bedürfnis. Und genauso wie Nahrungsmittel werden Güter und Dienstleistungen zur Befriedigung von Bedürfnissen bereitgestellt. Unter diesem Gesichtspunkt glauben wir auf der sicheren Seite zu sein, wenn wir sagen, dass Menschen andere Menschen oft deshalb ausrauben, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen bzw. ihre Träume und Vorstellungen umzusetzen. Deshalb sollten wir an einer Gesellschaft interessiert sein, die sich um die individuellen Bedürfnisse aller Menschen kümmert.

„Die Ressourcen der Erde sind das gemeinsame Erbe
aller Menschen dieser Welt.“

Die Ressourcen der Erde sind nur begrenzt verfügbar. Wir Menschen benötigen diese Ressourcen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Alle Menschen haben Bedürfnisse. Einige dieser Bedürfnisse teilen wir mit anderen, einige nicht. Diese Welt ist eine Welt. Nur wenn wir die Ressourcen der Erde verantwortungsvoll nutzen, können wir ein friedliches und angenehmes Leben auf diesem Planeten ermöglichen. Angewandt auf geistige Ressourcen bedeutet es, keine künstlichen Barrieren zu errichten, um den Austausch von Informationen nicht zu erschweren. Es bedeutet außerdem, existierende Ideen und Vorschläge nicht zu ignorieren, sondern in Betracht zu ziehen, um Lösungen für Konflikte zu finden, mit denen wir konfrontiert werden.

„Es ist nicht wichtig schnell Entscheidungen zu treffen,
es ist wichtig nachhaltige Lösungen zu finden.“

Entscheidungen zu treffen, bedeutet nach unserer Ansicht,  Umstände eines Problems als gegeben zu akzeptieren. Entweder sind diese Umstände nicht untersucht, sie können aus den momentanen Verständnissen heraus nicht geändert werden oder es gibt nicht ausreichend Zeit dafür. „Lösungsfindung“ bedeutet das Problem in seiner Ganzheit mit allen, einhergehenden Wechselbeziehungen zu betrachten. Es bedeutet alle Hintergründe möglichst umfangreich zu hinterfragen, um das Problem zu lösen. „Lösungsfindung“ bedeutet jegliches, verfügbares Verständnis und jede Expertise in Betracht zu ziehen. Weiterhin bedeutet es mit so vielen, involvierten Menschen wie möglich zu sprechen, um die gesamte Problemkomplexität herauszuarbeiten. Dieses Vorgehen erhöht die Chance eine Lösung zu entwickeln, die den Bedürfnissen eines jeden gerecht wird.
Ein Beispiel: Ich leide unter Kopfschmerzen und suche einen Arzt auf. Der Arzt bietet mir an Kopfschmerztabletten einzunehmen oder eine Kur zu machen. Beide Möglichkeiten könnten mir für eine mittelfristige Zeit gut bekommen. Dennoch können meine Kopfschmerzen Folge von sozialem Druck oder emotionalem Stress im Job sein. Eventuell habe ich eine negative Einstellung mir selbst oder dem Rest der Welt gegenüber. Oder ich bin nicht in der Lage meine Zeit effizient einzuteilen. Vielleicht habe ich Probleme mit Freunden oder meiner Familie, ohne mir im Klaren darüber zu sein. Auf lange Sicht ist es nötig die Komplexität des Problems in seiner Ganzheit zu verstehen, um eine nachhaltige Lösung zu entwickeln.

„Es ist leichter, zu lernen mit Veränderung umzugehen,
als sie zu fürchten.“

Alles ist ständig im Wandel. Die Jahreszeiten wechseln. Die Zellen unseres Körpers erneuern sich stetig. Die Umgebung, in der wir leben ändert sich. Während der Lebenszeit entwickelt und formt sich der Charakter eines Menschen, und folglich ist die Gesellschaft in stetigem Wandel.
Das heißt Furcht vor Veränderung kann nicht gesund sein. In unseren Augen, kann es hilfreich sein Veränderungen und ihre Gründe zu verstehen, um in der Lage zu sein, negative Veränderungen zu vermeiden und positive Veränderungen zu begünstigen.

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—– Ein kurzer Vergleich mit unserer heutigen Gesellschaft (2012) —–

Beobachtet man die globale Politik, die globale Presseberichterstattung und die globale Wirtschaft, dann scheint es nicht so, dass sich die globale Gesellschaft ihrer selbst bewusst ist. Wir denken in „Nationen“ und „Unternehmen“. Somit sind die oben beschriebenen Werte weder verbreitet noch werden sie bewusst von der Gesellschaft angestrebt. Genauer gesagt ist heutzutage jeder Mensch weit davon entfernt, optimale Unterstützung seitens der Gesellschaft zu erfahren. Jeder muss sich um die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse kümmern, egal ob direkt oder ob indirekt über den „Verdienst von Geld“. „Nationen“ und „Unternehmen“ konkurrieren miteinander um „Marktanteile“. Wir, Individuen, konkurrieren miteinander um zufriedenstellende „Jobs“. Wenn ich viel „Geld“ habe, kann es sein, dass du nicht eine einzige Münze hast. Offensichtlich basiert mein Vorteil weitestgehend auf deinem Nachteil.
Sogar Menschen, die Zugriff auf viel „Geld“ haben, können sich nicht frei auf dem Planeten bewegen, solange er aufgrund von Gewaltkonflikten mit Gefahren gepflastert ist. Des weiteren müssen alle Menschen ständig den Erhalt ihres „Wohlstandes“ sicherstellen. Und letztendlich  werden alle Menschen unter den Folgen des Klimawandels und den Folgen von Umweltverschmutzungen leiden, die die Qualität von Nahrungsmitteln, Wasser und Atemluft negativ beeinflussen.
Stellen wir uns eine Welt vor, in der kein Bewusstsein über die Vorteile einer Gesellschaft existieren. Genauer: Stellen wir uns eine Welt vor, in der sich jeder Einzelne ausschließlich aus eigener Kraft um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse kümmern muss (z.B. Nahrung, Wasser, Behausung, Kleidung, usw.). In solch einer Welt hat niemand Zeit, sich um komplexere Untersuchungen zur Vereinfachung von Prozessen zu kümmern. Zum Beispiel würde Technologie wie der „Bleistift“ in solch einer Welt nicht existieren. Ein wundervolles Werkzeug, welches Künstler nutzen, um atemberaubende Bilder zu zeichnen, welches Designer nutzen, um neue Ideen zu entwickeln und welches jeder von uns nutzt, um Gedanken aufzuschreiben.
Dennoch ist uns das oben beschriebene Ideal nicht unbekannt. Wir leben es verstärkt in unseren Familien und Freundeskreisen. Zumeist funktionieren solche Gesellschaftsstrukturen schon heute in dieser Form, wenn der Mensch die Mitglieder der Gesellschaft überblicken kann und den Auswirkungen seines Handelns direkt ausgesetzt ist. So kommt es vor, dass ganze Dörfer und Sportteams füreinander sorgen, um zusammen das gemeinsame Leben so angenehm wie möglich zu gestalten bzw. gemeinsame Ziele zu erreichen. Begegnet man zwei sich anlächelnden Menschen auf der Straße, hat man eine solche Gesellschaft in kleiner Form entdeckt.
Unser Fazit: Ein funktionierendes Gesellschaftssystem ist nützlich und wunderbar für das Leben eines jeden Einzelnen, wenn die Vorteile durch alle Mitglieder wahrgenommen werden können.

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—– Mythen und Meinungen —–

In unseren Gesprächen und Vorträgen haben wir Mythen und Meinungen gesammelt, die uns regelmäßig zum Thema Gesellschaft begegneten. Einige dieser Aussagen sind unter den Menschen unserer heutigen Welt sehr weit verbreitet. Wir möchten euch zu einigen dieser Aussagen unsere Ansicht darlegen.

„Es ist wichtig, dass jeder etwas zur Gesellschaft beiträgt.“

Dies ist heutzutage eine weit verbreitete Meinung.
Frage: Ist es wichtig beizutragen, egal auf welche Art und Weise beigetragen wird? Eines der Probleme der heutigen Zeit ist, unserer Ansicht nach, der Zwang etwas beitragen zu müssen, um die eigenen Ideen anschließend umsetzen zu können. Wenn die Gesellschaft ihre Mitglieder dazu drängt, etwas beizutragen, um sich den „Lebensunterhalt zu verdienen“, sind Menschen oft gezwungen etwas zu tun, was sie nicht sonderlich interessiert. Das kann dazu führen, dass destruktiv zur Gesellschaft beigetragen wird, z.B. durch die Teilnahme an organisierter Kriminalität, dem Handeln von Waffen oder der Zerstörung des Regenwaldes, um fruchtbares Land zu gewinnen.
Wir denken es ist wichtig, dass das Gesellschaftssystem Menschen in die Lage versetzt, wählen zu können, ob sie eher gar nicht beitragen wollen, als dass sie auf wissentlich destruktive Art und Weise beitragen müssen.

„Warum sollten andere von meiner Arbeit profitieren,
ohne im Gegenzug etwas zu tun?“

Wenn jemand etwas aus innerer Motivation heraus und nicht aus Pflichtgefühl tut, dann profitiert derjenige schon allein davon, dass er selbst dieser Tätigkeit nachgehen kann. Diese Form der Beschäftigung ist uns heutzutage als „Freizeitaktivität“ vertraut. Der Fakt, dass andere von den eigenen Projekten profitieren, ist dann ein Bonus, kein Problem. Das liegt daran, dass die Motivation, einer solchen Tätigkeit nachzugehen, aus der eigenen Leidenschaft heraus entspringt, die jemand für diese Tätigkeit hegt, nicht aus dem Bedarf heraus sich das Leben „verdienen“ zu müssen. Wenn einem nötiges Wissen, Werkzeuge und Mittel zur Aneignung von Fertigkeiten durch die Gesellschaft bereitgestellt werden, kann die Möglichkeit, angeeignete Erkenntnisse mit allen anderen teilen zu können, als sehr angenehm empfunden werden.

—– Zitate und Literaturhinweise —–

[1] – „[…] tausend von Person zu Person spielenden momentanen oder dauernden, bewussten oder unbewussten verübergehenden Beziehungen, die uns unaufhörlich zusammenknüpfen […]“ – Georg Simmel, 1908, „Das Problem der Soziologie
[1] – “Diese Wechselwirkungen bedeuten, dass aus den handelnden Individuen eine Gesellschaft wird.” – Rolf Denker,  1961, „Individualismus und mündige Gesellschaft“, S.20

[2] – “Das Leben ist […] das Sein, das nur etwas hat, nämlich Bedürfnisse.” – José Ortega y Gasset

[3] – “Unabdingbare Voraussetzung einer solchen, persönlichen Aufgaben- und Glückssuche wäre allerdings eine vernünftige Regelung des Zusammenlebens der Staaten in einer Friedensordnung der Welt.” – Rolf Denker,  1961, „Individualismus und mündige Gesellschaft“, S. 78