Der Gesellschaft-Verständnis-Kreis

English

Während unseren Recherchen und Gesprächen mit Familie, Freunden und vielen anderen Mitmenschen, ist uns aufgefallen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Menschen stark auf einzelne Themengebiete spezialisiert sind. Das hat oft zur Folge, dass vielen die Zeit und Kraft fehlt, ihre Spezialisierung zurück in den Gesamtkontext zu fügen, um einen Überblick zu erhalten. “Gesellschaft” ist ein sehr komplexes und umfangreiches Thema, da es so ziemlich alles behandelt, was uns im Leben begegnet. Um das Verständnis von Gesellschaft in ihrer Ganzheit zu vereinfachen, haben wir den “Gesellschaft-Verständnis-Kreis” entwickelt. Dies ist ein Werkzeug, um auf einfachem Wege Wechselwirkungen innerhalb einer Gesellschaft nachvollziehen, und somit grundlegende Gegebenheiten und deren Konsequenzen ausfindig machen zu können. Er kann helfen, Gründe für soziale Konflikte herauszuarbeiten und Lösungen zu entwickeln.

Gesellschaft-Verständnis-Kreis

Der “Gesellschaft-Verständnis-Kreis” ist in sieben Themengebiete aufgeteilt. Diese Themen sind alle miteinander verknüpft. Heutzutage sprechen wir oft über Politik, Wirtschaft, Bildung, Entwicklung und viele andere Themengebiete, als wären sie völlig getrennt voneinander. Der “Gesellschaft-Verständnis-Kreis” soll veranschaulichen, dass alle Themengebiete, die die Funktionsweise unserer Gesellschaft beeinflussen, eng miteinander verknüpft sind und folglich Wechselwirkungen aufeinander ausüben.

Eine bewusst gestaltete Gesellschaft – Die Erläuterung eines Schemas

English

Eine bewusst gestaltete Gesellschaft ist bestrebt, jedem einzelnen Menschen in seiner Suche nach Glück und Selbsterfüllung zu unterstützen. Der Mensch ist Basis und Ziel einer solchen Gesellschaft. Eine bewusst gestaltete Gesellschaft begreift den Planeten Erde als gemeinsamen Lebensraum. Eine solche Gesellschaft kommuniziert das Verständnis, dass das Wohlergehen eines jeden Menschen über die Gesellschaft mit dem Wohlergehen aller anderen Menschen in Verbindung steht. Eine solche Gesellschaft kommuniziert das Verständnis, dass das Wohlergehen eines jeden Menschen über seine Biologie mit dem Wohlergehen des Planeten verknüpft ist.

Eine bewusst gestaltete Gesellschaft
Der Mensch. Der Mensch formt verschiedenste Gedanken über sein Dasein und sein Leben. Jeder Mensch entwickelt eine individuelle Sicht auf seine Umgebung und lässt daraus individuelle Träume und Vorstellungen entstehen. Diese lassen ihn individuelle Projekte und Pläne erdenken (z.B. auf Grund von Hunger Nahrung zu finden; einen Brief zu schreiben, um zu kommunizieren; ein Haus zu bauen, um darin zu wohnen; schwimmen zu lernen, um das andere Ufer zu erreichen). Wenn der Mensch eine Idee verfolgt, macht er sich darüber Gedanken, was er benötigt, um seine Ambitionen erfüllen zu können. Der Mensch benötigt Wissen über sein Problem (z.B. allgemeine Informationen, existierende Lösungen), spezielle Fertigkeiten (z.B. wie man ein Auto fährt) und den Zugriff auf Ressourcen (z.B. Nahrung, Holz, Metall) und Werkzeuge (z.B. ein Messer, eine Brille, einen Computer). Die Gesellschaft ermöglicht die Befriedigung dieser Bedürfnisse.

Kommunikation ist der Schlüssel, um Menschen zusammenzubringen. Kommunikation, um Ansichten und Ideen auszutauschen (heute z.B.  Blogs). Kommunikation, um Wissen zu erlangen oder zu verbreiten (heute z.B. Wikipedia). Kommunikation, um andere Menschen mit ähnlichen Ansichten, Ambitionen oder Problemen zu finden (heute z.B. Suchmaschinen und Foren). Kommunikation, um Experten oder Trainer zu erreichen (heute z.B. Tutorials). Kommunikation, um den Bedarf an Ressourcen oder Werkzeugen zu übermitteln (heute z.B. Online-Shops). Kommunikation, um das Leben mit anderen zu teilen (heute z.B. soziale Netzwerke).

Die Menschheit ist vielfältig. Die Menschheit möchte essen, schlafen, genießen, lachen, sich um ihre Kinder kümmern, Sport treiben, reisen, Musik machen und noch so unvorstellbar viel mehr. Damit interessiert sich die Menschheit für die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten, sprich Bildung. Menschen, die von ihrem Tätigkeitsfeld begeistert sind, teilen ihr Wissen sehr gern und am liebsten mit Menschen, die neugierig und motiviert sind, etwas zu lernen.
Die Menschheit interessiert sich für Spiritualität, um sich inspirieren zu lassen oder Antworten zu finden, die die Menschheit selbst bisher nicht bieten kann.
Die Menschheit verbreitet Liebe. Liebe gegenüber anderen Menschen, dem Leben, der Natur und gegenüber der Erfüllung ihrer Träume. Liebe inspiriert uns. Liebe kann schmerzen. Liebe ist ein mächtiger Einfluss in jeder Gesellschaft. Liebe ist eine Basis.
Menschen, die sich aus eigener Motivation heraus mit verschiedensten Dingen beschäftigen, verlangen keine Gegenleistung für ihr Tun. Die Umsetzung eigener Vorstellungen bedarf keinen Lohnes (heute bekannt als “Freizeit”, z.B. Open Source Community, Creative Commons, Greenpeace, Ärzte ohne Grenzen, usw.).

Jeder Mensch wendet – bewusst oder unterbewusst – die wissenschaftliche Denkweise an. Aus unseren Träumen entwickeln wir Projekte und Vorhaben, analysieren unsere Probleme, sammeln Informationen und versuchen, unsere Ideen zu realisieren. Basierend auf dem Verständnis, dass wir den Planeten und das Wohlergehen der Gesellschaft pflegen müssen, entwickeln wir nachhaltige Werkzeuge und Methoden, die helfen, unsere Probleme zu lösen. Wir entwickeln Technologie, um Informationen, Ressourcen und Werkzeuge für den Nutzen aller zu organisieren. Haben wir einmal damit begonnen, solche Strukturen zu etablieren, wird der Bedarf, die Dinge zu “besitzen”, zu verschwinden beginnen. Die Mentalität des Verwendens wird die Mentalität und das Prinzip des “Eigentums” ersetzen (heute z.B. CouchSurfing, Mitfahrgelegenheiten, Öffentlicher Nahverkehr). Somit werden auch die aus “Eigentum” entstandenen Konsequenzen verschwinden (siehe “Unsere Gesellschaft”). In einer Gesellschaft, die einen hohen Grad an Ressourcenreichhaltigkeit erreicht, gibt es wenig Bedarf für Tauschmittel wie “Geld”.

Das Bild, dass wir hier zeichnen, ist ein Ideal. Jeder Musiker, Koch, Künstler, Wissenschaftler – faktisch jeder – arbeitet mit Idealen. Ideale geben Überblick und Richtung. Das Ideal der Gesellschaft sollte es sein, jeden Menschen zufriedenstellend beim Erreichen seiner Ziele zu unterstützen.
Wir werden niemals Perfektion erreichen. Perfektion ist Utopie, aber wir werden versuchen, ihr so nah wie möglich zu kommen.
Die Transition in diese Richtung hat schon begonnen. Wenn wir die Diskussion darüber in unseren Weltinstitutionen (z.B. UN, Regierungen, Unternehmen, Universitäten, Presse) etablieren, würde die Transition beschleunigt werden. Deshalb hat die Beschreibung und die Kommunikation des Ideals Priorität: Man kann nur über eine Idee und deren Umsetzung nachdenken, wenn man sie kennt.

Unsere Gesellschaft – Die Erläuterung eines Schemas

English

Unsere Gesellschaft ist vielseitig. Unsere Gesellschaft setzt sich aus vielen kleinen Teilen zu einem großen Ganzen zusammen. Jeder Einzelne ist Teil unserer Gesellschaft. Wir sind die Gesellschaft. Denn die Form des Zusammenlebens gestalten wir, und nur wir, die Menschen. Nur wenn wir unsere Gesellschaft verstehen, können wir bewusst an ihrer Gestaltung teilhaben. Der folgende Text versucht ein Gesamtbild unserer heutigen globalen Gesellschaft zu zeichnen.

Unsere Gesellschaft

Unsere Gesellschaft bezieht ihre Ressourcen von der Erde. Nahezu jegliche Ressource der Erde ist “Eigentum” eines Menschen (z.B. Bauer, Ölscheich) oder mehrerer Menschen (z.B. Nationen, Unternehmen). Der Austausch dieser Ressourcen passiert durch “Handel” oder gewaltsame Aneignung (z.B. “Krieg”). Um “Handel” zu vereinfachen, wurde “Geld” als universelles Tauschmittel eingeführt. “Geld” ist theoretisch in jede Ressource eintauschbar. Das bedeutet auch, dass “Geld” ein Anteil am “Eigentum” von Ressourcen ist. Im Prinzip sind wir alle “Miteigentümer” von Ressourcen.

Der Mensch. Der Mensch in unserer heutigen Gesellschaft lernt sehr schnell, dass er ohne “Geld” nicht existieren kann, weil er ohne Nahrung, Wasser und der Befriedigung sonstiger Grundbedürfnisse sterben würde. Um diese Grundbedürfnisse zu befriedigen, muss sich der Großteil unserer Gesellschaft um den “Verdienst” von “Geld” kümmern. Das passiert zumeist über “Arbeitsplätze”. “Eigentümer” (z.B. Unternehmen) müssen Ressourcen bergen, verwalten und verarbeiten, um sie nutzen zu können. Dafür benötigen sie evtl. weitere Ressourcen, die sie noch nicht “besitzen”. Sie müssen Waren und Dienstleistungen “handeln”. Für all das benötigen “Eigentümer” Expertise und Arbeitskräfte. So entstehen “Arbeitsplätze”. “Arbeitsplätze” werden von “Arbeitnehmern” belegt, die im Austausch für ihre Arbeit Ressourcen erhalten, meist in Form von “Geld”.
Der Mensch macht sich nicht nur über die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse Gedanken. Er philosophiert darüber hinaus über seine Existenz und das Leben. Daraus entwickeln sich individuelle Träume, Vorstellungen und Pläne. Pläne, die der Mensch von sich aus realisieren möchte. Diese Pläne könnten im Konflikt mit der beruflichen Tätigkeit, dem “Arbeitsplatz”, stehen. Da Existenzsicherung wichtiger ist als Existenzgestaltung, hat der “Arbeitsplatz” höhere Priorität. Der Mensch muss also eine Balance finden zwischen seinem “Arbeitsplatz” und seinen Vorhaben. Durch die höhere Priorität muss sich der Mensch tendenziell für den “Arbeitsplatz” entscheiden. Wenn er dennoch versucht, seinen Interessen nachzugehen und dem “Arbeitsplatz” gerecht zu werden, kann dies in “Stress” resultieren. “Stress” kann auf lange Zeit zu “Gesundheitsproblemen” (z.B. Migräne, Burn-Out) führen.
An anderer Stelle entscheidet sich der Mensch vielleicht gegen eigenmotivierte Interessen. Legt der Mensch viele seiner Interessen ab, kann es zur Entstehung von langfristiger “Trägheit” oder “Faulheit” kommen. “Trägheit” führt oftmals zu “Gesundheitsproblemen” (z.B. Mangel an Fitness, Abnahme kognitiver Fähigkeiten). Legt ein Mensch eigenmotivierte Interessen ab, verlieren dieser Mensch und die Gesellschaft ein Teil seines Potenzials. Folglich entfernt sich der Mensch tendenziell von sich selbst, wenn er eigene Träume und Vorhaben nach und nach aus den Augen verliert. Da die heutigen Bildungssysteme darauf ausgelegt sind, jungen Menschen einen “Arbeitsplatz” zu ermöglichen, kann dieser Prozess bereits im Kindesalter beginnen. Unter anderem deshalb stellen einige Menschen an einem Punkt in ihrem Leben unzufrieden fest, dass sie sich nicht mehr sicher sind, ob und wie sie ihr Dasein in Zukunft gestalten wollen (z.B. Depression, Midlife-Crisis).

Der Mensch ist nie allein. Er steht stets im Umfeld aller anderen Menschen. Seine Mitmenschen sind bzgl. des “Einkommens” entweder besser oder schlechter situiert. Ein Teil seiner Mitmenschen hat folglich weniger Möglichkeiten auf die Ressourcen der Gesellschaft zuzugreifen. Das kann zu “Neid” führen. Dieser “Neid” kann zu Gesellschaftskonflikten, wie “Kriminalität” (z.B. Diebstahl, Betrug), “Gewalt” (z.B. Raub, Mord) und langfristig zu “Hass”  führen (z.B. Rassismus, Terrorismus). All diese Auswirkungen sind potentielle Gründe für “Krieg” (z.B. Zweiter Weltkrieg, Afghanistankrieg). Konflikte dieser Art führen zu “Angst”. Diese “Angst” lässt uns eher vorsichtig mit unseren Mitmenschen kommunizieren, da wir nicht wissen, ob uns andere, mit von uns kommunizierten Informationen, schaden könnten. Wir verschließen uns eher, als dass wir uns öffnen.

“Angst” entspringt auch auf anderen Wegen der heutigen Gesellschaft. Diese sind Konsequenzen der “Profitorientierung” bzw. “Profitmaximierung”. “Profitorientierung” ist das Streben nach ausreichendem Zugriff auf Ressourcen. Mehr “Geld” zu haben bedeutet, mehr materielle Freiheit zu genießen. Es bedeutet auch, sich diese Freiheit in der Zukunft zu bewahren (“Zukunftssicherung”). Schon deshalb müssen alle Nationen, Unternehmen und Individuen Kompromisse finden zwischen “Profit” und Produktqualität (z.B. Materialqualität, Funktionsumfang, Lebensdauer des Produktes), Kundenbetreuung (z.B. Service, Bedienungsanleitungen), Umwelt (z.B. Verpackung, Entsorgung) und den Angestellten (z.B. Menge an Personal, Arbeitsschutz). Außerdem führen diese Kompromisse zu einem “Mangel an Sicherheit”, welche zu “Unfällen” führen können (z.B. Tschernobyl, Deep Water Horizon). “Unfälle” und resultierende “Verschmutzungen” führen zu weiteren “Gesundheitsproblemen”. Diese “Angst” veranlasst die Gesellschaft dazu, sich gegenseitig zu kontrollieren (z.B. TÜV, Jugendamt). Als logische Konsequenz steht Kontrolle in unserer heutigen Gesellschaft vor Vertrauen.

Alle “Ängste” beeinflussen alle Individuen in ihrem Tun. Sie sind die Basis für einen Großteil unserer “Gesetze”, mit denen die Gesellschaft versucht, einen Rahmen zu schaffen, der negative Auswirkungen eliminieren soll (z.B. StVO, Strafrecht). Viele “Gesetze” verkomplizieren das Leben und lähmen somit Prozesse in unserer Gesellschaft (z.B. Bürokratie, Flughafen-Check-In). Über “Gesetze” versucht die Politik Monopolstellungen zu unterbinden. Denn “Profitorientierung” könnte Monopolisten zur Festlegung überhöhter “Preise” ihrer Waren bzw. Dienstleistungen bewegen. Folglich stehen mehrere Unternehmen in Konkurrenz zueinander. Konsequenzen dieses Konstrukts sind aktive “Werbung” und  eine Verstärkung von “Korruption” und “Lobbyismus” – in Unternehmen, Nationen und zwischen Einzelpersonen. Außerdem führt “Konkurrenz” zum Einbehalten von Ideen (z.B. Nicht-Veröffentlichung, Patente). Dieser verringerte Wissensaustausch innerhalb der Gesellschaft verlangsamt die Entwicklung von Technologie (z.B. zur Nutzung regenerativer Energien). Und obwohl der Mensch Technologien entwickelt, damit er seine Vorhaben angenehmer und effizienter umsetzen kann, wirkt der systembedingte Zwang, jedem Menschen einen “Arbeitsplatz” zu ermöglichen, der Anwendung dieser Technologien entgegen.

Fazit: Viele Probleme unserer heutigen Gesellschaft resultieren aus dem Prinzip des “Eigentums” und damit einhergehenden Wertevorstellungen. Dieses Prinzip ist historisch gewachsen, es hat seit Anbeginn der Menschheit existiert. Denn wenn einem Menschen Verständnisse über seine Umgebung fehlen, kann er verfügbare Ressourcen nicht ausreichend effizient nutzen. Er hält an seinen Ressourcen fest, weil er glaubt, dass es ihm nicht möglich ist, Reichhaltigkeit zu herbeizuführen.
Die Konsequenzen, die hier aufgezeigt sind, gab es schon immer. Sie werden extremer, je mehr sich das “Eigentum” der Erde auf eine immer kleinere Gruppe von Menschen konzentriert und je weiter die Kluft zwischen arm und reich wächst.
Dennoch ist “Eigentum” nur ein Konstrukt zur Organisation der menschlichen Gesellschaft. Auf anderen Gesellschaftsebenen organisiert sich der Mensch auf alternativen Wegen. Zum Beispiel in seinen Familien und Freundeskreisen. Dort werden verfügbare Ressourcen möglichst allen zugänglich gemacht. Dies schafft er durch intensive KOMMUNIKATION (“Wer braucht was, wann?”) und effiziente ORGANISATION (“Wie machen wir das?”). Angewendet auf die globale Gesellschaft, könnte “Eigentum”, “Geld” und “Angst” in Zukunft eine kleinere Rolle in unserem Leben spielen.
Wie genau? Beginnen wir zu verstehen, um zu gestalten. Es ist einfacher als viele glauben. (→ “Eine bewusst gestaltete Gesellschaft”)

——

Weitere Informationen über unser derzeitiges Gesellschaftssystem gibt es auf unseren Linkseiten (→ Links).